Untertullnerbach
| Untertullnerbach (Dorf) Ortschaft | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Basisdaten | ||||||
| Pol. Bezirk, Bundesland | St. Pölten (PL), Niederösterreich | |||||
| Gerichtsbezirk | Purkersdorf | |||||
| Pol. Gemeinde | Tullnerbach (KG Tullnerbach) | |||||
| Koordinaten | 48° 11′ 29″ N, 16° 7′ 25″ O
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| Höhe | 280 m ü. A. | |||||
| Einwohner der Ortschaft | 286 (1. Jänner 2016) | |||||
| Gebäudestand | 136 (2001) | |||||
| Postleitzahl | 3011 Untertullnerbach | |||||
| Vorwahl | +43/2233 (Preßbaum) | |||||
| Statistische Kennzeichnung | ||||||
| Ortschaftskennziffer | 06731 | |||||
| Zählsprengel/ -bezirk | Tullnerbach-Neuwirtshaus (32421 000) | |||||
| Ortsteile von Tullnerbach | ||||||
| Ortsteile von Tullnerbach | ||||||
| Ortschaft mit Neuwirtshaussiedlung Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS | ||||||
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Untertullnerbach ist ein Ort im Wienerwald in Niederösterreich, und Ortschaft der Gemeinde Tullnerbach im Bezirk St. Pölten.
Geographie
Das Dorf liegt im Wiental, 20 Kilometer westlich von Wien (Zentrum, 6 km von der Stadtgrenze), zwischen Neu-Purkersdorf und dem etwa 2 km wienaufwärts (westlich) gelegenen Gemeindehauptort, von dem es durch den Wienerwaldsee und den Kleinen Wienerberg getrennt ist. Es befindet sich auf etwa 270 m ü. A. an der Mündung des Tullnerbachs.
Die Ortschaft ist heute mit Neu-Purkersdorf weitgehend verwachsen, umfasst knapp 140 Gebäude mit etwa 250 Einwohnern, neben dem Dorf selbst auch in der dazugehörigen Neuwirtshaussiedlung am Talboden. Es ist der kleinste Ortsteil von Tullnerbach, welcher am östlichen Ende des Gemeindegebiets liegt.
- Nachbarorte und -ortschaften
| Irenental (Gemeinde Purkersdorf und Tullnerbach) | ||
| Tullnerbach-Lawies Schubertsiedlung | Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt | Neu-Purkersdorf (Ortschaft und Gemeinde Purkersdorf) |
| Bartberg (Gemeinde Pressbaum) | An der Stadlhütte (Ortschaft und Gemeinde Purkersdorf) | Neuwirtshaussiedlung |
Geschichte
Gasthöfe und Mautstelle der früheren Neuzeit
Die Ansiedlung an der Einmündung von Wolfsgrabenbach und Tullnerbach in die Wien wurde zunächst als Stadlhütte bezeichnet,<ref>In jüngeren Ausgaben der ÖK50 und der basemap.at ist die Siedlung gegenüber der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme und der NÖ-Administrativkarte viel zu weit nordöstlich verortet.</ref> nach dem gleichnamigen, an der Straße nach Wolfsgraben gelegenen Wirtshaus Stadlhütte Nr. 1 (heute An der Stadlhütte 9, Neu-Purkersdorf), welches auch die Wiener gerne besuchten.<ref name="schweickhardt" /> Der größte Teil dieser Ortschaft gehörte zum heutigen Neu-Purkersdorf. Gleich am Tullnerbach befindet sich auch die Abzweigung ins Irenental und zum Postberg. Hier (Tullnerbachstraße 136–138, Neu-Purkersdorf) stand seit dem 16. Jahrhundert auch eine Mautstation,<ref>Das Schloß Neulengbach in Oesterreich unter der Enns. In: Franz Sartori: Die Burgvesten und Ritterschlösser der österreichischen Monarchie. Neunter Theil. Zweite gänzlich umgearbeitete und vermehrte Auflage. Michael Lechner, Wien 1840, 9. und 10. Teil (books.google.at).</ref> die ab 1897 ein Gasthaus beherbergte, ab 1975 Gasthaus Tiapal, welches 2002 einem Firmengebäude gewichen ist.<ref>Tullnerbachstraße 138 – Gasthof Tiapal. In: purkersdorf-online.at. 3. Mai 2024, abgerufen am 29. März 2026.</ref>
Der heute Untertullnerbach genannte, kleinere Teil der Stadlhütte hieß im 19. Jahrhundert Neuwirtshaus (Umbenennung 1977). Das namensgebende Wirtshaus lag ab 1780 an der Hauptstraße 5 (Ecke Badgasse). Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts führten es die Familie Kiesling und Hosemann,<ref>Holz. In: Wiener Zeitung, 13. April 1879, S. 778 (online bei ANNO).</ref><ref>Tullnerbach. In: Neulengbacher Zeitung / Wienerwald-Bote, 29. November 1913, S. 5 (online bei ANNO).</ref> und ab 1972 bewirtschaftete es die Familie Schödl. Im Jänner 2018 wurde das Gasthaus abgerissen, um eine Wohnhausanlage zu errichten. Von den im Jahre 1833 12 Häusern der Stadlhütte lag nur das Haus Nummer 2 im heutigen Unter-Tullnerbach und war somit schul- und pfarrmäßig zu Pressbaum zugehörig.<ref name="schweickhardt">Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens. Viertel unter dem Wienerwald:
3. Band, Wien 1831: S. 87, „Lawis“;
6. Band, Wien 1833: S. 136, „Stadlhütte“; S. 181, „Strohzogel“ (heute heißt die Straße zum Gasthof Rieger so); S. 283, „Tulnerbach“ (heute Irenental); Wegemaut ist bei Tullnerbach und Stadlhütte erwähnt</ref>
Westbahn-Haltestelle Unter Tullnerbach
Mit dem 1858 erfolgten Bau der Westbahn durch die k.k. privilegierte Kaiserin-Elisabeth-Bahn beginnt der Aufschwung des Tals. Es wurde damals die Haltestelle Unter-Tullnerbach eingerichtet, die auf 288 m ü. A. am sonnseitigen Talhang liegt und nach dem heute als Irenental bezeichneten historischen Ortskern Unter-Tullnerbach benannt wurde, wohin ein beträchtlicher Fußmarsch erforderlich ist. Die Haltestelle liegt aber heute im Gemeindegebiet Purkersdorf, oberhalb der Ortslage Neu-Purkersdorf.
Interessant ist die am Eingang zum Irenental liegende Villenansiedlung auf dem Postberg. Der Wiener Stadtmaurermeister Franz Peydl (1848–1915) gründete die Villenbau-Unternehmung Purkersdorf-Untertullnerbach und errichtete dort in den Jahren 1906–1913 etwa zwölf Villen. Er selber wohnte gemeinsam mit seiner Frau, der Postmeisterin Anna Peydl (1864–1940), in der Postvilla (Friedrich Schmidl-Straße 4), in der sich bis 1987 auch das Postamt Untertullnerbach befand.
Der Wienerwaldsee zwischen Lawies und Unter-Tullnerbach wurde in den Jahren 1895–1898 aufgestaut, womit der Ort vom Gemeindehauptort getrennt wurde, und daher Richtung Purkersdorf wuchs. So entwickelte sich die heutige Neuwirtshaussiedlung im Tal. Das Wientalwasserwerk selbst befindet sich, mit dem Untertullnerbach gegenüberliegenden Eingang zum Wolfsgraben, auf Purkersdorfer Gemeindegebiet knapp unterhalb des ehemaligen Wirtshauses Stadlhütte.
1908 wurde an der Wien, bei der Tullnerbachmündung, ein Bad errichtet, welches 1991 abgebrochen wurde. Spätestens ab den 1970er Jahren war es immer an Gesellschaftsorganisationen im Umfeld von UNO-Organisationen verpachtet und wurde als Club geführt. Die Badgasse, welche von der Hauptstraße zum Eingang des Bades führte, erinnert noch heute daran.
Ortsgeschichte in der Republik Österreich
Um 1924 gründete der Schmiedemeister Adolf Radl (1885–1928) die Freiwillige Feuerwehr Untertullnerbach und war auch ihr 1. Hauptmann. Nach 75 Jahren vereinte sie sich 1999 mit der Freiwilligen Feuerwehr Tullnerbach Lawies und zog mit ihr 2004 in das neue, gemeinsame Mehrzweckhaus am See.
Im Jahre 1938 wurden die Wiesen des Herrn Kiesling hinter seinem Gasthof parzelliert. Die Wiesengasse erinnert heute daran. Besonders ab den 1970ern begann die Bautätigkeit auf diesen Gründen, die sich auch in der Haus- und Einwohnerstatistik niederschlägt.
Ab 1. August 1940 gab es in der damals den Jesuiten gehörenden Villa Storta in der Heinrich-Uebell-Gasse 2 am Postberg eine eigene Gottesdienststätte, und der Jesuit Alfred Billot war als Expositus angestellt. Am 26. September 1945 entband das erzbischöfliche Ordinariat die Jesuiten von der Verpflichtung, einen Expositus für Untertullnerbach zu stellen. Die Bewohner äußerten die Bitte, in der Nähe der Bahnstation eine Notkirche aufzustellen.
1946 erfolgte der Ankauf einer Holz-Baracke von der Generalpostdirektion, und ab Frühjahr 1947 begann deren Aufstellung am Beginn des Irenentals zwischen Bach und Straße auf Purkersdorfer Gemeindegebiet. Dies wurde mit Hinweis auf die große Bevölkerungszahl (zusammen mit Neu-Purkersdorf, Sagbergsiedlung und Mindersiedlung) und die schlechte Verbindung zur Pfarrkirche im Irenental begründet. Mit 1. Dezember 1947 wurde der Kaplan der Pfarre Tullnerbach, Suitbert Mahrer OSB, als erster Seelsorger zugeteilt, und am 20. Dezember 1947 fand die Benediktion als Filialkirche „Maria im Wienerwald“ (Patrozinium 12. September, Mariä Namen) durch Josef Wagner statt. Inzwischen wurde die Kirche von Tullnerbach-Irenental, dem Kloster im Irenental oder zeitweise auch von externen Priestern betreut.<ref>Brief des Diözesanrchivs Wien an P. Kasimir, Maria im Wienerwald vom 9. Dezember 1981 oder 1982. In: Norbert Rodt: Kirchenbauten in Niederösterreich 1945-1975. Domverlag, Wien 1979, ISBN 3-85351-093-0, S. 211–212.</ref>
1973 wurde das Kress-Denkmal, das an den Flugpionier Wilhelm Kress, Erfinder der Kress’schen Luftschraube, erinnert, am Stausee neu aufgestellt. Es steht unter Denkmalschutz.
1977 wurde der Ortsteil Neuwirtshaus offiziell in Unter-Tullnerbach umbenannt. Das dort ansässige Postamt und die Bahn-Haltestelle nebenan im Gemeindegebiet von Purkersdorf trugen schon länger diesen Namen. Das Foto aus dem Jahre 1945/46 Holzsammler im Bahnhof Untertullnerbach wird immer wieder gerne bei Nachkriegs-Ausstellungen verwendet.
Mit 7. Juli 2009 wurde das 1987 eröffnete Postamt an der Hauptstraße durch den Postpartner Kaufhaus Krätzl (Inhaber Schön) ersetzt und 2012 endgültig geschlossen.<ref>Postpartner in Untertullnerbach in: WIR in Tullnerbach (Information der Sozialdemokratischen Partei Tullnerbach) 02/2009 (Sommer) (PDF; 29,3 MB), S. 2 (Weblog)</ref>
Weblinks
- 32421 – Tullnerbach. Gemeindedaten der Statistik Austria
Einzelnachweise
<references />
Katastralgemeinde: Tullnerbach
Ortschaften: Irenental | Tullnerbach-Lawies | Untertullnerbach
Marktort: Lawies | Dörfer: Irenental • Untertullnerbach | Rotten: Ameisberg • Brettwies • Erlschachen • Riedanleiten • Riederberg • Troppberg • Weidlingbach • Wilhelmshöhe | Siedlungen: Schubertsiedlung • Neuwirtshaussiedlung | Häusergruppen: Strohzogl • Norbertinum | Zerstreute Häuser: Schmeißbach
Zählsprengel: Tullnerbach-Neuwirtshaus | Irenental