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Alpine Holding

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Alpine Holding

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | ALPINE Logo LORES.jpg
Rechtsform GmbH
Gründung 1965
Auflösung 2013
Auflösungsgrund Insolvenz<ref>Edikt abgerufen am 15. März 2015</ref>
Sitz Wals bei SalzburgDatei:Salzburg Wappen.svg Salzburg
Leitung Arnold Schiefer (Vorstandsvorsitzender)
Juan Bejar Ochoa (Aufsichtsratsvorsitzender)<ref>Alpine: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Konzernführung von ALPINE (Memento vom 11. Mai 2013 im Internet Archive)</ref>
Mitarbeiterzahl 15.294 (2011)<ref name="alpine1"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschäftsbericht 2011 (Memento vom 10. März 2013 im Internet Archive) (PDF; 12,8 MB)</ref>
Branche Bau
Website www.alpine.at
Datei:Allianz Arena 20041119 151046.jpg
Bau der Allianz Arena in München, November 2004
Datei:Baustellen Arbeiterkammer Linz und Power Tower.jpg
Bau Power-Tower Energie AG Linz, 2007

Die Alpine Holding GmbH bildete mit der Alpine Bau GmbH eine Baugruppe mit Sitz in Wals bei Salzburg, deren Kapital zuletzt vom spanischen FCC-Konzern gehalten wurde. Im Jahr 2008 war Alpine mit einer Bauleistung von rund 3,5 Mrd. Euro und 15.530 Mitarbeitern der zweitgrößte Baukonzern Österreichs. Am 19. Juni 2013 stellte sie Insolvenzantrag. Der Geschäftsbetrieb wurde eingestellt. Es bestand der Verdacht auf Wirtschaftsstraftaten im Zusammenhang mit dem Konkurs des Unternehmens.

Sie wurde 1965 von Georg Pappas und Dimitri Pappas gegründet, die Familie blieb bis 2006 Mehrheitseigentümer. Alpine übernahm unter anderem die Kapsreiter-Gruppe und Mayreder Bau. Das Unternehmen war in den Skandal um die Auftragsvergabe bei der Allianz Arena in München verwickelt.

Weitere wichtigsten Unternehmen der Konzerngruppe waren die Alpine BeMo Tunnelling, die Universale-Bau und die GPS (Grund-, Pfahl- und Sonderbau) sowie die Alpine-Energie.

Aktivitäten

Die Aktivitäten der Alpine umfassten das gesamte Spektrum des Baugeschehens. Zunächst spezialisiert auf Tief- und Straßenbau, sind im Laufe der Jahre alle Sektoren des Bauens zum Tätigkeitsfeld der Alpine geworden. Ebenso hatte sich das räumliche Arbeitsgebiet – ausgehend von Wals-Siezenheim in Salzburg – über ganz Mittel- und Osteuropa bis nach China ausgeweitet.

Datei:Linz TerminalTower Bau.jpg
2006 ArGe Terminaltower Linz: Alpine Mayreder - Porr
Datei:Donaubrücke Traismauer 5.JPG
Donaubrücke Traismauer, Fertigstellung 2010

Geschichte

Alpine wurde 1965 von den Brüdern Georg Pappas und Dimitri Pappas gegründet und begann mit anfänglich 28 Mitarbeitern. 1968 trat Dietmar Aluta-Oltyan und 1972 Otto Mierl in die Leitung des Unternehmens ein. Bereits in den 1970er Jahren entwickelte sich Alpine zu einem der größten Bauunternehmen Österreichs. Neben den Filialen und Niederlassungen in Österreich wurde Mitte der 1980er Jahre die erste Auslandsniederlassung in München gegründet. 1982 hatte das Unternehmen als erstes Großprojekt im Ausland das Kraftwerk „Potamos Nestos“ nördlich der griechischen Stadt Kavala gebaut. 1986 erwarb die Alpine die Bausparte der Kapsreiter-Gruppe samt dem Großteil ihrer Bauunternehmungen.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Geschichte des Alpine Konzerns (Memento vom 23. Juni 2012 im Internet Archive)</ref> Zuletzt unterhielt die Alpine auch Geschäftsbeziehungen in Italien, Griechenland, Tschechien, Slowakei, Polen, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, Vietnam, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Indien, Mazedonien, China und den USA.

In den Jahren 1996 bis 2005 übernahm die Alpine Bau GmbH mehrere Unternehmen. Anfang des Jahres 1996 hat die Alpine Bauges. m.b.H. eine Mehrheitsbeteiligung an der Mayreder Bau übernommen, einem traditionsreichen Unternehmen, das über mehr als 100 Jahre Erfahrung auf dem Bausektor verfügte. Im Dezember 1996 wurde die Alpine-ENergie Gesellschaft für elektrische und industrielle Unternehmungen GmbH als gemeinsames Unternehmen der Alpine-Gruppe und der Energie GmbH aus Deutschland in Linz gegründet.

2002 wurde die Universale Bau GmbH übernommen. Weiters wurden die Anteile der Familie Blättchen an der Energie GmbH übernommen, dadurch entstand die Alpine-Energie Gruppe mit Ländergesellschaften in Österreich, Deutschland, Schweiz und Luxemburg als Teilkonzern der Alpine Bau. 2005 erwarb Alpine das Unternehmen Stump Spezialtiefbau zu 100 Prozent – damit verdoppelte sich das bisherige Spezialtiefbau-Volumen. Im gleichen Jahr geriet das Unternehmen durch einen Skandal um die Auftragsvergabe bei der Allianz Arena in München in die Schlagzeilen.

Die spanische Unternehmensgruppe Fomento de Construcciones y Contratas (FCC) übernahm 2006 die Anteile der Mehrheitseigentümer- und Gründerfamilie Pappas.

Am 1. September 2007 wurde der Unternehmensname Alpine Mayreder Bau GmbH in Alpine Bau GmbH geändert. Am 1. August 2008 übernahm Alpine Bau das Spezial-Wasserbauunternehmen Wasser-, Tiefbau und Rammarbeiten GmbH Stuttgart (WaTi).

Alpine übernahm 2009 den Tiroler Tunnelbauspezialisten Beton- und Monierbau Gesellschaft m.b.H. (BeMo) mit 2008 260 Mitarbeitern und 100 Millionen Euro Umsatz. Am 17. Dezember 2009 wurde die Namensänderung dieser GmbH in Alpine BeMo Tunnelling GmbH im Firmenbuch eingetragen. Im gleichen Jahr wurde in Österreich das Joint Venture Alpine-RZDstroy von den beiden Unternehmen Joint Stock Company (JSC) RZDstroy, ein auf Bauleistungen spezialisiertes Tochterunternehmen der russischen Eisenbahngesellschaft RŽD, und Alpine Bau GmbH gegründet. Das Unternehmen strebte die gemeinsame Umsetzung von Infrastrukturprojekten in Russland, Österreich und in dritten Ländern an.

2012 übernahm die spanische FCC die restlichen Anteile von Aluta-Oltyans und besitzt somit 100 Prozent der Alpine Holding. Im Oktober 2012 wurde bekannt, dass sich Alpine in Liquiditätsschwierigkeiten befindet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Alpine Bau: Hunderte Millionen stehen auf dem Spiel (Memento vom 17. Oktober 2012 im Internet Archive), profil online, 13. Oktober 2012. Abgerufen am 6. April 2024.</ref> Diese sollen durch Liquiditätszufuhr durch die FCC sowie Kreditinstitute, Stundungen und den Verkauf von Teilen des Unternehmens (Alpine Energie/Grund-, Pfahl- und Sonderbau/Hazet) behoben werden.<ref>Alpine Bau – Aufatmen an den Bondmärkten, Format Trend, 19. Oktober 2012</ref><ref>Alpine will Unternehmensteile verkaufen orf.at, 19. Oktober 2012</ref> Am 9. November 2012 wurde ein Stillhalteabkommen mit den Banken unterschrieben.<ref>Zukunft der Alpine vorerst gesichert, orf.at, 10. November 2012</ref> Am 27. März 2013 wurde von den Konzerngesellschaften und den Gläubigern eine umfassende Restrukturierungsvereinbarung unterschrieben. Die Vereinbarung lief bis zum 31. März 2015. Die Gläubiger – rund 50 österreichische und ausländische Banken – stimmten einem Forderungsverzicht in Höhe von 150 Millionen Euro zu und der spanische Mutterkonzern FCC schießt insgesamt 246 Millionen Euro in seine Tochter ein.<ref>Schuldenschnitt bei Alpine geglückt. Der Standard vom 27. März 2013</ref>

Nachdem am Morgen des 18. Juni 2013 noch gemeldet wurde, dass die Banken offenbar einer weiteren Schuldenreduktion zustimmten,<ref>Wiener Zeitung vom 18. Juni 2013</ref> wurde am Abend gemeldet, dass die Alpine Bau Konkurs anmeldet.<ref>Meldung beim ORF</ref> Der Insolvenzantrag wurde am nachfolgenden Tag gestellt.<ref>Meldung der Salzburger Nachrichten</ref>

Das Vermögen der Alpine Bau GmbH wurden auf 661 Millionen Euro beziffert, die Schulden auf 2,562 Milliarden Euro.<ref>Insolvenzinfo der Creditreform Österreich vom 19. Juni 2013 (@1@2Vorlage:Toter Link/www.creditreform.atPDF (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2020. Suche im Internet Archive ), 84 kB).</ref> Per Ende August 2013 wurde festgestellt, dass die im Konkurs angemeldeten Forderungen über 4 Milliarden Euro betragen.<ref>KSV: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aktueller Stand ALPINE-Insolvenz (Memento vom 3. September 2013 im Internet Archive)</ref>

Für einige Bereiche der Alpine gab es regionale Auffanglösungen. So übernahm die Habau (das fünftgrößte Bauunternehmen Österreichs)<ref name="top150"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Top 150 Bauunternehmen Österreichs 2011 (Memento vom 11. Januar 2014 im Internet Archive)</ref> die Bereiche Straßenbau Ost, Straßenbau Oberösterreich und Hochbau Oberösterreich (übernommen werden ca. 820 Mitarbeiter). Der Bereich Tiefbau Salzburg ging an Hinteregger & Söhne (damit verbunden die Übernahme von ca. 100 Mitarbeitern). Swietelsky (das viertgrößte Bauunternehmen Österreichs)<ref name="top150"/> übernahm Baustellen in Kärnten, Teilen von Oberösterreich und Salzburg sowie Hochbau Ost (übernommen werden ca. 500 Mitarbeiter). Tirol und Industriebau Salzburg gingen an Hans Bodner Bau (davon betroffen ca. 400 Mitarbeiter). Weiters gab es noch drei kleinere Übernahmen.<ref name="Insolvenzticker">KSV-Insolvenzticker: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ALPINE Bau GmbH - Konzerninsolvenz (Memento vom 29. Juni 2013 im Internet Archive)</ref>

Einige Tochtergesellschaften wurden ebenfalls verkauft:

Anfang Juli stellte der Masseverwalter Antrag auf Schließung der Alpine Holding, da laut dem Gläubigerschutzverband Österreichischer Verband Creditreform (ÖVC) eine „Sanierung der Schuldnerin nicht beabsichtigt und auch nicht möglich“ sei.<ref>Alpine Holding wird geschlossen, APA-Meldung auf derstandard.at vom 9. Juli 2013.</ref>

Die Alpine Holding hatte rund 700 Mio. EUR Schulden (davon 290 Mio. aus Anleihen und der Rest im Wesentlichen aus Haftungen gegenüber Kreditgebern des Alpine-Konzerns). Das Vermögen bestand aus diversen Beteiligungen und Darlehen an Tochtergesellschaften. Die wesentliche (indirekte) Beteiligung ist die Alpine Bau GmbH.<ref>KSV-Meldung vom 2. Juli 2013: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>

Rechtsanwalt Eric Breiteneder hat 5 Manager der Alpine wegen des Verdachts der betrügerischen Krida angezeigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erste Strafanzeige nach Pleite der Alpine (Memento vom 19. Juli 2013 im Internet Archive), Wirtschaftsblatt, 17. Juli 2013</ref> Des Weiteren besteht der Verdacht, die Bilanzen der Alpine könnten unrichtig gewesen sein.<ref name="profil_130803"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Alpine-Pleite: Gutachter stieß auf Ungereimtheiten in Jahresabschlüssen (Memento vom 7. August 2013 im Internet Archive), Profil, 3. August 2013. Abgerufen am 6. April 2024.</ref>
Im November 2014 verhängte die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) gegen drei ehemalige Alpine-Manager Geldstrafen in der Höhe von je 84.000 Euro wegen Unterlassung einer Ad-hoc-Meldung über die schlechte Finanzlage des Konzerns im Jahr 2012.<ref> Insolventer Bauriese Alpine im FMA-Visier, Der Standard, 28. November 2014</ref>

