Grotte
Eine Grotte ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) ‚Höhle‘, später ‚Gewölbe‘) ist in der Geomorphologie ein unterirdischer Hohlraum mit mindestens einem zugänglichen horizontalen Teil, der es von einem Erdloch, einem Abgrund unterscheidet. Der Hohlraum kann natürlich oder vom Menschen geschaffen worden sein und einen hohen Feuchtigkeitsgrad aufweisen. Natürliche Hohlräume können durch Menschen überarbeitet worden sein. Von Menschen geschaffene bzw. veränderte Grotten sind Gestaltungselemente der Gartenkunst.
Eng mit dem italienischen Wort „la grotta“ verwandt ist „il grotto“. Als Grotto wurde ursprünglich eine als Felsenkeller zur Kühlung von Lebensmitteln genutzte Höhlung bezeichnet. Besonders im schweizerischen Kanton Tessin wird eine kleine Gaststätte am Berghang heute „Grotto“ genannt.
Wortfeld „Hohlräume in Gestein und Erdreich“
- Ein natürlicher Hohlraum wird als „Höhle“ bezeichnet.
- „Grotte“ nennt man entweder eine kleine Felsenhöhle<ref>Der Duden (Rechtschreibung): Bedeutungsübersicht: „Grotte, die“</ref> oder ein Gebäude, das eine Felsenhöhle vortäuscht.
- Ein waagerecht oder (begehbar) schräg in natürlich anstehendes Material künstlich vom Menschen gegrabener Hohlraum mit einem Ausgang ist ein Stollen.
- Tunnel sind annähernd waagerechte Hohlräume mit 2 Ausgängen.
- Ein senkrechter Hohlraum ist ein Schacht, sowohl in natürlich anstehendem Material als auch in einem Gebäude. Ein (Höhlen-)Schacht ist natürlich entstanden.
„Grotte“ und „Höhle“
Die genaue Unterscheidung der Begriffe füllte über Jahrzehnte und auch noch geologische, speläologische und germanistische Arbeiten. Im traditionellen Sprachgebrauch bezieht sich der Begriff „Grotte“ mehr auf einzelne meist kleine Räume mit überaus reichhaltigem Inhalt (z. B. Tropfsteine, Muscheln, Versteinerungen), wogegen der Begriff „Höhle“ meist Hallen und Gänge von größerer Ausdehnung bezeichnet. In einem Höhlensystem, das im Plural traditionell als „Grotten“ bezeichnet wird, ist eine einzelne „Grotte“ eine Halle; mehrere dieser Hallen in Höhlensystemen sind durch Gänge verbunden.
Eine genaue Abgrenzung der Bedeutung der Begriffe „Grotte“ und „Höhle“ ist nicht möglich, weil es keine einheitlichen, allgemeinverbindlichen Definitionen für die Begriffe gibt. Der Verband österreichischer Höhlenforscher bezeichnet nur natürliche Hohlräume als „Höhlen“. Er empfiehlt, den Begriff „Grotte“ nicht auf solche Hohlräume zu beziehen, da „seine Definition […] meist auch künstliche Objekte beinhaltet.“<ref>Lukas Plan: Speläologie Höhlenkunde. Verband österreichischer Höhlenforscher. Oktober 2007</ref> Demzufolge wird der Begriff zwar nicht „falsch“ verwendet, es stiftet aber oft Verwirrung, wenn man naturbelassene Hohlräume als „Grotten“ bezeichnet.
Trotzdem werden auch im 21. Jahrhundert naturbelassene Höhlungen gelegentlich als „Grotten“ bezeichnet (z. B. durch das Institut für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen).<ref>Institut für Naturschutz und Naturschutzrecht: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Landespflege Freiburg. „Nationale Naturmonumente“. FKZ:3510 82 3500. Endbericht ( des Vorlage:IconExternal vom 26. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Januar 2014, S. 12</ref>
Kulturgeschichte der Grotte
Natürliche Höhlen und Felsquellen galten in der Antike als Aufenthaltsort von Nymphen und anderen chthonischen Wesen. Im Hellenismus und in römischer Zeit wurden solche Heiligtümer in Form von Nymphäen architektonisch gefasst, mit Nischen und Skulpturen ausgestattet. Schon in der Römischen Kaiserzeit wurden aber auch Anlagen geschaffen, die solche mythologischen Traditionen nur noch „zitierten“ und überwiegend profanen Kunstcharakter hatten, etwa beim Nymphäum der Vorstadtthermen in Pompeji.
In der Renaissance wurden mit der Götterwelt auch die gartenkünstlerischen Elemente der Antike aufgegriffen. Schon Leon Battista Alberti<ref> Alberti, De re aedificatoria, Buch IX,4 </ref> (1452) empfahl, in Gärten kühle, feuchte Grotten anzulegen und im 16. bis 17. Jahrhundert gehörten Nischen an Futtermauern, Wasserkünste und mit unbehauenem Naturstein (z. B. Tuff) und Muscheln ausgekleidete Architekturen zum festen Programm größerer Gärten.
