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Middle East Media Research Institute

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Logo des Middle East Media Research Institute

Das Middle East Media Research Institute (MEMRI) ist eine 1998 in Washington, D.C. gegründete Organisation, die Medien aus dem Nahen Osten und anderen Regionen übersetzt und auswertet. Die Organisation wurde vom ehemaligen israelischen Geheimdienstoffizier Yigal Carmon gegründet und beschreibt sich selbst als unabhängige, unparteiische und gemeinnützige Einrichtung, die politische, ideologische und kulturelle Trends in der Region dokumentiert.

MEMRI stellt Übersetzungen arabischer, persischer und anderer Medien zur Verfügung und betreibt mehrere thematische Projekte, darunter solche zur Dokumentation von Antisemitismus, Terrorismus und Extremismus. Die Organisation hat Zweigstellen in mehreren Ländern und beliefert nach eigenen Angaben US-Regierungsstellen, akademische Institutionen und Medien mit Informationen.

Die Arbeit von MEMRI ist umstritten. Während die Organisation von zahlreichen Medien als Quelle herangezogen wird und für ihre Übersetzungsarbeit Anerkennung findet, werfen Kritiker ihr vor, durch eine selektive Auswahl von Texten sowie teilweise fehlerhafte oder tendenziöse Übersetzungen ein verzerrtes, orientalistisches Bild der arabischen Welt zu vermitteln. Zudem wird MEMRI beschuldigt, eine pro-israelische politische Agenda zu verfolgen, und teils als Propagandainstrument bezeichnet. Die Organisation weist diese Vorwürfe zurück und betont die Repräsentativität sowie die Korrektheit ihrer Arbeit.

Gründung

MEMRI wurde im Februar 1998 vom israelischen Oberst Yigal Carmon gegründet.<ref>Mohammed El Oifi: Mittler oder Zensor – MEMRI, das umstrittene Informationsbüro. In: Inamo. Band 44, 2005, S. 46–49, hier 46 (archive.org [PDF]).</ref> Zuvor arbeitete der gelernte Arabist<ref>Jan-Hendrik Wulf: Rollentausch der Dunkelmänner. In: taz. 30. April 2004, abgerufen am 2. Januar 2026.</ref> für das israelische Militär, unter anderem von 1977 bis 1982 in einflussreichen Funktionen im Zusammenhang mit der israelischen Verwaltungspolitik im Westjordanland, dann als leitender Offizier beim israelischen Militärgeheimdienst für die Einheit 504, die für die Anwerbung und Führung von arabischen Informanten und von Kollaborateuren wie der Südlibanesischen Armee verantwortlich war; ab 1988 schließlich als Anti-Terrorberater für zwei israelische Premierminister.<ref>Henner Kirchner: Yigal Carmon. Ein Leben für die Besatzung. In: Inamo. Band 32, 2002, S. 46–48, hier 46 (archive.org [PDF]).
Maarten Jan Hijmans: Ein kostenloser Wachhund! In: Zem Zem. Band 3/2005, S. 3 (archive.org [PDF] Übersetzt durch Inamo; Seitenzahlen nach dieser Übersetzung).
Ephraim Kahana: Historical Dictionary of Israeli Intelligence. Scarecrow Press, Oxford 2006, ISBN 978-0-8108-5581-6, S. 57 (Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
Zur Einheit 504 vgl. z. B. noch Makram Rabah: The World of Abdulrahim Abu-Husayn and the Featherman of Ras Beirut. In: Tylor Brand, Bilal Orfali (Hrsg.): In the Steps of the sultan. American University of Beirut, Beirut 2024, ISBN 978-6-14492005-3, S. 420 f.
Mehul Srivastava, Heba Saleh: The militias fighting Israel’s shadow war from inside Gaza’s „Yellow Zone“. In: The Irish Times. 17. November 2025, abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref> Nach seinem Ausscheiden aus politischen Funktionen widmete er sich der Auswertung von arabischen Medien, betrieb als „Ein-Mann-Geheimdienst“<ref>Yossi Melman: Don’t Confuse Us With Facts. In: Haaretz. 16. August 2002, abgerufen am 27. Dezember 2025.
Vergleiche Henner Kirchner: Yigal Carmon. Ein Leben für die Besatzung. In: Inamo. Band 32, 2002, S. 46–48, hier 47 (archive.org [PDF]).
Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 170 f.</ref> ein eigenes Informanten-Netzwerk in den besetzten palästinensischen Gebieten, betätigte sich selbst als Autor und kooperierte Mitte der 90er mit dem Politiker Benny Begin (Cherut), indem er ihn mit Informationen für dessen Knesset-Kampagnen gegen den Oslo-Friedensprozess versorgte.<ref>Yossi Melman: Don’t Confuse Us With Facts. In: Haaretz. 16. August 2002, abgerufen am 27. Dezember 2025.
Henner Kirchner: Yigal Carmon. Ein Leben für die Besatzung. In: Inamo. Band 32, 2002, S. 46–48, hier 47 (archive.org [PDF]).</ref> Nach Darstellung der Politikwissenschaftlerin Ofira Seliktar entstand MEMRI 1998 aus diesem Monitoring-Projekt und – ähnlich wie andere Medien- und Monitoringprojekte wie Aaron Lerners Independent Media Review & Analysis („IMRA“, ab 1992) oder Itamar Marcus Palestinian Media Watch („PMW“, ab 1996) – aus dem Bestreben Oslo-kritischer Akteure, eigene Kanäle aufzubauen, nachdem sie den öffentlichen Diskurs über den Oslo-Prozess kaum hatten beeinflussen können.<ref>Ofira Seliktar: Doomed to Failure? The Politics and Intelligence of the Oslo Peace Process. Praeger Security International, Santa Barbara, Denver, Oxford 2009, ISBN 978-0-313-36617-8, S. 97 (archive.org).</ref>

Mitbegründer waren neben Carmon zwei weitere ehemalige israelische Geheimdienstler, außerdem der US-Amerikaner Aaron Mannes, der zuvor für The Hotline (den ersten webbasierten Nachrichtenaggregator)<ref>Lee Banville: Covering American Politics in the 21st Century. An Encyclopedia of News Media Titans, Trends, and Controversies. Volume 1: A–M. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver 2017, ISBN 978-1-4408-4647-2, S. 286 (archive.org).</ref> geschrieben hatte.<ref>About The Institute: Mission Statement / The MEMRI Staff. In: memri.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. November 1999; abgerufen am 27. Dezember 2025.
Vergleiche Brian Whitaker: Selective Memri. In: The Guardian. 12. August 2002, abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref> Exekutivdirektorin war anfangs die israelische neokonservative Politikwissenschaftlerin Meyrav Wurmser.<ref>Richard H. Curtiss: Meyrav Wurmser: The Neocons’ Den Mother. In: Washington Report on Middle East Affairs. Band 4'2007, S. 17 f. (wrmea.org).
Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 171.</ref> Nach deren Wechsel zum Hudson Institute um 2001 übernahm ihren Posten der gleichfalls neokonservative Steven Stalinsky,<ref>Middle East Media Research Institute. In: Militarist Monitor. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
Kim Son Hoang: MEMRI – ein thinktank mit rechter Optik. In: Der Standard. 26. Juli 2013, abgerufen am 2. Januar 2025.</ref> der zuvor an diversen US-amerikanischen Denkfabriken tätig gewesen war.<ref>Steve Stalinsky. In: Kirkus. Abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref>

Ziele und Arbeit

MEMRI beschreibt sich selbst Stand 2025 als „unabhängige, unparteiische und gemeinnützige Organisation“, die anhand von Medien „den Nahen Osten erforscht“ und Lesern Übersetzungen und „Analysen politischer, ideologischer, intellektueller, sozialer, kultureller und religiöser Trends des Nahen Ostens kostenlos zur Verfügung“ stellt.<ref name="Über uns">Über uns. In: memri.org. Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>

Zu Beginn konzentrierten sich die Mitarbeiter auf Übersetzungen im Zusammenhang mit dem Israel/Palästina-Konflikt und werteten dabei mit einer explizit zionistischen Perspektive<ref>About The Institute: Mission Statement / The MEMRI Staff. In: memri.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. November 1999; abgerufen am 27. Dezember 2025: „In its research, the institute emphasizes the continuing relevance of Zionism to the Jewish people and to the state of Israel.“
Vergleiche Brian Whitaker: Selective Memri. In: The Guardian. 12. August 2002, abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref> auch wenige israelische Medien aus.<ref>Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 168 f.</ref> Diese Auswertung israelischer Medien wurde nach drei Jahren aufgegeben;<ref>Email debate: Yigal Carmon and Brian Whitaker. In: The Guardian. 28. Januar 2003, abgerufen am 29. Dezember 2025.</ref> dafür wurde der thematische, sprachliche und regionale Fokus nach und nach auch über den Nahen Osten hinaus ausgeweitet – zunächst auf weitere Länder und Sprachen in der arabischen Welt, zuletzt um 2016 und 2020 auch auf Russland und China.<ref>MEMRI Launches Chinese Media Studies Project, Adding Chinese to Its Priority Languages. In: Yahoo! Finance. 4. März 2021, abgerufen am 29. Dezember 2025.</ref>

In diesem Zuge wurden auch weitere Zweigstellen eröffnet. MEMRIs Hauptsitz ist in Washington, D.C., wo es auch um 2000 als Nonprofit-Organisation registriert wurde.<ref>Form 990: Middle East Media and Research Institute, Inc. In: Nonprofit Explorer. 2000, abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref> Weitere Zweigstellen sitzen in Bagdad, Jerusalem, Rom, Schanghai und Tokio;<ref name="Über uns" /> zeitweise existierten weitere Zweigstellen in Berlin,<ref>Dieter Wulf: Umstrittene Nahost-Dokumentation. In: Deutschlandfunk. 5. August 2006, abgerufen am 28. Dezember 2025.
Zur Schließung in Berlin vergleiche auch Yigal Carmon: „How we give a voice to reformist Muslims“. President and founder of Memri, interviewed by Alessandra Cardinale. In: Reset Dialogues on Civilizations. 22. Juni 2007, abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref> London und Moskau.<ref>Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 168.</ref> 2024 hatte MEMRI etwa 70 Angestellte.<ref>Elliot Kaufman: When Terrorists Talk, They Listen. In: Wall Street Journal. 12. Januar 2024, abgerufen am 2. Januar 2026.</ref>

Die Übersetzungen und Analysen von MEMRI sind in mehreren „Projekten“ organisiert. Welche Projekte gerade bearbeitet werden, änderte sich wiederholt. Stand 2025 laufen folgende Projekte:<ref>Projects. In: Memri. Abgerufen am 29. Dezember 2025.</ref>

<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />

  • Projekt zur Dokumentation von Antisemitismus
  • Reform in der muslimischen Welt<ref group="Anm.">Laut Schirin Fathi ein irreführender Projekttitel; Gegenstand seien vielmehr überwiegend Araber, die sich für Säkularismus in der arabischen Welt einsetzten.<ref>Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 176.
    Ebenso bereits Juan Cole: Intimidation by Israeli-Linked Organization Aimed at US Academic. MEMRI tries a SLAPP. In: Informed Comment. 23. November 2004, abgerufen am 1. Januar 2026.</ref> Mona Baker dagegen akzeptiert das „Reformer“-Framing und fasst zusammen, unter dieser Kategorie würden als Feigenblatt für die sonst dominante Selektivität (s. u.) tatsächlich „Stimmen aus arabischen und muslimischen Ländern präsentiert, die sich für Meinungsfreiheit, Frauenrechte und ähnliche Anliegen einsetzen“.<ref>Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, hier 358, doi:10.1080/17539153.2010.521639: „Under this heading, MEMRI features translations of texts written by what it designates as ‚reformist‘ writers: a few voices from Arab and muslim countries who argue for freedom of thought, women‘s rights and similar causes. The occasional ‚cosmetic‘ selection of a non-extremist source serves to give a veneer of balance to MEMRI’s coverage, at the same time as reinforcing the overall portrayal of Arab and Muslim countries as a hotbed of extremism that suppresses the very few sane voices in the region […]“</ref> </ref>
  • Projekt zu Dschihad und Terrorismusforschung
  • Monitoring der Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus
  • Projekt zur Dokumentation von 9/11
  • Qatar Monitoring Project
  • Projekt zur Erforschung russischer Medien
  • Projekt zur Erforschung chinesischer Medien
  • Projekt zur Erforschung Südasiens
  • Projekt zur Erforschung der Kurden
  • Predigten von westlichen Imamen
  • „Memri TV“ [=Auswertung von Fernsehsendungen]
  • Karikaturen

MEMRI selbst gibt an, seine Dienstleistungen für diverse US-amerikanische Regierungsstellen, für akademische Institutionen und für die „Öffentlichkeit“ zu produzieren.<ref>Yigal Carmon, Steven Stalinsky: Dringender Aufruf. In: memri.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. November 2008; abgerufen am 27. Dezember 2025.
Vergleiche Shadia Husseini: Die Macht der Übersetzung – Konzeptionelle Überlegungen zur Übersetzung als politische Praktik am Beispiel kulturgeographischer Forschung im arabischen Sprachraum. In: Social Geography. Band 4, 2009, S. 71–81, hier 77.</ref>

Rezeption

Das Wirken von MEMRI polarisiert. 2011 beobachtete die Nahost-Expertin Schirin Fathi,<ref>Schirin Fathi. In: Transcript. Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref> mittlerweile habe sich MEMRI zum Marker entwickelt, bei dem daraus, ob jemand es wertschätze oder kritisch sehe, abgeleitet werden könne, wo Autoren politisch im Nahostkonflikt verortet seien.<ref>Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 165: „The views of MEMRI have come to be another one of those yardsticks by which a person’s affiliation or leanings may be measured. The way in which MEMRI is received, either embraced or rejected, allows conclusions to be drawn regarding the political and ideological standing of any one person. Similar to the way in which Said’s Orientalism or, in a lesser way, Huntington’s Clash of Civilizations have managed to polarize a whole range of disciplines, the proponents and critics of MEMRI, too, mark the two poles of ideological discourse on the Middle East.“</ref>

Positive Aufnahmen

MEMRI selbst gibt an, von einer Vielzahl an Medien zitiert zu werden,<ref>outlets.jpg. In: memri.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Juni 2011; abgerufen am 10. April 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und wirklich berichtete die Journalisten Barbara Ferguson um 2001, MEMRIs Übersetzungen würden beispielsweise von der New York Times und der Washington Post häufig verwendet.<ref>Barbara Ferguson: Translating Hatred For American Consumption. In: Arab News. 21. Dezember 2001, abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref> 2006 urteilte die Schriftstellerin Laila Lalami gar, MEMRI habe sich mittlerweile zur wichtigsten Quelle für Medienberichte über die islamische Welt entwickelt.<ref>Laila Lalami: The Missionary Position. In: The Nation. 19. Juni 2006, abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref> Die Sozialwissenschaftlerin Miriyam Aouragh urteilte 2008, MEMRI habe „trotz seiner politischen Ausrichtung erfolgreich darauf abgezielt, seine Glaubwürdigkeit als Quelle für Journalisten und Kommentatoren zu bewahren.“<ref>Miriyam Aouragh: Palestine Online. Cyber Intifada and the Construction of a Virtual Community 2001–2005. 2008, S. 228 FN 188 (uva.nl [PDF] Dissertation, Universität Amsterdam): „Despite MEMRI’s political affiliation, it has, successfully, aimed at preserving its credibility as a source for journalists and commentators.“
Sehr ähnlich bereits 2004 </ref> Ähnlich beschrieb die Übersetzungswissenschaftlerin Mona Baker (University of Manchester) MEMRI 2010 als die „mit Abstand größte, mit den meisten Spendengeldern ausgestattete und einflussreichste“ Institution, die mittels Übersetzungen dieselbe Agenda verfolgte wie zum Beispiel auch das bereits erwähnte Projekt Palestinian Media Watch, das Projekt Middle East Strategic Information („MESI“) und The Medialine.<ref>Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, hier 349, doi:10.1080/17539153.2010.521639: „MEMRI is not the only organisation that promotes the terrorism and security agenda through translation, but it is by far the largest, most heavily funded and most influential with politicians and the media, especially in the United States.“</ref>

2012 berichtete außerdem der Journalist Barak Ravid, dass Israel nach einem Versäumnis der IDF das Monitoring palästinensischer Medien an MEMRI und ähnliche externe Organisationen ausgelagert habe. Diese würden nun israelische Behörden mit Informationen versorgen.<ref>Barak Ravid: Officials: Israel Outsources Monitoring of Palestinian Media After IDF Lapse. In: Haaretz. 31. Januar 2012, abgerufen am 31. Dezember 2025.</ref> In einer ähnlichen Kooperation mit MEMRI steht Facebook, das nach eigenen Angaben MEMRI Seiten, Profile und Gruppen markieren lässt und diese dann einem Review unterzieht.<ref>Monika Bickert, Brian Fishman: Hard Questions: Are We Winning the War On Terrorism Online? In: about.fb.com. 28. November 2017, abgerufen am 2. Januar 2026.
Vergleiche Martin Untersinger: Facebook précise ses efforts contre le terrorisme. In: Le Monde. 29. November 2017, abgerufen am 2. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Kritik an der Qualität der Arbeit

Gleichzeitig wurde die Qualität der Arbeit von MEMRI wiederholt kritisiert (und Kritiker von MEMRI daraufhin häufig eingeschüchtert oder laut diesen Kritikern mit sogenannten SLAPP-Klagen verklagt).<ref>Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 172 f.</ref> Über MEMRIs Analysen urteilte Christopher Hayes, der Herausgeber von Inamo, es handle sich bei ihnen um nicht zitierfähige „pseudowissenschaftliche Desinformation“, die nur vorgebe, sich an ein akademisches Publikum zu richten.<ref>Christopher Hayes: „Selective MEMRI“. Eine Präzisierung. In: Inamo. Band 32, 2002, S. 50 f., hier 51 (archive.org [PDF]).</ref>

