Polizeihubschrauber
Polizeihubschrauber sind Hubschrauber einer Polizei, die als Führungs- und Einsatzmittel genutzt werden. Sie bieten u. a. hohe Geschwindigkeit und Unabhängigkeit vom Zustand des Geländes. Außerdem kann man mit ihnen große Geländeflächen schnell nach Personen, Gegenständen oder Fahrzeugen absuchen.
Einsatzprofile
Polizeihubschrauber werden vor allem bei polizeilichen Einsätzen verwendet. Dies umfasst unter anderem:
- Lokalisierung von flüchtigen oder vermissten Personen beziehungsweise Fluchtfahrzeugen (mobile Lagen),
- Erfassung des Verkehrsgeschehens im Straßenverkehr, vor allem bei extrem stark frequentierten Autobahnen zur Hauptreisezeit,
- Lieferung von Beweismaterial durch Foto- und Videografie,
- Erfassung von Verbreitung bestimmter Substanzen oder Ereignissen im Umwelt- und Naturschutz (z. B. Gewässerverschmutzung, Waldbrände),
- Aufspüren von Ereignisorten wie beispielsweise eine Absturzstelle eines Flugzeuges,
- Rettung von Verunglückten im Gebirge oder unwegsamen Gelände,
- Transport von Personen wie z. B.
- verletzte, schwer erkrankte oder in Sicherheit zu bringende Personen,
- Spezialeinheiten, z. B. SEK-Gruppen,
- hochgestellten Politikern oder Funktionsträgern,
- Aufklärung polizeilicher Großlagen wie risikobehafteten Demonstrationen oder Staatsbesuchen.
Ferner ist auch eine Mitwirkung bei der Brandbekämpfung mittels Löschwasser-Außenlastbehälter, oft mit Unterstützung sog. Flughelfer, möglich.
Organisation in Deutschland
Die deutschen Polizeien verfügen über diverse Polizeihubschrauberstaffeln. Die Landespolizeien haben mit Ausnahme der Polizei Bremen, der Polizei im Saarland und Polizei Schleswig-Holstein je eine Polizeihubschrauberstaffel. Bei der Polizei Mecklenburg-Vorpommern ist die Hubschrauberstaffel – zwei Eurocopter EC 135 – Teil der Wasserschutzpolizei Mecklenburg-Vorpommern. Bei der Polizei Hessen und Polizei Nordrhein-Westfalen lautet die Bezeichnung Polizeifliegerstaffel, da hier jeweils zwei Flächenflugzeuge zum Einsatz kommen.
Die größte Flotte einer Polizei in Deutschland hat die Bundespolizei. Die größte Flotte einer Landespolizei hat die Polizeifliegerstaffel Nordrhein-Westfalen mit sieben Hubschraubern und zwei Flächenflugzeugen. Die größte Hubschrauberflotte einer Landespolizei hat die Polizeihubschrauberstaffel Bayern mit acht Maschinen.
Die Bundespolizei verfügt über die Bundespolizei-Fliegergruppe mit Sitz in Sankt Augustin und ist die vorgesetzte Dienststelle für den Flugdienst der Bundespolizei. Ihr unterstellt sind vier Bundespolizei-Fliegerstaffeln mit Sitz in Fuhlendorf, Blumberg, Fuldatal, Oberschleißheim, der Luftfahrtbetrieb (früher: Bundespolizei-Fliegerstaffel Sankt Augustin) sowie der in Sankt Augustin ansässige Instandhaltungsbetrieb (früher: Zentrale Instandhaltungsstaffel ZIST) und die Luftfahrerschule für den Polizeidienst in Bonn-Hangelar. Im Jahresbericht 2023 der Bundespolizei wird die Gesamtanzahl der Hubschrauber mit 94 Stück angegeben. Darin sind 18 orange Hubschrauber vom Typ Eurocopter EC135 T2+ für den Katastrophenschutz und Rettungsdienst enthalten.<ref>Jahresberichte der Bundespolizei (Annual Reports). In: https://bundespolizei.de. Bundespolizeipräsidium, 1. Mai 2023, abgerufen am 7. Oktober 2025.</ref>
Die Hubschrauberbesatzung besteht beim Flug nach Sichtflugregeln (VFR) in der Regel aus einem Piloten und einem Flugtechniker – früher: Bordwart, beim Flug nach Instrumentenflugregeln (IFR) immer aus zwei Piloten und gegebenenfalls zusätzlich einem Flugtechniker bzw. einem sog. Operator, welcher die Wärmebildkamera bedient.