In Frankreich wurden die italienischen Vorbilder bald nachgeahmt und weiterentwickelt (Schloss Fontainebleau, Schloss Versailles). Auch im Norden gehörten die Grotten als Staffagebauten oder Follies bald zum festen Repertoire des Schlossgartens (Hortus palatinus, Grottenhof in der Münchner Residenz, Hellbrunn bei Salzburg).
Stets ist die Idee der Grotte mit dem Element Wasser verbunden; dieser Naturbezug kann durch romantisch-religiöse Begriffsinhalte erweitert werden, durch Spiegel (Giardino Giusti, Verona) und geheimnisvolles Dämmerlicht können magisch-unwirkliche Vorstellungen erzeugt werden, sie können zu mineralogischen Raritätenkabinetten ausgestaltet sein, tückische Wasserscherze im nächsten Umfeld der Grotten (Beispiel: Wasserspiele Hellbrunn) dienen zur Belustigung der Hofgesellschaft. Ebenso variantenreich wie die Typenvielfalt ist die Platzierung der Grotten. Als wilde, zerklüftete Naturimitation kann sie, an die Gartengrenze gesetzt, zur gewachsenen Landschaft überleiten, andererseits werden Grottenelemente gern in die Untergeschosse von Schlossbauten selbst integriert und bestimmen den Charakter der Gartensäle (Beispiele: Pommersfelden, Schloss Wilhelmsthal, Neues Palais in Potsdam). So ist eine Grotte entweder ein unterirdisch gebautes oder zumindest unterirdisch erscheinendes Bauwerk, oder auch ein entsprechend ausgeschmückter Pavillon als Teil der Gartenarchitektur. In Einzelfällen folgt sogar die Gestaltung der Außenfassaden dem Vorbild der Grottenarchitektur (Eremitage Bayreuth). Während die Gartentheoretiker in den frühen Jahren des 18. Jahrhunderts das Interesse an der Grottenarchitektur verloren, fanden in der Gartenpraxis die als Grottierer bezeichneten Spezialhandwerker noch bis zum Ende des Rokoko Arbeit. Für ihre Akzeptanz ist bezeichnend, dass sich seit 1730 aus den Grottenmotiven die Rocaille, das asymmetrische, muschelartige Ornament der Rokokozeit entwickelt und sich in alle Dekorationsanwendungen verbreitet.
Grotten waren auch für weniger formelle Gärten geeignet. Die von Alexander Pope geschaffene Grotte ist fast alles, was von einem der ersten Landschaftsgärten Englands in Twickenham überlebt.<ref>Frederick Bracher: "Pope's Grotto: The Maze of Fancy Pope's Grotto: The Maze of Fancy, in: The Huntington Library Quarterly 2. (February 1949), S. 141–162; Anthony Beckles Willson: Alexander Pope's Grotto in Twickenham in: Garden History, 26,1, 1998, S. 31–59</ref> Pope wurde inspiriert, als er Grotten während eines Besuchs in Italien gesehen hatte. Es gibt Grotten in den Landschaftsgärten von Painshill Park,<ref>Alison Hodges: Painshill, Cobham, Surrey: The Grotto, in: Garden History 3.2 (Spring 1975), S. 23–28</ref> Stowe, Clandon Park und Stourhead.<ref>James Turner: The Structure of Henry Hoare's Stourhead, in: The Art Bulletin 61.1 (March 1979), S. 68–77; Malcolm Kelsall: The Iconography of Stourhead, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 46, 1983, S. 133–143; Kenneth Woodbridge: Henry Hoare's Paradise in: The Art Bulletin, 47.1 (March 1965), S. 83–116</ref> Scott’s Grotto ist eine Reihe von miteinander verbundenen Kammern, die sich 67 Fuß (20 Meter) in den Kreidehang am Stadtrand von Ware, Hertfordshire, erstrecken. Die im späten 18. Jahrhundert erbauten Kammern und Tunnel sind mit Muscheln, Feuersteinen und farbigen Glasstücken ausgekleidet.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig What is Scott's Grotto.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. Oktober 2005 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Die Beliebtheit von Grotten in der Romantik spiegelt sich auch in der Popularität der Fingalshöhle auf der abgelegenen Insel Staffa in den schottischen Hebriden.
