Zum Inhalt springen

Messor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 5. Mai 2025 um 23:02 Uhr durch imported>Jordi (Systematik).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Messor
Datei:Messor01.jpg

Arbeiterin von Messor barbarus mit einem Hirsekorn

Systematik
Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
Überfamilie: Vespoidea
Familie: Ameisen (Formicidae)
Unterfamilie: Knotenameisen (Myrmicinae)
Tribus: Pheidolini
Gattung: Messor
Wissenschaftlicher Name
Messor
Forel, 1890
Datei:Messor barbarus princess.jpg
Jungkönigin von Messor barbarus

Messor ist eine Gattung der Ameisen (Formicidae), die zur Unterfamilie der Knotenameisen (Myrmicinae) gezählt wird. Alle Arten dieser Gattung ernähren sich hauptsächlich von Pflanzensamen und zählen somit zu den Ernteameisen. Ihr lateinischer (wissenschaftlicher) Name leitet sich von Messor (Schnitter, von messis = die Mahd), einem der 12 Erntegehilfen der römischen Göttin des Ackerbaus Ceres ab.

Merkmale

Bei Messor-Arten gibt es zwischen den Arbeiterinnen extreme Größenunterschiede. Die kleinsten Exemplare messen vier Millimeter, wohingegen manche bis zu 10 bis 14 Millimeter (abhängig von der jeweiligen Art) erreichen und auffallend große Köpfe entwickeln. Auch existieren unzählige Zwischenformen, so dass es sich hier nicht um echten Polymorphismus handelt. Die großen Arbeiterinnen sind für das Knacken der Körner zuständig. Die Färbung der meisten Arten ist dunkelbraun bis schwarz, wobei es auch Ausnahmen gibt, wie z. B. Messor barbarus, die einen ausgeprägt roten Kopf besitzen können. Der Stachel ist stark zurückgebildet und Kämpfe werden mit den Mundwerkzeugen ausgetragen. Koloniegründungen erfolgen normalerweise claustral durch eine einzelne Königin oder auch in Pleometrose. Die Kolonien sind bei den meisten Arten monogyn und die Geschlechtstiere schwärmen gewöhnlich im Hochsommer. Manche Arten überwintern mit Geschlechtstieren, so dass es zu einem zweiten Schwarm im Frühling kommt, oder der Schwarm nur im Frühjahr stattfindet.

Verbreitung und Lebensraum

Vertreter der Gattung Messor sind vorwiegend in den Steppen und Halbwüsten der Paläarktis heimisch. Sie bevorzugen warme und trockene Orte. Sie sind im Mittelmeergebiet häufig anzutreffen, allerdings in Mitteleuropa sehr selten und nur in wärmeren Lagen vertreten. So ist Messor ibericus die einzige in Deutschland nachgewiesene Art.<ref>Florian M. Steiner, Sándor Csősz, Bálint Markó, Alexander Gamisch, Lukas Rinnhofer: Turning one into five: Integrative taxonomy uncovers complex evolution of cryptic species in the harvester ant Messor “structor”. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 127, Oktober 2018, S. 387–404, doi:10.1016/j.ympev.2018.04.005 (elsevier.com [abgerufen am 9. August 2021]).</ref> Sie ist ausschließlich in der Rheinregion von Koblenz bis in die Gegend um Mainz und Wiesbaden sowie am Kaiserstuhl zu finden.<ref name="seifert2007">Bernhard Seifert: Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas. lutra Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Görlitz/Tauer 2007, ISBN 978-3-936412-03-1</ref>

Lebensweise

Diese Ameisen sind die bekanntesten Ernteameisen auf der Nordhalbkugel. Da der Großteil ihres Nahrungsbedarfs durch Pflanzensamen gedeckt wird, üben sie einen wichtigen Einfluss auf das Ökosystem aus.<ref name="seifert2007"/> Die großen Mengen an gesammelten Körnern werden in den weit ausgedehnten unterirdischen Nestern nach Pflanzenart sortiert und von Schalen befreit. Die Schalen werden außerhalb des Nests angehäuft. Die Samen werden von Arbeiterinnen verarbeitet, indem sie stundenlang zerkaut und mit Enzymen angereichert werden. So entsteht das sogenannte „Ameisenbrot“, welches die Grundnahrung für diese Ameisen und auch deren Brut darstellt.<ref name="bellmann1995">Heiko Bellmann: Bienen, Wespen, Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1995, ISBN 3-440-09690-4</ref> Alle Arten ernähren sich zudem zoophag und schwach phytophag, vor allem wenn jahreszeitlich bedingt wenig Samen verfügbar sind.

Systematik

Die Gattung Messor ist in Europa mit etwa 40 Arten und Unterarten vertreten.<ref name="Fauna">Messor Forel 1890. Fauna Europaea, abgerufen am 17. Mai 2008.</ref> Weltweit sind über 100 Arten bekannt.<ref name="seifert2007" />

Einige wichtige Vertreter in Mitteleuropa sind folgende Arten (Auswahl):

Die Große Gartenameise Messor cephalotes (engl. giant African harvester ant) ist die größte Spezies der Gattung und kommt ausschließlich in Ostafrika vor, sie kann bis zu 20 Millimeter groß werden, Königinnen erreichen bis zu 25 Millimeter. Sie gehört zu den teuersten Ameisen auf europäischen und asiatischen Sammlerbörsen und wird zumeist illegal und teilweise bandenmäßig aus Kenia nach Europa geschmuggelt, um den exotischen Wildtiermarkt zu versorgen. Eine Königin mit 20 oder 30 Arbeiterinnen kostet zwischen 100 und 400 Euro.<ref>Fritz Habekuß: Schmuggelware: Gartenameise. In: Die Zeit 18/2025, 5. Mai 2025, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref><ref>Damian Zane: Ant smugglers caught with hundreds of prized insects in Kenya. In: BBC News, 14. April 2025 (englisch), abgerufen am 5. Mai 2025.</ref>

Synonyme

Synonyme für die Gattung Messor:<ref name="hölldobler1990">Bert Hölldobler, Edward O. Wilson: The Ants. Springer (1990) ISBN 3-540-52092-9</ref>

  • Cratomyrmex Emery, 1892
  • Lobognathus Enzmann, 1947

Quellen

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons: Messor barbarus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien