Bombykol
| Strukturformel | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Strukturformel von Bombykol | ||||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Name | Bombykol | |||||||||||||||
| Andere Namen |
(10E,12Z)-10,12-Hexadecadien-1-ol (IUPAC) | |||||||||||||||
| Summenformel | C16H30O | |||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
ölige, geruchlose Flüssigkeit<ref name="wob">Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu Bombykol im Lexikon der Biologie. Abgerufen am 14. September 2008.</ref> | |||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 238,41 g·mol−1 | |||||||||||||||
| Aggregatzustand |
flüssig | |||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||
Bombykol ist ein Insektenpheromon, das von einigen Arten von Schmetterlings-Weibchen als Sexual-Lockstoff produziert wird. Dabei wird der Stoff von einer Drüse im Abdomen produziert und in die Luft entlassen, um männliche Sexualpartner anzulocken.
Die Männchen erkennen die Substanz mit ihren Antennen, sogar wenn nur ein einziges Molekül auf sie trifft, weswegen es gern als Beispiel in der Sinnesphysiologie verwendet wird. Eine Reaktion des Faltermännchens erfolgt jedoch erst bei Konzentrationen ab etwa 1000 Bombykolmolekülen pro cm3 im Luftstrom.<ref name="wob" /> Nach einer anderen Literaturquelle<ref name="Gossauer" /> wirken bereits 60 Moleküle dieses Pheromons in einem Liter Luft bei den Männchen als eindeutig erregend.
Die Detektion geschieht durch chemosensorische Neurone in porösen Härchen, sogenannten „Sensillen“ auf den gefächerten Antennen der Männchen.
Bombykol wird von mehreren Arten verwendet, zum Beispiel vom Seidenspinner (Bombyx mori) und von Bombyx mandarina (Bombycidae). Aber auch bei Coloradia velda und Hemileuca eglanterina (beide Saturniidae) wirkt der Stoff als Pheromon.
Bombykol wurde 1959 von Adolf Butenandt als das erste Pheromon chemisch charakterisiert. Dazu wurden aus den Abdominaldrüsen von etwa 500.000 weiblichen Faltern 12 mg des flüssigen Pheromons gewonnen.<ref name="Fieser">Louis Fieser, Mary Fieser: Organische Chemie, Verlag Chemie Weinheim, 2. Auflage, 1972, S. 1244, ISBN 3-527-25075-1.</ref><ref name="wob" /> Wichtiger Baustein einer Totalsynthese ist 10-Undecinol.<ref>N. Miyaura, H. Suginome, A. Suzuki: New stereospecific syntheses of pheromone bombykol and its three geometrical isomers. In: Tetrahedron. Band 39, Nr. 20, 1983, S. 3271–3277, doi:10.1016/S0040-4020(01)91575-3.</ref>
Synthese
Zur Synthese von Bombykol werden hauptsächlich Wittig-Reaktionen durchgeführt, da diese durch die Stabilisierung/Destabilisierung des entstehenden Ylids eine selektive Bildung einer trans- bzw. cis-konfigurierten Doppelbindung ermöglichen.<ref>Renata Marcia de Figueiredo, Raphael Berner, Jennifer Julis, Ting Liu, David Türp, Mathias Christmann: Bidirectional, Organocatalytic Synthesis of Lepidopteran Sex Pheromones. In: The Journal of Organic Chemistry. Band 72, 2007, S. 640–642, doi:10.1021/jo0620415.</ref> Eine Möglichkeit der Totalsynthese ergibt sich beispielsweise ausgehend von 1,9-Nonandial. Dieses reagiert mit (1,3-Dioxolan-2-yl-methyl)-triphenylphosphoniumbromid in einer zweifachen Wittig-Reaktion zu (2E,11E)-Tridecadiendial. Anschließend findet mit Butyltriphenylphosphoniumbromid eine weitere Wittig-Olefinierung statt, es entsteht (2E,10E,12Z)-Hexadecatrienal. Die (Z)-Konfiguration entsteht hierbei mindestens im Verhältnis 9:1. Die Doppelbindung, die sich an der zweiten Position befindet, wird danach zu einer Einfachbindung reduziert. Dieser Schritt erfolgt durch Umsetzung mit dem Hantzsch-Ester, welcher als schwaches Reduktionsmittel verwendet wird. Im letzten Schritt erfolgt eine Reduktion der Aldehydgruppe zu einer primären Hydroxygruppe mittels Natriumborhydrid, es entsteht Bombykol.
Biosynthese
Die Biosynthese findet in den Pheromondrüsen der weiblichen Motten statt und basiert auf der Fettsäurebiosynthese.<ref name=":0">T. Ando, T. Hase, R. Arima, M.Uchiyamau: Biosynthetic Pathway of Bombykol, the Sex Pheromone of the Female Silkworm Moth. Tokyo University of Agriculture and Technology 1987.</ref> Die Biosynthese von Bombykol nutzt keine kettenverlängernden oder -verkürzenden Schritte, weshalb sie von Palmitoyl-CoA ausgeht. Im ersten Schritt der Synthese erfolgt die Reaktion von Palmitoyl-CoA zu (11Z)-Hexadecenoyl-CoA, katalysiert wird die Reaktion durch das Enzym Palmitoyl-CoA-Desaturase. Im nächsten Schritt erfolgt die Bildung der zweiten Doppelbindung, diesmal in trans-Konfiguration, sodass (10E,12Z)-10,12-Hexadecadienoyl-CoA entsteht. Das katalysierende Enzym weist eine hohe Substratspezifität auf, sodass nur eine geringe Menge an Isomeren entsteht.<ref name=":0" /> Das 10,12-Dien stellt den Vorgänger des Bombykols dar und liegt hauptsächlich als Triglycerid vor und wird in zytoplasmatischen Lipidtröpfchen gespeichert. Die Neurohormone führen zur Freisetzung und Weiterreaktion zu Bombykol.<ref>A. Ohnishi, K. Hashimoto, K. Imai, S. Matsumoto: Functional Characterization of the Bombyx mori Fatty Acid Transport Protein (BmFATP) within the Silkmoth Pheromone Gland. Molecular Entomology Laboratory, Advanced Science Institute and Department of Materials Chemistry, Hosei University, Japan 2008.</ref> Im letzten Schritt entsteht durch Reduktion und Abspaltung von CoA das Bombykol.<ref name=":0" />
Detektion des Bombykols
Die Detektion des Bombykol erfolgt über die Sensillen der Männchen.<ref>Benjamin H. Sandler, Larisa Nikonova, Walter S. Leal, Jon Clardy: Sexual attraction in the silkworm moth: structure of the pheromone-binding-protein–bombykol complex. In: Chemistry & Biology. Nr. 7, 2000, S. 143–151.</ref> Das vom Weibchen ausgestoßene Bombykol gelangt durch mikroskopisch kleine Öffnungen in der wachsartigen Kutikula der Sensillen. Diese mikroskopischen Poren bieten Duftstoffen aus der Luft Zugang, während sie die Verdunstung der dendritischen Rezeptorzellen umgebenden wässrige Lösung in den Sensillen minimiert. Um eine Interaktion des Pheromons mit dem entsprechenden Pheromonrezeptor zu ermöglichen, muss das hydrophobe Pheromon zunächst die sensilläre Lymphe passieren. Der Transport erfolgt über ein Pheromonbindendes Protein (PBP). Charakteristisch für Proteinbindende Pheromone ist das geringe Gewicht von bis zu 20~kDa.
Das Pheromonbindungsprotein des Bombykols besteht aus sechs α-Helices. Das Bombykol wird in einer geschlossenen, hydrophoben Tasche gebunden, die von vier antiparallelen α-Helices gebildet wird. Die Bindung basiert auf hydrophoben Wechselwirkungen.
Literatur
- A. Butenandt, E. Hecker: Synthese des Bombykols, des Sexuallockstoffes des Seidenspinners, und seiner geometrischen Isomeren. In: Angew. Chem. 73, 1961, S. 349.
- A. Butenandt, E. Hecker, M. Hopp, W. Koch: Über den Sexuallockstoff des Seidenspinners. IV. Die Synthese des Bombykols und der cis-trans-Isomeren Hexadecadien-(10,12)-ole-(1). In: Liebigs Ann. Chem. 658, 1962, S. 39–64.
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:PubChem abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:ChemSpider abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:DrugBank abweichend
- Wikipedia:Keine GHS-Gefahrstoffkennzeichnung verfügbar
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:CAS-Nummer fehlt lokal
- Alkenol
- Alkadien
- Pheromon