Zum Inhalt springen

Angelika Schrobsdorff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 19. Oktober 2025 um 22:31 Uhr durch imported>08Linus (BKL ersetzt mit bkl-replace).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Angelika Schrobsdorff 2014 1.jpg
Angelika Schrobsdorff (2014)

Angelika Schrobsdorff (geboren am 24. Dezember 1927 in Freiburg im Breisgau; gestorben am 30. Juli 2016 in Berlin)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />gestorben: Angelika Schrobsdorff (Memento vom 2. August 2016 im Internet Archive), buchmarkt.de, 2. August 2016</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 1. August 2016.</ref> war eine deutsche Schriftstellerin jüdischer Herkunft.

Leben und Werk

Angelika Schrobsdorffs Eltern stammten aus Berlin. Ihre Mutter, Else Kirschner<ref>Angelika Schrobsdorff im Munzinger-Archiv, abgerufen am 4. Februar 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> (30. Juni 1893 – 5. Juni 1949), die in erster Ehe von 1915 bis 1926 mit dem Dramaturgen und Bühnenautor Fritz Schwiefert verheiratet war,<ref>StA Charlottenburg I, Heiratsurkunde Nr. 558/1915</ref> war Jüdin. Ihr Vater, Erich Schrobsdorff, entstammte dem Großbürgertum, der Großvater war Alfred Schrobsdorff. Die Eltern heirateten zwei Jahre nach der Geburt der Tochter.<ref name=":0">StA Wannsee, Heiratsurkunde Nr. 32/1929</ref> Schrobsdorff wuchs in Berlin-Grunewald auf und verbrachte Teile ihrer Kindheit im brandenburgischen Pätz.<ref>Ein Denkmal für Angelika Schrobsdorff. In: Märkische Oderzeitung, 20. August 2016</ref> Nachdem die Ehe ihrer Eltern 1939 geschieden worden war,<ref name=":0" /> flüchtete sie mit ihrer Mutter und ihrer Halbschwester Bettina vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung nach Bulgarien,<ref>Carsten Hueck: Grunewald – Sofia und zurück, Jüdische Allgemeine, 29. November 2007</ref> wo sie bis Kriegsende blieb und auch die Sprache lernte.<ref name="FAZ2016">Jörg Bremer: Mit der Welt blieb sie unversöhnt, Nachruf, in: FAZ, 3. August 2016, S. 12</ref> Ihre Großmutter, Minna Kirschner geb. Cohn (27. März 1863 – 14. Dezember 1942), wurde am 17. August 1942 vom Güterbahnhof Berlin-Moabit mit dem Altentransport „DA 502“ der Reichsbahn in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 14. Dezember 1942 umkam.<ref name="Rodewill">Rengha Rodewill, Beatrix Brockman: Angelika Schrobsdorff: Leben ohne Heimat, Bebra Verlag, Berlin 2017</ref><ref>Thomas Knauf: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die jüdische Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff ist aus Jerusalem in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Ein Gespräch. Es stirbt sich bequemer in Berlin. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 1. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berliner-zeitung.de Berliner Zeitung, 24. Februar 2007, abgerufen am 1. August 2016 (siehe Angaben zur Person am Ende des Interviews).</ref> Ihr Großvater, Daniel Kirschner, starb bereits am 22. Oktober 1939 in Berlin an einer Lungenentzündung.

Datei:Auguste-Viktoria-Straße 2.jpg
Schrobsdorffs Wohnhaus von 2006–2016 in Berlin-Schmargendorf

Im Jahr 1947 verließ Schrobsdorff ihr bulgarisches Exil und kehrte mit ihrem Ehemann, Edward S. Psurny, einem amerikanischen Offizier, den sie in Bulgarien geheiratet hatte, nach Deutschland zurück.<ref name="Rodewill" /> Es folgten einige Jahre in München, aber immer wieder lebte sie in den 1960er und 1970er Jahren in Jerusalem, wo sie den französischen Filmemacher Claude Lanzmann (1925–2018)<ref>La dernière interview de Claude Lanzmann, Paris Match – Online vom 5. Juli 2018</ref> kennenlernte. Nach der Heirat mit Lanzmann 1974 in Jerusalem<ref name="Rodewill" /> ging sie mit ihm nach Paris, wo sie viele Jahre lebte. In dieser Zeit lernte sie Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir kennen.

1983 verlegte Schrobsdorff ihren Lebensmittelpunkt nach Jerusalem. Dort lebte sie in einem alleinstehenden Haus auf dem Hügel von Abu Tor an der Grünen Linie nahe der Altstadt.<ref>Thomas Kleine-Brockhoff: Getrennt vereint, Die Zeit, 24. Dezember 1993</ref> Weil sie die politische Situation in Israel nicht mehr ertragen habe, kehrte sie 2006 nach Deutschland zurück. Sie bezog eine Wohnung in Berlin-Schmargendorf, unweit ihres ehemaligen Elternhauses, in der sie bis zu ihrem Tod wohnte.<ref name="Rodewill" /><ref>Carsten Hueck: Angelika Schrobsdorff: „Einsamkeit war immer in mir“.Jüdische Allgemeine, 20. Dezember 2007, abgerufen am 1. August 2016.</ref>

