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Berg-Platterbse

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Berg-Platterbse
Datei:Lathyrus linifolius 01.jpg

Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Platterbsen (Lathyrus)
Art: Berg-Platterbse
Wissenschaftlicher Name
Lathyrus linifolius
(Reichard) Bässler

Die Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius)<ref name="FloraWeb" /> ist eine Pflanzenart aus der Gattung Platterbsen (Lathyrus) in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Beschreibung

Datei:Lathyrus montanus Sturm18.jpg
Illustration
Datei:Lathyrus linifolius.jpeg
Detailaufnahme der Blüten
Datei:Lathyrus linifolius in Aveyron (26).jpg
Hülsenfrüchte

Erscheinungsbild und Blatt

Die Berg-Platterbse ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Von der dünnen, stielrunden, knotigen Grundachse gehen knollig angeschwollene Bodenausläufer aus. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl.<ref name="InfoFlora" /> Der niederliegende, aufsteigende oder aufrechte Stängel ist meist 15 bis 30,<ref name="InfoFlora" /> selten bis zu 60 Zentimeter lang,<ref name="FloraWeb" /><ref name="FloraVascular" /> einfach oder im unteren Bereich verzweigt, dünn, mit zwei deutlichen 0,3 bis 1,5 Millimeter breiten<ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraVascular" /> Flügeln und mit diesen 3 bis 4 Millimeter breit.

Die fünf bis sieben wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist geflügelt.<ref name="FloraWeb" /> Die Laubblätter sind kürzer oder länger als die Stängelinternodien, Die gefiederte Blattspreite enthält zwei oder vier Paar Blättchen und eine schmal geflügelte, in eine meist deutliche Grannenspitze auslaufende Spindel, ohne Ranke.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> Die Blättchen sind bei einer Länge von 2 bis 5 oder 3 bis 7 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 8 Millimetern<ref name="FloraWeb" /> meist länglich-elliptisch bis lanzettlich, selten breit-elliptisch oder linealisch mit spitzem oder gerundetem und kurz bespitztem oberen Ende. Die Blättchen besitzen eine Nervatur aus drei bis sieben schwachen, netzig verbundenen Längsnerven. Die Blättchen sind beiderseits matt, oberseits trüb-dunkelgrün und unterseits heller bläulichgrün gefärbt. Die Berg-Platterbse variiert insbesondere in der Breite und Länge der Blättchen. Die Nebenblätter sind mit einer Länge von 5,5 bis 30 Millimetern<ref name="FloraVascular" /> mehr oder weniger so lang bis doppelt so lang wie die Blattstiele, halbpfeilförmig und mit einer Breite von selten 1,3 bis, meist 2,2 bis 11,5 Millimetern<ref name="FloraVascular" /> etwa so breit wie die Blättchen, mit meist kurzen Öhrchen und oft schwach gezähnt.<ref name="FloraVascular" />

Blütenstand und Blüte

Die Blütezeit reicht von April bis Juni<ref name="FloraWeb" /> und sie blüht oft noch einmal im Herbst. Der Blütenstandsschaft ist mit einer Länge von 4 bis 9, selten bis zu 11,4 Zentimetern relativ lang und meist viel länger als das darunterliegende Blatt.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraVascular" /> Die traubigen Blütenstände sind etwa so lang bis fast doppelt so lang wie die Laubblätter, besitzen eine dünne, meist bogige Achse und enthalten drei bis fünf, selten bis zu sechs<ref name="FloraWeb" /> Blüten.<ref name="FloraVascular" /> Die Tragblätter sind zu kleinen Schuppen verkümmert. Der Blütenstiel ist meist 2 bis 4 (3 bis 6,5<ref name="FloraVascular" />) Millimeter lang.<ref name="HegiGams1964" />

