Bibliotheca Corviniana
Vorlage:Infobox Weltdokumentenerbe Die Bibliotheca Corviniana (kurz Corvina) ist die weltberühmte Büchersammlung des ungarischen Königs Matthias Corvinus (1443–1490). Sie bildete eine der größten und wertvollsten Bibliotheken im Zeitalter der Renaissance und wurde 2005 in das Weltdokumentenerbe aufgenommen. Sie ist großteils verloren oder verstreut, die nachgewiesenen Exemplare werden Corvinen genannt.
Bibliothek
Die Blüte der Bibliothek begann mit der Vermählung des Königs Matthias mit der kunstsinnigen Beatrix von Aragón (1476). Matthias Corvinus trug mit großem Aufwand eine Bibliothek zusammen, wofür er in Italien prächtig verzierte Handschriften herstellen ließ. Boten wurden durch Italien, Griechenland und Kleinasien gesandt, die Handschriften klassischer Autoren sowie syrischer und hebräischer Schriftsteller aufkaufen sollten. 33.000 Dukaten standen zur Verfügung. Man schätzt den seinerzeitigen Umfang auf 2.000 Bände, womit die Bibliotheca Corviniana nach der Vatikanbibliothek die zweitgrößte ihrer Zeit war.<ref>Pal Engel, Ungarische Akademie der Wissenschaften. In: The Realm of St. Stephen, I.B. Tauris Publishers, London 2002, S. 154. Angabe nach UNESCO: Full list of Registered Heritage, abgerufen am 8. Mai 2012.</ref>
Charakteristisch für die Bibliotheca Corviniana sind die meist prachtvollen Illuminierungen der Handschriften mit eingezeichnetem Wappen des Königs, die mit Gold gezierten Ledereinbände und die Samt- und Seideneinbände.
Nachgeschichte
Untergebracht im Palast von Buda, wurde die Bibliothek nach dem Tod des Königs im Jahr 1490 und der türkischen Eroberung Budas 1526 bzw. 1541 in alle Welt zerstreut. Einerseits waren die Nachfolger des Königs Matthias nicht mehr so bibliophil wie er, andererseits erfolgte durch den türkischen Sultan Süleyman I. ein drastischer Abbau der Bibliothek. Teile wurden im Serail von Konstantinopel aufbewahrt und 1869 und 1877 als Geschenke des Sultans nach Budapest zurückgebracht.<ref>Anna Forstenheim: Zurückgekehrt in’s Vaterland. In: Die Gartenlaube. Heft 23, 1877, S. 383–384 (Volltext [Wikisource]).</ref> Einzelne Bände kamen 1666 und nach der Eroberung Budas durch habsburgische Truppen 1686 nach Wien.<ref> Csaba Csapodi/Klara Csapodi-Gardonyi: Bibliotheca Corviniana. Die Bibliothek des Königs Matthias Corvinus von Ungarn, Budapest 1978, S. 29–32</ref>
Heutige Corvinen
Es sind bisher 216 Corvinen bekannt.<ref name="UNESCO">Angabe nach UNESCO: Full list of Registered Heritage, abgerufen am 8. Mai 2012.</ref>
Die bedeutendste Sammlung hat
Ungarn in der Széchényi-Nationalbibliothek Budapest mit 53 Exemplaren,<ref name="UNESCO" />
und die Österreichische Nationalbibliothek mit 39 Bänden.<ref name="UNESCO" />
Diverse Museen in Italien halten 49 Exemplare,<ref name="UNESCO" /> einen Gutteil davon die Biblioteca Estense in Modena.
Der Rest des bekannten Bestands ist über Deutschland<ref>Renaissance-Bibliothek des Königs Mathias Corvinus. Deutsche UNESCO-Kommission e. V.</ref>
(8 Stücke Bayerische Staatsbibliothek in München,<ref> Münchner Corvinen, muenchener-digitalisierungszentrum.de</ref>
9 Stücke Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel,<ref>Wolfenbütteler Corvinen, hab.de</ref>
2 Stücke Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden,<ref>Zwei Corvinen aus der Bibliothek des Königs Matthias Corvinus gelangten im 18. Jahrhundert in die Kurfürstliche Bibliothek zu Dresden. Sie wurden 1945 infolge der Bombardierung des Bibliotheksgebäudes schwerst geschädigt. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dresdner Corvinen. ( vom 27. Juni 2018 im Internet Archive) (Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)</ref>
ThULB Jena),<ref>Joachim Ott: Ein Buch aus der Bibliothek des Matthias Corvinus. (PDF; 1,5 MB) Objekt des Monats September 2017. In: Digitale Bibliothek Thüringen. Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, September 2017, abgerufen am 18. Juni 2023.</ref>
Frankreich (7 Stücke),<ref name="UNESCO" />
Belgien, England, die Türkei und die USA verstreut.<ref name="UNESCO" />
Ein ungarisches Projekt bemüht sich, entsprechend der Charta zum Erhalt des Digitalen Kulturerbes (2003), der Fortsetzung des Memory of the World-Programms der UNESCO, um die Retrodigitalisierung von Handschriften und Frühdrucken. Die Wiedervereinigung der Bibliothek als digitale Sammlung würde dieses gesamteuropäische Erbe angemessen dokumentieren.<ref name="UNESCO" />
Literatur
- Christian Gastgeber: Auf der Spur der Bibliotheca Corviniana: Peter Lambecks Reisebericht nach Buda aus dem Jahr 1666. In: Biblos. Band 54, 2005, ISSN 0006-2022, S. 43–64.
Weblinks
- UNESCO: The Bibliotheca Corviniana Collection
- unesco.org
- Bibliotheca Corviniana Digitalis mit digitalisierten Handschriften und Drucken
- Corvinen der Bayerischen Staatsbibliothek: hochauflösende Digitalisate im Kulturportal bavarikon
- Ex Bibliotheca Corviniana. Die acht Münchener Handschriften aus dem Besitz von König Matthias Corvinus Herausgegeben von Claudia Fabian und Edina Zsupán, Budapest 2008
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
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