Liste der Hubschrauberstaffeln der Bundespolizei und Landespolizeien
Die Bundespolizei und die Bundesländer unterhalten folgende Hubschrauberstaffeln (Stand März 2012<ref>Karl Schwarz: Fliegende Streifenwagen – Polizeihubschrauberstaffeln in Deutschland. Flug Revue 2/2012, S. 34 ff.</ref> mit späteren Ergänzungen):
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Vorfälle
- Im Juli 1974 stürzte in Mannheim eine Alouette II der Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg ab, wobei drei Beamte ihr Leben verloren.<ref>Peter W. Ragge: Warum vor 50 Jahren ein Polizeihubschrauber über Mannheim abstürzte. In: https://www.mannheimer-morgen.de. MANNHEIMER MORGEN GmbH, 14. Juli 2024, abgerufen am 15. März 2026.</ref>
- Am 4. Juni 1978 stürzte eine Alouette III (Kennzeichen D-HAMS) der Polizeifliegerstaffel NRW etwa 80 Meter neben der Autobahn A1 in der Nähe des Kamener Kreuzes ab, nachdem der Hauptrotor und das Hauptrotorgetriebe ausgefallen waren. Zwei Beamte kamen ums Leben.<ref>Sunday 4 June 1978 // SA 319B Alouette III // D-HAMS. In: https://aviation-safety.net. Flight Safety Foundation, 2025, abgerufen am 25. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Am 24. November 1979 stürzte eine MBB BO 105C (Kennzeichen D-HAIY) der Polizeifliegerstaffel Hessen bei einem tragischen Flugunfall nahe Nackenheim in den Rhein. Alle 3 Besatzungsmitglieder kommen beim Absturz ums Leben.<ref>Contacted the water of River Rhine near Trebur and crashed. In: https://aviation-safety.net. Flight Safety Foundation, abgerufen am 14. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 6. August 1996: Absturz einer MBB BO 105 der Polizeihubschrauberstaffel Hamburg in die Lübecker Bucht bei einer Übung. Alle fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.<ref>taz, die tageszeitung vom 7. August 1996: Fünf Tote bei Hubschrauberunglück</ref>
- Am 7. Dezember 1998 verunglückte eine Bell 212 (Kennzeichen D-HBWP) der der Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg im dichten Schneegestöber auf dem Gelände der amerikanischen Streitkräfte auf dem Stuttgarter Flughafen. Bei dem Unglück wurden der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring sowie die beiden Piloten verletzt.<ref>Wolf-Dieter Obst: Fliegende Polizisten im Anflug. In: https://www.stuttgarter-nachrichten.de. Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH, 25. Juli 2015, abgerufen am 15. März 2026.</ref>
- 24. November 1999: Absturz einer EC135P1 (Kennzeichen D-HMVB) der Polizeihubschrauberstaffel Mecklenburg-Vorpommern in der Nähe des Stavenhagener Ortsteils Basepohl nach einer Kollision mit Bäumen. Tödlich verletzt wurden drei der vier Besatzungsmitglieder.<ref>Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung: Untersuchungsbericht 3X280-0/99. (PDF, deutsch, 948 kB) Februar 2001, abgerufen am 1. November 2021.</ref>
- 17. Januar 2005: Absturz eines Sokol W-3A der Polizeihubschrauberstaffel Sachsen nahe Thalheim. Zwei der fünf Menschen an Bord kamen ums Leben.<ref>Spiegel Online vom 17. Januar 2005: Retter verunglückten bei Suche nach suizidgefährdeter Frau</ref>
- November 2007: Notlandung eines MD 900 (Kennzeichen D-HPNB, Rufzeichen Phoenix 92) der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen beim Rückflug von einem Einsatz. Ursache des Unfalls mit drei leicht Verletzten war ein technischer Defekt am NOTAR-System. An der Maschine entstand Totalschaden.<ref>Untersuchungsbericht 3X182-0/07, Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, abgerufen am 15. Dezember 2017 (PDF, deutsch, 262 kB).</ref>
- Januar 2010: Absturz eines MD 902 (Kennzeichen D-HPND, Rufzeichen Phoenix 94) der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen auf einem schneebedeckten Acker nahe Elze (Wedemark) während eines Übungsflugs. Ursache des Unfalls mit drei leicht Verletzten war ein Pilotenfehler, vermutlich durch „diffuse Lichtverhältnisse“ (Whiteout). An der Maschine entstand Totalschaden.<ref>Untersuchungsbericht 3X002-10, Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, abgerufen am 15. Dezember 2017 (PDF, deutsch, 482 kB).</ref>
- 10. Mai 2011: Absturz eines MD 900 der Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg in Engelsbrand bei Pforzheim. Drei Personen an Bord wurden schwer verletzt, der Hubschrauber zerstört.<ref>Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung: Untersuchungsbericht zu einem Flugunfall mit einem Hubschrauber nahe Engelsbrand. Untersuchungsbericht</ref>
- März 2013: Flugunfall am Berliner Olympiastadion
- Februar 2016: Absturz eines EC 135 T2+ (Kennzeichen D-HVBB) der Bundespolizei in Bimöhlen, nahe dem Bundespolizei-Heliport Fuhlendorf, während eines Nachtsicht-Übungsflugs. Bei dem Unfall wurden der Pilot sowie der System-Operator tödlich und der Copilot schwer verletzt, an der Maschine entstand Totalschaden. Als ursächlich nennt der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung einen „Kontrollverlust“ des steuernden Piloten über das Fluggerät.<ref>Untersuchungsbericht BFU16-0185-3X, Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, abgerufen am 28. Dezember 2018 (PDF, deutsch, 1,4 MB).</ref>
Ausrüstung
Zur polizeilichen Ausrüstung gehören in Deutschland u. a.:
- ein kreiselstabilisiertes Fernglas
- Restlichtverstärkerbrille
- Nachtsichtgerät
- BOS-Funk
- Suchscheinwerfer
- Wärmebildsichtanlage
- FLIR-Anlage
- Seilwinde
- Helicopter Laser Radar
- teilweise auch umfassendes Rettungsgerät
- teilweise eine Außensprechanlage
- Taktischer Arbeitsplatz
Österreich
Das Innenministerium betreibt an 8 Flugeinsatzstellen den Flugdienst der österreichischen Exekutive. Die Hubschrauber der Flugpolizei stehen neben den polizeilichen Aufgabenstellungen (Fahndungen, Einsätze mit dem EKO Cobra, Sicherungseinsätze bei Großveranstaltungen, …) auch für Unverletztenbergungen, Hilfseinsätze im Rahmen von Brandbekämpfungen sowie Erkundungsflüge für andere Dienststellen der Länder (Lawinenwarndienst, Geologische Untersuchungen nach Felsstürzen, …) zur Verfügung. Neben verschiedenen Typen der Firma Eurocopter (21 Stück) ist auch ein Bell 206 B JetRanger im Einsatz.<ref>Stefanie Grüssl et al.: Flugpolizei in Österreich einst und jetzt. Bundesministerium für Inneres, Abteilung II/7, Wien 2015, abgerufen am 10. Januar 2018.</ref>
- Standorte
Die Standorte der Flugpolizei werden als Flugeinsatzstellen (FESt) bezeichnet. Größter Standort ist die Flugeinsatzstelle Wien-Meidling, wo sich auch die Zentrale der österreichischen Flugpolizei sowie die eigene Hubschrauberflugschule des Bundesministeriums für Inneres befindet. Der FESt Wien ist auch als einziger Flugeinsatzstelle Österreichs eine Außenstelle angegliedert, die sich seit 2010 am Flughafen Wien befindet und unter anderem Flughafenüberwachungsflüge absolviert.
- FESt Wien (Meidlinger Kaserne)
- Außenstelle Schwechat (Flughafen Wien)
- FESt Linz (Flughafen Linz)
- FESt Salzburg (Flughafen Salzburg)
- FESt Innsbruck (Flughafen Innsbruck)
- FESt Hohenems (Flugplatz Hohenems-Dornbirn)
- FESt Klagenfurt (Flughafen Klagenfurt)
- FESt Graz (Flughafen Graz)
Schweiz
Der Helikopter der Kantonspolizei Zürich ist der einzige Polizeihubschrauber in der Schweiz. Er ist seit dem Jahr 2015 im Einsatz.<ref>Zwei-Jahres-Bilanz zeigt: Einziger Polizeihelikopter der Schweiz muss immer öfter in die Luft, Limmattaler Zeitung vom 13. September 2017, abgerufen am 31. Januar 2021</ref>
Galerie
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Kawasaki MBB/Kawasaki BK 117 in West-Australien
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San Bernardino County Sheriff’s Department in Victorville (Kalifornien)
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Hubschrauber der schwedischen Polizei
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Hubschrauber der Polizei Berlin, Eurocopter EC 135
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BK 117C-1 Polizeifliegerstaffel NRW
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Mil-Mi 8 T D-HOZH (ehemals Polizei)
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AS 332 L1 Super Puma der Bundespolizei
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Bell HH-1H Iroquois der Löscheinheit des Ventura County Sheriff Departments (Kalifornien)
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Österreichischer Polizeihubschrauber Eurocopter EC 135
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Bell 429 der Polisflyget (Polizei Schweden)
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EC 135 P3 der Polizeihubschrauberstaffel Bayern
Weblinks
Einzelnachweise
<references />