Die zwittrige<ref name="FloraWeb" /> Blüte ist bei einer Länge von 11 bis 15 Millimetern zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist glockig, am Rücken etwas ausgesackt, violett oder purpurbraun überlaufen und endet in breit-lanzettlichen Kelchzähnen; deren untere etwa so lang wie die 2,4 bis 4 Millimeter lange Kelchröhre<ref name="FloraVascular" /> und viel länger als die oberen sind. Die Krone ist hell-purpurfarben, am Grund mehr oder weniger grünlich; sie verfärbt sich beim Verblühen hellblau bis grünlich<ref name="FloraWeb" /> und beim Trocknen leicht rostrot. Die Kronblätter stehen in der typischen Form einer Schmetterlingsblüte zusammen. Die Fahne ist 11 bis 19 Millimeter lang sowie 8 bis 15 Millimeter breit;<ref name="FloraVascular" /> sie besitzt eine fast kreisrunde, scharf aufgerichtete Platte. Die Flügel sind selten 9,5 bis, meist 11 bis 15 Millimeter lang sowie 3,5 bis 5,5 Millimeter breit.<ref name="FloraVascular" /> Das Schiffchen ist 9 bis 12,5 Millimeter lang sowie 3,4 bis 4,5, selten bis zu 5 Millimeter breit<ref name="FloraVascular" /> und fast rechtwinklig aufgebogen.<ref name="HegiGams1964" /> Die Staubbeutel sind 0,5 bis 1 Millimeter lang.<ref name="FloraVascular" /> Das einzige Fruchtblatt ist kahl.<ref name="FloraVascular" /> Der Griffel ist 3 bis 5 Millimeter lang.<ref name="FloraVascular" />

Frucht und Samen

Die Hülsenfrüchte sind bei einer Länge von 3 bis 4, selten bis zu 5 Zentimetern<ref name="FloraWeb" /><ref name="FloraVascular" /> sowie einem Durchmesser von meist 4 bis 5, selten bis zu 9 Millimetern elliptisch<ref name="FloraVascular" /> oder fast stielrund, kurz geschnäbelt, glatt, reif lederbraun bis schwarzbraun gefärbt und enthält meist sechs bis zehn (8 bis 14<ref name="FloraVascular" />) Samen.<ref name="InfoFlora" /> Die Samen sind bei einer Länge von 2,5 bis 4,5 Millimetern sowie einer Breite von 2 bis 3,5 Millimetern<ref name="FloraVascular" /> mehr oder weniger kugelig,<ref name="FloraVascular" /> glatt und ocker- bis rötlichgelb gefärbt.

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 14 vor.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraVascular" /><ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Die Berg-Platterbse ist ein mesomorpher Rhizom-Geophyt und ein Hemikryptophyt.<ref name="FloraWeb" /> Die Rhizomknollen entstehen dadurch, dass das hypokotyle Stängelglied und der unterste Teil des Epikotyls anschwellen und eine erste Knolle bilden. Aus den Keimblattachseln gehen dann die ersten Bodenausläufer hervor, die sich verzweigen und an den Verzweigungsstellen bis zu walnussgroße sehr harte Knollen bilden.<ref name="HegiGams1964" />

Blütenökologisch handelt es sich um Schmetterlingsblumen vom Fabaceentyp mit Schnelleinrichtung. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Als Belohnung für Bestäuber ist Nektar vorhanden. Bestäuber sind Hymenopteren.<ref name="FloraWeb" /> Die Blüten sind homogam, es sind also gleichzeitig männliche und weibliche Blütenorgane fertil.<ref name="FloraWeb" /> Die Befruchtung erfolgt fakultativ xenogam, es erfolgt meist Fremdbefruchtung, selten Selbstbefruchtung.<ref name="FloraWeb" /> Es liegt Selbstkompatibilität vor; Selbstbefruchtung führt also erfolgreich zum Samenansatz.<ref name="FloraWeb" /> Die Blütenkronen unterliegen beim Verblühen einem Farbwechsel von hell-purpurfarben nach hellblau bis grünlich, beim Trocknen werden sie sogar leicht rostrot. Mit diesem Farbwechsel ist ein Rückgang der Produktion von Nektar verbunden. Man nahm früher an, lernfähige Insekten würden den Zusammenhang erkennen und deshalb ältere Blüten meiden, doch könnte der geringere Blütenbesuch auch mit dem zunehmend leichteren Abfall der alternden Blütenkrone im Zusammenhang stehen.

Die Samen sind meist Diasporen. Ihre Ausbreitung erfolgt meist durch Autochorie.<ref name="FloraWeb" /> Im Boden entwickelte Früchte reifen dort aus; man nennt dies Erdfrüchtigkeit oder Geokarpie.

Vorkommen und Gefährdung

Lathyrus linifolius ist in Europa und Nordafrika verbreitet. Es gibt Fundorte im nördlichen Algerien, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien, in den Niederlanden, im Vereinigten Königreich, in Irland, Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in Italien, in der früheren Tschechoslowakei, im früheren Jugoslawien, in Ungarn, Polen, Albanien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Estland, Litauen und Lettland.<ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" /><ref name="IUCN" /> Lathyrus linifolius kommt in Europa, vor allem im westlichen und mittleren Teil vor. Nach Osten kommt sie etwas seltener vor. Auf der Iberischen Halbinsel kommt sie besonders im nördlichen und zentralen Teil vor; sie wächst dort in Höhenlagen von 50 bis 1800 Metern.<ref name="FloraVascular" />

Lathyrus linifolius ist in Mitteleuropa ziemlich verbreitet. In Deutschland (vor allem in Bayern) ist die Berg-Platterbse ziemlich verbreitet; sie fehlt jedoch im nordwestlichen Flachland und weitgehend südlich der Donau.

Die Berg-Platterbse wächst meist herdenweise in Heiden und Magerwiesen, in lichten saueren Eichenwäldern oder Eichen-Buchenwäldern, an Waldrändern und in lichten Wäldern. Sie gedeiht meist auf kalkarmen bis kalkfreien Böden. Pflanzensoziologisch ist sie in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Quercetalia roboris, kommt in höheren Lagen aber auch im Verband Violion caninae oder Polygono-Trisetion vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie steigt im Puschlav bis zu einer Höhenlage von 2100 Metern auf.<ref name="HegiGams1964" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

In der roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN wird Lathyrus linifolius 2018 als LC = „Least Concern“ = „nicht gefährdet“ bewertet.<ref name="IUCN" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1782 unter dem Namen (Basionym) Orobus linifolius durch Johann Jacob Reichard in Hanauisches Mag., Band 5, S. 26. Die Neukombination zu Lathyrus linifolius <templatestyles src="Person/styles.css" />(Reichard) Bässler wurde 1971 durch Manfred Bässler in Feddes Repertorium, Band 82, 6, S. 434 veröffentlicht.<ref name="Euro+Med" /><ref name="Tropicos" /> Das Artepitheton linifolius bedeutet „leinblättrig“. Synonyme für Lathyrus linifolius <templatestyles src="Person/styles.css" />(Reichard) Bässler sind: Orobus tuberosus <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Lathyrus macrorrhizus <templatestyles src="Person/styles.css" />Wimm, Lathyrus montanus <templatestyles src="Person/styles.css" />Bernh., Lathyrus montanus var. tenuifolius <templatestyles src="Person/styles.css" />(Roth) Garcke, Lathyrus linifolius <templatestyles src="Person/styles.css" />(Reichard) Bässler var. montanus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bernh.) Bässler.<ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" /><ref name="IUCN" />

Verwendung

Die Samen können gegart gegessen werden, dabei muss beachtet werden, dass sie roh giftig sind.<ref name="PFAF" /> Die Rhizomknollen werden gekocht oder gebraten gegessen, sie schmecken gut und sind nährstoffreich.<ref name="PFAF" />

Die süßlichen, etwas kastanienartig schmeckenden, adstringierend wirkenden Rhizomknollen waren früher gegen Diarrhöe, Blutungen und Geschwüre in Gebrauch.<ref name="HegiGams1964" /> In Schottland sollen sie zerquetscht, mit Hefe einer Gärung unterworfen und daraus ein alkoholisches Getränk zubereitet worden sein.<ref name="HegiGams1964" /> Außerdem wurden sie in Hoch-Schottland auch trocken gegessen und sollen als Reise-Proviant gedient haben.<ref name="HegiGams1964" /> Der gälische Name „carra-meille“' (wörtl. „Honig-Knoten“) oder „cairmeal“ verweist etymologisch auf eine andere süßliche Pflanzenart, nämlich den Kalmus (Acorus calamus), und bildet mit diesem gemeinsam die Grundlage für das Wort Karamell.

Lathyrus linifolius gilt als wichtiger Genpool für die verwandten Nutzpflanzen-Arten.<ref name="IUCN" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="PFAF"> Lathyrus linifolius bei Plants For A Future, abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Tropicos"> Lathyrus linifolius bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Lathyrus linifolius (Reichard) Bässler In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Lathyrus linifolius (Reichard) Bässler, Berg-Platterbse. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IUCN">[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2021-3. Eingestellt von: J. Rowe, A. Shehadeh, N. Maxted,, 2018. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Euro+Med"> ILDIS World Database of Legumes, 2010. Datenblatt In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi, Helmut Gams: Familie Leguminosae. S. 1580–1582 In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, Band IV, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1964. </ref> <ref name="FloraVascular"> Datenblatt mit Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel bei Flora Vascular. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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