Ehrlichkeit
Ehrlichkeit bezeichnet die sittliche Eigenschaft<ref>Wilhelm Rein (Hrsg.): Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik, Band 2, 1904 (books.google.com).</ref> des Ehrlichseins (von „ehrlich“, althochdeutsch êrlîh, mittelhochdeutsch êrlîch)<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref> und wird heute meist in der Bedeutung von Redlichkeit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Offenheit, Geradlinigkeit und Fairness verwendet.<ref>Ehrlichkeit. Duden, abgerufen am 18. November 2012.</ref>
Die Ehre (Ehrenhaftigkeit) als persönliches Attribut kann als Ergebnis der Ehrlichkeit (ehrlichen Verhaltens) angesehen werden. Parallel dazu läuft die Entwicklung von „ehrlich“ und „Ehrlichkeit“. Bis vor einigen Jahrzehnten verstand man unter einem ehrlichen Menschen ausschließlich einen Menschen, der nicht lügt und nicht stiehlt: So lautete die Forderung seit der Pädagogik der Aufklärung. Die Erziehung zur Ehrlichkeit oder – negativ gewendet – die Verabscheuung der Lüge blieb ein zentrales Anliegen erzieherischer Praxis.<ref>Friedrich Koch: Der Kaspar-Hauser-Effekt. Über den Umgang mit Kindern. Opladen 1995, ISBN 978-3-8100-1359-0.</ref> In neuerer Zeit – kurz nach dem Zweiten Weltkrieg durch literarische Werke wie etwa Osbornes Look back in Anger („Blick zurück im Zorn“) oder Kingsley Amis’ Lucky Jim angebahnt – hat sich eine Bedeutungserweiterung vollzogen: Als „ehrlich“ werden mittlerweile auch jene Menschen bewertet, die zu sich selbst, ihren Macken, ihren Defiziten, ihren entwicklungsbedingten Störungen usw. (reflektiert) stehen und nichts beschönigen<ref>Echte und falsche Ehrlichkeit. In: Ilse und Ernst Leisi: Sprach-Knigge oder Wie und was soll ich reden? Tübingen 1993, S. 173–176. Abgerufen am 28. März 2010.</ref> oder dramatisieren. Unterschieden wird Ehrlichkeit im Reden, was bedeutet, die Wahrheit zu sagen, und die Ehrlichkeit im Verhalten, zum Beispiel um andere nicht zu manipulieren, nicht zu täuschen, um anderen nicht zu schaden oder einen Auftrag (ohne einen eigenen Vorteil wahrzunehmen und im Sinne eines fairen Auftraggebers) sachlich zu Ende zu bringen.<ref>(Bollnow, zitiert nach Wickert, Das Buch der Tugenden. S. 234 f.)</ref>
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
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