Zum Inhalt springen

Deutscher Ziest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 23. August 2025 um 15:05 Uhr durch imported>Aka (Systematik: typografische Anführungszeichen, Klammern korrigiert).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Deutscher Ziest
Datei:Stachys germanica1 eF.jpg

Deutscher Ziest (Stachys germanica)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Zieste (Stachys)
Art: Deutscher Ziest
Wissenschaftlicher Name
Stachys germanica
L.

Der Deutsche Ziest (Stachys germanica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Zieste (Stachys) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Er blüht von Juni bis September.

Beschreibung

Datei:Stachys germanica Sturm 11043.jpg
Illustration aus Sturm
Datei:Stachys germanica (subsp. germanica) sl16.jpg
Stängel mit gegenständigen Laubblättern
Datei:Stachys germanica2 eF.jpg
Blütenstand
Datei:Stachys germanica (subsp. germanica) sl29.jpg
Scheinquirle
Datei:Stachys germanica (subsp. germanica) sl31.jpg
Blüte: Kronenaußenseite ist dicht zottig behaart.
Datei:Stachys germanica (subsp. germanica) sl32.jpg
Kronenoberlippe mit Antheren: die Antherenhälften stehen genau übereinander.

Vegetative Merkmale

Der Deutsche Ziest wächst meist als zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 40 bis 125 Zentimetern. Es handelt sich um eine Halbrosettenpflanze. Der Stängel ist aufrecht, einfach oder ästig<ref name="HegiGams1964" /> und wie die ganze Pflanze durch dichte, fein seidige Behaarung grau-weiß wirkend.

Von den gegenständig am Stängel angeordneten Blättern sind die unteren deutlich gestielt, die oberen – vor allem die Hochblätter – sitzend. Die einfachen Blattspreiten sind bei einer Länge von 3 bis 10 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 5 Zentimetern eiförmig-elliptisch mit gekerbtem Blattrand. Die Blätter sind stark netznervig-runzelig.<ref name="HegiGams1964" /> Die Hochblätter sind sitzend, die unteren sind den Stängelblättern ähnlich und ünberragen die Blüten weit, die oberen werden rasch kleiner und sind ganzrandig.<ref name="HegiGams1964" />

Generative Merkmale

Der Blütenstand besteht aus dicht- und reichblütigen, etwa 16 bis 20 (bis 40) Blüten umfassenden Scheinquirlen, die im oberen Teil dicht gedrängt stehen. Die zwittrigen Blüten sind 12 bis 18 Millimeter lang, zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist dicht seidig behaart, die Kelchzähne sind stachelspitzig und deutlich aus dem Filz herausschauend. Die Kronblätter sind hell-karminrot gefärbt und werden braun beim Trocknen; außen sind sie lang seidig-zottig behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Die Kronröhre hat innen einen Haarring,<ref name="HegiGams1964" /> Die Blütenoberlippe ist ungeteilt oder gespalten und leicht gekrümmt.<ref name="HegiGams1964" /> Die etwas längere Unterlippe hat 2 kleine Seitenlappen und einen großen, scharf abgesetzten oft etwas gezähnelten Mittellappen.<ref name="HegiGams1964" /> Die Staubblätter liegen unter der Oberlippe, sie sind am Grund zottig und nur wenige auswärte gekrümmt.<ref name="HegiGams1964" /> Die Pollensäcke sind stark spreizend und kahl. Der Griffel ist weiß.<ref name="HegiGams1964" /> Die Klausen sind etwa 2 bis 2,5 Millimeter lang, dreikantig, glatt und schwärzlich gefärbt.<ref name="HegiGams1964" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 30.<ref name="Oberdorfer2001" />

Vorkommen

Stachys germanica kommt von Marokko und den Kanarischen Inseln bis zur Türkei und dem Kaukasusraum vor.<ref name="POWO" /> Als Neubürger ist er auch in Nordamerika zu finden.<ref name="POWO" /> In Europa hat er ursprüngliche Vorkommen in fast allen Ländern, er fehlt nur in Irland, Island, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Litauen, Lettland, Estland und Moldau. In Österreich ist er im pannonischen Gebiet selten, sonst sehr selten zu finden. In der Schweiz kommt er selten vor.

Der Deutsche Ziest kommt in Deutschland nur sehr zerstreut vor. Er ist vor allem im südlichen Teil des Gebiets häufiger zu finden. Er fehlt im Nordwesten und Nordosten Deutschlands.

Der Deutsche Ziest wächst in Halbtrockenrasen, in lichten Gebüschen, an Böschungen, in Steinbrüchen und auf Schutt. Er bevorzugt mehr oder weniger trockene, nährstoffreiche und oft kalkhaltige Böden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Onopordion acanthii, kommt aber auch in Mesobromion-Gesellschaften vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Stachys germanica erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 581.<ref name="POWO" /> Das Epitheton „germanica“ in der Bedeutung „von Deutschland“ übernahm Linné von Caspar Bauhins Pinax (1623).

Man kann von Stachys germanica folgende Unterarten unterscheiden:<ref name="POWO" />

  • Stachys germanica subsp. bithynica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss.) R. Bhattacharjee (Syn.: Stachys bithynica Boiss.): Sie kommt von Griechenland und der Türkei bis zur Krim und Transkaukasien vor.<ref name="POWO" />
  • Stachys germanica subsp. cordata <templatestyles src="Person/styles.css" />Greuter & Burdet: Sie kommt auf der Krim vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Stachys germanica subsp. cordigera <templatestyles src="Person/styles.css" />Briq.: Sie kommt in Spanien und in Marokko vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Stachys germanica subsp. dasyanthes <templatestyles src="Person/styles.css" />(Raf.) Arcang.: Sie kommt in Italien und in Sizilien vor.<ref name="POWO" />
  • Stachys germanica subsp. germanica: Sie kommt von Europa bis zum Kaukasusraum vor, aber auch auf den Kanarischen Inseln und in Nordwestafrika.<ref name="POWO" />
  • Stachys germanica subsp. heldreichii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss.) Hayek: Sie kommt von der Balkanhalbinsel bis Transkaukasien vor.<ref name="POWO" />
  • Stachys germanica subsp. penicillata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Heldr. & Sart. ex Boiss.) Nyman: Sie kommt in Griechenland und in Albanien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Stachys germanica subsp. velezensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Sagorski) Hayek: Sie kommt auf der nordwestlichen Balkanhalbinsel vor.<ref name="POWO" />

Literatur

  • Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1975, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg, ISBN 3-489-78021-3
  • Christian August Friedrich Garcke: Illustrierte Flora. 1972, Verlag Paul Parey, ISBN 3-489-68034-0.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • August Binz, Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. 1986, Schwabe & Co. AG, Basel, ISBN 3-7965-0832-4
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. 1990, Ulmer Verlag, Stuttgart, ISBN 3-8001-3454-3

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="POWO">Datenblatt Stachys germanica bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.</ref> <ref name="InfoFlora"> Stachys germanica L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="HegiGams1964">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2424–2428.</ref> <ref name="Euro+Med">Lamiaceae. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Stachys germanica</ref> </references>

Weblinks

Commons: Deutscher Ziest (Stachys germanica) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien