White Power
White Power (im Sinne von: Weiße Macht) ist ein oft verwendeter Schlüsselbegriff in der Neonaziszene.
Entstehungsgeschichte
Der Begriff White Power und das Symbol der White-Power-Faust entstand als Provokation gegenüber dem Black‑Power-Slogan der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner in den USA.<ref>White-Power-Faust. In: Das Versteckspiel. Agentur für soziale Perspektiven e.v., abgerufen am 26. Juli 2025.</ref> Aufgegriffen wurde es unter anderem von dem Briten Ian Stuart (Donaldson), dem Sänger der Rechtsrockband Skrewdriver im Lied "White Power"(erschienen 1983),<ref>„Skrewdriver“: Rechtsrock in Baden-Württemberg. In: Belltower.News, online. Amadeu Antonio Stiftung, 19. Oktober 2022, abgerufen am 18. März 2026.</ref> und später zum Wahlspruch (auch abgekürzt als "WP")<ref name=":3">Rechtsextreme Codes. Konrad Adenauer Stiftung, 16. Februar 2015, abgerufen am 18. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> für die nationalsozialistische und rassistische Theorie von der Vorherrschaft der „weißen Rasse“.<ref name=":3" />
Symbole
Die weiße, aufwärts gerichtete, meist rechte geballte Faust ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten Symbole im Neonazi-Umfeld.<ref name=":2">Arbeitsmaterial: Rechtsextremes Verhalten: Symbole und Codes. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 18. März 2026.</ref> Die Faust wird häufig eingeschlossen durch den ebenfalls weißen Schriftzug White Power (WP)<ref name=":3" />, Supreme White Power (SWP)<ref name=":4">SWP = Supreme White Power | Aussteigerprogramm Niedersachsen. Ambulanter Justizsozialdienst Niedersachsen: Hier auch die Abkürzung WPWW, WPWW hat keinen anklickbaren Link., abgerufen am 18. März 2026.</ref> oder White Pride World Wide (WPWW)<ref name=":4" />. In der rechtsextremen Skinhead-Szene wird die Faust auch oft in einem Lorbeerkranz gezeigt.<ref>Kennzeichen des Rechtsextremismus. Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt, abgerufen am 18. März 2026.</ref>
Ein weiteres häufig in Verbindung mit White Power stehendes Symbol ist das Keltenkreuz.<ref name=":2" /> Seit dem 14. November 2008 ist in Deutschland das Tragen des stilisierten Keltenkreuzes (wie rechts abgebildet) strafbar.<ref>Beschluss des 3. Strafsenats des Bundesgerichtshofs vom 1. Oktober 2008, Az. 3 StR 164/08 (PDF-Datei; 105 kB), vgl. auch Pressemitteilung Nr. 209/2008 des BGH vom 14. November 2008</ref><ref name=":2" />
Okay-Zeichen als White-Power-Geste
Seit 2017 wird vereinzelt das Tauchzeichen für Okay von der White-Power-Szene missbraucht. Demnach bilden Zeigefinger, Daumen und Arm das ein „P“ während die übrigen Finger, hier bewusst abgespreizt, ein „W“ bilden sollen.<ref>Stephen Weber: White-Power-Gruß: Das steckt hinter dem Handzeichen. In: mittelhessen.de. VRM GmbH & Co. KG, 14. April 2025, abgerufen am 26. Juli 2025.</ref>
Dies geht auf einen Hoax namens „Operation O-KKK“ aus dem Internetforum 4chan zurück, das zum Ziel hatte, die Medien dazu zu bringen, ein harmloses, viel verwendetes Handzeichen als rechtsextremistisches Symbol zu interpretieren, um auf die Hysterie der Medien bei diesen Themen aufmerksam zu machen.<ref name=":0">When is the 'OK' gesture not OK? In: BBC. 16. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":1">Okay Hand Gesture. In: adl.org. Anti Defamation League, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Verbreitung geschah über False-Flag-Konten auf dem Sozialen Medium Twitter. Die Konten erzählten, das Handzeichen, das an die Buchstaben „W“ und „P“ erinnert, stünde für „White Power“ oder „White Pride“, eine Assoziation, die vorher nichtexistent war.<ref>Michael Andor Brodeur: That hand symbol you’re seeing everywhere? Not OK - The Boston Globe. In: The Boston Globe. Boston Globe Media Partners, LLC, 20. September 2018, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Nachdem die angebliche neue Bedeutung des Zeichens durch die Presse gegangen war, wurde es von vielen konservativen und rechtspopulistischen Medienpersönlichkeiten und Politikern wie Mart und Martin Helme, Mike Cernovich, Donald Trump, Milo Yiannopoulos, Marine Le Pen<ref>Que signifie le geste raciste « O-KKK » qu’a reproduit Marine Le Pen ? 15. Mai 2019, abgerufen am 22. November 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, und vielen mehr aufgegriffen, oft um Medien zu trollen und ihre Überreaktion darzustellen.<ref>Emily Shugerman: Two members of alt-right accused of making hand sign linked to white supremacy while visiting White House. In: The Independent. Independent Digital News & Media Limited, 29. April 2017, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Neues Alt-Right-Meme | Wird das OK-Zeichen zum Symbol der Rechten? , auf br.de</ref><ref name=":0" /> Auch tatsächliche Rechtsextremisten wie der Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant benutzten das Symbol.<ref>Der 50-fache Mörder von Christchurch zeigt kein Anzeichen von Reue. In: B.Z. Axel Springer SE, 16. März 2019, abgerufen am 21. Mai 2020.</ref> Hierbei ist jedoch umstritten, ob Rechtsextreme das Symbol tatsächlich als Erkennungszeichen verwenden oder ob die Benutzung rein ironisch ist, um den Medien eine angebliche Relevanz in der Szene vorzugaukeln und so dem 4chan-Hoax weiter Vorschub zu leisten.<ref>Holmes Lybrand: Fact Check: Were Four Police Officers Suspended for Alleged White-Power Gesture? In: The Weekly Standard. Clarity Media Group, 17. Juli 2018, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Anti-Defamation League stufte das OK-Zeichen 2019 offiziell als Hasssymbol ein, merkt allerdings an, dass es nicht eindeutig als rechtsextrem eingestuft werden kann. Die weit überwiegende Mehrheit der Benutzungen des Symbols sei nach wie vor vollkommen harmlos.<ref name=":1" /><ref>Tessa Högele: Das Okay-Handzeichen wird jetzt offiziell als Hasssymbol gelistet. In: ze.tt. ze.tt GmbH, 2. Oktober 2019, abgerufen am 21. Mai 2020.</ref> Die Einstufung als Hasssymbol zog bald eine große Menge an Kritik von Menschen, welche die Bewertung als Hasssymbol als lächerlich erachteten, auf sich.<ref>Valerie Richardson: ‘OK’ sign, ‘bowlcut,’ anti-antifa logo added to ADL ‘hate’ list. In: The Washington Times. The Washington Times, LLC, 26. September 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Mehrere Personen sind wegen der Benutzung des OK-Symbols seit 2017 gekündigt oder anderweitig von ihrem Arbeitgeber gemaßregelt worden, was oft als Überbewertung oder Beweis des Erfolgs eines Hoaxes kritisiert wird.<ref>Douglas Ernst: Cubs investigate fan’s ‘offensive gesture that is associated with racism’ during broadcast. In: The Washington Times. The Washington Times, LLC, 8. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Joel Shannon: Coast Guard member reassigned after he flashed 'offensive' hand gesture on TV. In: USA Today. Gannett, 5. Dezember 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Universal Orlando actor fired for making racist hand gesture. In: AP News. The Associated Press, 2. Oktober 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Brandenburger Landesvorsitzende des AfD-Jugendverbands Junge Alternative Anna Leisten wurde im August 2023 vom Landesvorstand der AfD Brandenburg abgemahnt, weil sie in einem Instagram-Posting vom August 2022 neben einem Redakteur des rechtsextremen Magazins Compact das Zeichen verwendet hatte.<ref>Frederik Schindler, Parteistrafe gegen Chefin der Jungen Alternative Brandenburg, in: Die Welt vom 8. August 2023 (Online)</ref>
Siehe auch
Weblinks
- Rechter Sprachjargon mit Symbolcharakter (PDF; 0,2 MB)
- Versteckspiel - Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen
Einzelnachweise
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