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Ari Rath

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Ari Rath, 2013

Ari Rath (geboren am 6. Jänner 1925 in Wien als Arnold Rath; gestorben am 13. Jänner 2017 ebenda)<ref name=Föderl-Schmid>Alexandra Föderl-Schmid: Ari Rath im Alter von 92 Jahren in Wien gestorben. DerStandard.at, 13. Jänner 2017, abgerufen am 13. Jänner 2017.</ref> war ein israelischer Journalist, Publizist und Friedensaktivist. Von 1975 bis 1989 war er Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post. In Deutschland wurde Rath einem breiteren Publikum durch seine häufige Teilnahme an der Fernsehsendung Der Internationale Frühschoppen bekannt.

Leben

1925–1938, Kindheit in Wien

Ari Rath wurde als Arnold Rath am 6. Jänner 1925 in Wien als zweiter Sohn von Laura Rath (geborene Gross) und Josef Rath, einem Papiergroßhändler, geboren. Sein Vater betrieb seine Firma gemeinsam mit seinem älteren Bruder, Jakob Fried, zunächst im 1. Wiener Bezirk, Schulerstraße 16,<ref>Adressen ermittelt aus Lehmanns Wiener Adressbuch, Ausgabe 1924 (Digitalisat bei wienbibliothek.at)</ref> später in größeren Räumlichkeiten in der Wiesingerstraße. Ari Rath trug anfangs die polnische Staatsbürgerschaft und war in Kolomea, dem Geburtsort seines Vaters, heimatberechtigt.<ref name="p20">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 20.</ref><ref>Die ersten Monate lebte die Familie in der Piaristengasse 46 in der Wiener Josefstadt, ehe sie in die Porzellangasse im Alsergrund umzog. Zu seinen Erlebnissen in der Kindheit führte Rath 2011 ein im österreichischen Fernsehen gesendetes Gespräch mit Eric Pleskow, der vor 1938 ebenfalls an der Porzellangasse gewohnt hatte. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. Ari Rath und Eric Pleskow im Gespräch, ORF III, produziert 2011, Sendung vom 5. Mai 2012</ref>

Im April 1929 nahm sich Laura Rath das Leben. Aris Vater gestattete ihm und seinem 1921<ref name="p11">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 11.</ref> geborenen Bruder Maximilian (später Meshulam)<ref name="p16">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 16.</ref> nicht, am Begräbnis teilzunehmen. 1930 bis 1934 besuchte Rath die Schubertschule in der Grünentorgasse.<ref name="p19">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 19.</ref> 1931 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft.<ref name=p20 /> Im September 1934 wechselte er an das Gymnasium Wasagasse, wo er gemäß einem Erlass des damaligen Bundeskanzlers und Unterrichtsministers Kurt Schuschnigg eine sogenannte Judenklasse besuchte.<ref name="p23">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 23.</ref> 1937 feierte Ari Rath seine Bar Mitzwa im Müllnertempel.<ref name="p44">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 44.</ref> Im selben Jahr wurde seine Halbschwester Henny „Channa“ geboren.<ref name="s23">´Ari Rath: Von Wien nach Jerusalem. Lebenstationen. In: Ari Rath: Auf dem Weg zum Frieden. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2005, ISBN 3-935035-77-2, S. 23.</ref>

Einen Monat nach dem Anschluss Österreichs 1938 siedelte die Schubertschule in die Kalvarienberggasse in Hernals über.<ref name="p33">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 33.</ref> Rath trat der zionistischen Jugendbewegung Makkabi Hazair bei.<ref name="p36">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 36.</ref> Im Mai 1938 wurde sein Vater in das KZ Dachau deportiert. Der bereits zuvor als Kommissar bei der Papiergroßhandelsgesellschaft Fried & Rath eingesetzte SA-Sturmführer Boris Zeilinger übernahm die Geschäfte des Vaters.<ref name="p36-38">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 36–38.</ref>

