Fritz Diez
Fritz Diez (* 27. Februar 1901 in Meiningen; † 19. Oktober 1979 in Weimar) war ein deutscher Schauspieler, Theaterintendant und Regisseur. Er stellte in mehreren Spielfilmen Adolf Hitler dar.
Leben
Fritz Diez verließ nach der achten Klasse die Volksschule<ref name="FW Beilage 79">Ingrid Eberhardt: Kinder des Bezirkes – diesmal Schauspieler Fritz Diez oder: Das totale und unwiderrufliche Engagement fürs Theater. Freies Wort (FW-Beilage Nr. 20), 15. Juni 1979.</ref> und wollte Ingenieur werden<ref name="MNN">Wa.; Wir stellen vor: Intendant Fritz Dietz [sic]. Mitteldeutsche Neueste Nachrichten, 9. September 1954.</ref>. Zunächst machte er im Gaswerk eine Elektromonteur-Lehre, danach arbeitete er als Elektriker, Hausinstallateur und Schmied.<ref name="MNN" /><ref name="Freiheit">Anonymus: Menschen unserer Zeit: Intendant Fritz Diez – Landestheater Halle. Freiheit, 10. September 1954.</ref> Den Theaterliebhaber drängte es nach mehr als nur dem Zuschauen, so schlich er sich einmal in selbstgemachter Kostümierung in die Statisterie ein.<ref name="FW Beilage 79" /> Über einige „offizielle“ Statistenrollen<ref name="MNN" /><ref name="FW Beilage 79" /> rutschte er 1919<ref name="Neue Zeit">Georg-Michael Wagner: Wilhelm Tell, Peer Gynt und Fucik. Der Schauspieler Fritz Diez beging seinen 70. Geburtstag. Neue Zeit, 28. Februar 1971.</ref> ins erträumte Metier. Um darin Fuß zu fassen, nahm er in Meiningen Schauspielunterricht an der Hochschule für Schauspielkunst und debütierte auch dort 1920 noch als Schauspielschüler<ref name="Volk März">Werner Voigt: Grund-Sätze meines Lebens haben sich bewahrheitet. Mit dem Schauspieler Genossen Fritz Diez aus aktuellem Anlaß im Gespräch. Das Volk, 17. März 1979.</ref> und 1922 schließlich als Ensemblemitglied<ref name="Neue Zeit" /> auf der Bühne. In den folgenden 13 Jahren spielte er an Bühnen in Eisenach, Hanau, Flensburg, Bremerhaven, Würzburg, Baden-Baden und Eger.<ref name="Freiheit" /> Die Beobachtung einer Prügelattacke zweier Reichswehrsoldaten gegen einen Wehrlosen ließ ihn 1924 in Eisenach erstmals über die politischen Verhältnisse nachdenken.<ref name="Volk März" /><ref name="FW Beilage 79" /> 1928 sympathisierte er mit der KPD, 1932 trat er in die Partei ein.<ref name="Neue Zeit" /><ref name="Volk März" /><ref name="FW Beilage 79" /><ref name="TLZ">Gabriele Brandenburger: Die Meininger Intendantenzeit prägte sein Lebeb, jedoch: Seine Hauptrolle war stets der Neubeginn. Engagierter Zeitgenosse, Künstler und Kommunist: Fritz Diez. Thüringische Landeszeitung (Wochenendbeilage der Thüringischen Landeszeitung), 27. Februar 1976.</ref><ref name="TNN">Peter-J. Fischer: Mosfilm gratulierte vorfristig. Am 27. Februar beging Fritz Diez seinen 75. Geburtstag / Ein TNN-Gespräch. Thüringer Neueste Nachrichten, 28. Februar 1976.</ref> Am 6. März 1933 wurde ihm dies zum Verhängnis, denn aufgrund der neuen Machtverhältnisse im Land verlor er von einem Tag auf den anderen seine Anstellung.<ref name="FF dabei">H. Müncheberg: Fritz Diez. Wieder auf dem Bildschirm in Günter Görlichs Fernsehspiel Das verlorene Jahr. FF dabei, 21. – 27. Mai 1967.</ref><ref name="Neue Zeit" /><ref name="FW Beilage 79" /> In der Folgezeit erlebte er ein Spießrutenlaufen mit Denunziationen, Verhaftungen und Verhören.<ref name="Neue Zeit" /> 1935 emigrierte er in die Schweiz<ref name="MNN" /><ref name="Neue Zeit" />, wo er am Theater in St. Gallen spielte und sich politisch betätigte<ref name="FF dabei" /><ref name="Volk März" /><ref name="TNN" />, was eigentlich – unter Androhung der Ausweisung – untersagt war<ref name="FW Beilage 79" />.
