Zum Inhalt springen

Trinkschiff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 20. Februar 2026 um 13:11 Uhr durch imported>SchlurcherBot (Bot: http → https).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Trinkschiff auf Rädern, MKG Hamburg, 2016.169-(01).jpg
Trinkschiff aur Rädern, um 1645 (im MKG Hamburg)

Trinkschiffe sind Goldschmiedearbeiten, selten auch Elfenbeinschnitzereien, die ein Schiff auf einem Standfuß zeigen. Sie sind seit der Renaissance als beliebter Tafelaufsatz bekannt. Aus dem Schiffsrumpf konnte man Wein trinken.

Ausbildung und Besonderheiten

Trinkschiffe wurden meist aus Silber gefertigt, teils auch mit Vergoldung oder aus purem Gold. Eher selten wurden sie aus Elfenbein geschnitzt.

Datei:Nef de Schlüsselfeld - nef séparée de la coupe.jpg
Schlüsselfelder Schiff, hier mit vom Pokal ab­genommenen Schiffs­aufsatz

Frühe Trinkschiffe stellen tatsächliche Schiffe dar. Besonders prunkvolle Exemplare bestehen aus bis in kleinste Detail gestalteten Schiffsmodellen – mit lebendigen Szenerien in Form von kleinen Matrosenfiguren etc. an Bord –, die als Aufsatz ausgebildet sind und vom „Schiffspokal“ abgenommen werden können. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das sogenannte Schlüsselfelder Schiff, das zum Bestand des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg gehört.<ref> Germanisches Nationalmuseum Nürnberg: „Schlüsselfelder-Schiff“ (Tafelaufsatz aus Silber). In: objektkatalog.gnm.de. Abgerufen am 17. Februar 2019.</ref>

Später kamen Phantasiedarstellungen von aufwendig gestalteten Schiffsmodellen auf, die mit Rädern ausgestattet waren und auf dem Tisch herumrollen konnten. Sie dienten nicht nur als repräsentativer Tafelschmuck, sondern auch der geselligen Unterhaltung im Rahmen von Trinkspielen: In den offenen Schiffskörper wurde Wein gefüllt und das Trinkschiff anschließend mit kräftigem Stoß über die Tafel gerollt – derjenige, bei dem es zum Stehen kam, musste es mittels eines integrierten Röhrchens austrinken.<ref>Vgl. z. B.: Eva Leistenschneider: Hans Ludwig Kienlin d. Ä., Trinkschiff, um 1650. Ulmer Museum. In: ernst-von-siemens-kunststiftung.de. Ernst von Siemens Kunststiftung, abgerufen am 17. Februar 2019.</ref>

Zu anderen Zwecken wurden Weihrauchboote, Lampenschiffe sowie Votivschiffe verwendet, die ähnlich wie die Trinkschiffe gebaut sind.

Literatur

  • Eugen von Philippovich: Kuriositäten, Antiquitäten: Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber (= Bibliothek für Kunst- und Antiquitätenfreunde. Nr. 46). Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1966, DNB 457803428, S. 241–245.
  • Albrecht Tyrell: Das Breslauer Trinkschiff. In: Stiftung Kulturwerk Schlesien (Hrsg.): Schlesischer Kulturspiegel. Band 29, 1994, ISSN 1437-5095, S. 49–50.
  • Stilkunde: Trinkschiffe. In: Weltkunst. Zeitschrift für Kunst und Antiquitäten. 81. Jahrgang, Nr. 3. Zeit Kunstverlag, 2011, ISSN 0043-261X, S. 98–99.
  • Traumschiffe der Renaissance. Ausstellungskatalog Bayrisches Nationalmuseum München 2024.
  • Aiko Schmidt: Der Schiffspokal im Emder Ratsilber. . In: Blog für ost-friesische Geschichte. 2024, 24. April Abgerufen am 30. Mai 2024, doi:10.58079/w9kv

Weblinks

Einzelnachweise

<references />