Franz Peter Buhl
Franz Peter Buhl (* 21. September 1809 in Ettlingen; † 11. August 1862 in Coburg) war ein deutscher Politiker und Winzer in Deidesheim.
Familie und Weingut
Buhls Eltern waren Franz Anton Christoph Buhl (1779–1844), Bürgermeister von Ettlingen und Abgeordneter der badischen Abgeordnetenkammer,<ref name="jordan">Ludwig Andreas Jordan: Franz Buhl. In: Friedrich von Weech (Hrsg.): Badische Biografien, Erster Theil. 1875, S. 141–143 (Digitalisat).</ref> und Maria Barbara Jordan (1783–1842), die Schwester des Landtagsabgeordneten Andreas Jordan (1775–1848).<ref>Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ..., S. 232.</ref>
Buhl heiratete 1836 die Tochter Andreas Jordans, Josephine (1813–1872),<ref>Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ..., S. 232.</ref> und ließ sich noch im gleichen Jahr in Deidesheim nieder.<ref>Karl Heinsheimer: Heinrich Buhl. In: Badische Biographien. Band 6: 1902–1911. Carl Winter, Heidelberg 1927–1935, S. 566–568 (online).</ref>
Über das Erbe seiner Mutter und das Erbe seiner Frau erlangte Buhl einen Teil der renommierten Weingüter der Brüder Peter Heinrich Jordan, verstorben 1830, und Andreas Jordan, verstorben 1848. Er gründete damit 1849 das Weingut F. P. Buhl in Deidesheim. Buhl war ein Förderer des Qualitätsweinbaus,<ref name="Schieder">Schieder: Buhl, Franz Peter, S. 11.</ref> unter anderem wird ihm die Einführung geteilter Lesekübel zugeschrieben, mit dem die Weinlese selektiv nach Qualitätskriterien vorgenommen werden konnte.<ref>Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ..., S. 241.</ref>
Mit seiner Frau hatte Buhl drei Söhne: Franz Armand (1837–1896), Mitglied des Reichstags und der Kammer der Reichsräte, Eugen (1841–1910), Mitglied der Kammer der Reichsräte und der Kammer der Abgeordneten, und Heinrich (1848–1907), Professor für Rechtswissenschaften in Heidelberg.
Ein Enkel Buhls war Franz Eberhard Buhl (1867–1921), Mitglied der Kammer der Reichsräte und der Kammer der Abgeordneten.
Politisches Wirken
Buhls Weingut in Deidesheim spielte eine wichtige Rolle im Vormärz;<ref name="Schieder" /> es diente – wie Itzsteins Gut in Hallgarten – als Treffpunkt oppositioneller Abgeordneter. Hierdurch und über die Kontakte seines Vaters schloss er Bekanntschaft mit führenden Liberalen wie Heinrich von Gagern und Friedrich Daniel Bassermann.
1844 wurde Buhl mit Unterstützung Itzsteins Abgeordneter für den Wahlkreis Waldshut-Tiengen in der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung. 1847 war er einer der Financiers der Deutschen Zeitung (1847–1850) und nahm im selben Jahr auf Einladung von Karl Mathy an der Heppenheimer Tagung teil.
1848 war Buhl Teilnehmer am Vorparlament. Bei der anschließenden Wahl zur Frankfurter Nationalversammlung unterlag Buhl im Wahlkreis Tiengen zweimal dem des Hochverrats angeklagten und außer Landes befindlichen Revolutionär Friedrich Hecker und konnte kein Mandat erringen.<ref name="bassermann">Friedrich Daniel Bassermann: Denkwürdigkeiten. Hrsg.: Ernst von Bassermann-Jordan, Friedrich von Bassermann-Jordan. Frankfurter Verlags-Anstalt, Frankfurt 1926, S. 307.</ref>
Nach der Deutschen Revolution 1848/1849 unterstützte Buhl zunächst Lukas Jäger beim Verlegen der „Pfälzer Zeitung“. Weil Buhl allerdings eine kleindeutsche Lösung anstrebte, Jäger dagegen eine großdeutsche Lösung, widmete Buhl seine finanzielle Unterstützung zugunsten des „Pfälzischen Kuriers“ um, der ab 1859 erschien und die kleindeutsche Linie Buhls vertrat.<ref>Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ..., S. 244.</ref>
Durch Absprache mit seinem Schwager Ludwig Andreas Jordan löste Buhl diesen als Abgeordneten in der Kammer der Abgeordneten (Bayern) ab;<ref>Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ..., S. 243.</ref> von 1855 bis 1861 hatte er hier ein Mandat.<ref name="HdBG">Buhl, Franz Peter. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 26. Dezember 2016.</ref> Buhl gehörte hier einer Gruppe Liberaler um Karl Brater, Josef Völk und Marquard Barth an, die sich im Parlament dafür starkmachte, die Bundesverfassung des Deutschen Bundes mit der Zielsetzung einer starken zentralen Gewalt zu überarbeiten.<ref>Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ..., S. 243.</ref>
Buhls Weingut ein Deidesheim wurde in einer Zeit des Aufschwungs der liberalen Bewegung wieder ein Treffpunkt für zahlreiche Politiker aus vielen deutschen Staaten, die Buhl allerdings nicht mehr richtig miterleben konnte; er starb am 11. August 1862 auf der Durchreise in Coburg.<ref>Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ..., S. 244.</ref>
Literatur
- Theodor Schieder: Buhl, Franz Peter. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 3. Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Joachim Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung 1816 bis 1914. In: Kurt Andermann, Berthold Schnabel (Hrsg.): Deidesheim – Beiträge zu Geschichte und Kultur einer Stadt im Weinland. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-0418-4, S. 241–245.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Buhl, Franz Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | badischer Politiker und Winzer in Deidesheim |
| GEBURTSDATUM | 21. September 1809 |
| GEBURTSORT | Ettlingen |
| STERBEDATUM | 11. August 1862 |
| STERBEORT | Coburg |
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