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Rudolf Gelbard

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Datei:Rudolf Gelbard 0703 Michelides.JPG
Rudolf Gelbard (2014)

Rudolf Gelbard (* 4. Dezember 1930 in Wien; † 24. Oktober 2018 ebenda<ref>Holocaust-Überlebender Rudolf Gelbard gestorben. In: derstandard.at. 24. Oktober 2018, abgerufen am 24. Oktober 2018.</ref>) war ein österreichischer Antifaschist, Überlebender des Holocaust und Zeitzeuge.

Leben und Werk

Rudolf Gelbard wurde 1930 in Wien als Kind jüdischer Eltern geboren und wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf.<ref name="orf241018">Holocaust-Überlebender Rudolf Gelbard tot. In: orf.at. 24. Oktober 2018, abgerufen am 24. Oktober 2018.</ref> Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde er wegen seiner Abstammung aus seiner Schule ausgeschlossen, es folgten mehrere Schulwechsel.<ref name="VereinErinnerung">Porträt von Prof. Rudolf Gelbard. Verein Zur Erinnerung, 2018, abgerufen am 24. Oktober 2018.</ref> Die Judenverfolgungen am 9. November 1938 im Zuge des Novemberpogroms erlebte er bewusst mit.<ref name="NachrufKurier">Peter Temel: Holocaust-Überlebender Rudi Gelbard ist 87-jährig gestorben. In: kurier.at. 24. Oktober 2018, abgerufen am 24. Oktober 2018.</ref> 1942 wurde er mit seinen Eltern in das KZ Theresienstadt deportiert. 19 Mitglieder seiner Familie wurden ermordet, er selbst überlebte als eines von etwa 2000 Kindern die Internierung in Theresienstadt.<ref name="NachrufKurier" /><ref>Julie Gray: Numbers & Getting History Right. In: www.thetrueadventures.com. 19. Oktober 2022, abgerufen am 25. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Seine Schulbildung holte Rudolf Gelbard im Privatunterricht, auf Volkshochschulen und als außerordentlicher Hörer am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien nach. Danach war er beruflich in der Firma seines Vaters tätig, von 1954 bis 1963 als Mitarbeiter im Bundesministerium für soziale Verwaltung. Anschließend arbeitete er als Kaufmann, bevor er 1975 Redakteur beim Kurier wurde.<ref name="VereinErinnerung" /><ref name="NachrufKurier" />

Nach seiner Befreiung 1945 trat Rudolf Gelbard stets entschieden gegen antisemitische und neonazistische Aktivitäten ein: Mit Gleichgesinnten vom KZ-Verband protestierte er 1946 gegen antisemitische Aktionen an der Universität Wien. Als 1948 ehemalige Ariseure den Verein „Schutzverband der Rückstellungsbetroffenen“ gründen wollten, störte Gelbard mit hunderten anderen Antifaschisten die Gründungsversammlung. 1955 verhinderten sie einen geplanten antisemitischen Vortrag von Fritz Stüber. Auch die Schlägereien bei der Demonstration, bei der 1965 Ernst Kirchweger getötet wurde, erlebte Gelbard mit.<ref name="Profil070518">Christa Zöchling: Rudolf Gelbard: Der letzte Kämpfer. In: Profil. Nr. 19/2018, 7. Mai 2018 (online auf profil.at).</ref> Später störte und verunmöglichte er Vorträge des amerikanischen Revisionisten David L. Hoggan und des Holocaust-Leugners David Irving in Wien. Zuletzt ging er mit anderen Holocaust-Überlebenden gerichtlich gegen die rechte Zeitschrift Die Aula vor, nachdem darin die Überlebenden als „Massenmörder“ und „Landplage“ bezeichnet worden waren. Der Fall ging durch alle Instanzen, die Zeitschrift musste schließlich einen Widerruf veröffentlichen.<ref name="Wina">Alexia Weiss: „Marcel Prawy des Antifaschismus“. In: Wina. Februar 2018, abgerufen am 27. Oktober 2018.</ref>

Politisch fand Rudolf Gelbard bei den Sozialdemokraten (SPÖ) eine Heimat. Er besuchte die Akademie der Sozialistischen Jugend und später die Wiener Parteischule der SPÖ.<ref name="VereinErinnerung" /> Als Mitglied der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer setzte sich Rudolf Gelbard für die Aufklärung über die NS-Verbrechen ein. Neben seiner Tätigkeit als Vortragender in Schulen, auf Symposien und in Lehrveranstaltungen war er auch als Kulturreferent der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien tätig.<ref name="bka">Werner Faymann ehrt Rudolf Gelbard, Presseaussendung des Bundeskanzleramts vom 25. Februar 2011.</ref> Darüber hinaus gehörte er dem Vorstand des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes an, dem Beirat der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft und dem Beirat des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.<ref>Rudolf Gelbard (1930–2018). In: doew.at. Oktober 2018, abgerufen am 27. Oktober 2018.</ref><ref>Rudi Gelbard. Österreichisch-Israelische Gesellschaft, 24. Oktober 2018, abgerufen am 24. Februar 2019.</ref><ref>Auch in Kirchen Trauer um Shoah-Überlebenden Gelbard. In: kathpress.at. 24. Oktober 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Oktober 2018; abgerufen am 27. Oktober 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kathpress.at</ref>

