Rimhorn
Rimhorn Gemeinde Lützelbach
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|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(793)&title=Rimhorn 49° 47′ N, 9° 2′ O
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| Höhe: | 256 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 6,62 km²<ref name=Gindex /> | |||||
| Einwohner: | 793 (2. Mai 2024) HW<ref name="DF">Daten & Fakten. Gemeinde Lützelbach, abgerufen am 30. Juli 2024.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 120 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 31. Dezember 1971 | |||||
| Eingemeindet nach: | Lützel-Wiebelsbach | |||||
| Postleitzahl: | 64750 | |||||
| Vorwahl: | 06165 | |||||
Rimhorn ist ein Ortsteil der Gemeinde Lützelbach im südhessischen Odenwaldkreis.
Geographie
Das geschossene Dorf Rimhorn liegt im Buntsandsteingebiet des Odenwalds bei einseitiger Gehängelage, ca. 15 km nordöstlich von Erbach, im Westen des Gemeindegebiets von Lützelbach.<ref name="lagis" /> Der Ortsteil Rimhorn besteht aus der 661,9 Hektar umfassenden Gemarkung Breitenbrunn.<ref name=Gindex>Gemarkung Rimhorn. In: GEOindex. Abgerufen im Januar 2025.</ref> Von Rimhorn aus schlängelt sich die Obrunnschlucht in Richtung Höchst im Odenwald mit den im Jahr 2007 restaurierten Modellschlössern, -burgen und Mühlen des romantischen Märchenpfad talabwärts. Dieser ist wieder zu einem attraktiven Ausflugsziel für Familien mit Kindern geworden.
An den Ortsteil Rimhorn grenzen, vom Norden beginnend, im Uhrzeigersinn die Orte Sandbach, Sandbach und Rai-Breitenbach der Stadt Breuberg, Lützel-Wiebelsbach, Breitenbrunn, Fürstengrund und Etzen-Gesäß der Stadt Bad König sowie Mümling-Grumbach und die Kernstadt von Höchst im Odenwald. Durch den Ort führt die Landesstraße 3106, die von der Bundesstraße 426 in Höchst i. Odw. in östlicher Richtung abzweigt und hinter Rimhorn in die Landesstraße 3259 (Rai-breitenbach – Lützel-Wiebelsbach) mündet.
Geschichte
Ortsgeschichte
Die älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Riemhurne weist in das Jahr 1273. Umgangssprachlich nennen die Einwohner in ihrem Dialekt den Ort liebevoll „Rimmen“.
Die denkmalgeschützte evangelische Kirche von Rimhorn, die äußerlich eher bescheiden wirkt, hat eine hochinteressante Baugeschichte. Im Verlauf von Restaurierungsarbeiten am Langhaus wurden in den 1950er Jahren zahlreiche frühromanische Reste freigelegt, die eine Datierung der Kirche ins 10./11. Jahrhundert möglich machen.<ref>denkmalpflege-hessen: Evangelische Pfarrkirche und ehemaliger Friedhof</ref>
1733 ließ sich der hessen-darmstädtischen Generallieutenant Johann Rudolf Victor von Pretlack über dem Ortskern ein herrschaftliches Anwesen errichten. Erhalten ist das Herrenhaus, das sogenannte Pretlack’sche Palais, das 2009 renoviert wurde.
1806 fiel der Ort an das Großherzogtum Hessen. Nach Auflösung der alten Amtsstruktur 1822 fiel der Ort in den Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Höchst, nach der Reichsjustizreform von 1877 ab 1879 in den des Amtsgerichts Höchst im Odenwald.
Früher wurde im Dorf hauptsächlich Landwirtschaft betrieben, was sich jedoch im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einem Wohnort entwickelt hat.
- Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung der Gemeinde Rimhorn in die Gemeinde Lützel-Wiebelsbach, die ihrerseits zum 1. August 1972 in der Gemeinde Lützelwiebelsbach aufging, die seit dem 1. Juli 1973 Lützelbach heißt.<ref></ref> Für Rimhorn wurde, wie für jeden Ortsteil der neugeschaffenen Gemeinde, ein Ortsbezirk gebildet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 23 kB) § 7. In: Webauftritt. Gemeinde Lützelbach, abgerufen im Oktober 2020.</ref>
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Rimhorn angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
- vor 1806: Heiliges Römisches Reich, 1⁄2 Grafschaft Erbach-Schönberg, Herrschaft Breuberg/ 1⁄2 Fürstentum Löwenstein-Wertheim-Rochefort, Zent Höchst
- ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),<ref group="Anm.">Mediatisierung infolge der Rheinbundakte.</ref> Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
- ab 1815: Großherzogtum Hessen<ref group="Anm.">Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung.</ref> (Souveränitätslande), Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
- ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Erbach<ref group="Anm.">Trennung zwischen Justiz (Landgericht Höchst) und Verwaltung.</ref>
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach
- ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Neustadt
- ab 1874: Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Erbach<ref name="RB1937" /><ref group="Anm.">Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst.</ref>
- ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,<ref group="Anm.">Infolge des Zweiten Weltkriegs.</ref> Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Gemeinde Lützelwiebelsbach<ref group="Anm.">Am 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Lützelwiebelsbach.</ref>
- Ab 1973: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Gemeinde Lützelbach<ref group="Anm.">Am 1. August 1973 Umbenennung der Gemeinde zu Lützelbach.</ref>
Bevölkerung
Einwohnerentwicklung
- 1961: 577 evangelische (= 88,91 %), 71 katholische (= 10,94 %) Einwohner<ref name="lagis" />