Der Prozessfinanzierer Advofin hatte eine Sammelklage geprüft, sich aber dagegen entschieden, da nicht klar war, wer den Schaden zahlen könnte.<ref>Alpine: Anlegerklagen sind sinnlos, Die Presse, 20. Juni 2013</ref> Dennoch versuchte unter anderem die Rechtsanwaltskanzlei Benedikt Wallner, in Zusammenarbeit mit dem Verein für Konsumenteninformation eine solche auf die Beine zu stellen. Als Haftungsadressaten wurden neben dem Wirtschaftsprüfer, der Aufsichtsrat, die Geschäftsleitung, die betroffenen Banken und die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF gesehen.<ref name="profil_130803"/><ref>Alpine-Pleite, Benedikt Wallner Rechtsanwälte </ref> Laut einem Gutachten des Steuerberaters Manfred Biegler hätten die Banken schon 2010 über die Finanzprobleme der Alpine Bescheid gewusst.<ref>Alpine Bau-Pleite – Wussten die Banken schon 2010 über die Finanzschwäche Bescheid? Wirtschaftsblatt, 25. Juli 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Juli 2014; abgerufen am 17. September 2014.</ref> Im April 2015 wurde dann bekannt, dass jetzt doch noch ein Prozesskostenfinanzierer gefunden werden konnte (nämlich die Erste Allgemeine Schadenshilfe (EAS))<ref>https://www.schadenshilfe.com/ "Erste Allgemeine Schadenshilfe Website</ref>, der Klagen gegen Banken finanziert.<ref>Alpine Bau-Anleihen: Prozessfinanzierer unterstützt Anleger bei Klagen gegen Banken. Wirtschaftsblatt, 26. April 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Mai 2015; abgerufen am 10. Mai 2015.</ref>

Der Masseverwalter der Alpine Holding verklagte die ehemalige Muttergesellschaft der Alpine Holding, FCC, auf 186 Millionen Euro.<ref name="Klage">Alpine-Pleite: Konzernmutter FCC wird auf 186 Millionen geklagt. Kurier, 29. Januar 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2015; abgerufen am 31. Januar 2015.</ref>

Auch der Masseverwalter der Alpine Bau hat bereits Klage gegen die FCC eingebracht und zwar für einen Betrag von 75 Millionen Euro.<ref name="Klage" />

Im Dezember 2014 fand beim Wirtschaftsprüfer der Alpine, Deloitte, eine Hausdurchsuchung statt. Ermittelt wurde wegen des Verdachts auf Betrug und Bilanzfälschung.<ref> Causa Alpine: Razzia bei Wirtschaftsprüfer Deloitte. Der Standard, 3. Februar 2015, abgerufen am 3. Februar 2015.</ref> Das Ermittlungsverfahren wurde jedoch später eingestellt.<ref>Alpine-Pleite – Deloitte kommt davon;DerBoersianer.com; abgerufen am 27. November 2022.</ref>

Entgegen anfänglich pessimistischer Prognosen seitens Experten, konnten die verantwortlichen Insolvenzverwalter im Laufe der letzten Jahre beachtliche Mittel sichern. Schon drei Jahre nach Insolvenzeröffnung, also 2016, erfolgte erstmals eine Verteilung im Wert von 100 Millionen Euro. In einer zweiten und dritten Auszahlung (2018 & 2021) konnten weitere 150 Millionen Euro an die Gläubiger verteilt werden. Anfangs 2025 wurde nun eine weitere, vierte Zahlung angekündigt in der Höhe von 40 Millionen was die Gesamtsumme auf 240 Millionen steigen lässt.<ref>SOLID | Nach Mega-Insolvenz 2013: Alpine-Gläubiger erhalten weitere 40 Millionen. Abgerufen am 23. Oktober 2025.</ref>

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons: Alpine Holding – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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