Häufiger kommentiert wurden MEMRIs Übersetzungen. In den 2000ern wurde wiederholt auf Falschübersetzungen hingewiesen,<ref>Mohammed El-Oifi: Gained in translation. In: Le Monde diplomatique. 2005, abgerufen am 31. Dezember 2025 (frei zugänglich auf hartford-hwp.com).</ref> bei denen durch selektives Übersetzen,<ref>Lawrence Swaim: MEMRI is „propaganda machine,“ expert says. In: InFocus. 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2007; abgerufen am 29. Dezember 2025. zu How MEMRI doctored Finkelstein’s interview to portray him as a Holocaust denier. In: normanfinkelstein.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. März 2012; abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref> durch den Austausch einzelner Wörter<ref>Brian Whitaker: Arabsats Get the MEMRI Treatment. In: Transnational Broadcasting Studies Journal. Band 14, 2005 (archive.org).
Juan Cole: Osama Threatening Red States? In: antiwar.com. 3. November 2004, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Simon Maloy: York repeated disputed claim that bin Laden warned U.S. states to vote against Bush. In: Media Matters. 20. Januar 2006, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Wajahat Ali u. a.: Fear, Inc. The Roots of the Islamophobia Network in America. Center for Amerian Progress, 2011, S. 94 (americanprogress.org [PDF]). nach MEMRI's disgusting partisanship. In: Abu Aardvark. 1. November 2004, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. Dezember 2004; abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref><ref>Halim Barakat: The Story of An Article. In: halimbarakat.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. August 2007; abgerufen am 1. Januar 2026.
Vergleiche Mohammed El-Oifi: Gained in translation. In: Le Monde diplomatique. 2005, abgerufen am 31. Dezember 2025 (frei zugänglich auf hartford-hwp.com).
Richard H. Curtiss: Meyrav Wurmser: The Neocons’ Den Mother. In: Washington Report on Middle East Affairs. Band 4'2007, S. 17 f. (wrmea.org).
Lawrence Swaim: MEMRI is „propaganda machine,“ expert says. In: InFocus. 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2007; abgerufen am 29. Dezember 2025.
Kim Son Hoang: MEMRI – ein thinktank mit rechter Optik. In: Der Standard. 26. Juli 2013, abgerufen am 2. Januar 2025.</ref> oder durch Hinzufügungen oder Umformulierungen ganzer Passagen<ref>Email debate: Yigal Carmon and Brian Whitaker. In: The Guardian. 28. Januar 2003, abgerufen am 29. Dezember 2025.
Rima Barakat: MEMRI's Systematic Distortions. In: Rocky Mountain News. 27. März 2006 (Auszug frei zugänglich bei cair.com).
CAIR: Legislating Fear. Islamophobia and its Impact in the United States. 2013, S. 33 f. (islamophobia.org [PDF]).</ref><ref>Mohammed El-Oifi: Gained in translation. In: Le Monde diplomatique. 2005, abgerufen am 31. Dezember 2025 (frei zugänglich auf hartford-hwp.com).
Naomi Sakr: Arab Television Today. I.B. Tauris, London 2007, ISBN 978-1-84511-563-0, S. 79 f.</ref><ref>Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, hier 348, doi:10.1080/17539153.2010.521639.
Brian Whitaker: Arabic under fire. In: Guardian Unlimited. 15. Mai 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. Mai 2007; abgerufen am 30. Dezember 2025.
CAIR: Legislating Fear. Islamophobia and its Impact in the United States. 2013, S. 33 (islamophobia.org [PDF]).
Kim Son Hoang: MEMRI – ein thinktank mit rechter Optik. In: Der Standard. 26. Juli 2013, abgerufen am 2. Januar 2025.</ref><ref>Tarafa Baghajati: Die Geschichte vom Moslem, der Weihnachten verbieten wollte. In: Weltreporter. 26. Dezember 2009, abgerufen am 30. Dezember 2025 (ähnlich veröffentlicht bei welt.de). zu
Volkhard Windfuhr: Islamischer Gelehrter will Weihnachten verbieten. In: GMX. 23. Dezember 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Dezember 2009; abgerufen am 30. Dezember 2025., gefolgt von
Richtigstelllung zum Bericht „Islamischer Gelehrter will Weihnachten verbieten“. In: Spiegel. 28. Mai 2010, abgerufen am 30. Dezember 2025.
TV-Scheich Qaradawi kritisiert Muslime, nicht die Christen. In: Der Standard. 27. Dezember 2009, abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref> der Sinn des übersetzten Texts entstellt wurde. 2007 existierte für kurze Zeit auch eine Gruppe namens „MEMRI Watch“, die gezielt Übersetzungsfehler sammeln wollte (sich aber bald wieder auflöste).<ref>Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, hier 362, doi:10.1080/17539153.2010.521639.</ref> Im selben Jahr urteilte der Medienwissenschaftler Riadh Ferjani, anders als vor wenigen Jahren sei es „mittlerweile klar erwiesen, dass es den Übersetzungen dieses Zentrums immer wieder an Genauigkeit mangelt, wenn sie nicht sogar offen tendenziös sind.“<ref>Riadh Ferjani: Les télévisions arabophones en France: une transnationalité postcoloniale. In: Tristan Mattelart (Hrsg.): Médias, migrations et cultures transnationales. De Boeck, Bruxelles 2007, ISBN 978-2-8041-5336-6, S. 110: „Aujourd’hui, il est clairement établi que les traductions de ce centre manquent toujours de rigueur quand elles ne sont pas ouvertement tendancieuses.“
Ähnlich in Englisch in Riadh Ferjani: Arabic-language television in France. Postcolonial transnationality. In: Global Media and Communication. Band 5, Nr. 3, 2009, S. 405–424, hier 411, doi:10.1177/1742766509348674: „It is now accepted that translations made by this centre are routinely lacking in rigour, when not openly tendentious.“</ref>

