Zum Inhalt springen

Grillagetorte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 22. März 2026 um 04:26 Uhr durch imported>Phzh (Form, typo).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Grillagetorte.jpg
Grillagetorte

Grillagetorte (auch Grillaschtorte) ist eine Torte, deren Böden und Füllung Grillage zugesetzt wird.<ref>IREKS-Arkady-Institut für Bäckereiwissenschaft (Hrsg.): IREKS-ABC der Bäckerei. 4. Auflage. Institut für Bäckereiwissenschaft, Kulmbach 1985.</ref> Regional sind verschiedene Arten von Grillagetorten bekannt.

Grillage ist der österreichische Begriff für gestoßenen Krokant oder geröstete Mandeln,<ref>Heinz Dieter Pohl: Die österreichische Küchensprache: ein Lexikon der typisch österreichischen kulinarischen Besonderheiten (mit sprachwissenschaftlichen Erläuterungen). Praesens-Verl, Wien 2007, ISBN 978-3-7069-0452-0, S. 70.</ref> der um 1800 in der österreichischen Küchensprache in der Schreibweise Griliasch auftauchte.<ref>Die Grazer Küchensprache um 1800. (PDF) sosa2.uni-graz.at, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. August 2020; abgerufen am 23. Juli 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sosa2.uni-graz.at</ref> Der französische Begriff grillages d’amandes kann um 1757 als Fachbegriff der Confiseure nachgewiesen werden.<ref>Société des Gens de Lettres: Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers: Fo – Gy. 7. Briasson, 1757, S. 947 (google.de [abgerufen am 23. Juli 2019]): „Grillage, en termes de confiseur, est un ouvrage á qui l'on donne ce nom, parce que l'on le laisse un peu roussir sur le feu. On fait grillages d'amandes, etc.“</ref>

Schriftliche Hinweise in der Literatur weisen die Verbreitung der Grillagetorten in Böhmen (1839) bzw. Bayern (1890) nach.<ref>Maria A. Neudecker: Die Baierische Köchin in Böhmen. Verlag Kronberger und Weber, Prag, 1839, S. 453.</ref><ref>Die Süddeutsche Küche auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte mit Berücksichtigung des Thee’s und einem Anhange über das moderne Servieren nach metrischem Maß und Gewicht berechnet für Anfängerinnen sowie für praktische Köchinnen. 21., neu bearbeitete und vermehrte Auflage. Styria, Graz 1890. – archive.org, S. 689.</ref> Am Niederrhein wird sie erst Anfang des 20. Jahrhunderts greifbar.<ref name="der westen nrz grillagetorte">CHRISTIAN GERSTENBERGER: Unsere Süße. In: Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung. Funke Mediengruppe, 12. Dezember 2007, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref>

Regionale Varianten

Deutschland

Grillagetorte kann in Deutschland eine Torte sein, die mit Mokkakrem, Nougatkrem oder Ganache gefüllt wird. Der Boden besteht aus Grillagemasse – einer Wienermasse, der gestoßener Krokant oder geröstete Mandeln zugesetzt werden.<ref>IREKS-Arkady-Institut für Bäckereiwissenschaft (Hrsg.): IREKS-ABC der Bäckerei. 4. Auflage. Institut für Bäckereiwissenschaft, Kulmbach 1985.</ref> Es kann sowohl eine eingefrorene, mit Sahne gefüllte Baisertorte<ref>Berliner Kraft- und Licht AG und die Hauptberatungsstelle für Elektrizitätsanwendung eV (Hrsg.): Das elektrische Kochen. 45. Auflage. 1986, S. 470.</ref> als auch eine mit Buttercreme gefüllte Biskuittorte sein.<ref>Lebensmittellexikon. S. 737.</ref> Gemeinsam ist den Torten die Verwendung von Grillage, einer krokantähnlichen Masse aus geschmolzenem Zucker, gehackten Nüssen und Mandeln.<ref name="der westen nrz grillagetorte" />

Die Zubereitungen können sich unterscheiden.<ref>Marita van Koeverden-Göbel: Grillagetorte (Rezept). In: Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben. 7. Juni 2017, abgerufen am 20. April 2019.</ref> Bestandteile sind meist Zucker, Eiweiß, Butter, Schokolade und Nüsse. Neben Baisermasse werden oft Schichten geschlagener Sahne, unter die auch Schokoladensplitter oder Krokant gehoben sein können, verwendet.<ref name="der westen nrz grillagetorte" />

Im Kölner Raum und am Niederrhein ist Grillagetorte eine halbgefrorene Torte, die regional unter der Bezeichnung Eissplittertorte oder Havannatorte<ref>Eveline Kracht: Allererste Sahne: Café Zimmermann. In: Kölnische Rundschau. 19. November 2007, abgerufen am 20. April 2019.</ref> gehandelt wird. Sie besteht aus einem Krokantboden, auf dem ein weiterer Baiserboden liegt und der mit aromatisierter Sahne, der aufgeschlagenes Ei, Kuvertüre- und Baiserstücke untergehoben werden, bedeckt ist. Die untergezogene Eimasse nimmt der gefrorenen Sahne die Härte. Bedeckt wird die Torte mit Krokant oder gehobelter Kuvertüre. Sie ist in einem großen und scharf umrissenen Bereich am Niederrhein sowie im Kölner Raum verbreitet und außerhalb dieses Gebiets im Rheinland praktisch unbekannt.<ref>Peter Honnen: Alles Kokolores? – Wörter und Wortgeschichten aus dem Rheinland. Greven Verlag. Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0418-5, S. 89 ff.</ref><ref name="der westen nrz grillagetorte" /> Als Synonym gilt Grillaschtorte für die Grillagetorte nach niederrheinischer Art.<ref>Claus Schünemann: Technologie der Backwarenherstellung – Torten und Desserts. Hrsg.: Europa-Lehrmittel. 11. Auflage. Haan, ISBN 978-3-8057-0761-9, S. 3–4 (europa-lehrmittel.de [PDF; abgerufen am 23. Juli 2019]).</ref>

Österreich

In Österreich besteht die Grillage-Fülle aus in Staubzucker und etwas Butter gebrannten Haselnüssen, die nach dem Abkühlen gemahlen und in die Oberscreme untergehoben werden. Der Tortenboden wird aus Wienermasse mit Schokolade und feingeriebenen Mandeln gebacken und in drei geteilt. Die Tortenböden und -oberfläche werden mit der Grillagefülle eingestrichen, dann obenauf mit grobem Grillage bestreut.<ref>Franz Maier-Bruck: Das Große Sacher-Kochbuch. Wiener Verlag, 1975, S. 559–560.</ref>

Literatur

  • Andreas Storz: „… bitte mit Sahne!“ – Schlemmen – Schlecken – Schlürfen in Krefeld gestern und heute; Bilder, Geschichten und Rezepte. ISBN 3-938256-28-1.

Einzelnachweise

<references />