Im September 1938 besuchte Ari Rath ein vierwöchiges Seminar zur Vorbereitung auf die Emigration nach Palästina bei Aron Menczer.<ref name="Menczer">Ari Rath: Aron Menczers Qual der Wahl. In: Joanna Nittenberg, Benjamin Kaufmann (Hrsg.): Trotz allem… Aron Menczer und die Jugendalijah. Edition INW, Wien 2013, ISBN 978-3-9500356-6-7, S. 147–149.</ref> Die 200 teilnehmenden Jugendlichen bewarben sich um 50 Ausreisezertifikate.<ref name=Menczer /> In einem leidenschaftlichen Aufsatz überzeugte Rath Menczer, ihm einen der 50 Auswandererplätze zuzuteilen, obwohl er und sein Bruder bereits ein Children's Permit des Vereinigten Königreiches und Aussicht auf ein US-amerikanisches Affidavit hatten.<ref name=Menczer /> Als überzeugter Zionist wollte Rath unbedingt nach Palästina. Am 31. Oktober 1938 wurde er zur Zwangsarbeit für die sogenannte Hermann-Göring-Alteisensammlung in die Lobau gebracht, doch gelang ihm die Flucht,<ref name="p7-8">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 7–8.</ref> und am 1. November 1938 nahm er wie geplant einen Zug vom Wiener Südbahnhof nach Triest.<ref name="p41-42">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 41–42.</ref>

1938–1948, vom Kibbuz nach New York und zurück

In Triest ging Rath an Bord des italienischen Dampfschiffs<ref name=Kindell>Don Kindell: British and Other Navies in World War 2 Day-by-Day. Abgerufen am 4. Januar 2017.</ref> MS Galilea<ref name="p42">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 42.</ref>, das am 8. November 1938 Haifa<ref name=p42 /> erreichte. Rath wurde im Ahavah-Jugendheim in Kirjat Bialik untergebracht.<ref name="p47">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 47.</ref> Nach Abschluss seiner Ausbildung im September 1941<ref name="p61">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 61.</ref> übersiedelte er zunächst in den Kibbuz Beit Jehoschuʿa,<ref name="p63">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 63.</ref> ehe er nach Zwischenstationen in den Kibbuzim Ramat David<ref name="p65">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 65.</ref> und Newe Eitan<ref name="p66">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 66.</ref> im September 1945 zum Kibbuz Chamadja fand, der seine neue Heimat wurde.<ref name="p67">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 67.</ref> Im selben Jahr entsandte der Kibbuz ihn zur neugegründeten, 1959 in der Histadrut ha-Noʿar ha-ʿOved we-ha-Lomed aufgegangenen Jugendbewegung Ha-Tnuʿah ha-Meʾuchedet, deren Haifaer Zweig er gründete und leitete.

Im Herbst 1946 wurde Rath in die USA zur zionistischen Jugendbewegung HaBonim entsandt, um junge Juden für die Kibbuz-Bewegung anzuwerben.<ref name="p80">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 80.</ref> Mit Hilfe eines US-Konsuls ergatterte er einen der 15 Quotenplätze für Juden aus Palästina an Bord des einzigen Passagierschiffs, das zwischen dem Nahen Osten und Amerika verkehrte, der Marine Carp, mit der er am 8. Dezember 1946 New York erreichte.<ref name="p80-82">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 80–82.</ref> In der Ankunftshalle traf er mit seinem Vater, seiner Stiefmutter Rita Rath, seinem Bruder Meshulam und seiner Halbschwester Henny zusammen.<ref name="p82">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 82.</ref> Neben seiner Arbeit für Habonim bot er sich dem späteren Gründer des AIPAC-Vorläufers American Zionist Committee for Public Affairs, Isaiah L. Kenen, als Mitarbeiter bei der Jewish Agency an.<ref name="p100">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 100.</ref> Um an den UNSCOP-Sitzungen teilnehmen zu können, besorgte sich Rath über einen Bekannten bei der hebräischen sozialistischen Tageszeitung Davar einen Presseausweis. Es gelang ihm als Erstem zu melden, dass die Ostblockstaaten die Teilung Palästinas und die Gründung eines jüdischen Staates befürworteten – sein erster Scoop, lange bevor er Journalist wurde.<ref name="p101">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 101.</ref>

Teddy Kollek warb Rath an, um Waffenlieferungen aus den USA nach Palästina zu organisieren. In dieser Rolle lernte er Mosche Scharett kennen. Nach der Staatsgründung Israels wurde Rath gemeinsam mit Kollek und dessen engstem Kreis im Garten des Truman-Unterstützers und Waffenschmugglers Abraham Feinberg zum Offizier der israelischen Armee ernannt.<ref name="p104">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 104.</ref> Mit einem Empfehlungsschreiben Kolleks schiffte sich Rath im September 1948 wieder nach Europa ein, um an der UNO-Generalversammlung in Paris teilzunehmen.<ref name="p105">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 105.</ref> Dort begegnete er dem Mossad-Verantwortlichen in Europa, Asher Ben-Natan, der ihm ein Empfehlungsschreiben für seine Weiterreise nach Wien gab.<ref name=p105 /> In Wien besuchte Rath am 9. November 1948 eine Gedenkveranstaltung zum zehnten Jahrestag der Reichspogromnacht im Musikverein.<ref name="p109">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 109.</ref> Einige Tage später reiste er nach Marseille, um dort als Kommandant das Schiff namens Caesarea mit 900 Immigranten nach Israel zu führen.<ref name="p105-111">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 105–111.</ref>

1948–1957, Kibbuznik in Chamadia

Nach seiner Rückkehr in den Kibbuz Chamadia meldete sich Rath im Verteidigungsministerium in Tel Aviv zum Militärdienst.<ref name="p112">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 112.</ref> Doch erhielt er keine Freigabe des Kibbuzsekretariats, daher blieb er in Chamadia und arbeitete als Melker und Kindergärtner.<ref name="p113">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 113.</ref> 1951 warb die vereinigte Jugendbewegung um Rath als Generalsekretär und tauschte seine Freistellung vom Kibbuz gegen die Entsendung von 60 Nachal-Absolventen (kämpfende Pionierjugend), die eine erhebliche Stärkung des bis dahin 90 Mitglieder zählenden Kibbuz bedeutete.<ref name="p115-116">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 115–116.</ref> Rath bezog eine Kommune in Jaffa und hielt sein neues Amt zweieinhalb Jahre, ehe er 1953 zum Sekretär von Chamadia gewählt wurde, in den Kibbuz zurückkehrte und die Kibbuz-Zeitung Ma Nishma gründete.<ref name="p118">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 118.</ref>

1956 wurde er ausgewählt, um Israel beim Jahreskongress der IUSY, des internationalen Verbandes sozialistischer Jugendorganisationen, in Tampere zu vertreten.<ref name="p121">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 121.</ref> Danach reiste er nach Bommersvik zum Sommerseminar der Sozialistischen Jugend Schwedens, wo er sich mit Olof Palme anfreundete.<ref name="p121-122">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 121–122.</ref>

Von 1957 bis 1959 ließ sich Rath vom Kibbuz beurlauben und zog nach Jerusalem, um an der Hebräischen Universität<ref name="Kurzbio">Kurzbiographie. In: Rath, Ari: Auf dem Weg zum Frieden, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2005, ISBN 3-935035-77-2, S. 173–174.</ref> Volkswirtschaft und Geschichte zu studieren.

1958–1989, Journalist und Chefredakteur der Jerusalem Post

Am 1. Oktober 1958 wurde Ari Rath diplomatischer Korrespondent der Tageszeitung Jerusalem Post.<ref name="p130">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 130.</ref><ref name="p131-132">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 131–132.</ref> Am 4. November 1959<ref name="p129">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 129.</ref> heiratete er Dorothy Gewirzman.<ref name="p124">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 124. Sein Onkel, der Rabbiner Meshulam Rath, nahm die Trauung in Bnei Berak vor.</ref> Da er 1959 nicht nach Chamadia zurückkehrte, wurde er offiziell aus dem Kibbuz ausgeschlossen.<ref name="p138">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 138.</ref> Am 8. März 1960<ref name=Brandeis>Israeli Prime Minister Ben-Gurion at Convocation. In: Images of Brandeis 1948–1998, Brandeis University, abgerufen am 14. Januar 2017.</ref><ref name="p140-142">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 140–142.</ref> flog er als begleitender Reporter mit David Ben-Gurion in die USA. Rath gelang es als einzigem Journalisten, dem ersten Gespräch Ben-Gurions mit Konrad Adenauer im Waldorf-Astoria-Hotel beizuwohnen.<ref name="p141-147">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 141–147.</ref>

Nach diesem Scoop versuchte Arie Dissenchik, der Chefredakteur der auflagenstärksten israelischen Tageszeitung, Ma'ariv, Rath abzuwerben, aber dieser entschied sich für den Verbleib bei der Jerusalem Post, schrieb jedoch auch einige Artikel für Ma'ariv.<ref name="p148-149">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 148–149.</ref> 1960 stieg Rath zum Redakteur und 1961 zum Chef vom Dienst der Jerusalem Post auf.<ref name="p149">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 149.</ref> 1962 wurde seine Ehe geschieden.<ref name=p149 />

Im Juni 1963, kurz vor der Ernennung Levi Eschkols zum Ministerpräsidenten Israels, gab dieser Rath ein ausführliches Interview.<ref name="p159">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 159.</ref> Eschkol bot Rath das Amt des Regierungspressesprechers an, doch intervenierte Golda Meir, die keinen Ben-Gurion-Vertrauten in diesem Amt wünschte.<ref name=p159 />

Im Mai 1963 nahm Rath als Vertreter der israelischen Nachrichtenagentur ITIM an der Gründungsversammlung der OAU teil.<ref name="p160">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 160.</ref> 1964 setzte sich Rath unter anderem bei Indira Gandhi und Premierminister Lal Bahadur Shastri für die Verbesserung der indisch-israelischen Beziehungen ein.<ref name="p167">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 167.</ref>

Im Juli 1965 teilte Shimon Peres Rath mit, dass er Ben-Gurions Wahlkampfleiter werden solle.<ref name="p169">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 169.</ref> Doch obwohl Ben-Gurion Persönlichkeiten wie Peres, Mosche Dajan, Jitzchak Nawon und Chaim Herzog in seiner neuen, von Mapai abgespaltenen Rafi-Partei versammelte, errang diese bei den Parlamentswahlen nur zehn der 120 Sitze. Im November 1965 kehrte Rath zur Jerusalem Post zurück.<ref name="p182">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 182.</ref> 1967 meldete er sich freiwillig, um im Sechstagekrieg als Oberfeldwebel eines Infanterieregiments der aus Reservisten zusammengesetzten<ref name="echo">Ari Rath: Der unerreichbare Frieden, Jüdisches Echo, Wien.</ref> Jerusalemer Brigade zu kämpfen.<ref name="p200">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 200.</ref>

1970 wurde Rath Mitglied des International Press Institute.<ref name="p216">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 216.</ref> Im April reiste er als Beobachter zur Gründungsversammlung der Asiatischen Pressestiftung nach Manila.<ref name=p200 /> Am Rande der Veranstaltung traf Rath Adam Malik, um eine Annäherung zwischen Israel und Indonesien voranzutreiben.<ref name="p217">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 217.</ref>

Im Mai 1973 erschien in der Jerusalem Post das letzte Interview mit Ben-Gurion.<ref name="p179-180">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 179–180.</ref> Am 2. September 1973 reiste Rath nach Santiago de Chile<ref name="p227">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 227.</ref> zu den Feierlichkeiten zum dritten Jahrestags des Sieges der Unidad Popular.<ref name="p228">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 228.</ref> Am 11. September erlebte er den Putsch gegen Salvador Allende<ref name="p227-230">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 227–230.</ref>, und in den Morgenstunden des 12. September traf ihn ein Schrapnell eines schweren Maschinengewehrs, doch überlebte er die Verletzung.<ref name="p231">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 231.</ref>

