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Wasserschierling

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Wasserschierling
Datei:Cicuta virosa Oulu, Finland 18.07.2013.jpg

Wasserschierling (Cicuta virosa)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Wasserschierlinge (Cicuta)
Art: Wasserschierling
Wissenschaftlicher Name
Cicuta virosa
L.

Der Wasserschierling (Cicuta virosa), auch genauer Gift-Wasserschierling<ref name="FloraWeb" /> oder selten Wüterich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wasserschierlinge (Cicuta) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Zusammen mit dem Gefleckten Schierling gehört er in die Unterfamilie der Apioideae. Neben dem Gefleckten Schierling (Conium maculatum) und der Hundspetersilie (Aethusa cynapium) ist er eines der giftigsten Doldengewächse.

Beschreibung

Datei:Cicuta virosa - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-038 cropped.jpg
Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen
Datei:Cicuta virosa 001.JPG
Habitus
Datei:Sprängörtsrot 16 apr-14.jpg
Unterirdische Pflanzenteile
Datei:Cicuta virosa blatt.jpeg
Laubblatt
Datei:Cicuta virosa 002.JPG
Doppeldoldiger Blütenstand
Datei:Cicuta virosa Myrkkykeiso IMG 0361 C.JPG
Habitat

Vegetative Merkmale

Der Wasserschierling wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 0,5 bis zu 1,5 Metern.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Thellung1965" /> Als Überdauerungsorgan wird eine knollenartig verdickte Stängelbasis gebildet, die hohl ist, bis zu 7 Zentimeter dick ist und durch Querwände gekammert ist.<ref name="Thellung1965" /> Der meist im Wasser stehende, aufrechte oder aufsteigende, im oberen Bereich verzweigte<ref name="Thellung1965" /> Stängel ist auf gesamter Länge hohl und weist außen feine Rillen auf.<ref name="FloraWeb" />

Die Laubblätter sind wechselständig am Stängel angeordnet. Die oberen Blätter sind kurz gestielt oder auf den bauchigen und hautrandigen Blattscheiden fast sitzend.<ref name="Thellung1965" /> Der Blattstiel und die Verzweigungen der Blattrhachis sind röhrig und rund.<ref name="Thellung1965" /> Die zwei- und dreifach gefiederten Blattspreiten besitzen Fiederabschnitte, die linealisch-lanzettlich und scharf gesägt sind.<ref name="FloraWeb" />

Generative Merkmale

Der doppeldoldige Blütenstand ist 10- bis 20-strahlig. Hüllblätter der Dolde fehlen.<ref name="FloraWeb" /> Die Döldchen weisen zahlreiche Hüllchenblätter auf und enthalten viele Blüten.<ref name="FloraWeb" />

Die zwittrige Blüte ist fünfzählig. Die weißen Kronblätter sind bei einer Länge von etwa 1 Millimetern verkehrt-eiförmig, zur Basis hin verschmälert und am oberen Ende herzförmig ausgerandet mit schmaler kurz eingeschlagener Spitze.<ref name="Thellung1965" /> Das Griffelpolster ist niedrig-kegelförmig.<ref name="Thellung1965" /> Die Griffel sind lang und zuletzt zurückgeschlagen.<ref name="Thellung1965" />

Die gelblich-braunen Doppelachänen sind bei einer Breite von nur 2 bis 3 Millimetern eiförmig bis fast kugelförmig und charakteristisch gerippt.<ref name="FloraWeb" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22, seltener 44.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie und Phänologie

Der Wasserschierling ist ein sommergrüner, helomorpher Hemikryptophyt,<ref name="FloraWeb" /> ausdauernde Schaftpflanze bzw. eine Sumpf- oder wurzelnde Wasserpflanze. Der röhrige Stängel und die knollig verdickte, gestauchte Sprossbasis haben Luftkammern im Bereich der Internodien; dies ist eine Anpassung an den sauerstoffarmen Untergrund. Durch die Luftkammern sind auch die Knollen schwimmfähig. Vegetative Vermehrung erfolgt durch entwurzelte und schwimmende Knollen. Der Wasserschierling überdauert den Winter in der schützenden Laubschicht des Bodens.

Blütenökologisch handelt es sich bei den vormännlichen Blüten um „Nektar führende Scheibenblumen“. Bestäuber sind hauptsächlich Zweiflügler, besonders Schwebfliegen.<ref name="FloraWeb" />

Die Blütezeit reicht von Juli bis September.<ref name="Thellung1965" /> Die sich im August - September entwickelnden Früchte mit Schwimmgewebe für die Schwimmausbreitung ausgestattet. Die Samen sind Licht- und Kältekeimer.<ref>Wasserschierling Cicuta virosa Doldengewächse bei botanikus.de, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref>

Der Wasserschierling ist Wirtspflanze für die Pilzarten Erysibe polygoni, Puccinia cicutae-maioris und Guignardia cicutae.<ref name="Thellung1965" />

Vorkommen und Gefährdung

Der Wasserschierling ist ursprünglich in Eurasien weitverbreitet. Sein Verbreitungsgebiet umfasst Europa, Zentralasien, Georgien, Sibirien, Indien, China, Japan, die Mongolei und den Fernen Osten, dazu Alaska und Kanada.<ref name="GRIN" /> In Europa kommt er in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Portugal, Island, Luxemburg, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien und Nordmazedonien und ist in Spanien ausgestorben.<ref name="Euro+Med" /> Vorlage:Hinweisbaustein Der Wasserschierling gedeiht in submeridionalen bis borealen Klimazonen vom Flach- bis ins Hügelland. Der Wasserschierling ist an feuchten Verlandungsbereichen mesotropher (mittlerer Nährstoffgehalt) bis eutropher (hoher Nährstoffgehalt) stehender Gewässer wie Seen, Tümpel oder Gräben zu finden. Weitere Bestände können in feuchten Erlenbruchwäldern auftreten. Seine Bestände gehen jedoch stark zurück, was vor allem an der vorbeugenden Beseitigung wegen der gefährlichen Giftigkeit und an der zunehmend intensiven Nutzung von Verlandungsbereichen liegt. Er ist die Kennart der Pflanzenassoziation Cicuto-Caricetum pseudocyperi und hat sein Hauptvorkommen im Verband Alnion glutinosae (Erlenbrüche). Der Wasserschierling steigt in der Steiermark bis in eine Höhenlage von 1200 Meter, am Inn in Graubünden bei Celerina/Schlarigna bis 1740 Meter auf.<ref name="Thellung1965" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 5w (überschwemmt aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

In den meisten deutschen Bundesländern ist der Wasserschierling auf der Roten Liste der Gefäßpflanzen als „gefährdet“ oder „stark gefährdet“ eingestuft.<ref>Datenblatt Wasserschierling Cicuta virosa L. bei stiftung-naturschutz.de, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref> In der Schweiz ist er „stark gefährdet.“<ref name="InfoFlora" /> Auch im übrigen Europa ist er z. T. stark in seinen Beständen bedroht.

Giftigkeit, Heilkunde und botanische Geschichte

Sämtliche Pflanzenbestandteile des Wasserschierlings sind sehr giftig, insbesondere die Knollen, die etwa 0,2 % Cicutoxin enthalten.<ref>Datenblatt bei giftpflanzen.com, abgerufen am 21. Mai 2018.</ref> Die Giftigkeit wird durch Polyine, insbesondere das Cicutoxin, verursacht. Nach Verzehr bereits geringer Mengen kann der Tod infolge Atemlähmung eintreten. Nach einem alten preußischen Gesetz sollte diese Pflanzenart wegen ihrer Giftigkeit ausgerottet werden.<ref name="Düll2011" />

Schon ältere Literatur beschreibt Vergiftungen, oft nach Verwechslung mit essbaren Pastinakenwurzeln. Ein Wurzelstock töte einen Erwachsenen. In Kamtschatka sei Cicuta ein Pfeilgift. Madaus zufolge meinten antike Autoren mit Cicuta wohl den Fleckenschierling,<ref>Vgl. auch Claudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 34 (zu Zycuta).</ref> den noch mittelalterliche Quellen meist mit dem Wasserschierling gleichsetzen. Gessner nannte ihn Cicuta aquatica, Linné dann Cicuta virosa. Das Kraut und die Wurzel dienten – humoralpathologisch als warm und trocken angesehen<ref>Constantinus Africanus: De gradibus quos vocant simplicium liber. In: Constantini Africani post Hippocratem et Galenum ... Henricus Petrus, Basel 1536, S. 342–387; hier: S. 376 („Cicuta calida et sicca in tertio gradu ...“).</ref> – bereits seit der Antike belegbar oft als Salbe oder Wickel zur Schmerzstillung<ref>J. H. Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates oder Versuch einer systematischen Aufzählung der in allen hippokratischen Schriften vorkommenden Medikamente. Heidelberg 1824, S. 232 f.</ref><ref>Marguerite Louise Baur: Recherches sur l’histoire de l’anesthésie avant 1846. Leiden 1927, S. 214–218.</ref> bei Gicht, Rheuma, Drüsenverhärtung, Krämpfen und krampfartigem Husten, in der russischen Volksmedizin auch bei Ischias, Geschwüren und Panaritien. Auch eine Wirkung bei Chorea wurde beobachtet.<ref name="Madaus1979" />

