Intergovernmental Authority on Development
Die Intergovernmental Authority on Development (IGAD) ist eine regionale Organisation von Staaten in Nordostafrika (Regionale Wirtschaftsgemeinschaft) mit Sitz in Dschibuti. Sie ist seit 1996 die Nachfolgeorganisation der IGADD (Intergovernmental Authority on Drought and Development), die 1986 als Initiative des dschibutischen Präsidenten Hassan Gouled Aptidon gegründet worden war. Ziel ist die Unterstützung der Mitgliedsstaaten in ihrer Entwicklung.
Der Exekutivsekretär ist seit November 2019 der Äthiopier Dr. Workneh Gebeyehu.<ref>IGAD - Executive Secretary. Abgerufen am 11. Juni 2020.</ref> Zuvor war Gebeyehu Außenminister Äthiopiens, was von der eritreischen Regierung als Ausdruck eines übermäßigen Einflusses Äthiopiens auf die Organisation gewertet wird.<ref name="BBC2025">Tesfalem Araia; Hanna Temuari: Eritrea quits regional bloc as tensions rise with Ethiopia. In: BBC News. 12. Dezember 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Aufgabe
Die IGAD definiert ihre Aufgabe als Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Schaffung von Ernährungssicherheit und im Umweltschutz, bei Friedenssicherung und humanitären Maßnahmen sowie in wirtschaftlicher Entwicklung und Integration. IGAD ist ein sicherheitspolitisches Forum, das neben der wirtschaftlichen Integration vor allem regionale Stabilität und Ernährungssicherheit in Ostafrika fördern soll.<ref name="BBC2025" />
Mitglieder
- Datei:Flag of Ethiopia.svg Äthiopien
- Datei:Flag of Djibouti.svg Dschibuti
- Datei:Flag of Eritrea.svg Eritrea (verließ die Organisation 2007 während des Grenzkonflikts mit Äthiopien, trat 2023 wieder bei und erklärte im Dezember 2025 erneut seinen Austritt)<ref name="BBC2025" />
- Datei:Flag of Kenya.svg Kenia
- Datei:Flag of Somalia.svg Somalia
- Datei:Flag of Sudan.svg Sudan
- Datei:Flag of South Sudan.svg Südsudan
- Datei:Flag of Uganda.svg Uganda
Erfolge und Probleme
- 1988 trug die IGAD dazu bei, dass Somalia unter Siad Barre und Äthiopien unter Mengistu Haile Mariam ihre Feindseligkeiten seit dem Ogadenkrieg von 1977/78 mit einem Friedensabkommen beendeten.<ref>Alain Gascon: Djibouti: Singapour sur mer Rouge. Un confetti d’Empire futur dragon africain (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, in: Outre-Terre 2/2005 (no .11), S. 451–466.</ref> Damit verpflichteten sich die beiden Staaten, die gegenseitige Unterstützung von Rebellengruppen einzustellen.
- Mit dem Friedensvertrag für den Südsudan 2005 (Comprehensive Peace Agreement) kann die IGAD einen großen Erfolg vorweisen.
- Auch die Somalia-Verhandlungen in Nairobi konnten erfolgreich bis zur Schaffung einer föderativen Übergangsregierung vorangetrieben werden, allerdings gelang es dieser Regierung bislang nicht, den somalischen Bürgerkrieg zu beenden. Zur Unterstützung der Übergangsregierung sollte unter maßgeblicher Beteiligung der IGAD-Staaten eine Friedensmission IGASOM entsandt werden. Diese wurde zur African Union Mission in Somalia und wurde Anfang 2007 entsandt, erreicht aber nicht ihren ursprünglich vorgesehenen Umfang.
- Nach Kämpfen seit Mitte Dezember 2013 und Tausenden von Toten im Südsudan konnte unter der Vermittlung der IGAD am 23. Januar 2014 ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien des Bürgerkriegs im Südsudan vereinbart werden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Waffen im Südsudan sollen schweigen ( vom 24. Januar 2014 im Internet Archive), tagesschau.de, 23. Januar 2014, abgerufen am 24. Januar 2014.</ref>
Der Friedens- und Sicherheitsbereich umfasst auch das regionale Conflict Early Warning Center (CEWARN) und ein regionales Projekt zur Terrorismusprävention, beide in Addis Abeba, und übernimmt Aufgaben für die Afrikanische Union.
