Designated Marksman Rifle
(Squad) Designated Marksman Rifle (DMR/SDMR) ist der englische Begriff für ein Selbstladegewehr mit Zielfernrohr mit ausgesuchtem Lauf als Infanteriebewaffnung. Die Literatur spricht auch von „Enhanced Battle Rifle (EBR, verbessertes Kampfgewehr)“, einem ZF-Gewehr oder auch einem schweren Sturmgewehr. Es handelt sich dabei um modifizierte Ordonnanzwaffen, die darauf ausgelegt sind, die Gefechtsdistanz zwischen Sturmgewehren (bis 400 m) und dem Scharfschützengewehr (über 800 m) zu schließen.<ref name="Weisswange15">Jan-Phillipp Weisswange: Von der Wirkung her denken! Wirkmittel für den infanteristischen und abgesessenen Kampf. In: Strategie & Technik. November 2010, ISSN 1860-5311, S. 15.</ref><ref name=":0">Selbstladegewehre für den Zielfernrohr- oder Scharfschützeneinsatz. In: soldat-und-technik.de. Mittler Report Verlag GmbH, Bonn, 18. April 2023, abgerufen am 21. April 2023.</ref>
Hintergrund
Der Scharfschützentrupp setzt Selbstlader ein, wenn schnelle Folgeschüsse notwendig sind. Dies ist bei Mehrfach- oder beweglichen Zielen der Fall. In Einsätzen mit kurzen Kampfentfernungen, häufigen Stellungswechseln und hoher Dynamik können Selbstladegewehre ihre Vorteile hinsichtlich schneller Folgeschüsse und großer Magazinkapazität nutzen. Zeitgemäß sind halbautomatische Scharfschützensysteme „Semi Automatic Sniper Systems“ (SASS) oder auch als „Sniper Support Weapons“.<ref name=":0" />
Der Designated Marksman entspricht von der Konzeption her dem in der Infanteriegruppe der Bundeswehr eingebundenen Zielfernrohrschützen, der seinerzeit als Scharfschütze bezeichnet wurde. Nach heutigem Verständnis ist ein Scharfschütze intensiver ausgebildet, führt das Gefecht einem Zug unterstellt eigenständig im Rahmen seiner Kompanie und verfügt über eine auf seinen Auftrag abgestimmte umfangreiche Ausrüstung einschließlich eines Repetiergewehrs als Hauptbewaffnung. Der Scharfschütze wird von einem Beobachter, dem „Spotter“, unterstützt, der ebenfalls als Scharfschütze ausgebildet ist. Zielfernrohrschützen hingegen kämpfen alleine oder zu zweit in die Infanteriegruppe eingebunden und verfügen mit dem DMR über ein Selbstladegewehr.<ref name="Weisswange15" /> Basiert das DMR auf einem Sturmgewehr, so wird in der Regel auf dessen Möglichkeit, Dauerfeuer zu schießen, verzichtet. Anwender sollen in hochdynamischen Einsatzszenarien auf Distanzen zwischen 600 und 800 Meter Ziele jenseits des infanteristischen Halbkilometers schnell identifizieren und bekämpfen. Idealerweise entstammen diese Modelle der Standard-Handwaffenfamilie. Das erleichtert Ausbildung, Bedienung und Ersatzteilversorgung. Weiterhin erschwert es dem Gegner, den sich mit seiner Gruppe bewegenden Zielfernrohrschützen sofort zu erkennen.
Waffen
Ein häufiges Merkmal der heute genutzten DMR in westlichen Streitkräften ist die Nutzung des bereits 1953 eingeführten Kalibers 7,62 × 51 mm NATO, das gegenüber dem später eingeführten Kaliber 5,56 × 45 mm NATO größere ballistische Reserven bietet.
Deutschland
Einige Bundeswehr-Truppenteile forderten ab 2008 aus den Depots G3-Sturmgewehre an und nahmen diese mit in den ISAF-Einsatz nach Afghanistan. Neben dem serienmäßigen FERO-Z24-Zielfernrohr auf STANAG-Spannmontage nutzte die Truppe teils in Eigeninitiative angebrachte Visierungen und weitere Anbauteile, um das G3ZF an den DMR-Einsatzzweck anzupassen. Als Zwischenlösung wurden einige G3A3ZF zu G3A3ZF-DMR aptiert. Wesentliche Veränderungen sind ein auf Einzelfeuer gesperrtes Griffstück, eine Picatinny-Schiene zur Aufnahme von Zweibein, Laser-Licht-Modul und Sturmgriff sowie ein Schmidt & Bender-Zielfernrohr 3–12 × 50 PM II auf STANAG-Spannmontage.<ref name="Weisswange15" />
Das G3A3ZF wird bei der Bundeswehr durch das G27 bzw. G28 ersetzt. Beim G27 handelt es sich um eine Variante des neuen Ordonnanzgewehrs G95 im Kaliber 7,62 × 51 mm. Es wird mit derselben Visierung wie die Ordonnanzgewehre ausgegeben, einem Hensoldt ZO 4x30 i RD und einem Zeiss Victory Z-Point Rotpunktvisier. Die Kampfentfernung beträgt bis zu 600 Meter.<ref>Gewehr G27P. 19. Januar 2023, abgerufen am 14. April 2026.</ref> Das G28 ist ein Präzisionsselbstladegewehr im Kaliber 7,62 × 51 mm, geliefert mit einem neuen Zielfernrohr 3–20 × 50 von Schmidt & Bender. Dazu kommen Nachtsichtoptiken sowie ebenfalls ein Rotpunktvisier für Nahdistanzen. Die Kampfentfernung beträgt bis zu 800 Meter.<ref>Gewehr G28. 11. September 2019, abgerufen am 14. April 2026.</ref>
Israel
Das erste in Israel entwickelte DMR, welches an dessen Streitkräfte ausgeliefert wurde, ist das Galatz, eine modifizierte Version des Galil AR. Aktuell wird unter anderem das Barrett REC10 verwendet. Das IWI ARAD 7 wird derzeit in den peruanischen Streitkräften eingesetzt.
