North Sentinel Island
| North Sentinel Island
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|---|---|---|---|---|---|---|
| Gewässer | Indischer Ozean | |||||
| Inselgruppe | Andamanen | |||||
| Geographische Lage | 11° 33′ N, 92° 15′ O
{{#coordinates:11,55|92,25|primary
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dim=12000 | globe= | name=North Sentinel Island | region=IN-AN | type=isle
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| Länge | 12 km | |||||
| Breite | 10 km | |||||
| Fläche | 59,67 km² | |||||
| Höchste Erhebung | 122 m | |||||
| Einwohner | 50 Sentinelesen (31. Dezember 2013, Schätzung) <1 Einw./km² | |||||
| Hauptort | — | |||||
North Sentinel Island ist die westlichste Insel der zu Indien gehörenden Inselgruppe der Andamanen im Indischen Ozean. Als erster Europäer sichtete sie 1771 John Ritchie, und sie wurde 1880 von Maurice Vidal Portman als erstem Europäer betreten.
Die Insel wird ausschließlich von den Sentinelesen bewohnt, einem isolierten Volk, das jeden Kontakt mit dem Rest der Welt ablehnt.<ref name="Spiegel">Rainer Leurs: Schreckensinsel North Sentinel Island: Von allen guten Gästen verlassen. einestages auf Spiegel Online, 9. September 2013.</ref> Die Onge, ein weiteres indigenes Volk der Andamanen, nennen die Insel Chankute. Wie die Sentinelesen ihre Heimat nennen, ist unbekannt.<ref>P. K. Mohanty: Encyclopaedia of Primitive Tribes in India, Band 2. Kalpaz Publications, Delhi 2004, ISBN 978-81-7835-279-4, S. 585–587.</ref>
Geographie
Die Insel liegt knapp 40 Kilometer westlich von Süd-Andaman, rund 60 Kilometer nördlich von South Sentinel Island und ist von Riffen umgeben. Sie hat eine Fläche von knapp 60 km². Die höchste Erhebung erreicht 122 Meter über dem Meeresspiegel.<ref name="Srivastava-2017">Vinay K. Srivastava: The Sentinelese (PDF: 1,5 MB, 16 Seiten). National Commission for Scheduled Tribes (NCST), Neu-Delhi 2017 (englisch; Powerpoint-Präsentation eines Professors des Anthropological Survey of India auf dem PVTGs-Seminar Conservation of Particularly Vulnerable Tribes of Andaman and Nicobar Islands).</ref><ref></ref> Die Insel weist eine dichte tropische Vegetation auf und ist recht flach. Der Umfang der Insel beträgt ca. 28 Kilometer. Die Insel gehört zum Ferrarganj tehsil im South Andaman District.<ref>Andaman and Nicobar Islands, Administrative Divisions 2011</ref>
Die Insel ist größtenteils von tropischem und subtropischem Feuchtwald bedeckt. Aufgrund fehlender Kartierungen ist die genaue Zusammensetzung der terrestrischen Flora und Fauna unbekannt. Maurice Vidal Portman berichtete auf seiner Expedition zur Insel im Jahr 1880 von einem offenen, parkähnlichen Dschungel mit zahlreichen Hainen des Gemeinen Kugelbaums (Manilkara littoralis) sowie riesigen, mit Stützwurzeln versehenen Exemplaren des Malabar-Seidenwollbaums (Bombax ceiba).<ref>A visit to North Sentinel island: ‘Please, please, please, let us not destroy this last haven’. 24. November 2018, abgerufen am 22. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bevölkerung
2001 wurde die Bevölkerung auf 39 Personen geschätzt,<ref>Andaman & Nicobar Islands: Statistical Hand Book 2007–08 to 2009–10. (PDF; 368 kB) Andaman & Nicobar Administration; Table – 1.7; Stand 28. August 2017 (englisch).</ref> es könnten jedoch auch mehr als hundert sein, die in den Wäldern der Insel leben, da aufgrund der selbstgewählten Isolation der Sentinelesen keine Zählung stattfand. Die Schätzung zum Stichtag 31. Dezember 2013 führte 50 Einwohner auf, litt aber unter demselben Problem.<ref>Islandwise Area and Population – 2011 Census. (PDF; 347 kB) Table-1.23; Schedule Tribe population in A & N Islands (Stand 31. Dezember 2013)</ref> Das Online-Magazin Travelbook des Springer-Verlags zitierte im Jahr 2021 eine Schätzung der Einwohnerzahl mit 50 bis 80.<ref>https://www.travelbook.de/orte/gefaehrliche-orte/das-geheimnisvolle-volk-betreten-sie-bloss-nicht-diese-insel</ref>
Geschichte
Der Brite John Ritchie berichtete 1771, dass North Sentinel Island bevölkert sein müsse, da man von der Diligent, einem Forschungsschiff der Britischen Ostindien-Kompanie, an der Küste zahlreiche Lichter gesehen hatte.<ref name="andaman.org">George Weber: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Chapter 8: The Tribes; Part 6. The Sentineli. ( vom 7. Mai 2013 im Internet Archive) In: The Andamanese. 30. März 2006 (englisch).</ref>
1880 landete der britische Kolonialbeamte Maurice Vidal Portman als erster Europäer auf der Insel und verschleppte sechs Sentinelesen nach Port Blair. Die Verschleppten erkrankten rasch, zwei der Sentinelesen starben. Die verbliebenen Inselbewohner wurden daraufhin zurück auf die Insel gebracht.<ref>Chelsea McLaughlin: The man responsible for the uncontacted Sentinelese tribe's hostility to outsiders. 3. Dezember 2018, abgerufen am 13. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Portman kehrte zwischen Januar 1885 und Januar 1887 mehrmals auf die Insel zurück.<ref name="Befriending">Jayanta Sarkar: Befriending the Sentinelese of the Andamans: A Dilemma. In: Georg Pfeffer, Deepak Kumar Behera (Hrsg.): Development Issues, Transition and Change (= Contemporary Society: Tribal Studies). Band 2. Concept Publishing Company, Neu-Delhi 1997, ISBN 81-7022-642-2, S. 287 (books.google.com).</ref>
1896 entkam ein indischer Sträfling auf einem Floß von den Großen Andamanen und gelangte auf die Insel. Die Suchmannschaft fand ihn Tage später, von Pfeilen getroffen und mit durchgeschnittener Kehle.<ref name="andaman.org" />
Der österreichische Bergsteiger und Autor Heinrich Harrer versuchte 1974 in Begleitung des belgischen Ex-Königs Leopold III. mit den Sentinelesen Kontakt aufzunehmen, wurde aber mit Pfeil und Bogen bedroht und zog sich zurück.
