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Hinrich Baller

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Porträt eines Mannes mit langen weißen Haaren und offenem weißen Hemd und Jacket.
Hinrich Baller (2023)
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IBA-Wohnhaus Fraenkelufer, Ecke Admiralstraße, Berlin-Kreuzberg, 1982–1985 (Foto: 2016)

Hinrich Baller (* 4. Juli 1936 in Stargard; † 23. Juli 2025<ref name=":3">Er stand für prägnante Bauten: Berliner Architekt Hinrich Baller gestorben. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 8. August 2025]).</ref>) war ein deutscher Architekt mit Arbeitsschwerpunkt Berlin.

Werdegang

Nach dem Abitur besuchte er zunächst eine Musikschule in Berlin. Doch bald wechselte er auf die Technische Universität Berlin, um Musik und Architektur zu studieren. Nach 20 Semestern erwarb er das Diplom und sah sich nun nach Schaffensmöglichkeiten um. In der Schweiz fand Hinrich Baller einen Gönner, der ihm Bauland auf einem Plateau im Zürcher Oberland bereitstellte, wo zusammen mit Inken Baller das Haus Bachmann entstand.<ref>Inken Baller. Abgerufen am 17. September 2021.</ref> So entstand Ballers erstes selbst entworfenes Haus im Jahr 1966 und prägte nach eigener Aussage seinen naturbezogenen Baustil.<ref name="Interview">Interview mit Doris und Hinrich Baller in ihrem Architekturbüro, abgerufen am 17. April 2019.</ref>

In Berlin wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Bernhard Hermkes an der TU Berlin.<ref>Schief oder rechtwinklig?, Einladung zu einem Vortrag von Hinrich Baller in Kassel; abgerufen am 17. April 2019.</ref> Bei dieser Tätigkeit lernte er seine erste Frau Inken kennen, und sie führten zwischen 1967 und 1989 in Berlin ein gemeinsames Architekturbüro. 1995 folgte die Scheidung. Von 1972 bis 2001 war Hinrich Baller Professor für Architektur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.<ref>HFBK: Ehemalige Professor*innen und Gastprofessor*innen. Abgerufen am 17. September 2021.</ref> Obwohl er in der Hansestadt unterrichtete, lebte und arbeitete er in Berlin, wo er sich an zahlreichen Wettbewerben beteiligte, bis 1989 mit seiner ersten Ehefrau Inken Baller und ab den 1990er-Jahren mit Doris Piroth, die er 1995 heiratete.

Bis zu seiner Emeritierung 2001 behielt er seine Professur in Hamburg.

Im Jahr 2023 wurden Inken und Hinrich Baller für ihr gemeinsames Werk mit dem Großen BDA-Preis ausgezeichnet. Die Jury würdigte die „eigenständige und ökologisch geprägte Entwurfshaltung, die unter den Bedingungen des sozialen Wohnungsbaus zu erstaunlichen Lösungen jenseits des Mainstreams“ geführt habe. Auch wenn die eigenständige Ästhetik nicht unumstritten gewesen sei, so sei sie doch im Rückblick „aufmüpfig, fröhlich, sozial und von eigenwilliger Schönheit“.<ref>Großer BDA-Preis 2023 für Inken Baller und Hinrich Baller. In: Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA. 13. Juli 2023, abgerufen am 15. September 2023.</ref><ref>Begründung der Jury. In: Bund deutscher Architektinnen und Architekten (Hrsg.): Inken Baller und Hinrich Baller. Großer BDA-Preis 2023. Festschrift. Berlin 2023, S. 3.</ref>

Baller starb am 23. Juli 2025 im Alter von 89 Jahren.<ref name=":3" /> Mit Inken Baller hatte er zwei Töchter.<ref>Berliner Wohnungsbauarchitekt:innen – Ein Treffen mit Inken Baller. In: Berliner Mieterverein e. V. 31. Januar 2025, abgerufen am 12. August 2025.</ref>

