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Fazioli

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Firmenlogo
Datei:Fazioni F308, Showroom Milano.jpg
Fazioli-Flügel im Mailänder Ausstellungsraum
Datei:Bonn, Collegium Leoninum, Alte Kirche, Orgel (2).jpg
Fazioli F308 in der Alten Kirche des Collegium Leoninum Bonn

Fazioli ist ein italienischer Hersteller von hochwertigen Konzertflügeln.

Geschichte

Vorgeschichte und Gründung

Nach seiner Ausbildung als Pianist und Ingenieur stieg Paolo Fazioli zunächst in die Möbelmanufaktur seiner Familie ein.<ref name=":0">Flügelkampf - brand eins online. Abgerufen am 31. Oktober 2021.</ref> Parallel entwickelte er die Idee, ein neues Piano zu entwickeln, weil er nach eigener Aussage „auf dem Markt […] kein Instrument fand, das seinem Klangideal entsprach“.<ref name=":2">Jürg Meier: Paolo Fazioli - Faszination Klavierklang. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Dezember 2004, abgerufen am 31. Oktober 2021.</ref>

Mit einigen Klavierbauern, Akustikern, Musikern und Holzexperten entwickelte er eine Reihe von konstruktiven Änderungen, die zu einem ersten Konzertflügel (dem Model F183) im Juni 1980 führten.<ref name=":0" /><ref name=":1">FAZIOLI - The history. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Oktober 2021; abgerufen am 31. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fazioli.com</ref> Im gleichen Jahr folgten noch der kleinere F156 sowie der F278, der für den Konzertsaal konzipiert war. Im Januar 1981 folgte schließlich die Gründung des Unternehmens. Die Fertigung von zunächst nur rund 24 Pianos pro Jahr fand in der familieneigenen Möbelfabrik in Sacile (Friaul-Julisch Venetien) statt und nutzte die dort vorhandenen technischen und handwerklichen Ressourcen.

Vervollständigung der Produktpalette und Wachstum

Ende des Jahres 1981 begann die Arbeit am Modell F228. Schließlich folgten im Jahr 1987 der F212 sowie der F308 als größtes Modell. Durch Erweiterungen der Produktionsfläche wuchs die Produktionskapazität im Jahr 1993 auf 72 Pianos pro Jahr.<ref name=":1" />

Im Jahr 2001 wurde das in direkter Nachbarschaft zur bestehenden Fabrik neugebaute Werk eröffnet, so dass die Produktion auf etwa 150 Instrumente pro Jahr erweitert werden konnte. Neben der Manufaktur und klimatisierten Räumen für die Trocknung des Holzes wurden auch Akustiklabore sowie der 2004 eröffnete Konzertsaal erbaut, in dem die Instrumente auch getestet und intoniert werden.<ref name=":0" /><ref name=":1" />

Bis 2016 wurde die Manufaktur nochmals vergrößert, so dass mittlerweile die Kapazität von 150 bis 170 Pianos pro Jahr erreicht ist.<ref name=":1" /> Ein Wachstum über 200 Pianos pro Jahr ist nach Aussage von Fazioli nicht angestrebt, da die Qualität des ausschließlich handwerklichen Herstellungsprozesses nicht beliebig skaliert werden kann.<ref name=":0" /><ref>Martin Preisser: Luca Fazioli redet über die Zukunft der italienischen Konzertflügel-Marke Fazioli. Abgerufen am 3. Mai 2022.</ref>

Fabrikation und Technik

Für die weitgehend in Handarbeit gefertigten Flügel werden hochwertige Materialien verwendet. So bestehen die Resonanzböden aus dem Holz der Rotfichte aus dem Fleimstal, aus dem schon der Geigenbauer Antonio Stradivari Material bezog. Die dortigen Bäume wachsen aufgrund der klimatischen Bedingungen extrem langsam und bilden dabei eine sehr gleichmäßige Maserung aus.<ref>Fine-tuning the art of piano-making with Paolo and Luca Fazioli. Abgerufen am 10. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Fazioli baut zurzeit (Stand 2020<ref>F308. Fazioli</ref>) sechs Flügelmodelle in den Längen 156, 183, 212, 228, 278 und 308 cm. Letzterer mit der Typenbezeichnung F308 ist der bislang längste Serienflügel der Welt. Er ist außerdem mit vier Pedalen statt der üblichen drei erhältlich. Das vierte, links der üblichen drei angebrachte Pedal übernimmt die Technik des Piano-Pedals beim Pianino. Es bewirkt, dass die Hämmer in Ruhelage näher an die Saiten herangeführt werden, und erleichtert dadurch das Spiel im Pianissimo, ohne (wie das beim Verschiebungs- oder Una-Corda-Pedal geschieht) die Klangfarbe zu verändern.