Im Herbst 1975 wurde Rath Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post<ref name="p253">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 253.</ref> und bekleidete diese Position bis zum 31. Oktober 1989,<ref name="p302">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 302.</ref> als er im Zuge des Verkaufs der Jerusalem Post an die kanadische Hollinger Inc.<ref name=p253 /> entlassen wurde.

1989–2017

Datei:Die letzten Zeugen 0362 Pfeifer-Mikolasek.JPG
Die letzten Zeugen (Rath ganz rechts), 2015
Datei:Grave of Ari Rath.jpg
Ari Raths Grab in Givat Hashlosha (2017)

Nach seinem Ausscheiden aus der Jerusalem Post setzte sich Rath für die Einführung einer englischen Ausgabe der Tageszeitung Haaretz ein,<ref name=p253 /> die seit dem Jahr 1997<ref>Ha'aretz. In: Encyclopædia Britannica, 8. April 2011, abgerufen am 22. Jänner 2017.</ref> erscheint. Teddy Kollek ernannte Rath zum Sonderberater der Jerusalem Foundation, ein Amt, das er nach drei Jahren niederlegte.<ref name="p308">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 308.</ref>

1990 war Rath eines der Gründungsmitglieder der Backchannel-Diplomacy-Organisation Next Century Foundation.<ref name="ncf">In Memoriam. Next Century Foundation, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 16. Januar 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.nextcenturyfoundation.org (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> 1991 nahm er auf Einladung des schwedischen Außenministers Sten Andersson als Teil der sechsköpfigen israelischen Delegation an den Gesprächen des Dag-Hammarskjöld-Lehrstuhls der Universität Uppsala teil, die den Oslo-Friedensprozess vorbereiteten.<ref name="p308-309">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 308–309.</ref> Nach der Ermordung von Ministerpräsident Jitzchak Rabin am 4. November 1995 schrieb Rath auf Bitte Helmut Schmidts einen Nachruf für die Wochenzeitung Die Zeit.<ref name="p190">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 190.</ref>

Rath war von 1998 bis 2000 Teil des von der Konrad-Adenauer-Stiftung initiierten Trialogs zwischen Israelis, Palästinensern und Deutschen.<ref name="p316">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 316.</ref> 2000 wurde Rath Mitglied des Redaktionsausschusses des Palestine-Israel-Journals.<ref name="p317">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 317.</ref> Im Wintersemester 2002/2003 und Sommersemester 2005 war er Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien der Universität Potsdam.<ref name="mmz"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fellows und Gastprofessoren des MMZ 1992–2017 (Memento vom 17. Januar 2018 im Internet Archive). Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Potsdam. (Abgerufen am 16. Januar 2018)</ref>

2005 nahm Rath neben der israelischen die österreichische Staatsbürgerschaft an.<ref name="p321">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 321.</ref> Im selben Jahr wurde er Herausgeber der Online-Zeitung der Kopenhagen-Gruppe, Partners for Peace, die 2007 eingestellt wurde, nachdem die dänische Regierung ihre Finanzierung strich.<ref name="p318">Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 318.</ref>

2012 erschien Raths Autobiographie Ari heißt Löwe. Rath war einer der sieben Zeugen in der Wiener-Burgtheater-Produktion Die letzten Zeugen von Doron Rabinovici und Matthias Hartmann, die 2014 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde.

Ari Rath starb am 13. Jänner 2017 im Wiener Allgemeinen Krankenhaus an den Folgen eines Herzleidens.<ref name=Föderl-Schmid /> Er wurde am 16. Jänner nahe dem Grab seines Bruders auf dem Friedhof des Kibbuz Giv'at Haschloscha in Israel begraben. Zu den Grabrednern zählten neben Mitgliedern seiner Familie die österreichische Nationalratspräsidentin Doris Bures, der Politiker Avraham Burg, der eine Rede des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin verlas, Gertraud Auer Borea d’Olmo, Generalsekretärin des Bruno Kreisky Forums in Wien, und Saleh Turujman, ein in Washington lebender palästinensischer Freund Raths.

Ehrungen

Auszeichnungen

Ari-Rath-Preis

Am 2. November 2017 wurde die Stiftung des Ari-Rath-Preises für kritischen Journalismus bekanntgegeben. Der erste Preis wurde von einer Jury unter dem Vorsitz von Gertraud Auer Borea d’Olmo Alexandra Föderl-Schmid zuerkannt.<ref name=arirathpreis>Ari Rath Preis für kritischen Journalismus. APA-OTS des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog, 2. November 2017, Wien.</ref> Den Ari Rath Preis für kritischen Journalismus 2019 erhielt Silvana Meixner, den Ari Rath Ehrenpreis Helmut Brandstätter.<ref>Ari Rath Preis für kritischen Journalismus. OTS-Meldung vom 2. November 2018, abgerufen am 8. Mai 2019.</ref><ref>Kurier: Ari Rath-Preis an Helmut Brandstätter und Silvana Meixner. Artikel vom 6. Mai 2019, abgerufen am 8. Mai 2019.</ref> 2020 erhielt die Standard-Redakteurin Irene Brickner den Preis, für 2021 wurde er dem stellvertretenden Chefredakteur der Wiener Zeitung, Thomas Seifert, zuerkannt.<ref name="wz2084098">Thomas Seifert mit Ari-Rath-Preis ausgezeichnet. In: Wiener Zeitung. 30. November 2020, abgerufen am 2. Dezember 2020.</ref> 2024 wird Standard-Korrespondentin Maria Sterkl mit dem Preis ausgezeichnet.<ref>Ari-Rath-Preis 2024 für kritischen Journalismus geht an STANDARD-Korrespondentin Maria Sterkl. In: derStandard.at. 29. April 2024, abgerufen am 29. April 2024.</ref>

Ari-Rath-Platz

Vom Wiener Kulturamt wurde 2019 ein öffentlicher Platz im 9. Bezirk (Alsergrund) nahe der Porzellangasse, wo Rath als Kind gewohnt hatte, Ari-Rath-Platz benannt.<ref>Platz nach Ari Rath benannt. In: Jewish Welcome Service. 15. November 2019, abgerufen am 31. Oktober 2022.</ref>

Schriften

  • Ari Rath, Erwin Frenkel: Front page Israel. Major events 1932–1986 as reflected in the front pages of the Jerusalem Post. The Jerusalem Post, Jerusalem 1986, ISBN 0-933503-09-1.
  • Ari Rath: Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2005, ISBN 3-935035-77-2.
  • Ari Rath: Ari heißt Löwe. Erinnerungen. Aufgezeichnet von Stefanie Oswalt. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8. (Als Taschenbuch: S. Fischer, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-596-19836-8.)

Literatur

  • Alisa Douer: Neuland. Israelische Künstler österreichischer Herkunft. Picus, Wien 1997, ISBN 3-85452-407-2, S. 228f. (Begleitbuch zu der gleichnamigen Ausstellung).
  • Stefanie Oswalt: Sie hatten eine gemeinsame Mission (Teddy Kollek und Ari Rath), in: Zeitschrift Das Jüdische Echo, Wien 2018 / 2019, Vol. 67, S. 67 bis 73, überarbeitete Version eines am 11. April 2018 in Wien gehaltenen Vortrags; erschienen September 2018.
  • Stefanie Oswalt: Ari Rath. "Rasender Reporter". Chronist. Brückenbauer, Hentrich & Hentrich, Leipzig 2022, ISBN 978-3-95565-527-3.

Weblinks

Commons: Ari Rath – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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