Seit den frühen 1960er Jahren trat Schrobsdorff als Schriftstellerin in die Öffentlichkeit. Ihr erstes Buch, Die Herren (1961), enthielt ältere Kurzgeschichten, die sie auf Johannes Mario Simmels Empfehlung hin zu einem Roman zusammenstellte.<ref name="FAZ2016" /> Wegen erotischer Beschreibungen löste es einen Skandal aus und machte die Autorin bekannt. Vom Deutschen Staatsbürgerinnen-Verband wurde Schrobsdorff als Frau des Jahres 2007 ausgezeichnet, der Festakt war am 15. März 2008 im Abgeordnetenhaus von Berlin.<ref name="Angelika">Angelika Schrobsdorff als Frau des Jahres 2007 ausgezeichnet - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Interviews. Abgerufen am 29. April 2024.</ref> Anlässlich ihres 80. Geburtstags 2007 fand in der bulgarischen Botschaft Berlin zu ihren Ehren ein Fest statt. In Bulgarien erhielt sie den Rosenorden.

Schrobsdorffs Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Das Du bist nicht so wie andre Mütter erschien ins Spanische übersetzt März 2016 unter dem Titel Tú no eres como otras madres<ref>Angelika Schrobsdorff: Tú no eres como otras madres Verlag errata naturae Madrid, 2016</ref>. Der Verband der Buchhändler in Madrid wählte es im Oktober 2016 zum Buch des Jahres Premio Libro de Año.<ref name="Buch">Buch des Jahres 2016 El Mundo Madrid, 20. Oktober 2016</ref><ref name="FAZ2016" />

Datei:Angelika Schrobsdorff Grave.jpg
Schrobsdorffs Grabstätte

Angelika Schrobsdorff wurde am 8. August 2016 auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beerdigt. Dort befinden sich auch die Grabstätten ihres Großvaters Daniel Kirschner und ihres Onkels Siegfried (gen. Friedel) Kirschner, der am 14. Oktober 1918 in Berlin an der Spanischen Grippe gestorben war. Die Grabstätten der Eltern Angelika Schrobsdorffs sind auf dem Waldfriedhof Gauting bei München.<ref name="Rodewill" />

Schriften

  • Die Herren. Roman, Langen-Müller, München (1961), NA; dtv, München 1986–2007, ISBN 3-423-10894-0.
  • Der Geliebte. Roman (1964), ISBN 3-423-11546-7.
  • Diese Männer (1966), ISBN 3-442-01935-4 (ab 1993 unter dem Titel Der schöne Mann und andere Erzählungen).
  • Spuren. Roman (1968), ISBN 3-423-11951-9.
  • Die kurze Stunde zwischen Tag und Nacht. Roman (1978), ISBN 3-423-11697-8.
  • Die Reise nach Sofia. Roman. Mit einem Vorwort von Simone de Beauvoir. dtv, München 1983, ISBN 3-423-10539-9.
  • Das Haus im Niemandsland oder Jerusalem war immer eine schwere Adresse. Roman, Bertelsmann, München 1989.
    • von der Autorin durchgesehene und korrigierte Ausgabe: Jerusalem war immer eine schwere Adresse. dtv, München, ISBN 3-423-11442-8.
  • „Du bist nicht so wie andre Mütter“. Die Geschichte einer leidenschaftlichen Frau. (1992), ISBN 3-455-06773-5.
  • Der schöne Mann und andere Erzählungen. (1993) ISBN 3-423-11637-4.
  • Jericho. Eine Liebesgeschichte. (1995) ISBN 3-423-12317-6.
  • Grandhotel Bulgaria: Heimkehr in die Vergangenheit. Roman (1997), ISBN 3-423-12852-6.
  • Von der Erinnerung geweckt. Erzählungen (1999), ISBN 3-423-24153-5.
  • Wenn ich dich je vergesse, oh Jerusalem … (2002), ISBN 3-550-08389-0.
  • Der Vogel hat keine Flügel mehr. Briefe meines Bruders Peter Schwiefert an unsere Mutter. Herausgegeben von Angelika Schrobsdorff. Mit Kommentaren von Angelika Schrobsdorff und Claude Lanzmann. Mit einem Nachwort von Ulrike Voswinckel. (2012), ISBN 978-3-423-28008-2.

Literatur

  • Rengha Rodewill, Beatrix Brockman: Angelika Schrobsdorff – Leben ohne Heimat (Biografie). Bebra-Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-89809-138-1; Taschenbuchausgabe btb Verlag, München 2019, ISBN 978-3-442-71779-8.

Text und Interview

Filme

Auszeichnungen

  • 2007: Als Frau des Jahres ausgezeichnet vom Deutschen Staatsbürgerinnen-Verband.<ref name="Angelika" />
  • 2016: Der Verband der Buchhändler in Madrid hat die spanische Ausgabe von Du bist nicht so wie andre Mütter zum Buch des Jahres (Premio Libro de Año) gewählt.<ref name="Buch" />

Weblinks

Commons: Angelika Schrobsdorff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein