Deutsches Primatenzentrum
Koordinaten: 51° 33′ 41″ N, 9° 57′ 8″ O
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Das Deutsche Primatenzentrum GmbH (DPZ), Leibniz-Institut für Primatenforschung, wurde 1977<ref>http://www.dpz.eu/de/ueber-uns/profil.html</ref><ref>http://www.dpz.eu/de/ueber-uns/profil/zahlen-und-fakten.html</ref> als ein eigenständiges Forschungsinstitut mit Dienstleistungscharakter für die deutsche Wissenschaft in Göttingen gegründet. Das Zentrum hält etwa 1.300 Affen (Stand 2017),<ref>40 Jahre Deutsches Primatenzentrum in Göttingen. In: idw-online.de. Informationsdienst Wissenschaft e. V., 10. August 2017, abgerufen am 20. März 2018.</ref> die für eigene Forschung eingesetzt werden und auch an andere tierexperimentelle Einrichtungen abgegeben werden.
Das DPZ ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird anteilig vom Bund und von den Ländern grundfinanziert. Zusätzlich werden ca. 40 % des ca. 15 Millionen Euro umfassenden Etats von den Wissenschaftlern des Hauses von Forschungsförderungs-Organisationen eingeworben. Wissenschaftlicher Direktor ist der Neurobiologe und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Stefan Treue (Stand: März 2025).
Forschungsfelder
Die am DPZ durchgeführten Tierversuche an Primaten sollen der Bearbeitung grundlagenorientierter biologischer und biomedizinischer Fragestellungen dienen. Auch das Studium und der Erhalt frei lebender Primatenpopulationen und die Verbesserung der Haltung von Tieren gehören zum Forschungsspektrum des DPZ.
Die Forschungsfelder des Zentrums sind gegliedert in drei Schwerpunkte<ref>Deutsches Primatenzentrum: Forschung. Abgerufen am 14. Juni 2022.</ref>:
- Organismische Primatenbiologie (Forschung zu Verhalten, Biodiversität, Sozialbeziehungen, Kognition und Kommunikation verschiedener Primatenarten häufig aus einer ökologischen und evolutionären Perspektive; Erforschung von Verwandtschaftsbeziehungen auf genetischer Ebene)
- Neurowissenschaften (Untersuchungen zu Informationsverarbeitung, Entscheidungsfindung, Planung und Ausführung von Bewegungsabläufen sowie Struktur, Stoffwechsel und Funktionen des Gehirns; Erforschung des Hörsystems mit optogenetischen Cochlea-Implantaten)
- Infektionsforschung (Erforschung viraler Infektionskrankheiten sowie Prionenerkrankungen mit dem Fokus auf angeborene Immunität und Virus-Wirt-Interaktionen auf zellulärer Ebene; Untersuchung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
Im Jahr 2016 haben Forscher vom Deutschen Primatenzentrum drei neue Affenarten auf Madagaskar entdeckt.<ref>Drei neue Affenarten entdeckt. In: Spiegel online. 15. April 2016.</ref>
Kooperationen
Das DPZ ist durch vielfältige Kooperationen eng in den Forschungsstandort Göttingen eingebunden. So sind die Abteilungsleiter gleichzeitig Professoren der Universität Göttingen oder der Tierärztlichen Hochschule Hannover.
Tierversuche an Primaten
Tierversuche sind umstritten. Werden Primaten als Versuchstiere eingesetzt, gibt es unterschiedliche ethische Bewertungen. So werfen Tierschützer dem Zentrum vor, die durchgeführten Versuche seien für die Tiere mit „schweren Schmerzen, Leiden und Schäden verbunden“, ohne dabei einen direkten medizinischen Nutzen für den Menschen zu haben. Die Forschungen seien daher „sinnlos und grausam“.<ref>Reimar Paul: Primatenzentrum in Göttingen: Forschung contra Quälerei, Taz, 19. September 2012</ref><ref name="HNA1" /><ref>Kritik an Tierversuchen. In: goettinger-tageblatt.de. 12. September 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. März 2018; abgerufen am 18. März 2018.</ref> Stefan Treue, Leiter des Zentrums, betont dagegen, das DPZ bemühe sich, „die Tierversuche so wenig belastend wie möglich zu gestalten.“ Zudem nennt er Erfolge vor allem in der Infektionsforschung und den Neurowissenschaften.<ref name="HNA1">Thomas Kopietz: Zum Jubiläum: Kritik an Tierversuchen – Primatenzentrum Göttingen dementiert. In: hna.de. 17. August 2017, abgerufen am 16. März 2018.</ref> Neben dem eigenen Bestand werden Tiere aus Asien und Afrika importiert. Etwa 100 bis 200 Affen sind für Versuche gemeldet.<ref>Wilde Affen aus dem Dschungel für Tierversuche? In: tierversuche-verstehen.de. Tierversuche verstehen, abgerufen am 16. März 2018.</ref><ref name="dtsb1">40 Jahre Deutsches Primatenzentrum Göttingen – für die Tiere kein Grund zum Feiern. In: tierschutzbund.de. Deutscher Tierschutzbund e. V., 15. August 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. März 2018; abgerufen am 16. März 2018. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Jährlich werden seit 2019 durchschnittlich 98 Affen für Versuche eingesetzt. Insgesamt wurden 73 Tiere im Jahr 2023 eingeschläfert.<ref>NDR: Primatenzentrum: Zahl der Affenversuche fast unverändert. Abgerufen am 14. Februar 2025.</ref>
Forschungsstationen
Das DPZ betreibt vier Forschungsstationen, an denen Primaten in ihren natürlichen Lebensräumen erforscht werden:
- Feldstation Estación Biológica Quebrada Blanco (EBQB) Am Amazonas in Peru, gegründet 1984 vom Proyecto Peruano de Primatología (PPP). Seit 1985 werden ökologische und ethologische Untersuchungen an Neuweltaffen durchgeführt.<ref>Deutsches Primatenzentrum: Forschungsstation Peru. Abgerufen am 7. März 2021.</ref>
- Feldstation Kirindy im Forêt de Kirindy im Westen von Madagaskar, gegründet 1993. Untersucht wird die Ökologie und das Verhalten von den acht dort lebenden Lemurenarten.<ref>Deutsche Welle: Lemuren auf Madagaskar | Global 3000. Abgerufen am 7. März 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Deutsches Primatenzentrum: Forschungsstation Kirindy. Abgerufen am 7. März 2021.</ref>
- Feldstation „Centre de Recherche de Primatologie (CRP) Simenti“ im Niokolo Koba Nationalpark im Senegal, gegründet 2007. Untersucht werden eine mehr als 300 Tiere große Gruppe Guineapaviane sowie Grüne Meerkatzen.<ref>Deutsches Primatenzentrum: Forschungsstation Centre de Recherche de Primatologie Simenti. Abgerufen am 7. März 2021.</ref>
- Die Forschungsstation Phu Khieo Wildlife Sanctuary (PKWS) liegt im nordöstlichen Thailand, wird seit 2015 vom DPZ betrieben. Die Wissenschaftler erforschen dort das Sozialverhalten von Assammakaken.<ref>Deutsches Primatenzentrum: Forschungsstation Phu Khieo Wildlife Sanctuary. Abgerufen am 7. März 2021.</ref>
Weblinks
- Offizielle Website
- Literatur von und über Deutsches Primatenzentrum im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2023-12
- Naturwissenschaftliches Forschungsinstitut
- Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft
- Bildung und Forschung in Göttingen
- Unternehmensgründung 1977
- Forschungseinrichtung in Niedersachsen
- Unternehmen (Göttingen)
- Primatologie
- Tierversuche