Zum Inhalt springen

William Kentridge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 2. Februar 2026 um 12:24 Uhr durch imported>Invisigoth67 (typo).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:William Kentridge (2025).jpg
William Kentridge (2025)

William Kentridge (* 28. April 1955 in Johannesburg) ist ein südafrikanischer Künstler, der Zeichner, Schöpfer von Animationsfilmen, Bühnenbildner, Schauspieler und Regisseur ist. Er arbeitet als Autor für Film und Bühne und realisiert Theater- und Opernprojekte. Insbesondere ist er für Kohlezeichnungen und Filme in Stop-Motion-Technik bekannt.<ref name="AiW">ArtinWords: William Kentridge. ArtinWords, 2025, abgerufen am 28. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Leben

Kentridge wurde während der Apartheid in Johannisburg geboren und wuchs in einer Familie mit jüdisch-litauischen Wurzeln auf. Beide Elternteile waren Rechtsanwälte und setzten sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung ein. Seine Mutter Felicia Kentridge war 1979 Mitbegründerin des Legal Resources Centre. Sein Vater Sydney Kentridge verteidigte während des Treason Trial, der von 1956 bis 1961 dauerte, Nelson Mandela, Desmond Tutu und Albert John Luthuli. Des Weiteren vertrat er die Familie Steve Bikos.<ref>Staatliche Kunstsammlungen Dresden: Biografie William Kentridge. Fondation Cartier, 2025, abgerufen am 26. Januar 2026.</ref>

Schon im Grundschulalter begann William Kentridge mit Kohle zu zeichnen. 1974, nach einem kurzen Studium der Bildenden Kunst an der Witwatersrand-Universität, wechselt Kentridge bis zum Abschluss 1976 zu Politikwissenschaft und Afrikastudien. Von 1976 bis 1978 studierte er bei Bill Ainslie an der Art Foundation in Johannesburg.<ref>Heinz-Norbert Jocks: William Kentridge. Kunstforum, 2025, abgerufen am 26. Januar 2026.</ref> Kentridge war Mitbegründer der Junction Avenue Theatre Company und betätigte sich dort als Schauspieler, Regisseur, Szenograf und Plakatgestalter. Er beteiligt sich an Anti-Apartheid-Aktivitäten. 1981 studierte er ein Semester lang an der Theaterschule Jacques Lecoq in Paris. Er heiratete 1982 und hat drei Kinder (1984, 1988, 1992). Kentridge lebt und arbeitet in Houghton Estate, Johannesburg.<ref name="AiW" />

Seit 1984 entstehen Kurzfilme und Animationsfilme, für die seine Kohlezeichnungen die Basis bilden. 1985 gründete Kentridge mit Angus Gibson die Johannesburg Free Filmmakers Cooperative, um unabhängigen Film zu fördern.<ref>JoburgFilmFestival: Angus Gibson. JoburgFilmFestival, abgerufen am 26. Januar 2026.</ref> 1992 beginnt Kentridges Kooperation mit der Handspring Puppet Company aus Kapstadt. Gemeinsam mit den Malern Deborah Bell und Robert Hodgins realisierte er die Computeranimation Easing the Passing (of the Hours). Kentridge eröffnete 2010 ein zweites Studio für die Herstellung größerer skulpturaler Objekte in Maboneng, Johannisburg. 2016 gründete er The Centre for the Less Good Idea in Johannisburg.<ref>Fondation Cartier pour l’art contemporain: The Center for the Less Good Idea. Fondation Cartier, 2026, abgerufen am 26. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ab 2017 entwickelt er mehrere Kammeropern in Zusammenarbeit mit den Komponisten Philip Miller, Thuthuka Sibisi, Nhlanhla Mahlangu und Kyle Shepherd.<ref>Staatliche Kunstsammlungen Dresden: Biografie William Kentridge. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 2025, abgerufen am 26. Januar 2026.</ref>

Werk

Bemalte Mauer mit riesigen Schatten am Ufer des Tiber, die die Siege und die Niederlagen der römischen Geschichte symbolisieren
Performance von Kentridges Werk Triumphs & Laments (Rom 2016)

In den 1980er Jahren begann Kentridge Animationsfilme zu produzieren, in denen er die Geschichte und die sozialen Umstände Südafrikas reflektiert. Er zeichnet jedes Einzelbild seiner Produktionen von Hand mit Kohle, Graphitstift oder Pastellfarben. Es entstehen so unzählige Einzelbilder mit minimalen Abweichungen, aus denen sich dann seine bewegten Werke zusammensetzen. Mehrfach war er mit Animationsfilmen Teilnehmer der Biennale Venedig. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gestaltete er ein Plakat. Eine große Retrospektive von Kentridges Schaffen wurde 2012 in Rio de Janeiro zusammengestellt und war daraufhin in anderen Städten Lateinamerikas zu sehen. Im selben Jahr präsentierte Kentridge die Charles Eliot Norton Lectures an der Harvard-Universität und wurde zum Mitglied der American Philosophical Society und der American Academy of Arts & Sciences ernannt. Seit 2011 ist er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters<ref>Honorary Members: William Kentridge. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 12. März 2019.</ref> und seit 2012 assoziiertes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique.<ref>Membre associé: William Kentridge. Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, abgerufen am 4. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 2017 inszenierte er die Oper Wozzeck von Alban Berg bei den Salzburger Festspielen.

Ausstellungen (unvollständig)

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen

Werke (Auswahl)

  • 1993: Felix in Exile, Zeichnung auf Papier, 84 × 103 cm (Versteigerung Januar 2010 im Auktionshaus Stephan Welz & Co., Johannesburg).
  • 1999: Stereoscope.
  • 2007: Zeichnung für den Film Il Sole 24 Ore, Kohle, Gouache, Pastell und Buntstifte auf Papier.
  • 2009: mit Gerhard Marx: Fire Walker, 11 Meter hohe bemalte Stahlskulptur, Newtown, Johannesburg.
  • 2011: Lecture Performance mit Kentridge im Market Theatre, Johannesburg: Dancing with Dada mit dem Komponisten Philip Miller und der Tänzerin und Choreographin Dada Masilo.
  • 2014: Inszenierung von Schuberts Winterreise im Rahmen der Wiener Festwochen.<ref>Wenn die Stürme toben, bin ich so elend nicht in FAZ vom 12. Juni 2014, Seite 11</ref>
  • 2018: The Head & The Load, Eröffnung der Ruhrtriennale 2018<ref>Andreas Wilink: Großer Befreiungs-Marsch. nachtkritik.de, 9. August 2018, abgerufen am 21. Februar 2021.</ref>

Filmprojekte

Drawings for Projection (1989–2020) besteht aus 10 Kurzfilmen
  • 1989: Johannesburg, 2nd Greatest City after Paris (1989, 16 mm, Videotransfer, 3:11 Min.)
  • 1990: Monument
  • 1991: Mine (6 min.)
  • 1991: Sobriety, Obesity & Growing Old (9 min)
  • 1994: Felix in Exile (9 min.)
  • 1996: History of the Main Complaint
  • 1998: Weighing and Wanting
  • 2003: Tide Table
  • 2011: Other Faces
  • 2020: City Deep<ref name="AiW" />
Self-Portrait as a Coffee Pot (2024) besteht aus 9 Kurzfilmen
  • A Natural History of the Studio
  • Self-Portrait as a Coffee-Pot
  • Vanishing Points
  • Finding One's Fate
  • AS IF
  • Harvest of Devotion
  • Metamorphosis
  • Oh To Believe In Another World
  • In Defence of Optimism

Filme (unvollständig)

Preise, Auszeichnungen, Ehrungen

Veröffentlichungen

  • Sechs Zeichenstunden: Die Charles Eliot Norton Vorlesungen, 2012, Verlag Walther König, Köln 2016, ISBN 978-3-86335-949-2.
  • In Verteidigung der weniger guten Idee. Sigmund Freud Vorlesung 2017. Turia + Kant, Wien/Berlin 2018, ISBN 978-3-85132-893-6.
  • The Head & the Load, Prestel, 1. September 2020, ISBN 978-3-7913-8718-5
  • William Kentridge: Self-Portrait as a Coffee Pot, Thames & Hudson, 8. Juli 2025, (englisch) ISBN 978-3-907493-12-0.

Literatur

  • Sabine Breitwieser, Iwona Blazwick (Hrsg.): William Kentridge. Thick Time. Installationen und Inszenierungen. Hirmer, München 2016, ISBN 978-3-7774-2714-0.
  • Sabine Schaschl: William Kentridge: The Nose. Haus Konstruktiv, Zürich 2015, ISBN 978-3-86335-771-9.
  • Sandra Coumans: Geschichte und Identität. „Black Box / Chambre noire“ von William Kentridge. regiospectra, Berlin 2012, ISBN 978-3-940132-37-6.
  • Michael Auping (Hrsg.): William Kentridge. Fünf Themen – Five Themes, Hatje Cantz, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7757-2633-7.
  • William Kentridge. Listen to the Echo., hrsg. Museum Folkwang Essen and Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Steidl, 2025, ISBN 978-3-96999-475-7.

Kurzfilme (Auswahl)

Weblinks

Commons: William Kentridge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Hinweisbaustein