Verbalperiphrase
Verbalperiphrase ist ein Begriff aus der Sprachwissenschaft und bezeichnet die Verbindung von zwei oder, in Ausnahmefällen, mehr Verben, die ein einziges, auch semantisch (in der Bedeutung) zusammengehöriges, Prädikat bilden. Hierbei wird mindestens ein Verb zum Hilfsverb (Auxiliar) und hat in der Periphrase (Umschreibung eines Begriffs) nur noch die Funktion, bestimmte grammatische Kategorien wie Zeitform oder Aspekt des Vollverbs anzuzeigen. Viele Sprachen – wie auch das Deutsche – machen bei der Konjugation eines Verbums sowohl von einfachen als auch periphrastischen Formenbildungen Gebrauch. In einigen Sprachen werden bestimmte Verben nur einfach, andere nur periphrastisch konjugiert (vgl. z. B. das Baskische).
Einige Wissenschaftler bezeichnen auch ein Funktionsverbgefüge als Verbalperiphrase.<ref>Verbalperiphrasen zwischen Grammatik, Lexikon und Pragmatik. – PDF-Datei</ref>
Beispiele
Im Deutschen
Im Satz Er pflegt freitags den Haushalt zu machen. ist pflegen, das in anderen Sätzen eine eigene Bedeutung (= sich um jdn. kümmern, jdn. versorgen) hat, ein Hilfsverb, das lediglich die Gesamtbedeutung modifiziert. So könnte der Satz auch mittels Adverb als gewöhnlich macht er freitags den Haushalt. formuliert werden.
Auch die zusammengesetzten Zeitformen wie Perfekt, Futur und Plusquamperfekt werden im Deutschen „periphrastisch“ gebildet, indem ein ansonsten anderen Funktionen dienendes Verb (werden, haben, sein) als Hilfsverb eingesetzt wird. Man spricht hier auch von der „analytischen“ Bildung einer Zeitform. In einem Perfektsatz wie Er hat sie gesehen ist die selbständige Bedeutung des Verbs haben, nämlich die Anzeige eines Besitzes, überhaupt nicht aktiv. Hier liegt eine noch stärker grammatikalisierte Struktur vor als im obigen Beispiel mit pflegen.
Manche Bedeutungskategorien, die in anderen Sprachen mit Verbalperiphrasen ausgedrückt werden, können im Deutschen nur durch Adverbiale markiert werden. Zum Beispiel ist die beste Entsprechung zur englischen Progressivkonstruktion („He is cleaning the kitchen“) im Deutschen das Adverb gerade („Er putzt gerade die Küche“).
In anderen Sprachen
Spanische Sprache
Im Spanischen existiert eine ganze Reihe an Verbalperiphrasen (sog. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), die (ebenso wie adverbiale Bestimmungen) zur Präzisierung des lexikalischen Aspekts des Verbs (d. h. Angabe der zeitlichen Begrenzung bzw. des zeitlichen Verlaufs der Handlung) dienen. Diese Verbalkonstruktionen können in Verbindung mit Infinitiv, Partizip oder Gerundium gebildet werden. Auch existiert, vergleichbar zum Englischen, neben dem synthetischen Futur ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ebenfalls ein periphrastisches Futur (Bildung mit ir + a + Infinitiv). Beispiele:
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Die meisten romanischen Verbalperiphrasen, hier im Speziellen im Spanischen, werden in der deutschen Sprache typischerweise durch ein Adverb oder ähnlichem wiedergegeben.
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Englische Sprache
Im Englischen z. B. gibt es neben dem analytischen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) noch das periphrastische Futur, das mit {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) gebildet und zusätzlich das nahe Bevorstehen der zukünftigen Handlung betont. Weiteres Beispiel ist die Periphrase {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), z. B. im Satz {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) Das Hilfsverb {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) wird nicht in seiner eigentlichen Bedeutung (‚etwas behalten‘) benutzt, sondern drückt eine andauernde Handlung aus, die im Deutschen mit dem Adverb ‚weiter‘, ‚weiterhin’ umschrieben wird: ‚Sie wartet weiterhin auf ihre Prüfungsergebnisse.‘
Niederländische Sprache
Im Niederländischen gibt es einige Hilfsverben, mit denen Periphrasen gebildet werden, um den zeitlichen Aspekt näher zu bezeichnen. Man kann diese Hilfsverben in zwei Gruppen unterteilen. Einerseits gibt es die Hilfsverben, die den bevorstehenden Beginn einer Handlung markieren (nur {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), andererseits solche, die den Fortgang bzw. das Andauern einer Handlung markieren ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) sowie Verben, die normalerweise als Vollverb eine Körperhaltung angeben würden: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Die Hilfsverben, die sich von einer Körperhaltung ableiten, benötigen einen Infinitiv mit {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), alle anderen brauchen kein {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value).<ref>§ 270f. In: Nederlandse spraakkunst. E. Rijpma, F.G. Schuringa, 1967, abgerufen am 27. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
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Literatur
- Willem J. Aerts: Periphrastica. An investigation into the use of εἶναι and ἔχειν as auxiliaries and pseudo-auxiliaries from Homer up to the present day. Amsterdam 1965 (Proefschrift).
- Mario Wandruszka: Deutsche und romanische Verbalstrukturen. In: Probleme der kontrastiven Grammatik. Jahrbuch 1969 von Hugo Moser (Hrsg.): Sprache der Gegenwart. (= Schriften des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim. Band VIII). Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1970, S. 53–69.
- Wolf Dietrich: Der periphrastische Verbalaspekt in den romanischen Sprachen: Untersuchungen zum heutigen romanischen Verbalsystem und zum Problem der Herkunft des periphrastischen Verbalaspekts. Band 140 Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie, Max Niemeyer Verlag, Imprint von de Gruyter, Berlin 1973, ISBN 3-484-52045-0.
Weblinks
- Claus D. Pusch, Andreas Wesch: Verbalperiphrasen zwischen Grammatik, Lexikon und Pragmatik. In: Claus D. Pusch, Andreas Wesch: Verbalperiphrasen in den (ibero-)romanischen Sprachen. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-87548-319-7, S. 1–10.
- Justo Fernández López: Perífrasis verbales. Eine Einführung. Das aspektuelle System des Spanischen – perífrasis verbales. Spanische Grammatik. www.hispanoteca.eu
Einzelnachweise
<references />
br:Troadell (yezhoniezh) cs:Perifráze hu:Körülírás mk:Перифраза sk:Perifráza