1946 kehrte er nach Meiningen zurück, wo er sich für die Konstitution des Kulturbundes der DDR engagierte<ref name="Neue Zeit" />, Posten in ihm übernahm<ref name="Volk März" /> sowie als Schauspieler, Regisseur und Oberspielleiter, von 1947 bis 1954 auch als Intendant, am Meininger Theater tätig war<ref name="MNN" /><ref name="FF dabei" />. Hier leistete er eine beachtliche Aufbauarbeit, die im Zusammentrommeln von Arbeitskräften nebst Zusammenkratzen von Geldmitteln für eine Drehbühne gipfelte.<ref name="FW Beilage 79" /><ref>Tina Precht: Theater mit Schal und Mütze. Stunden aus 25 Jahren – Fritz Diez. Freies Wort (FW-Beilage Nr. 20), [o. D.] 1974.</ref> Anschließend wurde er als Generalintendant an das Landestheater nach Halle berufen.<ref name="Freies Wort">Anonymus: Intendant Fritz Diez verläßt Meiningen. Freies Wort, 7. Juli 1954.</ref><ref name="MNN" /><ref name="Freiheit" /> Dem weiterhin hohen Arbeitspensum musste seine Gesundheit Tribut zollen und folglich er selbst diese Funktion aufgeben.<ref name="TLZ" /> Seit 1958 war er Schauspieler und Regisseur in Dresden, am Deutschen Theater Berlin und an der Volksbühne Berlin.<ref name="FF dabei" /> Zusätzlich gab er viele Gastspiele an anderen Theatern.
1952 debütierte er bei der DEFA mit einer Hauptrolle im Film Schatten über den Inseln.<ref name="Neue Zeit" /> Er wirkte vor allem in Propagandafilmen für Kino und Fernsehen mit und etablierte sich schnell als herausragender Charakterdarsteller.<ref name="FF dabei" /> International bekannt wurde er in seiner Paraderolle: In mehreren Filmen der DEFA, aber auch in ausländischen- und Fernsehproduktionen<ref name="Neue Zeit" /><ref name="FW Beilage 79" />, insgesamt etwa zehnmal, verkörperte Diez Adolf Hitler so einprägsam, dass sich nachfolgende Darsteller an dieser Leistung messen lassen müssen<ref name="TNN" />.