Mona Baker wies außerdem hin auf Strategien wie die Vergabe neuer Überschriften, die Voranstellung von Zusammenfassungen, die Ergänzung von Bildern mit Unterschrift und die Anfügung von kommentierten Links zu „passenden“ MEMRI-Videos, durch die auch korrekt übersetzte Texte anders geframed würden.<ref>Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, hier 357, 360–362, doi:10.1080/17539153.2010.521639.</ref>

Sowohl Norman Finkelstein, der MEMRI für grundsätzlich unzuverlässig hält, als auch Brian Whitaker, ehemals Nahost-Redakteur bei der Zeitung The Guardian, der umgekehrt betonte, für gewöhnlich seien MEMRIs Übersetzungen schon korrekt (und die einzelnen Falschübersetzungen demzufolge wohl bewusste Verzerrungen der Quelltexte), urteilten von hier aus, MEMRI-Übersetzungen seien grundsätzlich nicht verwendbar.<ref>Lawrence Swaim: MEMRI is „propaganda machine,“ expert says. In: InFocus. 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2007; abgerufen am 29. Dezember 2025: „I think it’s a reliable assumption that anything MEMRI translates from the Middle East is going to be unreliable.“ nach How MEMRI doctored Finkelstein’s interview to portray him as a Holocaust denier. In: normanfinkelstein.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. März 2012; abgerufen am 30. Dezember 2025: „Although widely used in the mainstream media as a source of information on the Arab world, it is as trustworthy as Julius Streicher’s Der Sturmer was on the Jewish world.“
Brian Whitaker: Arabic under fire. In: Guardian Unlimited. 15. Mai 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. Mai 2007; abgerufen am 30. Dezember 2025: „The curious thing about all this is that Memri’s translations are usually accurate (though it is highly selective in what it chooses to translate and often removes things from their original context). When errors do occur, it’s difficult to attribute them to incompetence or accidental lapses. [… Rather,] there appears to be a political motive. The effect of this is to devalue everything Memri translates – good or bad. Responsible news organisations can’t rely on anything it says without going back and checking its translations against the original Arabic.“</ref> Der Iffy Index of Unreliable Sources<ref>Zu diesem vergleiche Hause Lin u. a.: High level of correspondence across different news domain quality rating sets. In: PNAS Nexus. Band 2, 2023, S. 1–8, hier 7, doi:10.1093/pnasnexus/pgad286.</ref> listet MEMRI als Seite „mit geringer Glaubwürdigkeit“.<ref>Iffy Index of Unreliable Sources. Abgerufen am 1. Januar 2026.</ref>

Kritik an der Selektivität der Auswahl übersetzter Medien

Der häufigste Vorwurf von Kritikern ist jedoch nicht die Qualität der Analysen und Übersetzungen, sondern die Selektivität, mit der zu übersetzende Beiträge ausgewählt werden. Aufgrund dieser Selektivität würde entgegen MEMRIs Selbstdarstellung weniger eine Sprachenkluft überbrückt als vielmehr ein orientalistisches Bild der arabischen Welt produziert, in der einander der terroristische, antisemitische Araber und der pro-westliche, säkulare Araber gegenüberstünden, aber unsichtbar bleibe, dass es sich bei beiden um Randerscheinungen handle.<ref>Leila Hudson: The New Ivory Towers: Think Tanks, Strategic Studies and „Counter Realism“. In: Middle East Policy. Band 12, Nr. 4, 2005, S. 118–132, hier 130, doi:10.1111/j.1475-4967.2005.00229.x.
Brian Whitaker: Arabsats Get the MEMRI Treatment. In: Transnational Broadcasting Studies Journal. Band 14, 2005 (archive.org).
Shadia Husseini: Die Macht der Übersetzung – Konzeptionelle Überlegungen zur Übersetzung als politische Praktik am Beispiel kulturgeographischer Forschung im arabischen Sprachraum. In: Social Geography. Band 4, 2009, S. 71–81, hier 77 f.
Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, hier 357, doi:10.1080/17539153.2010.521639.
Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7, S. 177, 178 f.
Wajahat Ali u. a.: Fear, Inc. The Roots of the Islamophobia Network in America. Center for Amerian Progress, 2011, S. 94 (americanprogress.org [PDF]).
Juan Cole: Osama Threatening Red States? In: antiwar.com. 3. November 2004, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Mohammed El-Oifi: Gained in translation. In: Le Monde diplomatique. 2005, abgerufen am 31. Dezember 2025 (frei zugänglich auf hartford-hwp.com).
Laila Lalami: The Missionary Position. In: The Nation. 19. Juni 2006, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Henner Kirchner (Universität Gießen) in Dieter Wulf: Umstrittene Nahost-Dokumentation. In: Deutschlandfunk. 5. August 2006, abgerufen am 1. Januar 2026.
Assaf David: Selective Memri. In: Haaretz. 3. August 2012, abgerufen am 2. Januar 2026.
Kim Son Hoang: MEMRI – ein thinktank mit rechter Optik. In: Der Standard. 26. Juli 2013, abgerufen am 2. Januar 2025.</ref>

