Kachina
Kachina, Katchina oder Katsina bezeichnet in den Kulturen der Hopi, Zuni und anderer Pueblo-Indianer im Südwesten der Vereinigten Staaten drei Erscheinungen: den Geist einer Naturerscheinung in Form eines Tieres, einer Pflanze, eines Ahnen etc., den maskierten Tänzer, der diesen Geist darstellt, und die figürliche Darstellung desselben. Die Schreibweise Katsina stammt aus der Sprache der Hopi. Der Plural Katsinam gilt nur für die Geister und die Tänzer, denn das Pluralsuffix -m ist lebenden Wesen vorbehalten.<ref>Hopi Dictionary Hopìikwa Lavàytutuveni The University of Arizon Press, 1998, S. 217.</ref> Katsinam wirken als Vermittler der Gebete der Menschen an die Götter für den in dieser Region wichtigen Regen. Aus diesem Grund werden sie als höhere Wesen betrachtet.<ref name="Walter"></ref>
Formen und Figuren
Eine eigene Rolle spielen die Clowns (Tsutskut). Sie können zu allen Gelegenheiten auftreten und unterhalten durch derbe Späße und Kritik am Verhalten einzelner Dorfbewohner. Der bekannteste Clown ist der von den Zuni übernommene „Schlammkopf“ Koyemsi. Die geschnitzte Figur heißt Tihu (Plural Tithu). Tithu werden in der Literatur Kachina Dolls (Kachina-Puppen) genannt. Sie werden zu bestimmten Anlässen an die Kinder verteilt, um sie mit dem Aussehen und dem Wesen der Katsinam vertraut zu machen. Die Figuren werden im Haus aufgehängt, die einfachen Ausführungen werden auch als Spielzeug benutzt.<ref>Hodge: The Kachinas are coming. Northland Press, 1936, Seiten XV/XVI</ref> Die Anzahl der Katsinam und Clowns der Hopi ist nicht genau anzugeben, weil immer wieder alte Figuren verschwinden und neue eingeführt werden.<ref>Fewkes: "Hopi Katcinas, drawn by native artists, Rio Grande Press Inc., 1979, S. 161 ff.</ref> Frederick J. Dockstader gibt in seinem Buch The Kachina and the White Man die Anzahl mit „etwas mehr als 400“ an.<ref>Dockstader: The Kachina and the White Man. University of New Mexico Press, 1985, S. 23.</ref> Von manchen Katsinam gibt es nur den Namen in der Literatur.
Bei den Zuni heißen Tänzer und Figur Kokko.<ref>Handbook of North American Indians, Vol. 9, Smithsonian Institution, 1979, S. 500.</ref> Von den Tänzern und Figuren aus den weiter östlich gelegenen Dörfern (Acoma und Pueblos im Tal des Rio Grande) ist wenig bekannt, da diese stark dem Missionsdruck der Spanier ausgesetzt waren; daher hielten und halten ihre Bewohner ihre religiösen Feiern im Verborgenen ab.
Kommerzialisierung
Ab etwa 1900 kam vor allem unter den weißen Touristen ein großes Interesse an den Kachina-Figuren auf, und die Puppen wurden zu begehrten Sammlerobjekten. Aus diesem Grund begannen viele Hopi mit der kommerziellen Herstellung der Figuren, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.<ref>Schaaf: Hopi Katsina. 1600 Artist Biographies, CIAC Press, 2008.</ref> Auch der Großvater und ein Onkel des Hopi-Künstlers Dan Namingha sind als Schnitzer von Kachina-Figuren bekanntgeworden.<ref>Werner Götz: Dan Namingha, bedeutender indianischer Künstler, ab 24. Mai im Landshut zu sehen. In: rundschau24.de. Abgerufen am 31. Dezember 2014.</ref>
Heute gilt die Herstellung als hohe Form der Schnitzkunst, und die Kachina-Puppen werden auf dem indianischen Kunstmarkt zu Preisen zwischen 500 und 10.000 US-Dollar gehandelt.<ref>Eric Bromberg: The Hopi Approach to the Art of Kachina Doll Carving. S. 18.</ref> Die älteren Figuren werden besonders in Frankreich hoch gehandelt. Die höchsten Preise erzielten 1997 und 2006 „Salako Mana“-Figuren, die für je rund 270.000 US-Dollar unter anderem bei Sotheby’s in New York City versteigert wurden.<ref>ARTNET AUCTION REPORT: SOTHEBY'S AMERICAN INDIAN ART. In: artnet.com. 31. Juli 2006, abgerufen am 31. Dezember 2014.</ref><ref>Geneste & Mickeler Kachina Messagers des dieux Hopi et Zuni, SOMOGY éditins d'art, 2011, Seite 22</ref>
Sammlungen
Die bekanntesten Sammlungen von Kachina-Figuren befinden sich im Heard Museum in Phoenix und im Southwest Museum in Los Angeles.<ref>Harry C. James: The Hopi Indians, Their History and their Culture. S. 173.</ref> Weitere Sammlungen finden sich im Museum of Northern Arizona in Flagstaff, im Field Museum in Chicago, im American Museum of Natural History in New York City und im Museum of Anthropology in Columbia (Missouri). Bereits 1901 wurde im Berliner Museum für Völkerkunde (heute Ethnologisches Museum) mit der Sammlung dieser Puppen begonnen. Auch Künstler wie Horst Antes,<ref>Katsinam, Figuren der Pueblo-Indianer Nordamerikas aus der Studiensammlung Horst Antes, Völkerkundemuseum Lübeck, 2000.</ref> Piero Dorazio, Marcel Duchamp, Max Ernst, André Malraux und Emil Nolde<ref name="buch-homqm9a_9H8C-499">Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt. LIT Verlag Münster, 2012, ISBN 978-3-643-11025-1, S. 499. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> sammelten und malten Kachina-Figuren.
Einzelnachweise
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