Doppelherz
Doppelherz ist eine Marke für Nahrungsergänzungsmittel, die im Besitz des Pharmaunternehmens Queisser Pharma ist.
Die Produkte der Marke werden überwiegend in Flensburg produziert und sind weltweit in über 60 Ländern erhältlich. Angeboten werden Nahrungsergänzungsmittel, überwiegend freiverkäufliche pflanzliche Arzneimittel und Medizinprodukte. Sie sind in Apotheken, Drogeriemärkten und im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich.
Geschichte
Das gleichnamige Tonikum wurde 1919 vom Essener Drogisten Josef Peter Hennes erstmals zusammengestellt und ab 1921 vertrieben.<ref name="hp_geschichte">Markengeschichte. Queisser Pharma, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. August 2020; abgerufen am 3. Juli 2020.</ref><ref></ref>
Anfänglich erfolgte der Vertrieb unter der Wortmarke „Doppelherz“ in Großbuchstaben, ergänzt durch die stilisierte Darstellung einer Krankenschwester, die ein rotes und ein schwarzes Herz in die Höhe hält. Die Entwicklung zur heutigen Wort-Bild-Marke begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis in die 1950er Jahre wurde das Tonikum in Glasflaschen mit gewickeltem, bedrucktem Papiereinschlag angeboten, später in Glasflaschen mit Klebeetikett.<ref name="neueverpackung_2017">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref name="hp_geschichte" />
Die von Hennes zur Vermarktung der Doppelherz-Produkte gegründete Gesellschaft Doppelherz Chemische Fabrik J. P. Hennes GmbH blieb bis 1976 familiengeführt. 1975 erwirtschaftete Doppelherz einen Umsatz von 35 Millionen DM. 1976 verkaufte die altersbedingt ausscheidende Alleineigentümerin Claire Hennes, Schwiegertochter von Josef Peter Hennes, das Unternehmen an das Flensburger Spirituosenunternehmen Hermann G. Dethleffsen (heute: HGDF Familienholding).<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>275 Jahre, acht Generationen - eine Kaufmannsfamilie. In: shz.de. 14. Juni 2013, abgerufen am 3. Juli 2020.</ref> Seit 1978 gehörte auch Queisser Pharma, ein Hersteller von Zahnpasta („Kaliklora“) und Haftcremes („Protefix“) mit Sitz in Hamburg, zur Dethleffsen-Gruppe, und Doppelherz wurde mit Queisser Pharma verschmolzen.<ref></ref>
Durch Werbung (seit 1982 in Form von Fernsehwerbespots)<ref name="hp_geschichte" /> erlangten die Marke und ihre Slogans „Darauf kann man nicht verzichten“ (1950), „Stärkt Kreislauf, Nerven und Ihr Herz“ (1973) und insbesondere „Die Kraft der zwei Herzen“ (1980) Bekanntheit in Deutschland.<ref name="neueverpackung_2017" />
1987 verlegte Queisser Pharma den Unternehmenssitz und die Produktion von Doppelherz nach Flensburg an die ehemalige Fertigungsstätte des ebenfalls der Fam. Dethleffsen gehörenden Hansen Rums.<ref>Carlo Jolly: Er holte 30 Jahre lang Firmen in die Region. In: shz.de. 29. Dezember 2011, abgerufen am 3. Juli 2020.</ref><ref>Gerard Nowc: Eine der führenden Persönlichkeiten der Rumstadt Flensburg ist verstorben. In: shz.de. 21. März 2017, abgerufen am 3. Juli 2020.</ref> Das Doppelherz-Tonikum war zu diesem Zeitpunkt das umsatzstärkste Produkt des Unternehmens und mit einem Marktanteil von 20 % die zweitwichtigste Marke auf dem deutschen Markt für Stärkungsmittel, dessen Volumen das Handelsblatt 1987 mit geschätzt 130 Mio. DM angab.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>
Ab den 1990er Jahren wurde Doppelherz nach Polen, Russland, Rumänien, Bulgarien und in die baltischen Länder exportiert; die erste Tochtergesellschaft gründete Queisser 2007 in Russland.<ref name="hp_geschichte" /> Die weitere Ausdehnung des Vertriebs in asiatische, südamerikanische und afrikanische Länder folgte etwa ab 2010.<ref name="shz_15092017">Gunnar Dommasch: Doppelherz nimmt Kurs auf China. In: shz.de. 15. September 2017, abgerufen am 13. August 2020.</ref><ref name="apoadhoc_10072017">Carolin Bauer: Doppelherz: Chinesinnen schwärmen für Neuer. In: apotheke-adhoc.de. 10. Juli 2017, abgerufen am 13. August 2020.</ref>
Ende der 1980er Jahre begann Queisser Pharma mit einer ersten Erweiterung des Doppelherz-Sortiments, zunächst mit Knoblauch- und Vitamin-E-Präparaten sowie einer zucker- und alkoholfreien Variante des Tonikums („Vital Tonikum N“). Ab 1999 wurde das erweiterte Nahrungsergänzungsmittelangebot unter „Doppelherz aktiv“ zusammengefasst.<ref>Doppelherz Aktiv zielt auf jüngere Zielgruppen. In: horizont.net. 28. April 1999, abgerufen am 1. Juli 2020.</ref><ref>Benedikt Fuest: Das Doppelherz schlägt jetzt in neuem Takt. In: welt.de. 19. August 2011, abgerufen am 1. Juli 2020.</ref> 2002 umfasste die „Aktiv“-Produktlinie 18 Produkte.<ref name="hor_07112002">Doppelherz erweitert Range mit Joghurt. In: horizont.net. 7. November 2002, abgerufen am 3. Juli 2020.</ref> Ab 2006 wurde mit „Doppelherz system“ ein Sortiment apothekenexklusiver Produkte eingeführt.<ref>Jahresabschluss 2006 der Herm. G. Dethleffsen AG & Co. KG. In: bundesanzeiger.de. 4. Januar 2008, abgerufen am 3. Juli 2020.</ref>
Vertrieb
Der internationale Vertrieb der Produkte der Marke erfolgt in Bulgarien, Rumänien, der Türkei, Russland, der Ukraine und Polen über die Tochtergesellschaften von Queisser Pharma sowie in rund 60 weiteren Ländern über nationale Vertriebspartner.<ref name="qu_international">Queisser Pharma – International vertreten. Queisser Pharma, abgerufen am 13. August 2020.</ref>
Die Logistik für die nationalen und weltweite Auslieferung von Doppelherz-Produkten wickelt Queisser Pharma über ein eigenes Logistikzentrum in Handewitt bei Flensburg ab.<ref>Bernd Maienschein: „Doppelherz“ geht in die ganze Welt. In: apotheke-adhoc.de. 3. Dezember 2018, abgerufen am 13. August 2020.</ref>
Marktanteil
Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten ist Doppelherz nach einer 2017 veröffentlichten Statistik der Lebensmittel Zeitung mit einem Marktanteil von 15 % vor Merz, Klosterfrau, Omega Pharma und Kneipp Marktführer unter den OTC-Markenherstellern (den kumulierten Anteil aller Drogerie-Eigenmarken gab die Erhebung mit 21 % an).<ref name="lz_26_2017" >Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Nach Daten der Marktforschungsagentur IQVIA befand sich das Doppelherz-Präparat „Aktiv Magnesium“ 2017 auf Rang 3 der im deutschen Einzelhandel am meisten nachgefragten Nahrungsergänzungsmittel.<ref>Infografik Nahrungsergänzungsmittel 2017. In: iqvia.com. Abgerufen am 17. Juli 2020.</ref> Im Apothekensegment ist Doppelherz Marktführer bei nicht verschreibungspflichtigen Fischölpräparaten (Daten von 2016).<ref>Patrick Hollstein: Fischöl in der Apotheke. In: apotheke-adhoc.de. 20. Mai 2016, abgerufen am 17. Juli 2020.</ref>
Doppelherz-Produkte werden in China in Originalaufmachung mit chinesischem Aufkleber vertrieben; als Markenbotschafter traten Manuel Neuer und die chinesische Schauspielerin Qin Lan auf.<ref name="shz_15092017" /><ref name="spiegel_24112019">Kristina Gnirke, Maria Marquard: Doppelherz für Hipster. Interview mit Deutschland-Chef von Alibaba. In: spiegel.de. 24. November 2019, abgerufen am 13. August 2020.</ref><ref name="apoadhoc_10072017" /><ref>Svenja Gabriel-Jürgens: „Deutsche Marken sind gefragt“. In: nwzonline.de. 13. Februar 2020, abgerufen am 13. August 2020.</ref><ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>
Kritik
In einer 2018 erstmals ausgestrahlten NDR-Dokumentation zur Krillfischerei in der Antarktis begleitete ein NDR-Team eine Antarktisexpedition von Greenpeace. In der Reportage beschreibt und unterstützt der Sender die Kritik der Umweltschutzorganisation am Krillfang und an der Nutzung von Krillöl für Omega-3-Fettsäurepräparate.<ref>45 Min: SOS Antarktis – Das große Geschäft mit dem kleinen Krill. In: ndr.de. 6. August 2018, abgerufen am 20. August 2020.</ref><ref>Licence to Krill. Greenpeace-Report. Greenpeace, 9. März 2018, abgerufen am 20. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der vom NDR herausgegebene Begleittext zur Reportage erwähnt auch Doppelherz-Krillölprodukte von Queisser Pharma.<ref>SOS Antarktis – Das große Geschäft mit dem kleinen Krill. In: fernsehserien.de. Abgerufen am 20. August 2020.</ref>
Nach Angaben des Unternehmens wird das für die Krillöl-Präparate der Marke verwendete Krillöl vom Marktführer Aker Biomarine bezogen.<ref>Nachhaltigkeit. Queisser Pharma, abgerufen am 20. August 2020.</ref> Als Reaktion auf die Kritik von Greenpeace entschlossen sich Aker Biomarine und weitere Krillfang-Unternehmen zur Zusammenarbeit mit der Umweltschutzorganisation und zum freiwilligen Verzicht auf Krillfang-Aktivitäten in Teilen der ökologisch sensiblen Küstengebiete um die antarktische Halbinsel, unter anderem in Pufferzonen um Pinguin-Brutkolonien. Diese Schutzmaßnahmen sollen 2020 in Kraft treten.<ref>Nach Greenpeace-Kampagne: Krillfischerei zieht sich aus Teilen der Antarktis zurück. Greenpeace, 10. Juli 2018, abgerufen am 20. August 2020.</ref><ref>Demi Korban: Greenpeace, Aker krill project shows the narrowing industry-NGO divide. In: intrafish.com. 18. November 2019, abgerufen am 20. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
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