Verheiratet war er mit der Schauspielerin Martha Beschort-Diez, die er in Eisenach kennengelernt hatte.<ref name="Neue Zeit" /> Beide verbrachten ihren Lebensabend im Weimarer Marie-Seebach-Stift, einem Altenheim für Bühnenkünstler.<ref name="Volk März" /><ref name="FW Beilage 79" /> Doch das Heim bedeutete keineswegs Beschaulichkeit durch Berufsaufgabe; Fritz Diez stand weiterhin für Gastrollen, zuletzt als Butler in Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame, und Gespräche mit allen, die ihn dazu einluden, zur Verfügung.<ref name="FW Beilage 79" /><ref>Werner Voigt: Aus des Lebens Fülle schöpfte er für seine Kunst. Zum Tode des Schauspielers Fritz Diez. Das Volk, 24. Oktober 1979.</ref> Kurz vor seinem Tod wurde er am 7. Oktober 1979 zum Ehrenbürger der Stadt Meiningen ernannt.<ref>meiningen.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Meininger Schauspieler und der Film ( vom 19. Juli 2011 im Internet Archive; PDF; 321 kB)</ref>
Filmografie (Auswahl)
- 1953: Jacke wie Hose
- 1955: Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse (Regie: Kurt Maetzig)
- 1956: Thomas Müntzer – Ein Film deutscher Geschichte
- 1957: Betrogen bis zum jüngsten Tag
- 1959: SAS 181 antwortet nicht (Regie: Carl Balhaus)
- 1959: Ware für Katalonien (Regie: Richard Groschopp)
- 1959: Im Sonderauftrag
- 1959: Maibowle (Regie: Günter Reisch)
- 1959: Musterknaben (Regie: Johannes Knittel)
- 1960: Fünf Patronenhülsen (Regie: Frank Beyer)
- 1961: Da helfen keine Pillen (Sprecher)
- 1962: Die Nacht an der Autobahn (Fernsehfilm)
- 1963: Karbid und Sauerampfer (Regie: Frank Beyer)
- 1963: Blaulicht: Heißes Geld (Regie: Otto Holub)
- 1963: Carl v. Ossietzky
- 1966: Flucht ins Schweigen (Regie: Siegfried Hartmann)
- 1966: Der Staatsanwalt hat das Wort: Bummel-Benno (Regie: Horst Zaeske)
- 1967: Die gefrorenen Blitze (Regie: János Veiczi)
- 1967: Blaulicht: Nachtstreife (TV-Reihe) (Regie: Manfred Mosblech)
- 1967: Rote Bergsteiger (Regie: Willi Urbanek) (TV-Serie)
- 1967: Als Hitler den Krieg überlebte (Já, spravedlnost; ČSSR; Regie: Zbyněk Brynych)
- 1970: Befreiung (Освобождение; UdSSR–DDR–Polen–Italien; Regie: Juri Oserow)
- 1972: Der Staatsanwalt hat das Wort: Vaterschaft anerkannt (TV-Reihe)
- 1973: Der Staatsanwalt hat das Wort: Verurteilt auf Bewährung (TV-Reihe)
- 1973: Siebzehn Augenblicke des Frühlings (Семнадцать мгновений весны; UdSSR–DDR; TV-Miniserie; Regie: Tatjana Liosnowa)
- 1974: Neues aus der Florentiner 73 (TV; Regie: Klaus Gendries)
- 1977: Gefährliche Fahndung (TV-Serie; Regie: Rainer Hausdorf)
- 1980: Glück im Hinterhaus (Regie: Herrmann Zschoche)
Theater
- 1958: Heiner Müller/Inge Müller: Die Korrektur (Bremer) – Regie: Hans Dieter Mäde (Maxim-Gorki-Theater Berlin)
- 1962: Peter Hacks: Die Sorgen und die Macht (Parteisekretär) – Regie:Wolfgang Langhoff (Deutsches Theater Berlin)
- 1964: Manfred Bieler: Nachtwache (Rechenthin) – Regie: Hans-Joachim Martens (Volksbühne Berlin – Theater im III. Stock)
- 1966: Max Frisch: Andorra (Tischler) – Regie:Fritz Bornemann (Volksbühne Berlin)
Auszeichnungen
- Vaterländischer Verdienstorden in Silber (1971)<ref name="FW Beilage 79" />
- Ehrenbürgerschaft der Stadt Meiningen (1979)
Literatur
- Marie-Louise Michel: Fritz Diez. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 1, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 469.
- Diez, Fritz, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 218
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Diez, Fritz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler und Regisseur |
| GEBURTSDATUM | 27. Februar 1901 |
| GEBURTSORT | Meiningen |
| STERBEDATUM | 19. Oktober 1979 |
| STERBEORT | Weimar |
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- Mann