Carmon wies diese Kritik mit einer Antwort auf einen kritischen Artikel Whitakers zurück: Die Auswahl der Texte sei repräsentativ; eine Vielzahl an Medien beurteile MEMRI offensichtlich anders als Whitaker und greife regelmäßig auf ihre Übersetzungen zurück, und selbst die Palästinensische Autonomiebehörde habe bereits Übersetzungen von MEMRI auf ihrer Homepage veröffentlicht.<ref>Yigal Carmon: Media organisation rebuts accusations of selective journalism, The Guardian, 21. August 2002; abgerufen am 15. März 2016.</ref> Auch der britische Journalist John Lloyd argumentierte gegen den Vorwurf der Selektivität, diese würde ausgeglichen durch MEMRIs Übersetzungen von „arabischen Liberalen“;<ref>John Lloyd: Pay any price, bear any burden? In: New Statesman. 3. Februar 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. Dezember 2006; abgerufen am 1. Januar 2026.</ref> ähnlich meinte Jochen Müller, der ehemalige Leiter der Berliner Zweigstelle, tatsächlich bilde man ein breites Spektrum der arabischen Medienlandschaft ab und gebe auch liberalen Stimmen viel Raum.<ref>Dieter Wulf: Umstrittene Nahost-Dokumentation. In: Deutschlandfunk. 5. August 2006, abgerufen am 1. Januar 2026.</ref>

Kritische politische Einordnungen

Kritiker warfen MEMRI wiederholt vor, kein neutrales „Institut“ zu sein, sondern eine politische Agenda zu verfolgen. Die Übersetzungswissenschaftlerin Mona Baker beispielsweise charakterisierte MEMRI 2010 als „sehr pro-israelisch eingestellte Interessenvertretungsgruppe“, die sich mittels Übersetzungen primär darum bemühe, arabische und muslimische Länder als stark terroristisch geprägt darzustellen.<ref>Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, hier 353, 356, doi:10.1080/17539153.2010.521639: „a strongly pro-Israel advocacy group […] MEMRI’s highly successful attempt to narrate Arab and Muslim countries as the major culprits in the ‚War on Terror‘ meta-narrative“</ref> Noch stärker ordnete 2020 die palästinensische Menschenrechtsorganisation 7amleh MEMRI als von Israel gesteuerte GONGO („Government-Organized Non-Governmental Organization“) ein, die als nur scheinbar unabhängige Monitoring-Organisation Desinformation verbreite und palästinensische Menschenrechtsverteidiger delegitimiere.<ref>Online Smear Campaigns and Deplatforming: The Silencing and Delegitimization of Palestinian Human Rights Defenders, Activists and Organizations. In: 7amleh. 2. Juli 2020, abgerufen am 31. Dezember 2025.</ref>

Besonders häufig erhoben wird der „Propaganda“-Vorwurf.<ref>Vergleiche Kim Son Hoang: MEMRI – ein thinktank mit rechter Optik. In: Der Standard. 26. Juli 2013, abgerufen am 2. Januar 2025: „Allein diese Namen [im Beirat MEMRIs] sorgen schon dafür, dass MEMRI oft nicht als unabhängige Organisation, sondern vielmehr als Propagandaorgan rechtskonservativer Strömungen in Israel und den USA wahrgenommen wird.“
Farid Hafez: Islamophobe Denkfabriken. Strategien der systematischen Diffamierung und Delegitimierung muslimischer zivilgesellschaftlicher AkteurInnen am Beispiel der Denkfabrik „European Foundation for Democracy“. In: Jahrbuch für Islamophobieforschung, Band 10. New Academic Press, Wien 2019, ISBN 978-3-7003-2112-5, S. 11 (newacademicpress.at [PDF]): „MEMRI wird von unterschiedlichsten Einrichtungen und Personen […] als äußerst selektiv agierender Propaganda-Apparat, der den rechtesten Flügel der Likud-Interessen vertritt, betrachtet.“
Asil Ateeri: The 2014 Israel-Gaza War and the Role of Translation in the Re-narration of Palestinians by Palestinian Media Watch (PMW). In: Arabic Journal for Translation Studies. Band 3, Nr. 4, 2024, S. 112–125, hier 114 (democraticac.de [PDF]): „Although it is not an Israeli advocacy group, many […] consider MEMRI an Israeli propaganda mouthpiece.“</ref> Vince Cannistraro, ehemaliger Leiter der CIA-Abteilung für Terrorismusbekämpfung, erklärte 2001, MEMRI sei selektiv und agiere als Propagandist für einen politischen Standpunkt, nämlich den der extremen Rechten der Likud-Partei.<ref>Marc Perelman: No Longer Obscure, Memri Translates the Arab World. In: Forward. 7. Dezember 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Dezember 2001; abgerufen am 30. Dezember 2025.
Barbara Ferguson: Translating Hatred For American Consumption. In: Arab News. 21. Dezember 2001, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Richard H. Curtiss: Meyrav Wurmser: The Neocons’ Den Mother. In: Washington Report on Middle East Affairs. Band 4'2007, S. 17 f. (wrmea.org).
Lawrence Swaim: MEMRI is „propaganda machine,“ expert says. In: InFocus. 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2007; abgerufen am 29. Dezember 2025.
Wajahat Ali u. a.: Fear, Inc. The Roots of the Islamophobia Network in America. Center for Amerian Progress, 2011, S. 94 f. (americanprogress.org [PDF]).
CAIR: Legislating Fear. Islamophobia and its Impact in the United States. 2013, S. 33 (islamophobia.org [PDF]).</ref> Der Nahost-Historiker Juan Cole bezeichnete MEMRI als „Propagandamaschine“, die im Auftrag der extrem rechten Likud-Partei versuche, amerikanische Wahrnehmungen von Muslimen und dem Nahen Osten in eine negative Richtung zu lenken.<ref>Juan Cole: Osama Threatening Red States? In: antiwar.com. 3. November 2004, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Ähnlich in Lawrence Swaim: MEMRI is „propaganda machine,“ expert says. In: InFocus. 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2007; abgerufen am 29. Dezember 2025.</ref> Auch Brian Whitaker und der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone kritisierten MEMRI scharf und warfen der Organisation Propaganda bzw. bewusste Verzerrung vor.<ref>Lawrence Swaim: MEMRI is „propaganda machine,“ expert says. In: InFocus. 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2007; abgerufen am 29. Dezember 2025.</ref> Die Anthropologin Leila Hudson (University of Arizona) und Norman Finkelstein gingen noch weiter und verglichen die Organisation mit der israelischen Desinformations-Website Debkafile<ref>Leila Hudson: The New Ivory Towers: Think Tanks, Strategic Studies and „Counter Realism“. In: Middle East Policy. Band 12, Nr. 4, 2005, S. 118–132, hier 130, doi:10.1111/j.1475-4967.2005.00229.x.</ref> und dem Nazi-Hetzblatt Der Stürmer.<ref>Lawrence Swaim: MEMRI is „propaganda machine,“ expert says. In: InFocus. 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2007; abgerufen am 29. Dezember 2025. zu How MEMRI doctored Finkelstein’s interview to portray him as a Holocaust denier. In: normanfinkelstein.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. März 2012; abgerufen am 30. Dezember 2025: „as trustworthy as Julius Streicher's Der Sturmer was on the Jewish world“</ref>

Wurmser wies auch diese Vorwürfe zurück und erklärte 2001: „Ich glaube wirklich nicht, dass unsere Meinungen – auf die wir übrigens ein Recht haben – sich in unserer Arbeit widerspiegeln.“<ref>Marc Perelman: No Longer Obscure, Memri Translates the Arab World. In: Forward. 7. Dezember 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Dezember 2001; abgerufen am 30. Dezember 2025: „I really don’t think that our opinions – to which we are entitled, by the way – are reflected in our work.“</ref>

Weblinks

Literatur

  • Christopher Hayes: „Selective MEMRI“. Eine Präzisierung. In: Inamo. Band 32, 2002, S. 50 f. (archive.org [PDF]).
  • Brian Whitaker: Arabsats Get the MEMRI Treatment. In: Transnational Broadcasting Studies Journal. Band 14, 2005 (archive.org).
  • Mona Baker: Narratives of terrorism and security: „accurate“ translations, suspicious frames. In: Critical Studies on Terrorism. Band 3, Nr. 3, 2010, S. 347–364, doi:10.1080/17539153.2010.521639.
  • Schirin Fathi: Memri.org – a Tool of Enlightenment or Incitement? In: Idem, Arndt Graf, Ludwig Paul (Hrsg.): Orientalism & Conspiracy. I.B. Tauris, New York 2011, ISBN 978-1-84885-414-7.

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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