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Moissanit

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Moissanit
Datei:Moissanite-USGS-20-1002b.jpg
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Moi<ref name="Warr" />

Andere Namen

Siliciumcarbid

Chemische Formel SiC
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Elemente
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

I/B.02 – Anhang
I/B.02-030<ref name="Lapis" />

1.DA.05
01.03.08.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol 6/mmVorlage:Kristallklasse/Unbekannte Kristallklasse
Raumgruppe P63mc (Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186
Gitterparameter a = 3,0810(2) Å; c = 15,1248(10) Å<ref name="Capitani-DiPierro-Tempesta" />
Formeleinheiten Z = 6<ref name="Capitani-DiPierro-Tempesta" />
Häufige Kristallflächen [1010]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 9,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,1 bis 3,29; berechnet: 3,21<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit undeutlich nach {0001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe grün, smaragdgrün, blaugrün bis dunkelblau, blauschwarz bis schwarz; selten blassgrün, gelb oder farblos<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe grünlichgrau, weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Metallglanz bis Diamantglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 2,616 bis 2,757<ref name="Mindat" />
nε 2,654 bis 2,812<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,038<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig positiv
Pleochroismus schwach

Moissanit ist ein in der Natur selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente“ mit der chemischen Zusammensetzung SiC und damit chemisch gesehen Siliciumcarbid (auch Karborund oder Karborundum). Künstlich hergestellte Stücke können als Schmucksteine verwendet werden und gelten als preisgünstige Alternative zu Diamanten.

Moissanit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt flache, abgerundete, hexagonale Kristalle von bis etwa fünf Millimeter Größe. In reiner Form ist Moissanit farblos und durchsichtig. Durch Aufnahme von Spuren formelfremder Elemente wie Stickstoff, Bor oder Aluminium zeigt er jedoch ein großes Farbspektrum von grün (Stickstoff) über blau bis schwarz (Aluminium, Bor), selten auch blassgrün oder gelb.

Mit einer Mohshärte von 9,5 gehört Moissanit mit zu den härtesten Mineralen und steht zwischen den Referenzmineralen Diamant (Härte 10) und Korund (Härte 9).

Etymologie und Geschichte

Moissanit wurde erstmals 1904 von Henri Moissan in einer Mineralprobe des Canyon-Diablo-Meteoriten nachgewiesen, der in der Nähe des Barringer-Kraters gefunden wurde. Dessen Zusammensetzung wurde erstmals 1892 von François Ernest Mallard und 1893 von Georges Friedel untersucht; dabei erkannten sie, dass er ein besonders hartes Material enthielt, das inert gegen Salzsäure ist, und hielten dies zunächst für Diamant. 1904 konnte Moissan eine größere Menge des Meteoriten untersuchen und erkannte dabei an den typischen hexagonalen Kristallen, dass der Meteorit Siliciumcarbid enthält.<ref name="Moissan"/> Das neue Mineral wurde nach dem Entdecker Moissanit genannt.

Die künstliche Herstellung von Siliciumcarbid gelang erstmals 1891 durch Edward Goodrich Acheson<ref name="RÖMPP-Siliciumcarbid"/> (patentiert Februar 1893<ref name="AchesonPatent"/>), Moissanit in Edelsteinqualität konnte erstmals 1997 dargestellt werden.<ref name="RÖMPP-Moissanit"/>

Da der Moissanit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Moissanit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Moissanit lautet „Moi“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Moissanit zur Mineralklasse der „Elemente“ und dort zur Abteilung „Halbmetalle und Nichtmetalle“, wo er als einziger Vertreter im Anhang zur „Kohlenstoff-Gruppe“ mit der Systemnummer I/B.02 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/B.02-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Halbmetalle und Nichtmetalle“, wo Moissanit zusammen mit Chaoit, Diamant, Graphit und Lonsdaleit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/B.02 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Moissanit in die Abteilung „Nichtmetallische Kohlenstoffverbindungen und Stickstoffverbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Art der Verbindung und das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nichtmetallcarbide“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.DA.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Moissanit die System- und Mineralnummer 01.03.08.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Halbmetalle und Nichtmetalle“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 01.03.08.

Kristallstruktur

Datei:Wurtzite polyhedra.png
Kristallstruktur von α-Moissanit

In der häufigsten α-Modifikation kristallisiert Moissanit im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P63mc (Raumgruppen-Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186 mit den Gitterparametern a = 3,073 Å und c = 15,08 Å sowie sechs Formeleinheiten pro Elementarzelle. Dies entspricht der Wurtzitstruktur.

Eigenschaften

Moissanit zählt zu den härtesten bekannten natürlich vorkommenden Substanzen, lediglich Diamant ist härter. Moissanit ist wie Diamant optisch transparent, aber im Gegensatz zu diesem doppelbrechend.<ref name="RÖMPP-Moissanit"/>

Moissanit kristallisiert typischerweise in sechseckigen, tafelförmigen Kristallen. Diese sind entlang der [1010]-Ebene abgeflacht und an den Ecken abgerundet.

Die einzelnen Kristalle in natürlichen Vorkommen sind selten größer als 1 mm. Mit Stand 2014 gilt ein in Israel gefundenes 4,1 mm langes Exemplar als der größte bekannte natürliche Moissanitkristall.<ref>Emmanuel Fritsch, Vered Toledo, Antoinette Matlins: Record-Size Natural Moissanite Crystals Discovered in Israel. Gemological Institute of America, 2014, abgerufen am 30. November 2017.</ref>

Modifikationen und Varietäten

Moissanit kommt in verschiedenen polymorphen Formen vor. Darunter sind verschiedene hexagonale, rhomboedrische und kubische Modifikationen. Am häufigsten findet man die hexagonale Moissanit-6H-Modifikation, deren Struktur derjenigen des Wurtzits entspricht. Selten kommt auch die kubische β-Modifikation (Moissanit-3C), die der Zinkblende-Struktur entspricht, vor. Sie wurde im US-Bundesstaat Wyoming gefunden.<ref name="RÖMPP-Moissanit"/> Von den 74 in künstlich hergestelltem Siliciumcarbid bekannten Modifikationen sind acht aus der Natur bekannt.<ref name="Handbookofmineralogy"/>

Bildung und Fundorte

Siliciumcarbid bildet sich bei hohen Temperaturen, die im Erdmantel oder beim Auftreffen von Meteoriten auf die Erde vorkommen. Dabei bildet sich zunächst bei Temperaturen von 1900 bis 2000 °C die α-Modifikation.<ref name="Bauer-et-al"/> Die Entstehungsbedingungen sind vergleichbar mit denen von Diamant, so dass die beiden Minerale mitunter, wie etwa in Wafangdian in der Volksrepublik China, vergesellschaftet in Kimberlit vorkommen. Ist das α-SiC bei hohen Temperaturen mit elementarem Silicium in Kontakt und zusätzlich Kohlenstoffdioxid anwesend, kann das Silicium mit dem Kohlenstoffdioxid zu β-SiC reagieren, das sich um das α-SiC anlagert.<ref name="Leung-et-al"/> Weitere Minerale außer Diamant, mit denen Moissanit vergesellschaftet ist, sind Eisen (in Meteoriten), Quarz, Granat, Klinopyroxen, Coesit, Rutil, Graphit, Pyrrhotin und Cobalt-Pyrit (in Kimberlit).

Fundorte sind verschiedene Meteoriten, wie Indarch-Meteorit in Aserbaidschan, der Krymka-Meteoriten in der Ukraine und der Canyon-Diablo-Meteorit im US-Bundesstaat Arizona; Einschlagkrater wie das Nördlinger Ries<ref name="Hough-et-al"/>; Vulkane wie der Tolbatschik auf der Halbinsel Kamtschatka (Russland) und Diamantminen, etwa in Sacha (Russland) und Kimberley in Westaustralien.

Verwendung

Datei:Cristal Carborandum, Carborundum, Moissanite artificielle FL GLAM MHNL 2016 d 06.JPG
Synthetischer Moissanit (Carborundum) im Musée d’Histoire Naturelle et de Géologie, Lille
Datei:Moissanite ring natural light.jpg
Verwendung von Moissanit in einem Verlobungsring

Aufgrund der Seltenheit wird natürlich vorkommender Moissanit nicht wirtschaftlich genutzt. Siliciumcarbid wird aber in großen Mengen künstlich aus Siliciumdioxid und Kohlenstoff hergestellt. Es ist als Carborund ein wichtiges Schleifmittel, wird aber auch als Keramik, Isolator und auf Grund seiner Halbleitereigenschaften für Leuchtdioden, Transistoren und Varistoren eingesetzt.

Hochreine Moissanit-Kristalle können auf Grund vergleichbarer Eigenschaften als Diamantersatz verwendet werden. Moissanit besitzt zwar eine etwas geringere Härte als Diamant, ist aber thermisch an der Luft stabiler (bis zu 1127 °C, Diamant nur bis 837 °C) und deutlich preiswerter in der Herstellung.<ref name="RÖMPP-Moissanit"/> Er wird daher in Experimenten unter hohem Druck und hoher Temperatur verwendet.<ref name="XuMao"/>

Seit 1997 sind Moissanit-Stücke als synthetische Schmucksteine auf dem Markt, zunächst als Fälschung von Diamanten, da er sich von diesen wegen seiner ähnlichen Wärmeleitfähigkeit mit den seinerzeitigen Testgeräten nicht unterscheiden ließ.<ref>Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine: Alle Arten und Varietäten. 2020, ISBN 978-3-96747-008-6, S. 274.</ref> Moissanite können ähnlich wie Diamanten geschliffen werden und ergeben dann ein ähnliches äußeres Erscheinungsbild, und wegen seines ähnlichen (tatsächlich etwas höheren) Brechungsindex „funkeln“ solche Steine ähnlich wie geschliffene Diamanten. Erkennbar sind Moissanite an einer starken Doppelbrechung<ref>Diamant echt oder nicht? In: diamantagentur.de. Abgerufen am 21. September 2025 (kommerzielle Website).</ref> und leichter gelb-grüner Fluoreszenz unter UV-Licht.<ref>Moissanite Under UV Light: What To Expect. moissanitebyaurelia.com, 13. November 2024, abgerufen am 21. September 2025 (kommerzielle Website eines Händlers in Albuquerque, New Mexico, USA).</ref>

Siehe auch

Literatur

Weblinks

  • Mineralienatlas:Moissanit (Wiki)
  • Moissanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 5. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Moissanite. In: RRUFF Database-of-Raman-spectroscopy. Abgerufen am 5. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="AchesonPatent"> Patent US492767A: Production of artificial crystalline carbonaceous meterials. Angemeldet am 10. Mai 1892, veröffentlicht am 28. Februar 1893, Anmelder: The Carborundum Company, Erfinder: Edward G. Acheson. </ref> <ref name="Bauer-et-al"> </ref> <ref name="Capitani-DiPierro-Tempesta"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Hough-et-al"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: March 2025. (PDF; 3,2 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, März 2025, abgerufen am 6. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – M. (PDF 326 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 6. April 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Leung-et-al"> </ref> <ref name="Mindat"> Moissanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 5. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Moissan"> </ref> <ref name="RÖMPP-Siliciumcarbid"> Eintrag zu Siliciumcarbid. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="RÖMPP-Moissanit"> Eintrag zu Moissanit. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="XuMao"> </ref> </references>