| Rimhorn: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2024 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1829 | 488 | |||
| 1834 | 504 | |||
| 1840 | 547 | |||
| 1846 | 598 | |||
| 1852 | 543 | |||
| 1858 | 532 | |||
| 1864 | 547 | |||
| 1871 | 579 | |||
| 1875 | 621 | |||
| 1885 | 609 | |||
| 1895 | 586 | |||
| 1905 | 593 | |||
| 1910 | 592 | |||
| 1925 | 548 | |||
| 1939 | 556 | |||
| 1946 | 702 | |||
| 1950 | 707 | |||
| 1956 | 644 | |||
| 1961 | 649 | |||
| 1967 | 700 | |||
| 1970 | 699 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 879 | |||
| 2015 | 893 | |||
| 2020 | 834 | |||
| 2024 | 793 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Gemeinde Lützelbach<ref name="EW" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" /> | ||||
Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rimhorn 879 Einwohner. Darunter waren 75 (8,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 153 Einwohner unter 18 Jahren, 381 zwischen 18 und 49, 192 zwischen 50 und 64 und 156 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 360 Haushalten. Davon waren 90 Singlehaushalte, 111 Paare ohne Kinder und 126 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 69 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 246 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />
Politik
Für Rimhorn besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rimhorn) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern.<ref name="HS" /> Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 56,6 %. Dabei wurden gewählt: je ein Mitglied der SPD, der CDU und der Liste „Überparteiliche Wählergemeinschaft Lützelbach“ (ÜWG).<ref>Ortsbeiratswahl Ortsbezirk Rimhorn. In: Votemanager. Gemeinde Lützelbach, abgerufen im Januar 2025.</ref> Der Ortsbeirat wählte Markus Reeh zum Ortsvorsteher.<ref>Ortsbeirat Rimhorn. In: Ratsinfosystem. Gemeinde Lützelbach, abgerufen im Januar 2025.</ref>
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Vereine
- 1. FC Rimhorn 1948 e. V.
- Ski-Club, er öffnet in den Wintermonaten seine Skihütte (östlich von Rimhorn) an einem Rodelhang. Bis 2011 betrieb der Verein einen eigenen Skilift. Wegen erhöhter Sicherheitsauflagen musste dessen Betrieb jedoch eingestellt werden.<ref>Ohne Lift geht wenig. In: Odenwälder Echo (online). 4. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 25. Juli 2012.</ref>
- Kerbbursche Rimmen, jedes Jahr im September hat diese Vereinigung Hochkonjunktur. Bei der Rimmener Kerbredd (Rede zur Kirchweih) sitzt halb Rimhorn in den Zelten und lauscht den nicht immer erstgemeinten Unannehmlichkeiten der Bewohner, die die Kerbburschen im vergangenen Jahr gesammelt haben. Außerdem veranstalten sie Anfang Januar die „Aprés Ski Party“ an der Skihütte.
- Sängervereinigung „Frohsinn“
- Verkehrs- und Verschönerungsverein
Lustiges zum Ort
- Es gibt ein Sprichwort, welches sich nicht nur in Rimhorn festgesetzt hat: „Rimmern am Rå, Plaschder ohne Stå, Käischhouf ohne Mauän – was is Rimmern zu bedauän.“ Auf hochdeutsch: „Rimhorn am Berghang, Pflaster ohne Steine, Friedhof ohne Mauern – was ist Rimhorn zu bedauern.“
- Auch ist in den Nachbardörfern Breitenbrunn, Lützel-Wiebelsbach und Vielbrunn öfters vom nicht ganz ernst gemeinten „Rimmener Berschhingel oder Rimmener Råhingel“ (Rimhorner Berghuhn) die Rede. Der Grund hierfür ist in der geografischen Lage von Rimhorn zu finden. Fast keine Straße in Rimhorn ist eben. Dies hat zur Folge, dass man – wenn man in Rimhorn geboren wird – mit einem kurzen und einem langen Bein auf die Welt kommt... also ein Rimmener Berschhingel. Wenn man dieses umdreht, kippt es und rollt den Hang hinunter.
- Einer Legende nach wollte nachts ein Bauer sein weggelaufenes Vieh wieder einfangen und rief: „Rim Du Horn“ (auf hochdeutsch: „Dreh dich rum, du Horn!“), wodurch sich dieser Ausruf zum späteren Ortsnamen Rimhorn entwickelt haben soll.
Wirtschaft und Infrastruktur
Das Pretlack’sche Palais wird als Dorfgemeinschaftshaus genutzt.
Die Landesstraße 3106 führt durch Rimhorn und erschließt den Ort für den überörtlichen Verkehr, besonders durch die Verbindung mit dem verkehrsgünstig im Mümlingtal gelegenen Nachbarort Höchst im Odenwald.
Persönlichkeiten
- Johann Rudolf Victor von Pretlack (1668–1737)
- Georg Rainer Hofmann (* 1961), in Rimhorn geborener Informatiker und Hochschullehrer
Weblinks
- Webauftritt der Gemeinde Lützelbach
- Ortsteile. In: Internetauftritt. Gemeinde Lützelbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Oktober 2012; abgerufen am 3. September 2018.
- Rimhorn, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Vorlage:HessBib
Anmerkungen und Einzelnachweise
Anmerkungen <references group="Anm." />
Einzelnachweise
<references>
<ref name="lagis">Rimhorn, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
</ref>
<ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 36 und 90, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021.
</ref>
<ref name="RB1937">
Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]).
</ref>
<ref name="EW">Lützelbach in Zahlen. Hauptwohnungen in Rimhorn 2015. Gemeinde Lützelbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im August 2024.
Lützelbach in Zahlen. Hauptwohnungen in Rimhorn 2020. Gemeinde Lützelbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im August 2024.
</ref>
</references>