In anderen Bereichen konnte die IGAD noch keine durchschlagenden Erfolge verzeichnen. Kenia und Uganda konzentrieren sich eher auf die Ostafrikanische Gemeinschaft als auf die IGAD. Auch konnte die IGAD den Eritrea-Äthiopien-Krieg 1998–2000 nicht verhindern und die weiterhin bestehenden Spannungen zwischen beiden Ländern nicht abbauen. Eritrea erklärte 2007, dass es wegen Differenzen mit Äthiopien bezüglich Somalia seine Mitgliedschaft in der IGAD suspendieren möchte.<ref>Asmara: Verantwortungslose Resolutionen – Eritrea suspendiert seine Mitgliedschaft im nordostafrikanischen Staatenbündnis IGAD, in: AG Friedensforschung Uni Kassel.</ref><ref>Eritrea: Govt Suspends Igad Membership</ref> 2008 versuchten Kenia und Sudan erfolglos, Eritrea zur Rückkehr in die Organisation zu bewegen.<ref>Eritrean president turns down calls to return to IGAD, in: Sudan Tribune, 16. August 2008.</ref>
Die eritreische Regierung warf IGAD im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen vor, sich einseitig auf die Seite Äthiopiens zu stellen und zu einem „Werkzeug“ gegen Länder wie Eritrea geworden zu sein.<ref name="BBC2025" /> Während des Grenzkriegs und nachfolgenden Krisen wurde Eritrea von IGAD-Mitgliedern zudem beschuldigt, durch Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Mitgliedstaaten zur Destabilisierung der Region beizutragen; auf Initiative Äthiopiens forderte IGAD die Afrikanische Union und den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zeitweise auf, Sanktionen gegen Eritrea zu verhängen.<ref name="BBC2025" /> Eritrea selbst bestritt diese Vorwürfe und warf seinen Nachbarn vor, gemeinsam mit westlichen Staaten auf eine Destabilisierung des Landes hinzuarbeiten.<ref name="BBC2025" /> Im Zuge eines Grenzstreits brach Eritrea 2009 zudem die diplomatischen Beziehungen zu Dschibuti ab, das den Sitz der IGAD beherbergt, was die Spannungen weiter verschärfte.<ref name="BBC2025" />
Seit 2023 spitzten sich die ohnehin fragilen Beziehungen zwischen Eritrea und Äthiopien erneut zu, wobei Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed wiederholt einen Zugang seines Landes zum Roten Meer über eritreisches Territorium forderte.<ref name="BBC2025" /> In diesem Zusammenhang stellten Abiy und andere hochrangige Vertreter in Addis Abeba öffentlich die bisherigen Grenzen und die Anerkennung der eritreischen Unabhängigkeit infrage, was in Asmara als existentielle Bedrohung wahrgenommen wurde.<ref name="BBC2025" />
Vor diesem Hintergrund kündigte Eritrea am 12. Dezember 2025 an, seine Mitgliedschaft in der IGAD erneut zu beenden, da die Organisation nach Ansicht der eritreischen Regierung ihr rechtliches Mandat verloren habe, keinen strategischen Nutzen mehr biete und nicht zur Stabilität der Region beitrage; IGAD wies die Kritik zurück und betonte, Eritrea habe seit seiner Rückkehr 2023 an keinen Sitzungen, Programmen oder Aktivitäten der Organisation teilgenommen.<ref name="BBC2025" /> Beobachter äußerten die Sorge, dass die scharfe Rhetorik zwischen Asmara und Addis Abeba und der erneute IGAD-Austritt Eritreas das Risiko einer weiteren bewaffneten Auseinandersetzung im Horn von Afrika erhöht, zumal die Organisation insgesamt dafür kritisiert wird, bislang weder regionale Stabilität noch eine engere Integration im von Bürgerkriegen, Terrorismus und zwischenstaatlichen Spannungen geprägten Raum wirksam gefördert zu haben.<ref name="BBC2025" />
Weblinks
- igad.int, Website der Intergovernmental Authority on Development (englisch)
Einzelnachweise
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