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Steffen Baumgart

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Steffen Baumgart
Datei:2021-08-08 FC Carl Zeiss Jena gegen 1. FC Köln (DFB-Pokal) by Sandro Halank–088 (cropped).jpg
Steffen Baumgart (2021)
Personalia
Geburtstag 5. Januar 1972
Geburtsort RostockDDR
Größe 178 cm
Position Sturm
Junioren
Jahre Station
1980–1988 SG Dynamo Rostock-Mitte
1988–1989 SG Dynamo Schwerin
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1988–1991 SG Dynamo Schwerin 58 (20)
1991–1994 SpVg Aurich 92 (51)
1994–1998 Hansa Rostock 118 (26)
1998–1999 VfL Wolfsburg 32 0(5)
1999–2002 Hansa Rostock 67 0(6)
2002–2004 1. FC Union Berlin 63 (21)
2004–2008 Energie Cottbus 86 0(6)
2005–2008 Energie Cottbus II 7 0(1)
2008 1. FC Magdeburg 13 0(3)
2008–2009 Germania Schöneiche 15 0(3)
2010–2011 SV 1919 Woltersdorf
Stationen als Trainer
Jahre Station
2008–2009 Germania Schöneiche (Co-Trainer)
2009–2010 1. FC Magdeburg
2012–2013 Hansa Rostock (Co-Trainer)
2014–2015 SSV Köpenick-Oberspree
2015–2016 Berliner AK 07
2017–2021 SC Paderborn 07
2021–2023 1. FC Köln
2024 Hamburger SV
2025–2026 1. FC Union Berlin
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Steffen Baumgart (* 5. Januar 1972 in Rostock) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und Fußballtrainer.

Leben

Baumgart stammt aus einer sportaffinen Familie, sein Vater war Handballtorwart beim SC Empor Rostock; auch sein Großvater spielte Handball.<ref name="IN">@1@2Vorlage:Toter Link/www.ardmediathek.deAusführliches Interview mit Steffen Baumgart mit Ina Müller (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ), in: Inas Nacht vom 14. Januar 2023 im NDR-Fernsehen, abgerufen am 2. April 2023 (abrufbar bis 4. August 2023)</ref> Er wuchs mit einer Schwester in Rostock auf.<ref>1. FC Union Berlin-Trainer Steffen Baumgart im Gespräch mit Antje Riis. In: Born in the GDR - Podcast. Antje Riis, 2. November 2025, abgerufen am 3. November 2025 (Beleg bei 09:25).</ref> Nach dem Schulabgang in der 10. Klasse mit 16 Jahren absolvierte er eine zweijährige Ausbildung als Instandhaltungsmechaniker.<ref name="IN" /> Anschließend ging er zunächst kurzzeitig zur Transportpolizei am Schweriner Hauptbahnhof, danach zur Bereitschaftspolizei der Volkspolizei.<ref name="IN" /> Da er befürchtete, die professionellen Strukturen im Spitzenfußball der ehemaligen DDR würden nach der Wende wegbrechen,<ref name="freunde" /> nahm er ein Angebot der SpVg Aurich an. Als einer von elf Neuzugängen aus der ehemaligen DDR, darunter Jens Leonhardt, Torsten Peplow und Michael Schulz, spielte er in Niedersachsen als Vertragsamateur in der Verbandsliga Niedersachsen und machte gleichzeitig im „Autohaus am Deich“ eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker.<ref>Steffen Baumgart in der Chronik der SpVg Aurich. In: spvg-aurich-chronik.de. Abgerufen am 25. Juli 2021.</ref> Darüber hinaus stellte ihm der Verein eine Wohnung sowie einen Dienstwagen und besorgte auch seiner damaligen Freundin, die ihn begleitet hatte, einen Job im Autohaus.<ref name="freunde" /> Nach seiner Ausbildung arbeitete er im Autohaus auch im Verkauf und verkaufte nebenbei Sportschuhe.<ref name="IN" />

