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Aikinit

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Aikinit
Datei:Aikinite - Beresowsk, Ural.JPG
Aikinit (stahlgraue Kristallnadeln) aus Beresowsk im Ural
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Aik<ref name="Warr" />

Andere Namen

Nadelerz

Chemische Formel
  • Summenformel: PbCuBiS3<ref name="KohatsuWuensch" /><ref name="IMA-Liste" />
  • Oxidformel: 2 PbS · Cu2S · Bi2S3<ref name="SchröckeWeiner" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.04b
II/E.30-010<ref name="Lapis" />

2.HB.05a
03.04.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m
Raumgruppe Pnma (Nr. 62)Vorlage:Raumgruppe/62<ref name="KohatsuWuensch" />
Gitterparameter a = 11,608 Å; b = 4,0279 Å; c = 11,275 Å<ref name="KohatsuWuensch" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="KohatsuWuensch" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 2,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 7,07; berechnet: 7,255<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit undeutlich nach {010}
Bruch; Tenazität uneben
Farbe bleigrau, rotbraun bis schwarz, selten weiß bis cremefarben
Strichfarbe grauschwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Aikinit, auch unter seiner bergmännischen Bezeichnung Nadelerz bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung PbCuBiS3<ref name="KohatsuWuensch" /> und ist damit chemisch gesehen eine Verbindung aus Blei, Kupfer, Bismut und Schwefel, die aufgrund ihrer Kristallstruktur den Sulfosalzen zugeordnet wird.

Aikinit bildet metallisch glänzende, prismatische bis nadelige und parallel der c-Achse gestreifte Kristalle, kommt aber auch in Form radialstrahliger und massiger Mineral-Aggregate vor. die undurchsichtigen Kristalle sind von bleigrauer, rötlichbrauner oder schwarzer Farbe und hinterlassen auf der Strichtafel einen grauschwarzen Strich. Selten finden sich auch weiße bis cremefarbene Aikinite.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Aikinit im „Berjosowski-Goldbergwerk“ in Russland und beschrieben 1843 durch Edward John Chapman (1821–1904), der das Mineral zu Ehren des Autors des zu der Zeit bekannten und populären Werkes „A Manual of Mineralogy“, Arthur Aikin (1773–1854), nach diesem benannte, wobei allerdings in seiner Erstbeschreibung zunächst die Bezeichnung Aikenit auftaucht.<ref name="Chapman" /><ref name="mineralogicalrecord.com" />

Das Mineral taucht allerdings in verschiedenen Quellen unter verschiedenen Synonymen auf. So erhielt es die bergmännische Bezeichnung Nadelerz aufgrund seiner häufig vorkommenden, nadelförmigen Kristallausbildung. Diese wurde ins englische Acicular ore übernommen und daraus auch die Bezeichnung Aciculite (nach Nicol, 1849),<ref name="Egleston" /> zu Deutsch Aciculit abgeleitet.

In dem von Gustav Adolf Kenngott überarbeiten „Mohs’schen Mineralsystem“ von 1853 wird es nach Haidinger als Patrinit (auch prismatoidischer Wismuthglanz und Nadelerz) mit der Formel 3Pb, Cu2S, Bi2S3 geführt.<ref name="Kenngott" />

Unter anderem im „A Catalogue of Minerals and Synonyms“ von Thomas Egleston (1892) taucht als Synonym für den Aikinit zudem die auf Ernst Friedrich Glocker zurückgeführte Bezeichnung Belonite auf.<ref name="Egleston" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Aikinit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Komplexen Sulfide (Sulfosalze)“, wo er als Namensgeber die „Aikinit-Reihe“ mit der System-Nr. II/D.04b und den weiteren Mitgliedern Gladit, Hammarit, Lindströmit und dem inzwischen diskreditierten Rézbányit sowie im Anhang mit Berryit, Betechtinit, Neyit, Nuffieldit vund Wittit bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, as sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/E.30-010. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wobei in den Gruppen II/E.28 bis 35 die Blei-Sulfosalze mit Bismut (x= 6,0 bis 1,6) eingeordnet sind. Hier bildet Aikinit ebenfalls namensgebend die „Aikinitreihe“ mit der Systemnummer II/E.30 und den weiteren Mitgliedern Emilit, Friedrichit, Gladit, Hammarit, Krupkait, Kudriavit, Lindströmit, Paarit, Pekoit, Salzburgit und Součekit.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aikinit in die neu definierte Abteilung der „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Ag, Fe, Sn und Pb“ zu finden ist, wo es zusammen mit Emilit, Friedrichit, Gladit, Hammarit, Krupkait, Lindströmit, Paarit, Pekoit und Salzburgit die unbenannte Gruppe 2.HB.05a bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Aikinit die System- und Mineralnummer 03.04.05.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Auch hier ist Aikinit als Namensgeber der „Aikinitgruppe (Orthorhombisch, enthält Pb, Cu, Bi, und S)“ mit der System-Nr. 03.04.05 und den weiteren Mitgliedern Krupkait, Gladit, Hammarit, Friedrichit, Pekoit, Lindströmit und Salzburgit innerhalb der Unterabteilung der „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Datei:Aikinite.jpg
Großaufnahme von nadeligen Aikinitkristallen aus der Kara Mine, Bezirk Hampshire, Tasmanien
Datei:Aikinite-231688.jpg
Körniges Aikinit-Aggregat aus dem Tule Canyon (Esmeralda County), Nevada (Größe: 2,9 × 1,8 × 1,1 cm)

Aikinit bildet sich hydrothermal in Erz-Gängen. Begleitminerale sind unter anderem mit Bismuthinit, Chalkopyrit, Enargit, Galenit, Gold, Pyrit, Quarz und Tennantit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Aikinit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2023) rund 280 Fundorte.<ref name="MindatAnzahl" /> Erwähnenswert aufgrund seiner besonderen Mineralfunde sind vor allem Dschida in der russischen Republik Burjatien, wo die bisher größten Aikinitkristalle mit einer Länge von bis zu einem Meter zutage traten<ref name="Mineralienatlas" /> sowie die ebenfalls in Russland liegende Typlokalität Berjosowski (Swerdlowsk), wo bis zu 3 cm lange Kristalle gefunden wurden.<ref name="Dörfler" /> Aus der „Outlaw Mine“ im Nye County (Nevada) konnten körnige Aggregate mit einem Durchmesser von bis zu 5 cm geborgen werden.<ref name="Dörfler" />

In Deutschland konnte das Mineral in mehreren Gegenden des Schwarzwaldes (Münstertal, Wittichen) in Baden-Württemberg, des Odenwaldes in Hessen, in der Grube Wolkenhügel bei Bad Lauterberg im Harz in Niedersachsen, in mehreren Gruben im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen, in den Gruben „Grüneau“ (Grüne Au, Grünau) bei Schutzbach und Concordia bei Niederfischbach in Rheinland-Pfalz sowie in mehreren Gruben im Erzgebirgskreis in Sachsen gefunden werden.

In Österreich fand sich Aikinit unter anderem in den Tälern Großfragant und Wurten sowie an der Kluidscharte im Zirknitztal in Kärnten, in einem Steinbruch bei Kottaun und in Mineralproben des Aushubmaterials des Semmering-Basistunnels in Niederösterreich, bei Sportgastein, in einer Arsengrube bei Rotgülden/Muhr und in einer Scheelit-Lagerstätte bei Mittersill in Salzburg, im Steinbachgraben (auch Knappenkeusche) nahe Steinhaus am Semmering in der Steiermark sowie bei Bartholomäberg im Silbertal und am Kristbergsattel bei Kristberg in Vorarlberg.

In der Schweiz konnte das Mineral bisher nur in der Cavradischlucht im Val Curnera und am Piz Grisch im Kanton Graubünden sowie an dem natürlichen Aufschluss „Turtschi“ im Binntal, in der Grube Kaltenberg am Blüomatttälli im Turtmanntal, in verschiedenen Gruben der Gemeinde Anniviers und im Mättital im Kanton Wallis gefunden werden.

Weitere Fundorte sind unter anderem Argentinien, Australien, Bolivien, Bulgarien, China, Frankreich, Griechenland, Grönland, Iran, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, Slowakei, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, die Türkei, das Vereinigte Königreich (Großbritannien), die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Kristallstruktur

Aikinit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnma (Raumgruppen-Nr. 62)Vorlage:Raumgruppe/62 mit den Gitterparametern a = 11,608 Å; b = 4,0279 Å und c = 11,275 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="KohatsuWuensch" />

Siehe auch

Literatur

  • Edward J. Chapman: Practical Mineralogy; or, a compendium of the distinguishing characters of minerals. Hippolyte Bailliere Publisher, London 1843, S. 127 (rruff.info [PDF; 103 kB; abgerufen am 6. Juni 2023]).

Weblinks

Commons: Aikinite – Sammlung von Bildern
  • Aikinit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Aikinite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: Aikinite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 6. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • IMA Database of Mineral Properties – Aikinite. In: rruff.info. RRUFF Project; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Aikinite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Aikinite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Chapman"> Edward J. Chapman: Practical Mineralogy; or, a compendium of the distinguishing characters of minerals. Hippolyte Bailliere Publisher, London 1843, S. 127 (rruff.info [PDF; 106 kB; abgerufen am 6. Juni 2023]). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Dörfler"> </ref> <ref name="Egleston"> Thomas Egleston: A Catalogue of Minerals and Synonyms. John Wiley & Sons, New York 1892, S. 4 (online verfügbar bei archive.org – Internet Archive [abgerufen am 22. August 2018]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Aikinit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 6. Juni 2023. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Kenngott"> Adolf Kenngott: Das Mohs’sche Mineralsystem, dem gegenwärtigen Standpunkte der Wissenschaft gemäss. Carl Gerold & Sohn, Wien 1853, S. 118 (rruff.info [PDF; 803 kB; abgerufen am 6. Juni 2023]). </ref> <ref name="KohatsuWuensch"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Aikinite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 6. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Mineralrekorde. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 6. Juni 2023. </ref> <ref name="mineralogicalrecord.com"> Chapman, Edward John (1821–1904). Mineralogical Records, abgerufen am 6. Juni 2023. </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>