Als Alleinstellungsmerkmal verfügen sie über eine stimmbare Duplex-Skala, wobei Messingstege zum Ablängen der passiv mitschwingenden Saitenteile versetzt werden können. Hierdurch werden, neben der gewöhnlichen Klavierstimmung, auch die mitschwingenden Aliquottöne stimmbar.<ref>Bauliches Konzept. Fazioli, abgerufen am 22. Mai 2020.</ref><ref>Klavierbau bei Fazioli in Sacile. ORF, abgerufen am 22. Mai 2020.</ref>

Klangbild

Paolo Fazioli beschreibt als sein Klangideal, dass „die einzelnen Töne eines Akkords hörbar bleiben“ sollen und er eine lange Klangdauer vor allem in der Mittellage erreichen möchte.<ref name=":2" /> Die Bässe werden auch bei kleinen Flügelmodellen als „satt klingend“ bezeichnet.<ref name=":2" />

Stephen Carver, der Chef-Klaviertechniker der Juilliard School vergleicht Fazioli- mit Steinway-Pianos so: „Fazioli-Klaviere sind sehr gut verarbeitet und haben eine klare, glockenartige Präsenz und eine gleichmäßige Klanglinie [...], Steinways haben eine dunklere Klangfarbe, die manche als reicher als den Fazioli-Sound bezeichnen würden.“<ref></ref> Seiner Meinung nach variieren Steinways auch in der Qualität und sind etwas schwieriger zu spielen als Faziolis.<ref></ref>

Verbreitung

Fazioli setzte von Anfang auf namhafte Pianisten als Multiplikatoren. So spielte bereits 1981 Nikita Magaloff ein öffentliches Konzert auf dem neu entwickelten F278.<ref>FAZIOLI - The history. In: Fazioli. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Oktober 2021; abgerufen am 2. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fazioli.com</ref> Alfred Brendel wählte auf seiner Italientournee 1987 einen Flügel von Fazioli. Trotzdem wurde Fazioli bis Anfang der 2000er-Jahre als „exklusive Nische“ und „ausserhalb von Fachkreisen [...] ein Geheimtipp“ bezeichnet.<ref>Klavierbau - ein romantisches Geschäft? In: Neue Zürcher Zeitung. 23. April 2003, abgerufen am 2. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 2003 schrieb der Economist, dass einige Künstler mittlerweile glauben, Fazioli mache die besten Pianos der Welt.<ref></ref>

In Folge schaffte es Fazioli, sich auch in kleinem Maßstab in Institutionen wie der Juilliard School in New York zu etablieren – teilweise gegen den heftigen Widerstand von Steinway & Sons.<ref name=":0" />

Auch bei Wettbewerben mit freier Auswahl des Piano-Modells konnte sich Fazioli seither positionieren, etwa 2010 beim Internationalen Chopin-Wettbewerb, wo der drittplatzierte Daniil Trifonov in allen drei Runden einen Flügel von Fazioli spielte, oder bei der Arthur Rubinstein International Piano Master Competition in Tel Aviv 2011 (5 von 6 Finalisten mit Fazioli) und 2017 (3 von 6 Finalisten).<ref>Fazioli 278. In: Pianist Magazine. Abgerufen am 2. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bei der Scottish International Piano Competition 2017 spielten alle drei Finalisten Fazioli.<ref>Scottish International Piano Competition 2017 Final at Glasgow Royal Concert Hall. Abgerufen am 2. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Beim Internationalen Chopin-Wettbewerb 2021 wählten 8 von 87 Teilnehmern Fazioli, darunter der spätere Sieger Bruce Liu.<ref>The Chopin Piano Competition, October 17: which piano to choose? Abgerufen am 2. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Trotzdem werden die Instrumente dieses Herstellers auf Konzertbühnen nach wie vor deutlich seltener gespielt als die der Konkurrenten Steinway & Sons, Steingraeber oder Bösendorfer. Prominente Fazioli-Pianisten sind u. a. Benny Andersson, Nick Cave, Herbie Hancock, Angela Hewitt, Anastasia Huppmann, Jan Mulder, Nikolai Demidenko, Roberto Prosseda, Markus Schirmer und Maurizio Baglini, der gleichzeitig Artdirector von Fazioli ist. Dennoch gehört die Marke zusammen mit C. Bechstein, Blüthner, Bösendorfer, Steingraeber, Petrof, Yamaha und Steinway & Sons zur Spitzenklasse im Bereich der Klaviere und Flügel.<ref>Piano Buyer: A Map of the Market For New Pianos (‘Ratings’). In: Piano Buyer. Piano Buyer Press LLC., 13. Juni 2022, abgerufen am 12. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Weblinks

Commons: Fazioli Pianoforti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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