Spezieller Baller-Stil

Ballers Architektur ist eigenständig und folgt keiner zeitgenössischen Hauptströmung. Sie erinnert in Zügen an den Jugendstil oder die Organische Architektur, stützt sich aber verstärkt auf moderne Konstruktionsmittel wie Beton, Stahl und Glas. Seine Wurzeln sieht Baller bei den Architekten Bruno Taut, Bernhard Hermkes und Hans Scharoun. Beschreiben lässt sich der Stil vor allem durch die Wahl organischer freier Formen mit Verzierungen, aufschwingender Balkonlinien, spitzer Ecken, schiefer Winkel, tiefer Fenster und Räume, die sich ins Grüne hin öffnen.<ref name="Räuber">Martin Klesmann: Streit um Räuberleiter. In: Berliner Zeitung, 17. April 2019, S. 15.</ref> Darüber hinaus werden fast alle äußeren Metallteile der Bauten in mintgrün (= Farbe von oxidiertem Kupfer) lackiert, alle seine Wohnungen besitzen offene Küchen.<ref name="Interview"/> Einen ähnlichen Baustil weisen in Berlin Gebäude des Architekten Johannes Friedrich Vorderwülbecke auf, die mit den Häusern von Hinrich Baller zunächst leicht zu verwechseln sind; sie kennzeichnen sich durch mehr Expressivität und weniger Farben. Als einem von wenigen Architekten gelang es Hinrich Baller an einigen Orten, die Berliner Stadtstruktur in ihrer hohen Baudichte und -schwere („steinernes Berlin“) aufzulockern. Er sieht seine Bauten auch als Beitrag des Konzeptes „Biotope City“, das in Großstädten weltweit Naturbereiche einzugliedern versucht. Die ebenso eindrucksvolle Landschafts- und Gartengestaltung vieler Bauten geht oft zurück auf seinen langjährigen Landschaftsarchitekten Raimund Herms.

In der Fachliteratur zu Architektur der Gegenwart und Architekturgeschichte kommen die Bauten von Baller kaum vor oder werden allenfalls als exotische Randerscheinung erwähnt. Die Wahrnehmung durch populäre Medien ist deutlich stärker. In den Jahren 2020 und 2021 erschienen Artikel auf den Webseiten von Monopol<ref>Architekt Baller wird neu bewertet: „Nostalgische Millennials finden diese Bauten interessant“. Abgerufen am 13. Januar 2022.</ref> und Tip-Berlin.<ref>Hinrich Baller in Berlin: Ist das Baukunst oder Ballaballa? Abgerufen am 13. Januar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Newsletter-Magazin Ex Libris widmete Hinrich Baller eine ganze Ausgabe.<ref>No News News #3: BALLER'S PO-MO UTOPIA. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. April 2023; abgerufen am 13. Januar 2022.</ref>

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IBA-Wohnhaus Pohlstraße, Ecke Potsdamer Straße, Berlin-Tiergarten, 1982–1985 (Foto: 2020)

Ausgeführte Bauten

Datei:Winterfeldtplatz1 Berlin.JPG
Baller-Wohnhaus am Winterfeldtplatz
Datei:Baller-Castello.JPG
Einkaufszentrum Castello in Berlin-Fennpfuhl
Datei:Spreewaldgrundschule1.JPG
Spreewald-Grundschule in Berlin-Schöneberg

Zu den mehr als 100 realisierten Bauten von Hinrich Baller<ref name="Interview"/> gehören unter anderem (chronologisch):

In Berlin

Datei:Lietzenburger-Str-Berlin-Charlottenburg-Wohnbebauung-Baller-10-2015.jpg
Wohn- und Geschäftshaus Lietzenburger Straße 86, Berlin-Charlottenburg, 1977–1978

Außerhalb von Berlin

  • 1966, Haus Bachmann, Schweiz, mit Inken Baller
  • 1979, 1980–1982: Wohnsiedlung documenta urbana in Kassel, Gebäudeplanung (gemeinsam mit Inken Baller) und städtebauliche Planung (gemeinsam mit anderen)
  • 1999–2002: Wohnhäuser an der Nuthestraße in Potsdam, bekannt unter dem Namen Nutheschlange.
  • Um 1999: Terrassenhaus, am Humboldt-Ring in Potsdam Ost im Bereich der Nuthe-Schlange.

Baumängel

Gebäude am Winterfeldtplatz (Berlin)

Weil die Umzäunung des 2001 nach acht Jahren Bauzeit<ref>BauNetz: Mit Verspätung - Kindertagesstätte von Baller in Berlin bezogen. 4. September 2001, abgerufen am 17. September 2023.</ref> in Betrieb genommenen Gebäudes einer Sporthalle und Kindertagesstätte am Winterfeldtplatz in Berlin eher schmückendes Zierrat im Baller-Stil darstellte, haben sich wegen Leerstand des Gebäudes seit 2017 immer wieder Vandalen und Obdachlose Zugang zu dem Haus verschafft. Der Leerstand hat seine Ursache in Baumängeln, die seit etwa dem Jahr 2000 bekannt geworden sind: das Dach der Turnhalle ist undicht und die Folgen führten zu einem jahrelangen Rechtsstreit, der den Verursacher klären soll. Laut Architekt ist das Dach mit dem falsch aufgeschäumten Glas die Ursache für eindringende Nässe. Zudem hat das Bezirksamt die Gebäudenutzung ab 2017 untersagt, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt und weil Bauprüfungen ergeben haben, dass die Holzkonstruktionen unter den Fenstern marode sind und ausgebessert werden müssen. Das Bezirksamt beruft sich auf die Verantwortung eines Architekten für seinen Bau.<ref name="Räuber" />

„Nutheschlange“ (Potsdam)

Hier wurden zwischen 1999 und 2002<ref>Chronologie der Nutheschlange 1996 – 2002, Bau- und Planungsphase – Initiative Nutheschlange. 11. Juni 2023, abgerufen am 17. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> zwei- bis dreigeschossige Reihenhäuser mit mehr als 200 Wohnungen auf insgesamt 200 Pfähle gesetzt und stehen so teilweise an, teilweise in einem künstlichen Wasserlauf. Seit der Fertigstellung traten Schäden auf. Um den Abriss des Kopfbaus, eines unbewohnbaren Terrassenhauses, gab es einen Rechtsstreit.<ref>Henri Kramer: Millonengrab Nutheschlange. Potsdamer Wohnkomplex nach vielen Jahren fast fertig saniert. In: Tagesspiegel, 20. Mai 2024, online (Bezahlschranke).</ref> Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts plant die Bauherrin ProPotsdam den Abriss für 2026.<ref>Exzentrische Baller-Architektur: Warum das Terrassenhaus in Potsdam bald abgerissen wird. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 22. März 2026]).</ref>

Literatur

  • VISITING Inken Baller & Hinrich Baller, Berlin 1966–89, hrsg. von urban fragment observatory (Jeanne Astrup-Chauvaux, Sebastian Diaz de León, Lena Löhnert, Florine Schüschke), Köln: Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, 2022, ISBN 978-3-7533-0051-1.
  • U. Stark: Hinrich und Inken Baller, IRB Verlag, Berlin 1992.
  • H. Fassbinder in A+U, 12/1986,195: Hinrich and Inken Baller, S. 75–130.
  • Sandra Wagner-Conzelmann (Hrsg.): Das Hansaviertel in Berlin und die Potentiale der Moderne – Wissenschaft und Zeitzeugen im Gespräch, Beiträge der Tagung gleichen Titels in der Akademie der Künste, Berlin, 28.–30. September 2007.
  • Hinrich Baller im Gespräch, Verlag der AdK, Berlin 2008, ISBN 978-3-88331-120-3.

Baller-Gebäude in den Medien

Weblinks

Commons: Hinrich Baller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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