Stelzenwanzen
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| Stelzenwanzen | ||||||||||||
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| Datei:Metatropis rufescens - Voltherbroek20130905 img655.jpg | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Berytidae | ||||||||||||
| Fieber, 1851 |
Die Stelzenwanzen (Berytidae) sind eine Familie der Wanzen aus der Teilordnung Pentatomomorpha. Die Stelzenwanzen treten in allen großen zoogeographischen Regionen auf.<ref name="Schuh/Slater"/> Es sind etwa 170 Arten in ungefähr 36 Gattungen bekannt.<ref name="abrs"/> In Europa kommen 30 Arten vor.<ref name="www.faunaeur.org"/>
Merkmale
Die Tiere werden 2,5 bis 11 Millimeter lang und haben in der Regel einen langgestreckten und schlanken Körperbau, mit dünnen Beinen und Fühlern. Viele Arten sehen auf den ersten Blick wie Teichläufer (Hydrometridae) oder Raubwanzenarten der Unterfamilie Emesinae aus. Von letzteren kann man sie auf Grund ihrer fehlenden Fangbeine leicht unterscheiden. Die meisten Stelzenwanzen sind matt gelblich oder rötlich braun gefärbt und tragen keine Fortsätze oder ähnliches. Manche Arten haben jedoch bizarr geformte Dornen und Ausstülpungen am Körper.<ref name="Schuh/Slater"/> Der apikale Teil der Schenkel (Femora) und das erste Glied der Fühler sind häufig keulenförmig verdickt.<ref name="Wachmann"/>
Der Kopf der Wanzen ist nahezu kugelig, wobei die Stirnplatte (Clypeus) häufig nach vorn gezogen ist. Die Fühler liegen oberhalb einer gedachten Linie auf Höhe der Mitte der Facettenaugen und haben zurückgebildete Tuberkel. Ihr viertes Glied ist in der Regel kurz und etwas verdickt. Auch die distalen Enden der Schenkel (Femora) sind verdickt. Das Schildchen (Scutellum) ist nach hinten hin zugespitzt. Das Peritrema (die vorragende Öffnung der Stigmen) der Duftdrüse des Metathorax ist in der Regel charakteristisch hervortretend und häufig ohrförmig oder zu einem langgestreckten Dorn ausgezogen. Das Corium der Hemielytren ist normalerweise zum Teil nicht sklerotisiert. Die Stigmen des Hinterleibs befinden sich alle auf der Rückenseite (dorsal). Die Imagines haben normalerweise drei (manchmal auch nur zwei) Trichobothrien am dritten Sternum des Hinterleibs. Außerdem sind die Mediotergite am Hinterleib verwachsen. Bei den Nymphen liegen die Öffnungen der Duftdrüsen am Hinterleib zwischen dem dritten und fünften oder nur zwischen dem dritten und vierten Tergit. Die Nymphen haben in der Regel Härchen (Setae) an den Drüsen. Der Legebohrer (Ovipositor) der Weibchen ist zurückgebildet. Das siebente Sternum ist bei den Weibchen ganz. Der apikale, birnenförmige Teil der Spermatheca ist groß und eiförmig. Der distale Teil der Spermatheka, der einem Pumpenflansch ähnelt, ist gut entwickelt, der proximale Teil ist zurückgebildet oder fehlt.<ref name="Schuh/Slater"/>
Die Form der Peritremata am Metathorax, die langgestreckten und schlanken Körperanhängsel und insbesondere die Setae an den Drüsen bei den Nymphen finden sich nur selten oder gar nicht bei anderen Gruppen der Wanzen.<ref name="Schuh/Slater"/>
Lebensweise
Die Wanzen bewegen sich nur langsam. Stört man sie, legen sie ihre Extremitäten eng an den Körper an und stellen sich tot. Die Tiere ernähren sich überwiegend von Pflanzen und leben auf diesen. Viele Arten bevorzugen dabei Pflanzen mit klebrigem Drüsenhaarsekret, an dem die Tiere auch saugen.<ref name="Wachmann"/> Dies betrifft insbesondere die Familien der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae), Nachtkerzengewächse (Onagraceae), Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) und Nachtschattengewächse (Solanaceae).<ref name="abrs"/> Manche Arten leben aber auch geophil am Erdboden. Mehrere Arten der Gattung Jalysus, Neides und Berytinus leben aber zumindest teilweise räuberisch, beispielsweise von Blattläusen.<ref name="Schuh/Slater"/><ref name="Wachmann"/> Andere Arten ernähren sich saprophag von toten organischen Substanzen.<ref name="abrs"/>
Taxonomie und Systematik
Die Stelzenwanzen wurden im Laufe ihrer taxonomischen Erforschung als eigenständige Familie (wie aktuell), aber auch als Unterfamilie der Randwanzen (Coreidae) und der Bodenwanzen (Lygaeidae), bzw. als Tribus der Bodenwanzen in der Unterfamilie Cyminae<ref name="abrs"/> angesehen. Lange Zeit betrachtete man die Gruppe als mit einigen Untergruppen der Bodenwanzen (insbesondere der Unterfamilie Cyminae) als nahe verwandt. Diese Unterfamilie wurde sogar von Southwood & Leston (1954) in die Familie Berytidae integriert, was jedoch später als fehlerhaft erkannt wurde, da sich viele gemeinsame Merkmale offenbar parallel entwickelten.<ref name="Schuh/Slater"/>
Nach Henry (1997) sind die Colobathristidae die Schwestergruppe der Familie, die anhand von 82 morphologischen Merkmalen in folgende monophyletische Unterfamilien und Tribus unterteilt:<ref name="Henry"/><ref name="abrs"/>
- Unterfamilie Berytinae (vor allem östliche Hemisphäre)
- Tribus Berytini (11 Gattungen, 24 Arten; eine Gattung USA, ansonsten Alte Welt)
- Tribus Berytinini (1 Gattung, 12 Arten; Paläarktis)
- Unterfamilie Gampsocorinae
- Tribus Gampsocorini (4 Gattungen, 21 Arten; östliche Hemisphäre)
- Tribus Hoplinini (8 Gattungen 33 Arten; westliche Hemisphäre)
- Unterfamilie Metacanthinae
- Tribus Metacanthini (11 Gattungen, 70 Arten; weltweit, vor allem aber östliche Hemisphäre)
- Tribus Metatropini (1 Gattung, 12 Arten; China und Korea)
In Europa treten folgende Arten auf:<ref name="www.faunaeur.org"/>
- Apoplymus pectoralis <templatestyles src="Person/styles.css" />Fieber, 1859
- Berytinus clavipes (<templatestyles src="Person/styles.css" />Fabricius, 1775)
- Berytinus hirticornis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Brullé, 1836)
- Berytinus minor (<templatestyles src="Person/styles.css" />Herrich-Schäffer, 1835)
- Berytinus biclavatus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Geoffroy, 1785)
- Berytinus consimilis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Horvath, 1885)
- Berytinus crassipes (<templatestyles src="Person/styles.css" />Herrich-Schäffer, 1835)
- Berytinus distinguendus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Ferrari, 1874)
- Berytinus geniculatus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Horvath, 1885)
- Berytinus montivagus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Meyer-Dür, 1841)
- Berytinus setipennis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Saunders, 1876)
- Berytinus signoreti (<templatestyles src="Person/styles.css" />Fieber, 1859)
- Berytinus strangulatus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rey, 1888)
- Berytinus striola (<templatestyles src="Person/styles.css" />Ferrari, 1874)
- Gampsocoris culicinus <templatestyles src="Person/styles.css" />Seidenstucker, 1948
- Gampsocoris enslini <templatestyles src="Person/styles.css" />Seidenstucker, 1953
- Gampsocoris gatai <templatestyles src="Person/styles.css" />Günther, 1997
- Gampsocoris gomeranus <templatestyles src="Person/styles.css" />Wagner, 1965
- Gampsocoris lilianae <templatestyles src="Person/styles.css" />Josifov, 1958
- Gampsocoris panorminus <templatestyles src="Person/styles.css" />Seidenstucker, 1965
- Gampsocoris punctipes (<templatestyles src="Person/styles.css" />Germar, 1822)
- Metacanthus annulosus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Fieber, 1859)
- Metacanthus lineatus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Jakovlev, 1875)
- Metacanthus maghrebinus <templatestyles src="Person/styles.css" />Pericart, 1977
- Metacanthus meridionalis (<templatestyles src="Person/styles.css" />A. Costa, 1843)
- Metatropis rufescens (<templatestyles src="Person/styles.css" />Herrich-Schäffer, 1835)
- Neides aduncus <templatestyles src="Person/styles.css" />Fieber, 1859
- Neides brevipennis <templatestyles src="Person/styles.css" />Puton, 1895
- Neides gomeranus <templatestyles src="Person/styles.css" />Heiss, 1978
- Neides tipularius (<templatestyles src="Person/styles.css" />Linnaeus, 1758)
Belege
Einzelnachweise
<references> <ref name="abrs">Family Berytidae. Australian Biological Resources Study. Australian Faunal Directory, abgerufen am 23. Dezember 2013.</ref> <ref name="www.faunaeur.org">Berytidae. Fauna Europaea, abgerufen am 21. Dezember 2013.</ref> <ref name="Henry">T.J. Henry 1997: Monograph of the stilt bugs, of Berytidae (Heteroptera) of the Western Hemisphere. Memoirs of the Entomological Society of Washington 19: S. 1–149.</ref> <ref name="Schuh/Slater">R. T. Schuh, J. A. Slater: True Bugs of the World (Hemiptera: Heteroptera). Classification and Natural History. Cornell University Press, Ithaca, New York, 1995, S. 246.</ref> <ref name="Wachmann">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3937783291 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref> </references>
Literatur
- R.T. Schuh, J. A. Slater: True Bugs of the World (Hemiptera: Heteroptera). Classification and Natural History. Cornell University Press, Ithaca, New York, 1995.
- E. Wachmann, A. Melber, J. Deckert: Wanzen. Band 3: Pentatomorpha I, Aradidae, Lygaeidae, Piesmatidae, Berytidae, Pyrrhocoridae, Alydidae, Coreidae, Rhopalidae, Stenocephalidae. Neubearbeitung der Wanzen Deutschlands, Österreichs und der deutschsprachigen Schweiz. Goecke & Evers, Keltern 2007, ISBN 978-3-937783-29-1.