Als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Doldenblütlern kann der Geruch des Wasserschierlings nach Sellerie dienen.<ref>Gesa Labahn: Wildkräuter und giftige Doppelgänger: nicht verwechseln!, 8. Mai 2018. In: Blog.WWF.de</ref>

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Cicuta virosa erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 255.<ref name="Euro+Med" />

Trivialnamen

Für den Wasserschierling bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bärstkraut (Ostpreußen), Bartzenkraut (Elsass), Berstekraut, Berzenkraut, Blutschierling (Schlesien), Buochalter, Butschürling (mittelhochdeutsch), Dullkraut (Altmark, Göttingen), Hunteschervela (althochdeutsch), Pfiffen (mittelniederdeutsch), Piifcruyt (mittelniederdeutsch), Pypkrut (mittelniederdeutsch), Sackpfeifen (mittelhochdeutsch), Sachpfiff (mittelhochdeutsch), Scaerline (mittelniederdeutsch, holländisch), Scarna (althochdeutsch), Scereling (althochdeutsch), Sceriling (althochdeutsch), Scerling (althochdeutsch), Scerlink, Scering (althochdeutsch), Scerning (althochdeutsch), Scherlinc (mittelhochdeutsch), Scherlig (althochdeutsch), Schernig (althochdeutsch), Scherring (althochdeutsch), Scherlynck, Schierlenk (Siebenbürgen), Schirling, Wiss Schirling (mittelhochdeutsch), Rasende Schirlynk (mittelhochdeutsch), Serlich (althochdeutsch), Serlink, Sigue (mittelhochdeutsch), Wätscherling, Wedendunk (Mecklenburg, Ostpreußen, Pommern), Wedewesle, Wedewessele, Wedescherlingk (mittelhochdeutsch), Wedeschern (mittelhochdeutsch), Wedewenn (mittelhochdeutsch), Wedewindel (mittelhochdeutsch), Wedewsle (mittelniederdeutsch), Weidendung (Pommern), Weidscharling (mittelhochdeutsch), Werczling (althochdeutsch)Weydenwispel (mittelniederdeutsch), Widerewispeln (althochdeutsch), Winterich (mittelhochdeutsch), Wintrich (mittelhochdeutsch), Wintterich (mittelhochdeutsch), Wintscherling (mittelhochdeutsch), Wischerlinc (althochdeutsch), Witrecht (mittelhochdeutsch), Witscherling (Ostpreußen), Witzerling, Wödendunck (Mecklenburg), Wodendunck (Mecklenburg), Wodescern (althochdeutsch), Wodeskerne (althochdeutsch), Wodescerve, Wodescherve, Wodenspele, Wodesterne, Wögendunck, Wortheling (althochdeutsch), Wotich (althochdeutsch), Wöterich (mittelhochdeutsch) Wötrich (mittelhochdeutsch), Wotscherling (mittelhochdeutsch), Wotscerlink (mittelniederdeutsch), Wotscherlinc (mittelniederdeutsch), Woutzerling (mittelhochdeutsch), Wrugerling, Wüterich, Wuetscherling (mittelhochdeutsch), Wuntscherlinc (mittelhochdeutsch), Wuntzerlinc (mittelhochdeutsch), Wuotrich (althochdeutsch), Wutscherletz (althochdeutsch), Wutscherlinc (althochdeutsch), Wutscherlyng, Wutscerlinc (althochdeutsch), Wutzerling (mittelhochdeutsch) und Ziegerkraut.<ref name="Pritzel1882" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Cicuta virosa L., Gift-Wasserschierling. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Cicuta virosas L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Pritzel1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 99 f. (eingescannt). </ref> <ref name="Thellung1965"> Albert Thellung: Umbelliferae. S. 1164–1167. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. </ref> <ref name="Madaus1979">Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band II. Olms, Hildesheim / New York 1979, ISBN 3-487-05891-X, S. 976–982 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938). </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand (2011+): Apiaceae. Datenblatt Cicuta virosa In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Wasserschierling (Cicuta virosa) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Wasserschierling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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