Haingrund
Haingrund Gemeinde Lützelbach
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(966)&title=Haingrund 49° 46′ N, 9° 6′ O
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| Höhe: | 246 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 8,08 km²<ref name=Gindex /> | |||||
| Einwohner: | 966 (2. Mai 2024) HW<ref name="DF">Daten & Fakten. Gemeinde Lützelbach, abgerufen im Januar 2025.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 120 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Februar 1971 | |||||
| Eingemeindet nach: | Steinbachtal | |||||
| Postleitzahl: | 64750 | |||||
| Vorwahl: | 06066 | |||||
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Haingrund ist ein Ortsteil der Gemeinde Lützelbach im südhessischen Odenwaldkreis.
Geographie
Das offene Dorf mit regellosem Grundriss liegt im Buntsandsteingebiet des Odenwalds bei doppelter Gehängelage, ca. 14,5 km nordwestlich von Erbach, im Tal des Steinbachs.<ref name="lagis" /> Der Ortsteil Haingrund besteht aus der 808,1 Hektar umfassenden Gemarkung Haingrund.<ref name=Gindex>Gemarkung Haingrund. In: GEOindex. Abgerufen im Dezember 2024.</ref> Mehr als drei Viertel der Gemarkung, nämlich 638 Hektar, sind Wald. An den Ortsteil Haingrund grenzen, vom Norden beginnend, im Uhrzeigersinn die Orte Seckmauern, das bayerische Klingenberg am Main Lützel-Wiebelsbach, Vielbrunn, Kimbach der Stadt Bad König, Breitenbrunn und Lützel-Wiebelsbach. Durch den Ort führt die Landesstraße 3349, die Breitenbrunn und Seckmauern verbindet.
Geschichte
Ortsgeschichte
Die Siedlungsgeschichte ist nur lückenhaft erforscht. In römischer Zeit gab es in der Waldabteilung „Windlücke“ ein kleines Kastell des Odenwaldlimes und mehrere Wachtürme; eine zivile Ansiedlung ist nicht nachgewiesen.
Ab dem 12./13. Jahrhundert bestehen wohl zwei Siedlungen: zum einen „Walderlebach“ im Bereich des heutigen Unterdorfs oder noch weiter talabwärts gelegen, wahrscheinlich eine Filialsiedlung des benachbarten mainzischen „Erlebach“ (Wörth am Main); zum anderen das breubergische „Hennegrund“ im Bereich des Oberdorfs. Ab 1806 ist „Haingrund“ alleiniger amtlicher Ortsname der beiden inzwischen zusammengewachsenen Siedlungen. 1806 fiel der Ort an das Großherzogtum Hessen.
Nach Auflösung der alten Amtsstruktur 1822 fiel der Ort in den Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Höchst, nach der Reichsjustizreform von 1877 ab 1879 in den des Amtsgerichts Höchst im Odenwald.
Bis 1848 wurde Haingrund von der benachbarten Gemeinde Seckmauern mitverwaltet. Ab 22. November 1848 erhielt der Ort eine eigene Bürgermeisterei.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Februar 1971 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen der freiwillige Zusammenschluss mit Seckmauern zur Gemeinde Steinbachtal,<ref>Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Abs. 24 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 6,2 MB]).</ref> die ihrerseits am 1. August 1972 in der Gemeinde Lützelwiebelsbach aufging, die seit dem 1. Juli 1973 Lützelbach heißt.<ref></ref> Für Haingrund wurde wie für jeden Ortsteil der neugeschaffenen Gemeinde ein Ortsbezirk errichtet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 23 kB) § 7. In: Webauftritt. Gemeinde Lützelbach, abgerufen im Januar 2025.</ref>
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten bzw. Herrschaftsgebiete und deren untergeordnete Verwaltungseinheiten, in denen Haingrund lag:<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
- vor 1806: Heiliges Römisches Reich, 1⁄2 Grafschaft Erbach-Schönberg, Herrschaft Breuberg/ 1⁄2 Fürstentum Löwenstein-Wertheim-Rochefort, Zent Lützelbach
- ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),<ref group="Anm.">Mediatisierung infolge der Rheinbundakte.</ref> Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
- ab 1815: Großherzogtum Hessen<ref group="Anm.">Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung.</ref> (Souveränitätslande), Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
- ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Erbach<ref group="Anm.">Trennung zwischen Justiz (Landgericht Höchst) und Verwaltung.</ref>
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach
- ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Neustadt
- ab 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Erbach<ref name="RB1937" /><ref group="Anm.">Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst.</ref>
- ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,<ref group="Anm.">Infolge des Zweiten Weltkriegs.</ref> Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach, Gemeinde Steinbachtal<ref group="Anm.">Am 1. Februar 1971 als Ortsteil zur Gemeinde Steinbachtal.</ref>
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Gemeinde Lützelwiebelsbach<ref group="Anm.">Am 1. August 1972 als Ortsbezirk zur Gemeinde Lützelwiebelsbach.</ref>
- Ab 1973: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Gemeinde Lützelbach<ref group="Anm.">Am 1. August 1973 Umbenennung der Gemeinde zu Lützelbach.</ref>
Bevölkerung
Einwohnerentwicklung
- 1730: 5 wehrfähige Männer und 4 Beisassen (Haingrund), 4 wehrfähige Männer und 3 Beisassen (Walterlebach)<ref name="lagis" />
- 1961: 358 evangelische (= 64,97 %), 191 katholische (= 34,66 %) Einwohner<ref name="lagis" />
| Haingrund: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2024 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1834 | 411 | |||
| 1840 | 452 | |||
| 1846 | 511 | |||
| 1852 | 507 | |||
| 1858 | 502 | |||
| 1864 | 444 | |||
| 1871 | 415 | |||
| 1875 | 435 | |||
| 1885 | 426 | |||
| 1895 | 429 | |||
| 1905 | 421 | |||
| 1910 | 418 | |||
| 1925 | 389 | |||
| 1939 | 431 | |||
| 1946 | 527 | |||
| 1950 | 530 | |||
| 1956 | 517 | |||
| 1961 | 551 | |||
| 1967 | 673 | |||
| 1970 | 713 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 927 | |||
| 2015 | 941 | |||
| 2020 | 960 | |||
| 2024 | 966 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Gemeinde Lützelbach<ref name="EW" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" /> | ||||
Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Haingrund 927 Einwohner. Darunter waren 24 (2,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 192 Einwohner unter 18 Jahren, 375 zwischen 18 und 49, 204 zwischen 50 und 64 und 156 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 387 Haushalten. Davon waren 87 Singlehaushalte, 117 Paare ohne Kinder und 144 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 66 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 267 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />
Religion
Die evangelischen Christen gehören zur Kirchengemeinde Seckmauern, die katholischen zur Gemeinde Seckmauern/Haingrund (Pfarrei „Guter Hirte im Odenwaldkreis“). Die katholische Kirche am Ort (Hl. Kreuz, erbaut 1956) wird zweimal im Monat auch von der evangelischen Gemeinde für Gottesdienste genutzt.
Politik
Für Haingrund besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Haingrund) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern.<ref name="HS" /> Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 kam kein Ortsbeirat mehr zustande.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wie viele Odenwalddörfer besaß Haingrund niemals größere Wirtschaftskraft; die Bevölkerung war weit überwiegend in Land- und Forstwirtschaft tätig, wobei die enge Tallage für widrige Bedingungen sorgte. Auch aus diesem Grund gibt es bis heute keine größeren Gewerbeflächen.
Größter Betrieb am Ort ist die Fa. Tartler Zeltbau AG. Neben kleineren Handwerks- und Handelsfirmen ist in Haingrund auch die Firma Franpack, ein bedeutender Anbieter von Verpackungsmaschinen, ansässig. Viele Einwohner pendeln in die benachbarten Industriestandorte Neustadt und Elsenfeld.
In Haingrund befand sich bis 2023 das Funkfeuer KNG (König NDB).
Freizeit & Tourismus
In der 1878 erbauten „Alten Schule“, Erbacher Straße 1, existiert seit 2021 das amateurgeführte „Yesterchips Heimcomputer- und Spielekonsolenmuseum“.
Der rund neun Kilometer lange Wanderweg „HG1“ führt um den gesamten Ort.
In der Nähe des Sportplatzes befinden sich die Überreste des römischen Kleinkastells Windlücke, welches am dortigen Verlauf des Limes stand. Zur Veranschaulichung wurde 2021 ein Modell des Kastells dort errichtet.
Weblinks
- Webauftritt der Gemeinde Lützelbach
- Ortsteile. In: Internetauftritt. Gemeinde Lützelbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Oktober 2012; abgerufen am 3. September 2018.
- Haingrund, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Vorlage:HessBib
Anmerkungen und Einzelnachweise
Anmerkungen <references group="Anm." />
Einzelnachweise
<references>
<ref name="lagis">Haingrund, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
</ref>
<ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 36 und 90, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021.
</ref>
<ref name="RB1937">
Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]).
</ref>
<ref name="EW">Lützelbach in Zahlen. Hauptwohnungen in Haingrund 2015. Gemeinde Lützelbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im August 2024.
Lützelbach in Zahlen. Hauptwohnungen in Haingrund 2020. Gemeinde Lützelbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im August 2024.
</ref>
</references>