Russland
Eine DMR-ähnliche Rolle erfüllt auch das bereits Anfang der 1960er-Jahre in der Sowjetarmee eingeführte Dragunow-Scharfschützengewehr. Manchmal werden die Waffen vom Schützen mit zum Teil aus Eigeninitiative oder sogar aus eigener Anfertigung stammenden Modifikationen und Ergänzungen versehen, um sie den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Schützen anzupassen. Dazu gehören zum Beispiel Mini Red Dot Sights, das heißt Leuchtpunktzielvisiere, die sich parallel zu Zielfernrohren nutzen lassen.
Das Nachfolgemodell ist das Tschukawin-Scharfschützengewehr.
Schweiz
Die Infanteristen der Schweizer Armee verfügten ab 1955 über mit Zielfernrohren ausgestattete Karabiner 31 im Kaliber GP 11 als DMR. Ab 1957 wurde das Sturmgewehr 57 in demselben Kaliber, ab 1990 das Sturmgewehr 90 im Kaliber Gw Pat 90 beschafft. Die Sturmgewehre verfügten jeweils über ein Zielfernrohr, wenn sie als DMR eingesetzt worden sind.
Im Jahr 2012 wurde für das Armee-Aufklärungsdetachement 10 das Sturmgewehr 12 im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO als DMR beschafft. Es wurde 2020 durch das Sturmgewehr 20 von LMT in demselben Kaliber abgelöst.
USA
Als Hauptwaffensystem der Designated Marksmen dienen bei allen Teilstreitkräften des US-Militärs auf der KAC SR-25 basierende Gewehre in verschiedenen Kalibern und Ausführungen (M110, Mk11, Mk12).<ref>Corps fielding new semi-automatic sniper rifle. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. Juli 2011; abgerufen am 14. April 2026.</ref><ref>MK11 Sniper Weapon System (SWS). In: Navy SEALs. Abgerufen am 14. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>The Mk12 SPR (Special Purpose Rifle) – Small Arms Defense Journal. Abgerufen am 14. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Greg Hadley: Air Force Fields a New Rifle for Airmen Across Missions. In: Air & Space Forces Magazine. 18. April 2022, abgerufen am 14. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Beim Marine Corps stehen zusätzlich M38, eine DMR-Variante des HK416<ref name="drive">Joseph Trevithick: The USMC’s Beloved M27 Automatic Rifle Gets Another Job As The M38 Marksman Rifle. In: thedrive.com. 2. Januar 2018, abgerufen am 12. Januar 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> zur Verfügung.
Aktuell werden auch HK G27 (als M110A1) von verschiedenen US-Teilstreitkräften gestesten, um potentiell die älteren M110-Modelle zu ersetzen.<ref>Kyle Jahner: H&K confirms: This is the Army's new and improved sniper rifle. 8. April 2016, abgerufen am 14. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Air Force fielding new rifle to Airmen. In: Air Force Life Cycle Management Center. (af.mil [abgerufen am 14. April 2026]).</ref>
Literatur
- Ian Hogg: Moderne Scharfschützengewehre. Motorbuch, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-02014-9.
- Peter Brookesmith: Scharfschützen. Geschichte, Taktik, Waffen. 2. Auflage. Motorbuch, Stuttgart 2004, ISBN 3-613-02247-8.
- Jan-Phillipp Weisswange: Von der Wirkung her denken! Wirkmittel für den infanteristischen und abgesessenen Kampf. In: Strategie & Technik. November 2010, ISSN 1860-5311, S. 11 ff.
- Jan-Phillipp Weisswange u. a.: Handwaffen, Kampfmittel und Ausrüstung für den infanteristischen Einsatz. In: Wehrtechnischer Report. November 2010, Nr. 4, 2010, ISSN 0935-3100.
Weblinks
Einzelnachweise
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