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Ernst March

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Datei:Terrakotten March AS Blatt 1.jpg
Terrakotten der Manufaktur Ernst March, entworfen u. a. von Friedrich August Stüler für das Domkandidaten­stift in Berlin. Oben rechts die Hohlform. Aus dem Architektonischen Album.
Datei:Terrakotten March AS Blatt 2.jpg
Terrakotten der Manufaktur Ernst March, rechts Kapitell für das Domkandidatenstift, links Kapitell für Säulen der Kuppelbauten auf den Kasernen gegenüber Schloss Charlottenburg. Aus dem Architektonischen Album
Datei:Villa March in Charlottenburg (Ansicht) DBZ 6.1872.jpg
Ansicht der Villa March in der ehemaligen Sophienstraße in Berlin-Charlottenburg (Deutsche Bauzeitung, 6.1872)

Ernst March (* 30. Juni 1798 in Panknin; † 14. Dezember 1847 in Charlottenburg) war ein deutscher Tonwarenfabrikant.

Leben

Ernst March wurde am 30. Juni 1798 in Panknin geboren. Nach einer Lehre als Töpfer in der Ofenfabrik Tobias Feilners war er für kurze Zeit dessen Teilhaber. 1836 gründete er jedoch eine eigene Firma, die Marchsche Tonwarenfabrik auf dem Tiergartenfeld in Charlottenburg. Das Fabrikgelände mit den Manufakturgebäuden und dem Wohnhaus lag auf Grundstücken, die heute als nördlicher Campus von der Technischen Universität Berlin genutzt werden. Ab 1847 trug die Straße, in der die Fabrik lag, den Namen Sophienstraße nach der Frau von Ernst March – Magdalena Sophie March, geborene Keller (* 12. August 1808 Frankfurt am Main; † 26.12.1889).<ref>Sophienstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins</ref> Gegenüber der eigenen Tonwarenfabrik ließ die Witwe von Ernst March 1867/1868<ref>Berlin und seine Bauten. Band 2/3 Der Hochbau. Band 3, S. 143 (Beschreibung und textlich-architektonische Würdigung der Villa, Ansicht und Grundriss (kleiner) ebda.), S. 141 (Abb. 320–322); digitale-sammlungen.de
Brigitte Reuter: Der Architekt und sein Haus. Architektenwohnhäuser in Deutschland, Österreich und der deutschen Schweiz von 1830 bis 1918. Weimar 2001, S. 185 („um 1870“); google.de/books</ref> von dem offensichtlich sonst nicht weiter in Erscheinung getretenen Architekten C. Hense eine Villa March in der ehemaligen Sophienstraße in Charlottenburg im gotischen Backsteinstil aus gelben Ziegeln und gleichfarbenen Terrakotten errichten.<ref>Ansichten, Grundrisse und Materialien zur Villa March: commons:Category:Villa March (Berlin Charlottenburg)
ausführliche Beschreibung der Villa March in: Deutsche Bauzeitung, 6.1872, S. 382–384 (mit großer Tafel und mit Grundrissen); books.google.de</ref> Anfang der 1880er ließ der Sohn von Ernst und Magdalena Sophie March, der auch die Leitung der Terrakotta-Fabrik übernahm, die Villa March abreißen und auf dem Gelände 1883–1884 ein Doppelhaus für sich selbst und seinen Bruder Emil errichten.<ref>Brigitte Reuter: Der Architekt und sein Haus. Architektenwohnhäuser in Deutschland, Österreich und der deutschen Schweiz von 1830 bis 1918. Weimar 2001, S. 185; google.de/books</ref>

Die Manufaktur fertigte vorerst einfache Industriekeramik, darunter Formen für die Zuckerindustrie, spezialisierte sich aber seit Beginn der 1840er Jahre auf Terrakotta- und Majolikaproduktion. March wurde zum führenden Terrakottaproduzenten und konkurrierte Feilners Fabrik. Feilner selber war 1839 gestorben. Friedrich August Stüler gab etwa 1844 die Terrakotten für die St. Matthäikirche in Auftrag und beschritt später beim Bau des Neuen Museums mit den Eisenkonstruktionen und Gewölben aus Topfziegeln aus Marchs Tonwarenfabrik neue technische Wege.

Datei:Luisenfriedhof I - Grab Ernst March.jpg
Grabstätte der Eheleute March auf dem Luisenfriedhof I
Datei:Töpferei von E. March.jpg
Anfang der Fabrik E. March
Datei:Tonwarenfabrik March.jpg
Tonwarenfabrik in der Sophienstraße Ecke Berliner Straße, heute Nordseite der Straße des 17. Juni

Beim Brennen der Terrakottasäulen für das Atrium des Stibadium im Paradiesgärtlein unterhalb des Orangerieschlosses in Potsdam, einem Werk von Ludwig Persius, arbeitete March 1846 wegen der Länge der Säulen im zugigen Kesselhaus der Fabrik, dabei „holte er sich eine Erkältung, die in ein Nieren- und Lungenleiden ausartete“, wie sein Sohn Paul in seinen Lebenserinnerungen schrieb. An den Folgen dieser Erkrankung starb Ernst March.

Nach seinem frühen Tod 1847 leitete die Witwe Sophie March, geborene Keller, das Unternehmen weiter. Ab 1865 führten die gemeinsamen Söhne Paul und Emil das Unternehmen als Ernst March & Söhne Tonwarenfabrik weiter. Sie stellte weiterhin hochwertige Terrakotten für bekannte und prestigeträchtige Bauten wie das Berliner Kunstgewerbemuseum, den Görlitzer Bahnhof oder das Rote Rathaus her. Der Sohn Otto wurde Architekt, ebenso die Enkel Walter und Werner March. Um 1896 beschäftigte die Fabrik Ernst March & Söhne 150 Arbeiter und verbrauchte jährlich 1.500 Tonnen Ton. 1902 fusionierte die Fabrik mit gleichartigen Unternehmungen zur Deutschen Ton- und Steinzeugwerke AG; die Fabrikation in Charlottenburg wurde aufgegeben.

Ernst und Sophie March wurden auf dem Luisenfriedhof I in Berlin-Charlottenburg – in der Nähe des Fabrikgeländes – beigesetzt.<ref>Birgit Jochens, Herbert May: Die Friedhöfe in Berlin-Charlottenburg. Stapp Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-87776-056-2.</ref> Die Marchstraße am ehemaligen Firmengelände heißt nach Ernst March.<ref>Marchstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref>

Auswahl von Bauten mit Terrakotten der Tonwarenfabrik Ernst March & Söhne

Datei:Radebeul Fontainenplatz4.jpg
Fontainenplatz in Radebeul, Vier Jahreszeiten. Hinten Villa Lotti, Dr.-Schmincke-Allee 18.
Datei:Guestrow historical 22.jpg
Kriegerdenkmal 1870/71 Güstrow
Atrium des Stibadium im Paradiesgärtlein, Potsdam Park Sanssouci
Atrium des Stibadium im Paradiesgärtlein, Potsdam Park Sanssouci

Literatur

Weblinks

Commons: Ernst March – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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