Über seine Kindheit in der DDR sagte Baumgart in einem Interview mit der SZ: „Ich habe gerne in der DDR gelebt. Ich bin sehr behütet aufgewachsen, ich hatte alles, was ich brauche. Ich habe mich nie eingesperrt gefühlt. Natürlich hat man vieles über die DDR erst im Nachhinein erfahren, damals war ich dafür zu jung. Aber was mir in der DDR widerfahren ist, das war alles positiv. Auch wir sind mit Dingen kritisch umgegangen. Und ich habe von meinen Eltern gelernt, dass man klar und ehrlich sein muss. Das war ich immer im Leben, und das war nicht immer zu meinem Vorteil.“<ref>Wie Paderborn in Leverkusen spielen will, sueddeutsche.de, abgerufen am 5. Januar 2022.</ref>

Karriere als Spieler

Baumgart begann seine Vereinslaufbahn im Alter von acht Jahren in seiner Heimatstadt bei der SG Dynamo Rostock-Mitte.<ref name="11freunde240">11 Freunde, Ausgabe 240, S. 25–28, abgerufen am 14. November 2021.</ref> Zunächst war er als Torwart aktiv, rückte dann jedoch als Vierzehnjähriger auf eine Feldspielerposition, nachdem eine Handwurzelmessung ergeben hatte, dass er höchstens auf 160 cm anwachsen würde; als Erwachsener maß der Rostocker dann letztendlich 1,78 m.<ref name="11freunde240" /> Schon als D-Jugendlicher hätte Baumgart die Möglichkeit gehabt, zum BFC Dynamo zu wechseln. Der DDR-Rekordmeister war bekannt für seine erfolgreiche Jugendarbeit und hatte zuvor bereits spätere Profis und Nationalspieler wie Andreas Thom, Frank Rohde, Rainer Ernst oder Bernd Schulz ausgebildet. Baumgarts Vater machte jedoch die Zeit von der D- bis zur B-Jugend als die wichtigste in der Entwicklung eines Jungen aus und riet seinem Sohn zu einem Verbleib in seinem gewohnten Umfeld.<ref name="11freunde240" />

Von 1988 bis 1991 spielte Baumgart dann bei der SG Dynamo Schwerin. Mit den Schwerinern erreichte er das Finale des FDGB-Pokals gegen Dynamo Dresden, verlor aber mit seinen Mannschaftskameraden Andreas Reinke und Matthias Stammann mit 1:2. Da Dresden im Europapokal der Landesmeister vertreten war, durfte der erst 18-jährige Angreifer mit seiner Mannschaft in der 1. Runde des Europapokals der Pokalsieger antreten, wo man nach einem 0:0 und einem 0:2 gegen Austria Wien ausschied. Nach der deutschen Wiedervereinigung zog es Baumgart nach Niedersachsen zur SpVg Aurich.<ref>fc-hansa.de: Beim ersten Aufstieg war ich noch Polizist. 10. März 2011, abgerufen am 7. Februar 2021.</ref> Vereinsverantwortliche um Trainer Rüdiger Lange hatten ursprünglich seinen Mitspieler Steffen Benthin beobachten wollen, entschieden sich aber dann für eine Verpflichtung Baumgarts.<ref name="freunde">Als KfZ-Mechaniker war ich nicht gut genug, 11freunde.de, abgerufen am 11. August 2021.</ref> Mit den Ostfriesen erreichte der Angreifer in den Saisons 1991/92, 1992/93 und 1993/94 ungefährdete Mittelfeldplätze.

Der Mittelstürmer begann dann im Jahr 1994 seine Profikarriere bei Hansa Rostock, wohin er für eine Ablöse von 50.000 DM wechselte.<ref name="IN" /> Ausschlaggebend war Trainer Frank Pagelsdorf: Baumgart war ihm durch Spiele gegen Hannover 96 II, wo Pagelsdorf Spielertrainer war, im Gedächtnis geblieben.<ref name="freunde" /> Ursprünglich sollte Baumgart zu Union Berlin wechseln, doch der Verein erhielt keine Lizenz für die 2. Bundesliga.<ref name="freunde" /> Insgesamt spielte Baumgart mit einer Unterbrechung (1998/99 beim VfL Wolfsburg) sechs Jahre beim F.C. Hansa und erzielte 35 Tore; sein erstes gleich beim Debüt gegen die Hertha, als er nach Verletzungen von Bodden und Chałaśkiewicz in die Startelf gerückt war.<ref name="freunde" /> 2002 ging er schließlich doch noch zu Union, wo er zwei Jahre spielte und Mannschaftskapitän wurde. Mit den Eisernen stieg er zum Saisonende 2003/04 als Vorletzter aus der 2. Bundesliga ab.

Nach dem Abstieg blieb Baumgart in der 2. Liga durch seinen ablösefreien Wechsel zu Energie Cottbus. Mit den Lausitzern stieg er in seiner zweiten Saison in die Bundesliga auf, wo Energie die Klasse halten konnte. Anfang Januar 2008 wurde Baumgarts zum Saisonende auslaufender Vertrag aufgelöst,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Baumgart und Cottbus gehen getrennte Wege. (Memento vom 2. August 2019 im Internet Archive) In: focus.de, 3. Januar 2008, abgerufen am 22. November 2024.</ref> wenige Tage später verpflichtete ihn der Regionalligist 1. FC Magdeburg.<ref>Magdeburg: Neuer Stürmer verpflichtet – Baumgart kommt aus Cottbus In: kicker.de, abgerufen am 22. November 2024.</ref> Der FCM hoffte, mit dem routinierten Profi noch die Qualifikation zur neuen 3. Liga zu erreichen. Da die Qualifikation verpasst wurde und die anschließenden Vertragsverhandlungen zu keiner Einigung führten, wechselte Baumgart zum SV Germania 90 Schöneiche.<ref>Steffen Baumgart verpflichtet. In: die-fans.de, 20. August 2008, abgerufen am 5. April 2016.</ref> In der Saison 2010/11 spielte Baumgart für den SV Woltersdorf in der Landesklasse Ost in Brandenburg<ref>Steffen Baumgart kickt für SV Woltersdorf. In: svwoltersdorf.de, 24. September 2010, abgerufen am 5. April 2016.</ref> und beendete anschließend seine Spielerlaufbahn.

In 225 Bundesliga-Spielen erzielte Baumgart 29 Treffer. In der 2. Bundesliga spielte er insgesamt 142-mal und schoss dabei 36 Tore.

Karriere als Trainer

1. FC Magdeburg

Ende März 2009 wurde Baumgart als neuer Cheftrainer des 1. FC Magdeburg vorgestellt, nachdem unter Vorgänger Paul Linz das angestrebte Saisonziel des FCM, der Aufstieg aus der Regionalliga Nord in die 3. Liga, aufgrund eines zu großen Abstandes auf Spitzenreiter Holstein Kiel in weite Ferne gerückt war.<ref>FC Magdeburg: Trainerwechsel – Baumgart beerbt Linz In: kicker.de vom 31. März 2009, abgerufen am 22. November 2024.</ref> Er erhielt zunächst einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2008/09. Obwohl sich der Abstand auf den späteren Aufsteiger Kiel bis auf 14 Punkte vergrößerte und Magdeburg am Ende auf dem 4. Platz landete, wurde sein Vertrag um ein Jahr für die Saison 2009/10 verlängert. Seinen ersten Erfolg als Trainer errang Baumgart mit dem Landespokalsieg 2009 durch ein 1:0 im Finale gegen den Halleschen FC. Am 23. März 2010 wurde er nach einer Reihe von Niederlagen beurlaubt.

Co-Trainer in Rostock

Ab Januar 2012 war Baumgart unter Wolfgang Wolf und dessen Nachfolger Marc Fascher Co-Trainer bei Hansa Rostock.<ref>fc-hansa.de: Neuer Co-Trainer: Steffen Baumgart unterstützt Trainerteam. 3. Januar 2012, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref> Trotz des Abstiegs mit Hansa am Ende der Saison 2011/12 in die 3. Liga, entschied sich Baumgart für einen weiteren Einjahresvertrag in Rostock.<ref>fc-hansa.de: Verlängert: Steffen Baumgart bleibt Co-Trainer beim F.C. Hansa Rostock. 29. Mai 2012, abgerufen am 11. März 2021.</ref> Zum Ende der Saison 2012/13 wurde jedoch nach einem erneuten Trainerwechsel der Trainerstab verkleinert und damit auch der Vertrag von Baumgart nicht verlängert.<ref>Hansa verkleinert Trainerstab. In: Ostsee-Zeitung. 4. Juni 2013, abgerufen am 24. Februar 2020.</ref>

SSV Köpenick-Oberspree und Berliner AK

Ab dem Jahre 2014 trainierte Baumgart den abstiegsbedrohten Berliner Bezirksligisten SSV Köpenick-Oberspree.<ref>Ron Ulrich: Auf sie mit Gebrüll! In: 11 Freunde. 24. Februar 2020, abgerufen am 24. Februar 2020.</ref> Nachdem Baumgart den Abstieg nicht verhindern konnte und auch in der darauf folgenden Saison der sofortige Wiederaufstieg nicht gelang, endete seine dortige Tätigkeit nach eineinhalb Jahren. Anschließend wurde er im Juli 2015 Trainer des Regionalligisten Berliner AK 07,<ref>Steffen Baumgart. In: transfermarkt.de. Abgerufen am 31. März 2014.</ref> mit dem er am Saisonende in der Regionalliga Nordost den zweiten Platz belegte, nur durch eine Differenz von einem Tor vom Staffelsieger FSV Zwickau getrennt. Am 31. August 2016 gab der Verein die einvernehmliche Trennung von Steffen Baumgart bekannt.<ref>Berliner AK stellt Trainer Baumgart frei. In: transfermarkt.de. 31. August 2016, abgerufen am 24. Februar 2020.</ref>

SC Paderborn 07

Mitte April 2017 wurde Baumgart als neuer Trainer des Drittligisten SC Paderborn 07 präsentiert.<ref>SC Paderborn 07: Steffen Baumgart soll den Klassenerhalt schaffen, abgerufen am 17. April 2017.</ref> In den verbleibenden fünf Spielen der Saison 2016/17 holte Baumgart mit Paderborn 11 Punkte, konnte den sportlichen Abstieg in die Regionalliga West jedoch nicht verhindern. Trotz Abstieg verlängerte Baumgart seine Vertragslaufzeit bis Mitte 2018. Da der TSV 1860 München als Zweitliga-Absteiger die Voraussetzungen für die Drittliga-Zulassung nicht erfüllte, blieb der SC Paderborn 07 schließlich doch in der 3. Liga.

In der Saison 2017/18 erreichte Baumgart mit dem SC Paderborn 07 den 2. Platz und damit den direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga. In dieser Saison erzielte der SC Paderborn 07 mit 90 Toren einen Rekord in der 3. Liga. Baumgarts Vertragslaufzeit wurde im Januar 2018 bis Ende Juni 2020 verlängert.<ref>Steffen Baumgart bleibt bis 2020 in Paderborn. In: scp07.de. SC Paderborn, abgerufen am 18. Januar 2018.</ref> In den Jahren 2017 und 2018 gewann Baumgart mit dem SC Paderborn den Westfalenpokal.

In der Saison 2018/19 gelang auf dem 2. Platz der Durchmarsch in die Bundesliga. Kurz vor Beginn der Saison 2019/20 wurde Baumgarts Vertragslaufzeit bis 2021 verlängert.<ref>Verlängerung mit dem Chef-Trainer bis 2021 auf der Website des SC Paderborn, abgerufen am 16. August 2019.</ref> Am 2. Spieltag der Bundesligasaison 2019/20 sah Baumgart als erster Vereinsoffizieller in der Bundesliga nach Neueinführung der Regelung eine gelbe Karte.<ref>Gelbe Karten für Baumgart und Funkel sorgen für Ärger, sport.sky.de, abgerufen am 27. August 2019.</ref> Der SC Paderborn 07 stieg als Tabellenletzter jedoch wieder in die 2. Bundesliga ab.

1. FC Köln

Zur Saison 2021/22 übernahm Baumgart als Nachfolger von Friedhelm Funkel den Erstligisten 1. FC Köln, bei dem er einen bis zum 30. Juni 2023 laufenden Vertrag unterschrieb.<ref>Steffen Baumgart wird neuer FC-Trainer, fc.de, 11. Mai 2021, abgerufen am 11. Mai 2021.</ref> Durch Erreichen des siebten Tabellenplatzes qualifizierten sich die Kölner für die Play-offs zur UEFA Europa Conference League, welche sie souverän gewannen und in die Gruppenphase einzogen. Die Saison 2022/23 wurde im gesicherten Mittelfeld auf dem elften Platz beendet. Im April 2023 hatten sich Baumgart und die Vereinsführung auf eine Verlängerung des ursprünglich zum 30. Juni 2024 auslaufenden Vertrages bis zum 30. Juni 2025 geeinigt.<ref>Per Handschlag: Baumgart verlängert Vertrag beim 1. FC Köln. Abgerufen am 10. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>FC und Steffen Baumgart verlängern. Abgerufen am 10. Mai 2023.</ref> Nach zuletzt drei sieglosen Partien und insgesamt 10 Punkten aus 16 Spielen in der Bundesliga gab der abstiegsbedrohte Verein am 21. Dezember 2023 die einvernehmliche Trennung von Baumgart zum Jahresende bekannt.<ref>FC und Steffen Baumgart beenden Zusammenarbeit. fc.de, 21. Dezember 2023, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref>

Hamburger SV

Mitte Februar 2024 übernahm Baumgart das Traineramt des Hamburger SV als Nachfolger von Tim Walter.<ref>HSV VERPFLICHTET STEFFEN BAUMGART. Abgerufen am 20. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der HSV war seit dem Abstieg 2018 fünfmal am Wiederaufstieg in die Bundesliga gescheitert und stand nach dem 22. Spieltag der Saison 2023/24 mit 38 Punkten auf dem 3. Platz, wobei der erste direkte Aufstiegsplatz vier Punkte entfernt war. Im weiteren Saisonverlauf rutschte der HSV auf Platz 4 ab und beendete dort die Saison mit fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Nach 20 Punkten aus den ersten 13 Spielen der Saison 2024/25 wurde Baumgart Ende November 2024 freigestellt.<ref>Der HSV kriegt jeden klein, sueddeutsche.de, 24. November 2024, abgerufen am 24. November 2024.</ref> Der HSV stand zu diesem Zeitpunkt auf dem 8. Platz und hatte drei Punkte Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz und aus seinen letzten vier Spielen zwei Punkte geholt.

1. FC Union Berlin

Anfang Januar 2025 wurde Baumgart mit dem Beginn der Wintervorbereitung Cheftrainer des Bundesligisten 1. FC Union Berlin, für den er bereits von 2002 bis 2004 als Spieler aktiv war.<ref>Steffen Baumgart ist neuer Cheftrainer des 1. FC Union Berlin, fc-union-berlin.de, 30. Dezember 2024, abgerufen am 30. Dezember 2024.</ref> Baumgart folgte auf Bo Svensson und arbeitet dort mit Sportdirektor Horst Heldt, der ihn 2021 zum 1. FC Köln geholt hatte, aber noch vor dessen Amtsantritt entlassen worden war. Die Berliner standen nach dem 15. Spieltag mit 17 Punkten auf dem 12. Platz und hatten sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Saison 2024/25 beendete man nach zwei Auftaktniederlagen unter Baumgart zum Hinrundenende und einer soliden Rückrunde (9. Platz in der Rückrundentabelle) mit 40 Punkten auf dem 13. Platz, wobei der Klassenerhalt bereits am 30. Spieltag erreicht wurde.<ref>Spektakel pur mit Bundesliga-Rekord: Union sichert sich erneut die Klasse, kicker.de, 19. April 2025, abgerufen am 19. April 2025.</ref>

Die Hinrunde der Saison 2025/26 wurde mit 23 Punkten auf dem 9. Platz beendet. Mitte Januar 2026 wurde sein Vertrag vorzeitig verlängert.<ref>Union verlängert vorzeitig mit Steffen Baumgart, fc-union-berlin.de, 14. Januar 2026, abgerufen am 12. April 2026.</ref> Aus den ersten zwölf Rückrundenspielen konnte die Mannschaft allerdings nur neun Punkte holen (zwei Siege, drei Unentschieden, sieben Niederlagen), womit man das drittschlechteste Rückrundenteam war. Daher trennte sich der Verein im April 2026 fünf Spieltage vor dem Saisonende von Baumgart, als man sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und elf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hatte.<ref>Union trennt sich von Steffen Baumgart, Marie-Louise Eta übernimmt, fc-union-berlin.de, 11. April 2026, abgerufen am 12. April 2026.</ref> Er betreute die Berliner in insgesamt 51 Partien und kam dabei mit 16 Siegen, 14 Remis und 21 Niederlagen auf einen Schnitt von 1,22 Punkten pro Spiel.<ref>Steffen Baumgart - Leistungsdaten im Detail. Abgerufen am 16. April 2026.</ref>

Erfolge

Als Spieler

Als Trainer

Trivia

Hans-Peter Finkbeiner, Mitbegründer der Modemarke Camp David, lieh Baumgart das Geld für dessen Trainerausbildung in der Sportschule Hennef. Finkbeiner glaubte an Baumgarts Fähigkeiten und äußerte diesem gegenüber, er solle „dem Fußball erhalten bleiben“. Darüber hinaus ermöglichte es der Unternehmer seinem Freund, das Haus, das dieser zusammen mit seiner Frau in Berlin bewohnte, zu halten.<ref name="11freunde240" /> Für den Satz „Ein Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle“ wurde Baumgart 2021 von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur mit dem „Fußballspruch des Jahres“ ausgezeichnet.<ref>Fußball-Spruch des Jahres kommt von Baumgart.</ref>

Baumgart fällt abgesehen von seiner „explosiven“ Art an der Seitenlinie auch immer wieder durch einprägsame Markenzeichen auf. So hatte er in seiner Zeit beim SC Paderborn 07 stets ein Plastik-Kaffeestäbchen im Mund, was ihn eigenen Aussagen zufolge beruhigte.<ref>Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist perfekt!, radiohochstift.de, abgerufen am 14. November 2021.</ref> Bei den Ostwestfalen begann er auch, regelmäßig eine Baseballcap zu tragen, welche er nach seinem Wechsel nach Köln gegen eine Schiebermütze eintauschte. Während viele andere Trainer ihre Initialen auf der von ihren Vereinen gestellten Kleidung tragen, ziert Baumgarts Garderobe stets die Zahl 72, die für sein Geburtsjahr steht.<ref>1. FC Köln: 72 statt SB – darum trägt Steffen Baumgart keine Initialen auf dem Hemd, 24rhein.de, abgerufen am 14. November 2021.</ref>