Für seine Verdienste und seine aufklärerische Vortragstätigkeit wurde er von der Republik Österreich mit dem Berufstitel Professor und weiteren Auszeichnungen, darunter die Joseph-Samuel-Bloch-Medaille, geehrt. Seit 2008 wird vom Republikanischen Club – Neues Österreich der „Rudolf Gelbard Preis für Aufklärung gegen Faschismus und Antisemitismus“ vergeben. Gelbard selbst war der erste Preisträger dieser Auszeichnung.

In der Spielzeit 2013/2014 wirkte er bei der Zeitzeugenproduktion Die letzten Zeugen von Doron Rabinovici und Matthias Hartmann am Wiener Burgtheater mit; die Produktion bezog sich auf die Novemberpogrome 1938, erlangte hohe Wertschätzung seitens Publikum und Presse und wurde zum Berliner Theatertreffen 2014 nach Dresden, Hamburg und Frankfurt eingeladen.

Rudolf Gelbard starb in der Nacht auf den 24. Oktober 2018. Er wurde in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof bestattet.<ref name="orf241018" />

Familie

Rudolf Gelbard war seit 1990 verheiratet und hatte aus einer früheren Ehe eine Tochter, die 1972 im Alter von 17 Jahren verstarb.<ref name="VereinErinnerung" /><ref>Rechercheplattform: Transkriptionen und Übersetzungen > Rudolf Gelbard. Freie Universität Berlin, 2017, abgerufen am 27. Oktober 2018.</ref>

Gedenken

Im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling liegt die im April 2022 nach Gelbard benannte Rudolf-Gelbard-Gasse.<ref>Rudolf-Gelbard-Gasse im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien</ref>

Das Referat Bildung der Sozialdemokratischen Partei Österreichs führte bisher dreimal ein „Prof. Rudolf-Gelbard-Symposium“ durch: am 9. Mai 2022 unter dem Leitwort „Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Ein Kampf, der nie zu Ende geht“,<ref>Zweite Nationalratspräsidentin Bures: Rudolf Gelbards Andenken verpflichtet. Abgerufen am 4. Dezember 2024.</ref> am 29. Jänner 2024 unter dem Leitwort „Dialog der Religionen“<ref>„Dialog der Religionen“: Plädoyer für das Miteinander über konfessionelle Grenzen hinweg. Abgerufen am 4. Dezember 2024.</ref> und am 26. November 2025 unter dem Leitwort „Wie sicher ist die Demokratie?“<ref>3. Professor-Rudolf-Gelbard-Symposium 2025: „Wie sicher ist unsere Demokratie?“ Abgerufen am 7. Dezember 2025.</ref>

Zitat

„Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet. Ich habe mich immer wieder gefragt, was ich für die tun kann, die nicht überlebt haben. Die Antwort, die ich für mich gefunden habe (und die keineswegs die Antwort jedes Überlebenden sein muss), lautet: Ich will ihr Sprachrohr sein, ich will die Erinnerung an sie wach halten, damit die Toten in dieser Erinnerung weiterleben können. Aber wir, die Überlebenden, sind nicht nur den Toten verpflichtet, sondern auch den kommenden Generationen: Wir müssen unsere Erfahrungen an sie weitergeben, damit sie daraus lernen können. Information ist Abwehr. Überlebende müssen wie Seismographen sein, sie müssen die Gefahr – früher als andere – wittern, in ihren Konturen erkennen und aufzeigen. Sie haben nicht das Recht, sich ein zweites Mal zu irren und für harmlos zu halten, was in einer Katastrophe münden kann.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Simon Wiesenthal: Aus: Recht, nicht Rache, mehrfach zitiert von Rudolf Gelbard

Dokumentationen

Literatur

  • Walter Kohl: Die dunklen Seiten des Planeten: Rudi Gelbard, der Kämpfer. Buchverlag Franz Steinmaßl, Grünbach 2008, ISBN 978-3-902427-56-4.
  • Hans Raimund: „Philosemitismus?! – Es gibt Schlimmeres!“ In: Neigungen. Zuneigungen Abneigungen Verneigungen. Löcker Verlag, Wien 2019.

Auszeichnungen

Weblinks

Commons: Rudolf Gelbard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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