Technischer Innovationsschub im 19. Jahrhundert
Pioniere des Betonbaus wie zum Beispiel der Gärtner, Erfinder und Zementhersteller Joseph Monier (1823–1906) waren Erfinder des Stahlbetons. Im Jahr 1867 meldete er ein erstes Patent für „un système de construction de caisses, bassins mobiles, en fer et en ciment, applicables à l‘horticulture“ an ein Verfahren zur Herstellung von Kisten, Becken aus Eisen und Zement bei Gartenkunst anwendbar an. Nach diesem ersten Patent kamen noch viele weitere Patente bis in die 1880er Jahre. Nach dem Verfahren Moniers, das sowohl für die Gartenkunst als auch für die Hochbaukonstruktion geeignet war, bildet man eine Form mit Eisenstäben – runder oder quadratischer Querschnitt – und Draht. Diese wird dann von Zement mit 1 bis 4 Zentimetern Dicke ummantelt und war ein haltbares Gerüst für künstliche Grotten. Die Felsenstücke des Bois de Boulogne (die zweite Phase findet zwischen 1855 und 1858 statt), der gesamte Park Buttes-Chaumont (1863–1867) sowie die zahlreichen Zementausstattungen und Konstruktionen der Weltausstellungen von 1867 und 1878 in Paris können als Vorläufer angesehen werden. Formbar war nahezu alles: Matterhorn-Miniaturen, Lourdes-Grotten und Steingärten.
August Dirigl entwickelte um 1870 ein preisgünstiges Verfahren, das künstlichen Grotten mehr Leichtigkeit und Stabilität verlieh. Aufgrund des relativ geringen Gewichts konnten die künstlichen Felswände – im Vergleich zu einer Zement-Konstruktion – sogar zerlegt und transportiert werden. Dirigl war der Hauptgestalter der Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof.
Neuzeit
Obwohl Grotten inzwischen weitgehend aus der Mode gefallen sind, versuchen Architekten und Künstler gelegentlich, die Grotte in zeitgenössischen Werken neu zu definieren. Zu diesen Beispielen gehören Frederick Kieslers Grotte der Meditation für neue Harmonie (1964),<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: An Introduction to the Grotto and Its Place within Contemporary Design, 2014 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> ARM'st postmodern Storey Hall (1995), Aranda/Lasch's Grotto Concept, (2005), Callum Moreton's Grotto pavilion (2010) und Antonino Cardillo's Grottoes series (2013–2023).<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Grottoes.] In: antoninocardillo.com. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 8. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Mariengrotten
Eine weitere wichtige Gruppe von Grotten sind die Mariengrotten. Meist gehen sie auf die Grotte von Lourdes zurück, eine ursprünglich natürliche Höhle von geringer Ausdehnung, kaum mehr als ein überhängender Fels. Mariengrotten wurden infolge der Popularität der Grotte von Lourdes weltweit künstlich angelegt.
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Italienische Grotte des 16. Jahrhunderts: Anlage von Bernardo Buontalenti im Boboli-Garten
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Neptungrotte im Park von Sanssouci
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Grotte im Landschaftspark Bärwalde, nach 1875
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Grotte bei Waldsassen. Sie wurde der berühmten Grotte von Lourdes nachgebildet.
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Miniatur-Grotte mit Darstellung der Madonna von Lourdes im Oberpfälzer Stiftland.
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Belichtung eines Reliefs durch einen Schlitz in der Grottendecke am Kreuzweg in Park der Wallfahrtsstätte Moresnet-Chapelle (Belgien)
Adjektive des Typs „grottenhässlich“
Wer das Adjektiv „grottenhässlich“ benutzt, beabsichtigt damit nicht anzudeuten, dass er Grotten für hässlich hält („X ist so hässlich wie eine Grotte“). Am häufigsten anzutreffen ist die alternative Interpretation, wonach der erste Teil des Attributs auf das schwäbische bzw. pfälzische Wort „Krott“ (hochdeutsch „Kröte“) zurückzuführen sei.<ref>Hans-Martin Gauger: Grottenfalsch ist krottenfalsch. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. 15. November 2010</ref> Attribute wie „grottenschlecht“ oder „grottenfalsch“ sind vermutlich Analogiebildungen zu dem Wort „grottenhässlich“.
Nachweise
<references />
Literatur
- Dieter Hennebo, Alfred Hoffmann: Geschichte der deutschen Gartenkunst, Bd. 2: Der architektonische Garten. Broschek, Hamburg 1965, S. 71–74
- Uta Hassler (Hrsg.): Felsengärten, Gartengrotten, Kunstberge: Motive der Natur in Architektur und Garten. Hirmer, München 2014, ISBN 978-3-7774-2269-5.
- Kilian Jost: Felsenlandschaften – Eine Bauaufgabe des 19. Jahrhunderts: Grotten, Wasserfälle und Felsen in landschaftlichen Gartenanlagen. Dissertation ETH Zürich 2015.
- Uta Hassler, Julia Berger, Kilian Jost: Konstruierte Bergerlebnisse – Wasserfälle, Alpenszenerien, illuminierte Natur. Hirmer, München 2015, ISBN 978-3-7774-2579-5.
- Brigitta Mader: Observations on historical terminology: Grotte and Höhle in German texts. ACTA CARSOLOGICA, XXXII/II, Ljubljana 2003, Seite 83–90.
- Stéphanie Quantin-Biancalani: Plastiker, „Rocailleur“ oder Konstrukteur? Der Landschaftsplastiker August Dirigl als Mittler zwischen Paris und Linderhof, in: Die Venusgrotte im Schlosspark Linderhof. Illusionskunst und High Tech im 19. Jahrhundert. München 2017, S. 93–114.