Zum Inhalt springen

Frank Werneke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 4. April 2026 um 10:51 Uhr durch imported>Dk1909 (typografische Anführungszeichen korrigiert).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Frank Wernecke Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di (August 2022).JPG
Frank Werneke (August 2022)

Frank Werneke (* 5. April 1967 in Schloß Holte) ist ein deutscher Gewerkschafter und seit September 2019 Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft.

Leben

Nach seinem Realschulabschluss 1983 erlernte Werneke den Beruf des Verpackungsmittelmechanikers in einem Betrieb der Papier- und Verpackungsindustrie in Bielefeld und war danach mit Unterbrechung durch den Zivildienst in seinem Ausbildungsbetrieb bis 1993 in verschiedenen Tätigkeiten als technischer Angestellter beschäftigt. Von 1985 bis 1988 war er Bezirksjugendleiter der Industriegewerkschaft Druck und Papier in Ostwestfalen. Er gehörte dem Landesbezirksvorstand Nordrhein-Westfalen der IG Druck und Papier und nach Gründung der IG Medien deren Landesbezirksvorstand an. Ab 1993 arbeitete er als hauptamtlicher Sekretär beim Hauptvorstand der IG Medien in Stuttgart und wurde 1998 in den geschäftsführenden Hauptvorstand gewählt. Er übernahm dort die Bereiche gewerkschaftliche Betriebsarbeit sowie berufliche Bildung und war zuständig für die Branchen Verlage, Druckindustrie und Papierverarbeitung.

Beim ver.di-Gründungskongress im März 2001 in Berlin wurde Werneke in den Bundesvorstand gewählt und zugleich Leiter des Fachbereichs 8 (Medien, Kunst und Industrie). Im November 2002 wurde er vom ver.di-Gewerkschaftsrat als Nachfolger von Gerd Nies zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt<ref>ver.di Publik, Nr. 12/2002, S. 2.</ref> und auf den folgenden Bundeskongressen 2003, 2007, 2011 und 2015 jeweils in diesem Amt bestätigt. Neben der Fachbereichsleitung war Werneke in seiner Funktion auch zuständig für die Bereiche Finanzen, Selbstständige, Vermögens- und Beteiligungsverwaltung sowie Mitgliederentwicklung.<ref>Lebenslauf Frank Werneke auf verdi.de. Abgerufen am 9. Juni 2016.</ref>

Frank Werneke wurde 2018 als Nachfolger für den bisherigen Gewerkschaftsvorsitzenden Frank Bsirske vorgeschlagen<ref>Gewerkschaft ver.di: Nachfolger für Frank Bsirske steht fest. In: FAZ.net. 12. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.</ref> und wurde 2023 zum zweiten Mal mit 92,5 % der Stimmen zum Vorsitzenden von ver.di gewählt.<ref>Verdi-Chef Frank Werneke klar im Amt bestätigt. In: Handelsblatt.com. 18. September 2023, abgerufen am 19. September 2023.</ref>

Seit Beginn seiner Arbeit in einer Gewerkschaft engagiert Werneke sich auch in der internationalen Gewerkschaftsarbeit.<ref>Frank Werneke - Vorsitzender. Abgerufen am 14. September 2023.</ref>

ver.di-Vorsitzender

Als Vorsitzender ist Werneke für die Arbeit der ver.di-Grundsatzabteilung, Büro Gewerkschaftsrat, Kommunikation und Marketing, Controlling und Multiprojektmanagement, Interne Revision, Wirtschaftspolitik, Parlamentarische Verbindungsstelle sowie Europa und Internationales verantwortlich.<ref>Ein starkes Team, ver.di-News vom 18. Oktober 2019, S. 7</ref>

Nach seiner Wahl zum Gewerkschaftsvorsitzenden kündigte Werneke an, sich gegen Niedriglohn, Altersarmut und befristete Jobs einzusetzen und forderte eine Vergabe von öffentlichen Aufträgen ausschließlich an Firmen mit Tarifbindung, um Tarifverträge insbesondere in Ostdeutschland zu stabilisieren.<ref>tagesschau.de: Frank Werneke ist neuer ver.di-Vorsitzender. Abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Werneke betonte die Wichtigkeit der sozial-ökologischen Transformation als Zukunftsaufgabe der Gewerkschaften, die allerdings sozial gerecht ausfallen müsse. Er sprach sich gegen die Schuldenbremse aus, um Investitionen in den Klimaschutz zu ermöglichen, warnte jedoch vor einer Klimapolitik auf dem Rücken der Beschäftigten.<ref>deutschlandfunk.de: Neuer Verdi-Chef Werneke - Vom „Unsinn der Schwarzen Null“ Abstand nehmen. 6. Oktober 2019, abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Der ver.di-Vorsitzende führt traditionell auch die Tarifverhandlungen für die rund fünf Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund, Kommunen und Ländern.

2023 verhandelte Werneke mit ver.di die größte Tariferhöhung seit Jahrzehnten für die Beschäftigten von Bund und Kommunen heraus.<ref>"Teuerster Tarifabschluss aller Zeiten": Endlich Kompromiss im öffentlichen Dienst. 24. April 2023, abgerufen am 4. März 2026.</ref> Den darauffolgenden Tarifabschluss 2025 bezeichnete Werneke als „schwieriges Ergebnis in schwierigen Zeiten“ und stellte die Wirksamkeit der gewerkschaftlichen Warnstreiks positiv heraus.<ref>Tarifrunde Öffentlicher Dienst - Einigung. Abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Frank Werneke lehnte die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags ab und kritisierte die soziale Kürzungspolitik der großen Koalition unter Kanzler Merz. Er widersprach der Aussage, in Deutschland werde zu wenig gearbeitet.<ref>Ver.di-Chef Werneke warnt vor Ende des Acht-Stunden-Tags. Abgerufen am 4. März 2026.</ref> Um den Sozialstaat gegenzufinanzieren, formulierte Werneke mehrere Vorschläge, wie die Schaffung einer Bürgerversicherung, die Einführung einer Vermögenssteuer und die Neugestaltung der Erbschaftsteuer für Superreiche.<ref>„Herbst der Grausamkeiten“: Gewerkschaften rügen Merz und kündigen Aktionen gegen Sozialabbau an. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 4. März 2026]).</ref>

Werneke sieht bei ver.di keinen Ort für Positionen und Programmatik der AfD. Der Vereinnahmung von Betriebs- oder Personalräten durch die AfD möchte Werneke verhindern, indem er sich für den Ausschluss von AfD-Funktionären aus der Gewerkschaft einsetzt.<ref>dpa: Extremismus: Verdi-Chef: Kein Platz für Menschen mit AfD-Positionen. In: Die Zeit. 1. Mai 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 4. März 2026]).</ref>

Frank Werneke will die Gewerkschaftsarbeit von ver.di modernisieren und durch digitale Beteiligungsangebote ergänzen. Die Mitglieder sollen mehr Möglichkeiten für Rückmeldungen und Beteiligungen an der gewerkschaftlichen Demokratie erhalten. ver.di hat dazu unter anderem mit der Fraunhofer-Gesellschaft das Projekt Digitallabor Non-Profit-Organisation 4.0. ins Leben gerufen.<ref>Frank Werneke: "Wir haben fast überall Potenzial" Interview im Magazin Mitbestimmung 06/2019. Abgerufen am 11. Januar 2020.</ref>

Werneke ist seit 1982 Mitglied der SPD.<ref>Frank Werneke ist neuer Chef der Gewerkschaft Verdi</ref>

Veröffentlichungen

  • (Hrsg.): Funk und Fernsehen für alle! VSA-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-89965-330-4.
  • (u. a. Hrsg.): Grenzenlos vernetzt? Gewerkschaftliche Positionen zur Netzpolitik. VSA-Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-89965-488-2.
  • mit Christine Behle / Andrea Kocsis (Hrsg.): Überzeugt, authentisch, kämpferisch – ver.di und ihr Vorsitzender Frank Bsirske 2001 bis 2019. VSA-Verlag, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96488-045-1.
  • mit Claus Zanker (Hrsg.): Renaissance des Gemeinwohls? Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus der Pandemie. VSA-Verlag, Hamburg 2022, ISBN 978-3-96488-120-5.

Mitgliedschaften

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein