Wasserfeder
Vorlage:Hinweisbaustein <templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Wasserfeder | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:HottoniaPalustrisAspect.jpg
aus dem Wasser ragende Blütenstände | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Hottonia palustris | ||||||||||||
| L. |
Die (Europäische) Wasserfeder oder Wasserprimel (Hottonia palustris) ist eine der beiden Pflanzenarten aus der Gattung der Wasserfedern (Hottonia) innerhalb der Familie der Primelgewächse (Primulaceae). Sie gedeiht in den gemäßigten Zonen Europas und Kleinasiens.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Wasserfeder ist eine überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze. Sie wächst normalerweise untergetaucht im Süßwasser. Die submerse, mit zahlreichen fadenförmigen, weißen Wurzeln versehene Hauptsprossachse der Stängelpflanze wird 15 bis 50 Zentimeter lang und wurzelt im Schlamm.<ref name="FloraWeb" /> An ihr wachsen aus den Knoten rosettig genäherte, hellgrüne Laubblätter, die bei einer Länge von bis zu 8 Zentimetern kammförmig gefiedert sind. Die meist 3, selten bis zu 5 Zentimeter langen sowie 1,5 Millimeter breiten Blattabschnitte können gegabelt sein.<ref name="FloraWeb" /> Sowohl der Blütenstand als auch der Stängel sind mit roten Stieldrüsen und weißen borstlichen Haaren besetzt.<ref name="Hegi1966" />
Generative Merkmale
In den Blattachseln stehen 30 bis 50 Zentimeter lange Blütenstände, die über die Wasseroberfläche ragen. In etagenartig angeordneten Quirlen sind jeweils drei bis sechs gestielte Blüten angeordnet.<ref name="FloraWeb" /> Die Blütenstiele sind etwa so lang wie die Tragblätter.<ref name="Hegi1966" /> Als Fruchtstiele verlängern sie sich und sind dann abwärts gekrümmt.<ref name="Hegi1966" />
Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenkelch ist tief, nämlich bis zu drei Vierteln eingeschnitten. Er ist 3 bis 4 Millimeter lang.<ref name="Hegi1966" /> Die weiße bis blassrosafarbene Blütenkrone weist einen Durchmesser von bis zu 2 Zentimetern auf.<ref name="FloraWeb" /> Die Kronröhre ist etwa so lang wie der Kelch.<ref name="Hegi1966" /> Die Kronzipfel sind 7 Millimeter lang, verkehrt eiförmig, stumpf oder etwas ausgerandet.<ref name="Hegi1966" />
Die Kapselfrüchte sind kugelig und kürzer als der Kelch. Sie enthalten zahlreiche ellipsoidische oder kugelig-stumpfkantige Samen von etwa 0,5 Millimeter Durchmesser. Sie sind frisch gereift hellbraun und werden später schwarzbraun.<ref name="Hegi1966" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 20.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Bei der Wasserfeder handelt es sich um einen hydromorphen Hydrophyten;<ref name="FloraWeb" /> eine unter Wasser wurzelnde Wasserpflanze, in trocken fallenden Gewässern seltener eine Sumpfpflanze. Die stark zerteilten Blätter dienen zur Oberflächenvergrößerung und damit zur besseren Aufnahme von Nährsalzen sowie von Sauerstoff und Kohlendioxid. Die Wasserpflanze überdauert als grüne Pflanze und übersteht auch das Einfrieren in winterlichen Gewässern recht gut. Vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung im Wasser.
Die Europäische Wasserfeder ist in der Lage, das temporäre Austrocknen eines Gewässers zu überstehen. Sie bildet dann einen dichten Rasen über dem feuchten Schlammboden, wobei die Blätter wesentlich kleiner bleiben als bei der aquatilen Form.
Blütenökologisch handelt es sich um eine „Nektar führende Scheibenblume“. Die Blüten sind verschiedengrifflig, sie zeigen also Heterostylie. Bestäuber sind Zweiflügler, besonders Schwebfliegen und andere kurzrüsselige Insekten. Zuweilen bleiben die Blüten geschlossen, also kleistogam. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Die Heterostylie wurde gerade bei dieser Art von Christian Konrad Sprengel zum ersten Mal beobachtet und 1793 beschrieben.<ref name="Sprengel1793" /> Die Narbe tritt bei den langgriffeligen Blüten etwa 1 bis 2 Millimeter weit aus der Kronröhre hervor. Bei den kurzgriffeligen Blüten reicht sie bis zum Eingang der Kronröhre.<ref name="Hegi1966" /> Sprengel schreibt dazu wörtlich: „Ich glaube nicht, daß dieses etwas zufälliges, sondern eine Einrichtung der Natur ist, ob ich gleich nicht im Stande bin, die Absicht derselben anzuzeigen.“<ref name="Sprengel1793" />
Die kugeligen Kapselfrüchte öffnen sich durch fünf Klappen am oberen Ende. Die Diasporen breiten sich durch Schwimmausbreitung sowie als Anhafter an Wasservögeln aus.
Vorkommen
Die Europäische Wasserfeder ist im klimatisch gemäßigten Europa (ohne Mittelmeergebiet), im europäischen Teil Russlands sowie punktuell in Kleinasien vertreten. Sie kommt in Mitteleuropa zerstreut vor. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst die Länder Frankreich, Deutschland, Belgien, die Niederlande, Dänemark, die Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen, die Slowakei, Ungarn, Italien, Kroatien, Slowenien, Serbien, Lettland, Litauen, Belarus, die Ukraine, Moldau, Rumänien, die Türkei und das europäische Russland.<ref name="GRIN" />
Ihr Lebensraum sind seichte, nur mäßig nährstoffreiche Gewässer wie Gräben, Tümpel, Moorseen und Altwässer. Die Wasserfeder ist vorwiegend in Tiefebenen zu finden. Die Wasserfeder ist pflanzensoziologisch die Charakterart einer Assoziation, die mit den Begleitarten Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris), Kleiner Wasserlinse (Lemna minor) und Gewöhnlichem Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) das Hottonietum palustris Tx. 1937 bilden kann.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 5w+ (überschwemmt aber Feuchtigkeit stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Bedrohung und Schutz
Mancherorts in Mitteleuropa steht die Wasserfeder auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten. So wurde sie 1996 in Deutschland als gefährdet bewertet. Sie ist nach dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz und durch die BArtSchV „besonders geschützt“ und darf nicht aus der Natur entnommen werden.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Schmeil und Fitschen2024" />
Nutzung
Die Wurzel wurde früher zum Schwarzfärben verwendet.<ref name="Hegi1966" />
Literatur
- Fritz Runge: Die Pflanzengesellschaften Mitteleuropas. Aschendorff, Münster, 1986. ISBN 3-402-04383-1.
- Elfrune Wendelberger: Pflanzen der Feuchtgebiete. BLV-Intensivführer, München, 1986. ISBN 3-405-12967-2.
- Christel Kasselmann: Aquarienpflanzen. Ulmer Verlag, Stuttgart 1995; 2., überarbeitete und erweiterte Auflage 1999, ISBN 3-8001-7454-5, S. 296.
Weblinks
- Vorlage:BIB
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Steckbrief ( vom 12. März 2016 im Internet Archive), BioFlor Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland
- Hottonia palustris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.
- Verbreitung von Hottonia palustris auf der Nordhalbkugel bei linnaeus.nrm.se.
- Thomas Meyer: Wasserfeder Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="FloraWeb"> Hottonia palustris L., Wasserfeder. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Hottonia palustris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Hegi1966"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage. unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, S. 1832–1836. Verlag Carl Hanser, München 1966. </ref> <ref name="Sprengel1793"> Christian Konrad Sprengel: Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen. Berlin, 1793, S. 103. (deutschestextarchiv.de) </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024"> Michael Koltzenburg: Hottonia. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7, S. 619. </ref> </references>
Krebsschere (2003) | Südlicher Wasserschlauch (2004) | Vielstachelige Armleuchteralge (2005) | Europäische Seekanne (2006) | Großes Nixenkraut (2007) | Gemeiner Schwimmfarn (2008) | Durchwachsenes Laichkraut (2009) | – (2010) | Wassernuss (2011) | Gewöhnlicher Wasserhahnenfuß (2012) | Igelschlauch (2013) | Australischer Kleefarn (2014) | Südlicher Wasserschlauch (2015) | Flutender Wasserhahnenfuß (2016) | Weiße Seerose (2017) | Stern-Armleuchteralge (2018) | Europäischer Froschbiss (2019) | Echter Seeball (2020) | Wasserfeder (2021) | Hornblättrige Armleuchteralge (2022) | Europäischer Strandling (2023) | Quellmoos (2024) | Gewöhnlicher Tannenwedel (2025)