1975 waren Anthropologen und der Fotograf Raghubir Singh für National Geographic dort. Sie lockten Einwohner mit Kokosnüssen und anderen Lebensmitteln an den Strand und fotografierten sie aus der Ferne.<ref>Nik: Lockfutter für Sentinelesen. In: wojtko.de. 2. März 2011, abgerufen am 21. April 2021.</ref><ref>Man in search of Man - Andaman Peoples (High Quality). Abgerufen am 13. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Am 2. August 1981 strandete während eines Taifuns der Frachter Primrose im Nordwesten der Insel. Die 33-köpfige Besatzung wurde mit einem Hubschrauber gerettet. Das Wrack verblieb an Ort und Stelle (Standort
{{#coordinates:11,593466|92,21234|
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|name=Wrack der Primrose
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}}), da eine Bergung nicht möglich war.<ref name="Spiegel" />
Am 4. Januar 1991 betraten die Ethnologen Trilok Nath Pandit und Vishvajit Pandya die Insel. Diese Begegnung verlief friedlich.<ref>Peter Mühlbauer: Leiche des Amerikaners, der unkontaktiertes Volk missionieren wollte, soll nicht geborgen werden. In: Telepolis. 27. November 2018, abgerufen am 21. April 2021.</ref><ref>Filmaufnahmen</ref>
Die Insel wurde 1996 zum Sperrgebiet erklärt, der Besuch der Insel ist deshalb seither verboten. Das Verbot wird von der indischen Marine und der indischen Polizei überwacht.
Als nach dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004 ein Hubschrauber der indischen Küstenwache die Insel überflog, wurde er mit Pfeilen beschossen und zur Umkehr gezwungen.<ref name="Spiegel" /> Bei dem Erdbeben wurde die tektonische Platte unter der Insel um ein bis zwei Meter angehoben, wodurch sich ihre Küstenlinien ausweiteten und einige der Korallenbänke trockenfielen.
Im Januar 2006 wurden zwei Fischer möglicherweise von Sentinelesen getötet. Die genauen Todesumstände sind ungeklärt, wie auch die Frage, ob die Fischer heimlich zur Küste gerudert oder versehentlich vom Kurs abgekommen waren. Der Fund der Leichen am 28. Januar 2006 durch einen Suchhubschrauber widerspricht lange Zeit verbreiteten Gerüchten, die Sentinelesen seien Kannibalen.<ref>Vishvajit Pandya: In the Forest: Visual and material Worlds of Andamanese History (1858–2006). University Press of America, Lanham 2009, ISBN 978-0-7618-4153-1, S. 326–364 (englisch).</ref> (siehe auch Hauptartikel Todesfall auf North Sentinel Island 2006)
Im November 2018 wurde der US-amerikanische Missionar John Allen Chau von Einwohnern getötet, als er verbotenerweise die Insel betrat, um die Sentinelesen zu bekehren.<ref>Meldung (AFP): Ureinwohner töten mit Pfeil und Bogen einen Touristen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. November 2018, abgerufen am 21. April 2021.</ref>
Am 29. März 2025 landete der 24-jährige US-Tourist Mykhailo Polyakov unerlaubt auf der Insel. Trotz Versuchen, durch Pfeifensignale Aufmerksamkeit zu erregen, wurde Polyakov von den Sentinelesen ignoriert. Er betrat die verbotene Insel für wenige Minuten, filmte sich dabei, entnahm Sandproben und hinterließ Geschenke. Nach seiner Rückkehr wurde er auf den Andamanen und Nikobaren von der Polizei festgenommen und seine Ausrüstung beschlagnahmt.<ref>Tourist (24) betritt verbotene Insel – und wird einfach ignoriert</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />