Walter Brudi
Walter Brudi (* 24. Januar 1907 in Stuttgart; † 9. Dezember 1987 ebenda) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben
Brudi studierte von 1924 bis 1928 bei Friedrich Hermann Ernst Schneidler an der Württembergischen Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart. Im Anschluss an das Studium blieb Brudi zunächst als Schneidlers Assistent an der Hochschule tätig. Daraufhin ging Brudi in die freie Wirtschaft und wurde Leiter des Werbeateliers bei der Wollspinnerei Merkel & Kienlin (Esslinger Wolle) in Esslingen am Neckar. Zum 1. Dezember 1929 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 173.729). Von 1932 bis 1935 leitete er die Klasse für Typografie an der Höheren Grafischen Fachschule in Berlin, danach war er bis 1945 Lehrer an der Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker in München. Er wirkte in München zunächst als Studienrat, stieg jedoch spätestens 1943 zum Professor auf.<ref name=":0">Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/4670197</ref>
Zwischen 1940 und 1944 war Brudi als Obergefreiter der Wehrmacht im Stab der 65. Infanterie-Division in der Heeresgruppe B und als Kriegsmaler zunächst in der Ostukraine und dann in Frankreich eingesetzt.<ref name=":1">Maria Gramlich: Der Nachlass von Walter Brudi. (PDF) In: WLB-Forum. Mitteilungen der Württembergischen Landesbibliothek. 2018, S. 44–45, abgerufen am 15. Februar 2026.</ref> Bei Kriegsende wurde er für den Rainer Wunderlich Verlag in Tübingen tätig. Am 17. Juni 1948 wurde er durch die zuständige Spruchkammer in Tübingen-Lustnau in die Gruppe der Mitläufer eingeordnet.<ref name=":0" /><ref name=":2">Leonie Beiersdorf, Frank Engehausen: Forschungsprojekt: NS-Vergangenheit südwestdeutscher Landtagsabgeordneter nach 1945. Teilprojekt: NS-Bezüge der im Landtag von Baden-Württemberg ausgestellten Kunstwerke. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Oktober 2025, S. 59–62, abgerufen am 15. Februar 2026.</ref>
Von 1949 bis 1973 war er Professor für Buchgraphik und Typografie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, von 1959 bis 1969 war er deren Rektor,<ref name=":1" /> ein Amt, von dem er, während der Studentenunruhen in heftige Kritik geraten, zurücktreten musste. 1966 gründete Walter Brudi das Institut für Buchgestaltung der Akademie (heute: Institut für Buchgestaltung und Medienentwicklung) und übernahm dessen Leitung bis 1973. Mehrere von ihm in diesem Zeitraum in Zusammenarbeit mit Hans Frank, Karl Wahl und Horst Wöhrle herausgegebene Buchveröffentlichungen sollten beispielgebend auf die graphische Praxis hinwirken. Zu seinen wichtigeren Stuttgarter Schülern zählen Albrecht Ade, Wilfried Blecher, Wolfgang Gäfgen, Klaus Grözinger, Günter Jacki, Bernd Kastenholz, Paul König, Peter Steiner, Kurt Weidemann, Peter Keidel und Hans Peter Willberg.
Künstlerisches Schaffen
Brudi schuf zunächst Werbegrafiken und kalligrafische Arbeiten, befasste sich später aber mit grafischer Gestaltung von Büchern (Satz, Einband, Illustrationen). Von 1952 bis 1959 entwarf er auch einige Briefmarken für die Deutsche Bundespost. Als Vorsitzender des Kunstbeirats der Deutschen Bundespost setzte er sich jahrelang für eine Hebung des Niveaus auf dem Gebiet des Briefmarken-Designs ein. 1961 entwarf er das Landeswappen für den Plenarsaal des Landtags von Baden-Württemberg.<ref name=":2" />
Von ihm entworfene Satzschriften:<ref name=":2" />
- ORBIS (1953)
- Brudi Mediäval (1953/54)
- Pan (1954)
Im März 2018 erwarb die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart den künstlerischen Nachlass Walter Brudis aus Familienbesitz. Er enthält unter anderem private und berufliche Korrespondenzen und Kriegszeichnungen.<ref name=":1" />
Werke
- Schriftschreiben und Schriftzeichnen. Poeschel, Stuttgart 1952.
- Schriftzeichen. Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Institut für Buchgestaltung, Stuttgart 1971.
Literatur
- Eberhard Hölscher: Walter Brudi. In: Gebrauchsgraphik, Jg. 11 (1934), Heft 9, S. 36–43 (Digitalisat).
- Walter Brudi: Szenen und Landschaften. Ausstellung der Galerie der Stadt Stuttgart, Kunstgebäude am Schlossplatz, 16. Dezember 1976 – 6. Februar 1977. Galerie der Stadt Stuttgart, Stuttgart 1977.
- Georg Kurt Schauer: "Die Hand auf der Schulter". Walter Brudi und sein Werk, in: Aus dem Antiquariat, 1980, Nr. 12, S. A 529 – A 533.
- 30 Jahre Kunstbeirat der Deutschen Bundespost: Briefmarkengrafik in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg. Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen, Düsseldorf, o. J. [1984] (mit einem Beitrag von Walter Brudi: Gedanken zur Arbeit des Kunstbeirats).
- Wolfgang Kermer/Kurt Schauer/Peter Steiner/Werner Sumowski: Walter Brudi: Graphik, Malerei. [Hrsg. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart]. Belser, Stuttgart/Zürich 1987, ISBN 3-7630-2080-2.
- Wolfgang Kermer (Hrsg.): Zwischen Buch-Kunst und Buch-Design: Buchgestalter der Akademie und ehemaligen Kunstgewerbeschule in Stuttgart: Werkbeispiele und Texte. Ed. Cantz, Ostfildern-Ruit 1996, ISBN 3-89322-893-4.
- Maria Gramlich: Bedeutende Neuerwerbungen: Der Nachlass von Walter Brudi. In: WLBforum. Mitteilungen der Württembergischen Landesbibliothek, Jg. 20 (2018/2), S. 44–45 (m. Abb., online).
- Leonie Beiersdorf und Frank Engehausen: Forschungsprojekt: NS-Vergangenheit südwestdeutscher Landtagsabgeordneter nach 1945. Teilprojekt: NS-Bezüge der im Landtag von Baden-Württemberg ausgestellten Kunstwerke, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 59–62 (online).
Weblinks
- Literatur von und über Walter Brudi im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Brudi, Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler und Buchgrafiker |
| GEBURTSDATUM | 24. Januar 1907 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 9. Dezember 1987 |
| STERBEORT | Stuttgart |
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