Der Mecklenburger äußert sich häufiger zu Modeerscheinungen im modernen Fußball. So sagte er gegenüber dem Magazin 11 Freunde, das ihn als einen „echten Typen des Fußballs“ bezeichnete, beispielsweise in einem Interview „Fußballer sind keine Trendsetter und auch keine Mode-Ikonen, sondern immer noch Leute, die deshalb in der Öffentlichkeit stehen, weil sie Bock haben, gepflegt gegen eine Pille zu treten.“ Baumgart führte weiter aus „[...] aber das ganze Drumherum mit den Haaren, den bunten Schühchen, den Aktionen in den Sozialen Netzwerken, rappende Fußballer, sorgt dafür, dass einige vergessen, dass immer noch das Kollektiv über allem steht.“ und appellierte so an den von ihm stets an seine Mannschaften vermittelten Teamgeist. Er wolle, so Baumgart, „keine Ich-AGs“ und sagte weiter „Ein Spieler, der glänzt, tut dies nur, weil es ihm die Mannschaft ermöglicht.“ Baumgart nannte von ihm trainierte Spieler wie Sebastian Schonlau, Jonas Hector, Leopold Zingerle oder Sven Michel als Positivbeispiele und sprach sich auch gegen „[...] dieses Getue beim Torjubel“ aus, denn „Ein echter Profi führt keine Tänzchen auf, der hält nach einem Tor kurz den Finger in die Luft, schickt ein Küsschen Richtung Tribüne und läuft zum Anstoßkreis.“

Baumgart ist Mitglied und Fan des 1. FC Union Berlin<ref name="11freunde240" /> und seit seiner frühen Kindheit auch Fan des Hamburger SV.<ref name="11freunde240" /><ref>Baumgart: „Ich bin als kleines Kind HSV-Fan geworden.“ 28. Dezember 2023, abgerufen am 28. Dezember 2023.</ref>

Seit 2022 ist er als „Vertreter 1. Bundesliga“ im Bundesvorstand des Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL).<ref>BDFL Hauptversammlung 2022: Benno Möhlmann folgt auf Lutz Hangartner - Bund Deutscher Fußball-Lehrer e. V. Abgerufen am 13. Januar 2024.</ref>

Soziales Engagement

Neben seiner Trainertätigkeit engagiert sich Baumgart auch außerhalb des Fußballplatzes bei verschiedenen sozialen Aktionen. Seit März 2020 ist er Pate des Gymnasiums Theodorianum im Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Sein Engagement begründet er damit, dass „wir […] in einem sehr toleranten Land [leben], [was] […] wir im Sport immer wieder [zeigen]. Im Fußball verbinden sich viele Nationen, Hautfarben und Religionen: Gerade auch deshalb sollten wir uns gegen jede Art von Rassismus wehren und Zivilcourage gegen Einzelne zeigen!“<ref>Gymnasium Theodorianum Paderborn: Steffen Baumgart am THEO – Treffen mit unserem Schulpaten des Projekts „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, abgerufen am 1. April 2020.</ref> In einer entsprechenden Presseerklärung des SC Paderborn heißt es dazu: „Tolerantes Verhalten im Sport und auch im gesellschaftlichen Leben sind wichtige Leitsätze seines Handelns. Durch ein couragiertes und kooperatives Engagement tritt Baumgart allen rassistischen Tendenzen entgegen.“<ref>Presseerklärung SC Paderborn 07: Baumgart als Pate, abgerufen am 1. April 2020.</ref>

Literatur

  • Andreas Baingo: FC Hansa Rostock. Wir lieben dich total! Sportverlag Berlin, Berlin 1995, ISBN 3-328-00692-3, S. 98–99, 163, 166–167.
  • Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-556-3, S. 64.
  • Robert Rosentreter, Günter Simon: Immer hart am Wind. 40 Jahre F.C. Hansa Rostock. Die Werkstatt, Göttingen 2005, ISBN 3-89533-504-5, S. 230.
  • Björn Achenbach: 60 Jahre – Die Geschichte des F.C. Hansa Rostock. 1. Auflage. Die Werkstatt, Bielefeld 2025, ISBN 978-3-7307-0763-0, S. 88.

Weblinks

Einzelnachweise

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