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Berg-Haarstrang

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Berg-Haarstrang
Datei:Peucedanum oreoselinum eF.jpg

Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Haarstrang
Art: Berg-Haarstrang
Wissenschaftlicher Name
Peucedanum oreoselinum
(L.) Moench

Der Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moench, Syn.: Oreoselinum nigrum <templatestyles src="Person/styles.css" />Delarbre) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Haarstrang (Peucedanum) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung

Datei:Peucedanum oreoselinum sl2.jpg
Laubblatt: die Laubblattspindel ist bei jedem Fiederansatz leicht nach unten geknickt.
Datei:Peucedanum oreoselinum sl11.jpg
Döldchen mit Früchten
Datei:Peucedanum oreoselinum sl14.jpg
Frucht

Vegetative Merkmale

Der Berg-Haarstrang wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 Zentimetern bis zu 1 Meter.<ref name="Thellung1965" /> Der aufrechte Stängel ist mindestens an den Knoten (Nodien) etwas gerötet und im Querschnitt rund oder fein gerillt, im oberen Teil stärker gefurcht, spärlich abstehend verzweigt und im oberen Bereich blattlos.<ref name="Thellung1965" />

Die Laubblätter sind im Umriss bei einer Länge von bis zu 40 Zentimetern sowie einer Breite von bis 15 Zentimetern dreieckig<ref name="Thellung1965" /> und zwei- bis dreifach gefiedert. Die Fiedern wie die Fiederblättchen gehen rechtwinklig ab, die Blattachse und die Fiedern liegen nicht in einer Ebene. Die Blattachse ist an den Knoten winklig gebogen. Die Fiederabschnitte sind eiförmig-keilförmig und stehen locker, sie sind am Rand fein gesägt, die Endfiedern sind drei- bis fünfzipflig. Die unteren Stängelblätter sind lang gestielt, die oberen sind viel kleiner und auf den Blattscheiden sitzend.<ref name="Thellung1965" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juli bis August. Es werden doppeldoldige Blütenstände gebildet. Die Strahlen der Doppeldolde sind bei einer Länge von etwa 5 Zentimeter fast alle gleich lang.<ref name="Thellung1965" /> Hüllblätter und Hüllchenblätter sind zahlreich vorhanden, sie sind lanzettlich bis linealisch und zurückgeschlagen.<ref name="Thellung1965" /> Die Kelchzähne sind deutlich und eiförmig.<ref name="Thellung1965" /> Die weißen, selten rosafarbenen Kronblätter sind etwa 1 Millimeter lang, am oberen Ende ausgerandet und mit einem eingeschlagenen Läppchen versehen.<ref name="Thellung1965" /> Die zwei Griffel sind etwa 1 Millimeter lang, länger als das Griffelpolster und über diese zurückgeschlagen.<ref name="Thellung1965" />

Die Frucht ist bei einer Länge von meist 4,5 bis 8 Millimetern<ref name="Thellung1965" /> und etwa 4 Millimetern rundlich-eiförmig, stark linsenförmig zusammengedrückt, gelblich mit dunkel-braun durchschimmernden Ölstriemen.<ref name="Thellung1965" /> Die Randrippe ist etwa halb so breit wie das „Fruchtgehäuse“.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Beim Berg-Haarstrang handelt es sich um einen Hemikryptophyten. Die Pflanzen sind wichtig für viele Insektenarten. Der Berg-Haarstrang wird beispielsweise vom Schwalbenschwanz-Schmetterling zur Eiablage und als Futterpflanze der Raupen genutzt. Es gibt zahlreiche Insekten, darunter Schwebfliegen, auch andere Fliegenarten, viele Hautflügler, Schlupfwespen und Wanzenarten, die die Blüten des Berg-Haarstrangs besuchen.

Der Berg-Haarstrang ist Wirtspflanze für die Pilzarten Erysibe polygoni, Puccinia oreoselini, Protomyces macrosporus, Leptosphaeria clivensis, Mycosphaerella umbelliferarum und Pleospora vulgaris.<ref name="Thellung1965" />

Gallbildungen erzeugen Lasioptera carophila, Macrolabis currugans und Schizomyia pimpinellae.<ref name="Thellung1965" />

Vorkommen

Allgemeine Verbreitung

Der Berg-Haarstrang kommt in Süd- und Mitteleuropa, in Spanien und Portugal selten und nordwärts bis Südschweden und zu den baltischen Gebieten vor. Ostwärts reicht sein Areal bis Russland (Wolga). Der Berg-Haarstrang ist ein temperat-submediterran-kontinentales Florenelement. Es gibt Fundortangaben für Portugal, Spanien, Andorra, Frankreich, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Dänemark, Schweden, Litauen, Lettland, Estland, das europäische Russland, Tschechien, Polen, der Kaukasusraum, Belarus, Ukraine, Moldawien, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro.<ref name="Euro+Med" /> Der Berg-Haarstrang ist in Mitteleuropa nur stellenweise verbreitet. Er steigt in Tirol und Graubünden bis zu einer Höhenlage von 1300 Meter auf, im oberen Veltlin bei Bormio erreicht er 1620 Meter, im Kanton Wallis 1550 Meter und im Aostatal 1860 Meter.<ref name="Thellung1965" />

Verbreitung in Deutschland

Datei:Peucedanum oreoselinum Herbar.jpg
Herbarbeleg (bitte keine Pflanzenteile aus Naturbeständen entnehmen)
Datei:Peucedanum oreoselinum Stgbl Herbar.jpg
Herbarbeleg eines Stängelblattes

Peucedanum oreoselinum ist im Osten Deutschlands sowie in Bayern relativ verbreitet zu finden. In den meisten anderen Gegenden fehlt er.

Standortansprüche

Peucedanum oreoselinum wächst an lichtreichen, kalkreichen, trockenen bis mäßig trockenen Standorten. Der Berg-Haarstrang gedeiht meist auf Lockerböden (Sand, Löß u. ä.), kaum einmal auf festem Kalkstein oder skelettreichem Kalkverwitterungsboden. Er kommt in niederwüchsigen Staudenfluren an Waldrändern, an Böschungen, auch an Dämmen und im Halbschatten von Kiefernbeständen vor. Der Berg-Haarstrang ist pflanzensoziologisch in Mitteleuropa eine Charakterart des Geranio-Anemonetum silvestris aus dem Verband Geranion sanguinei; er kommt auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Erico-Pinion, des Cytiso-Pinion oder des Potentillo albae-Quercion petraeae vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+w (trocken aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1763 unter dem Namen (Basionym) Athamanta oroslinum durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 244. Diese Art wurde 1794 durch Conrad Moench in Methodus Plantas Horti Botanici et Agri Marburgensis, Seite 82 als Peucedanum oreoselinum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moench in die Gattung Peucedanum gestellt. Weitere Synonyme für Peucedanum oreoselinum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Moench sind Oreoselinum nigrum <templatestyles src="Person/styles.css" />Delarbre und Selinum oreoselinum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Crantz.<ref name="Euro+Med" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="InfoFlora"> Peucedanum oreoselinum (L.) Moench In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand (2011+): Apiaceae. Datenblatt Peucedanum oreoselinum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Thellung1965"> Albert Thellung: Umbelliferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. S. 1386–1389. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien