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Chinidin

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Strukturformel
Datei:Quinidine Structural Formula V1.svg
Allgemeines
Name Chinidin
Andere Namen
  • (+)-(9S)-6′-Methoxycinchonan-9-ol
  • (+)-Chinidin
  • Bis[(S)-[(2R,4S,5R)-5-ethenyl-1-azabicyclo[2.2.2]oct-2-yl](6-methoxychinolin-4-yl)methanol]-sulfat-Dihydrat (Als Sulfat im Europäischen Arzneibuch) <ref>Europäisches Arzneibuch. 10. Auflage. Deutscher Apotheker Verlag, 2020, S. 3240.</ref>
Summenformel
  • C20H24N2O2 (Chinidin)
  • C20H24N2O2·H2SO4·H2O (Chinidin·H2SO4·H2O)
Kurzbeschreibung

farbloser, kristalliner Feststoff<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 200-279-0
ECHA-InfoCard 100.000.254
PubChem 441074
ChemSpider 389880
DrugBank DB00908
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C01BA01

Wirkstoffklasse

Antiarrhythmikum

Eigenschaften
Molare Masse
  • 324,43 g·mol−1 (Chinidin)
  • 782,94 g·mol−1 (Chinidin·H2SO4·H2O)
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

174–175 °C (Chinidin) <ref name="MERCK_Index">The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals. 14. Auflage. Merck & Co., Whitehouse Station NJ 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 1385–1386.</ref>

Löslichkeit

schlecht in Wasser (0,5 g·l−1 bei 20 °C, Chinidin)<ref name="MERCK_Index" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Datei:GHS-pictogram-skull.svg

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301​‐​317
P: 261​‐​270​‐​280​‐​301+310​‐​302+352​‐​333+313<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

1000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="Dr. Dukes" />
594 mg·kg−1 (LD50Mausoral)<ref name="Dr. Dukes" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Chinidin ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine chemische Verbindung und gehört zu der Naturstoffgruppe der Chinolin-Alkaloide. Chinidinsulfat wird als Arzneistoff verwendet.

Geschichte

Chinidin gilt als das erste wirksame Antiarrhythmikum. Es wurde bereits 1847 von Ferdinand Ludwig Winckler (1801–1868) entdeckt. Seine Wirkung gegen Arrhythmien konnte 1918 durch Walter Frey (1884–1972) nachgewiesen werden. Er belegte die Wirksamkeit bei Vorhofflimmern.<ref>Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., überarb. und erw. Auflage. Wiss. Verl.-Ges., Stuttgart 2005, ISBN 3-8047-2113-3, S. 163.</ref>

Vorkommen

Datei:Starr 020518-0004 Cinchona calisaya.jpg
In der Rinde des Chinarindenbaumes findet man Chinolin-Alkaloide, darunter (+)-Chinidin<ref name="Gossauer">Albert Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomoleküle. Verlag Helvetica Chimica Acta, Zürich 2006, ISBN 3-906390-29-2, S. 495.</ref>

Chinidin kommt in der Rinde der Chinarindenbäume, wie im Roten Chinarindenbaum Cinchona pubescens aber auch Cinchona officinalis und Cinchona spp. vor<ref name="Dr. Dukes" /> und kann daraus gewonnen werden.

Struktur

Chinidin ist ein Diastereomer des Chinins und weist eine (8R,9S)-Konfiguration auf [Chinin besitzt (8S,9R)-Konfiguration]. Die Konfiguration am Kohlenstoffatom, an das die Vinylgruppe gebunden ist, ist bei diesen beiden chiralen Verbindungen gleich.

Verwendung

Chinidin findet Einsatz als intravenöses und orales Antiarrhythmikum (Klasse 1A nach Vaughan Williams) bei Vorhofflimmern, Extrasystolen und ventrikulären Tachyarrhythmien. Seine Wirkung beruht auf der Bindung an offene Natriumkanäle. Die Wirksamkeit ist frequenzabhängig, da der Ionenkanal-Chinidin-Komplex sich nur langsam löst. Außerdem verringert die Substanz auch die Kaliumleitfähigkeit, was zu einer Verlängerung der Aktionspotentialdauer führt. Im Gegensatz zur Natriumleitfähigkeit nimmt diese Wirkung mit höherer Frequenz ab. Zusätzlich hemmt Chinidin Calciumkanäle der Herzmuskulatur und besitzt atropinähnliche Wirkungen. Dieser anticholinerge Effekt antagonisiert teilweise auch die Wirkung, daher kann bei niedrigen Dosierungen die Herzfrequenz zunehmen und die Überleitung verbessert sein. Bei hohen Dosierungen blockiert Chinidin die atrioventrikuläre Übertragung.

Chinidin wird bei oraler Gabe gut resorbiert. Die Halbwertszeit beträgt etwa 5 h und die Ausscheidung erfolgt überwiegend über die Niere.

Auf Grund seiner ausgeprägten Nebenwirkungen (QTc-Zeit-Verlängerung, AV-Block, Torsade de pointes, ventrikuläre Tachykardien sowie gastrointestinale Beschwerden aufgrund seiner atropinähnlichen Wirkung) wird es heute nur noch selten verwendet. Bei intravenöser Gabe bewirkt Chinidin eine starke Abnahme<ref>Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 73 (1. Auflage 1986).</ref> des Gefäßwiderstandes.

Die Kombination mit anderen Arzneistoffen, welche kardiodepressiv wirken, sollte man unbedingt vermeiden, da es zu einer starken Vermehrung der Nebenwirkungen kommen kann. Bei Kombination mit Digoxin steigt dessen Plasmaspiegel stark an. Bei Kombination mit Loperamid kann es aufgrund einer Blockade des P-Glykoproteins an der Blut-Hirn-Schranke<ref>Aktories: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 9. Auflage.</ref> zu Atemdepression kommen.

Es wurde bis 2018 in Deutschland in Kombination mit Verapamil von Abbott unter dem Namen Cordichin im Handel vertrieben.<ref>Rote Liste online, Stand: September 2009.</ref>

Einzelnachweise

<references> <ref name="Dr. Dukes"> Vorlage:DrDukesDB </ref> </references>

Vorlage:Hinweisbaustein