Patrick Moore (PR-Berater)
Patrick Moore (* 1947 in Port Alice, British Columbia, Kanada) ist ein kanadischer ehemaliger Umweltaktivist und heutiger PR-Berater. Er war bei der Entstehung von Greenpeace beteiligt und bis 1986 Präsident von Greenpeace Kanada. Moore ist inzwischen Kritiker der Umweltorganisation und ist dabei selbst ein Gründungsmitglied. 1991 gründete er das PR-Unternehmen Greenspirit, dessen Vorsitz er innehat. Tätig war Moore daneben unter anderem für das Holzunternehmen Asia Pulp and Paper.
Jugend und Zeit als Greenpeace-Aktivist
Moore wuchs in Winter Harbour auf Vancouver Island auf. Er begann an der University of British Columbia Biologie, Forstwissenschaft und Genetik zu studieren. Von 1969 bis 1972 erhielt er ein Stipendium von der Ford Foundation. In den späten 1960er Jahren wurde er ein radikaler Umweltaktivist und gründete 1971 mit Gleichgesinnten die Umweltschutzorganisation Greenpeace, um gegen Wasserstoffbombentests in Amchitka, Alaska zu protestieren. Er war Teilnehmer dieser Schiffsexpedition nach Amchitka – der ersten Greenpeace-Aktion.<ref>Greenpeace: From hippies to lobbyists (mit 47-minütigem Film), englisch, Al Jazeera, 27. Februar 2013.</ref><ref>Hunter, Robert. (1979) Warriors of the Rainbow: A Chronicle of the Greenpeace Movement. Henry Holt & Company, ISBN 0-03-043741-5 (englisch)</ref> Nach dieser ersten Reise beschlossen die wichtigsten Besatzungsmitglieder den Namen „Don’t Make a Wave Committee“ formell in „Greenpeace Foundation“ zu ändern. Zu diesen Entscheidungsträgern gehörten die Gründer Robert Hunter, Rod Marining und Ben Metcalfe sowie Patrick Moore.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The Founders of Greenpeace.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig A chat with the first Rainbow Warriors.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 7. Mai 2009 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Im Jahr 1974 erlangte er den Titel Doctor of Philosophy in Ökologie. 1977 wurde Moore Präsident der Greenpeace Foundation. Es kam zu Rechtsstreitigkeiten während dieser Zeit, welche Organisationen sich Greenpeace nennen dürfen und welche nicht. 1979 wurde daraufhin Greenpeace International gegründet. Moore blieb bis 1986 Präsident von Greenpeace Kanada (Nachfolger der Greenpeace Foundation) und wurde bis dahin auch Direktor bei Greenpeace International.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beschreibung der Laufbahn Moores auf Beatty Street Publishing Inc. ( vom 10. September 2010 im Internet Archive) (2010, englisch)</ref> In dieser Zeit wurde er zu einem der wahrnehmbarsten Greenpeace-Fürsprecher und führte mehrere bekannte Kampagnen.<ref name="APP" />
Distanzierung von Greenpeace
In seiner Zusammenarbeit mit der Politik, um seine Vorstellungen von Umweltschutz durchzuführen, kam er zunehmend in Konflikt mit Greenpeace und anderen Umweltschutzorganisationen. 1986 verließ er die Organisation. Als Begründung gab er später an, dass in den 1980ern Extremisten die Organisation übernommen hätten. Laut Tamara Stark von Greenpeace war sein Verlassen nicht unbedingt seine eigene Entscheidung.<ref name="GPAusstieg">Moores Lobbying-Aktivitäten auf lobbywatch.org (englisch)</ref> Während ihm von Seiten der Umweltaktivisten Verrat vorgeworfen wurde, kritisierte Moore die ideologischen Vorstellungen der Greenpeace-Mitglieder, die aufgrund ihrer Protesthaltung zu keinen Kompromissen bereit seien. Nach seinem Ausstieg von 1986 sei die Organisation zu einer Gruppe wissenschaftlicher Analphabeten verkommen.<ref name="GPAusstieg" />
Moore hat sich seitdem weiterhin als Umweltschützer verstanden und bekräftigte die Kritik in späteren Schriften, z. B. in seinem Buch Confessions of a Greenpeace Dropout: The Making of a Sensible Environmentalist.<ref>Patrick Moore: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Confessions of a Greenpeace founder ( vom 27. April 2011 im Internet Archive), The Vancouver Sun, 7. Januar 2011 (englisch)</ref> Er sieht eine Hinwendung der Umweltbewegung zu politischem und sozialem Aktivismus. Zudem würden Kapitalismus- und Globalisierungskritik zunehmend an Bedeutung gewinnen und naturwissenschaftliche oder ökologische Betrachtungen vernachlässigt. Dies führe beispielsweise zur Ablehnung von Forstwirtschaft, Grüner Gentechnik oder Aquakultur trotz erkennbarer Vorteile für Umweltschutz bzw. Hungerbekämpfung und sei fortschrittsfeindlich. Auch werde Armut idealisiert und als noble Lebensführung dargestellt.<ref>Jonathan Gressel: Patrick Moore, Confessions of a Greenpeace dropout: the making of a sensible environmentalist. Food Security 3, 2011, S. 269–271 (englisch)</ref>
Anschließende Aktivitäten und Ansichten
Nach der Greenpeace-Zeit gründete er das Aquakultur-Unternehmen Quatsino Seafarms, welches er 1991 nach sinkenden Lachspreisen aufgab.<ref name="APP" /> 1991 gründete Moore Greenspirit, ein PR-Unternehmen zum Thema Umweltschutz, dessen Vorsitz er innehat. Seit 2006 ist er zusammen mit Christine Todd Whitman als Vorsitzender der Clean and Safe Energy Coalition von Energieunternehmen tätig, einer Organisation, die sich für die Kernenergie einsetzt.<ref name="nyt">Matthew L. Wald: Ex-Environmental Leaders Tout Nuclear Energy, The New York Times, 25. April 2006.</ref> 2010 wurde er als Repräsentant des indonesischen Holzunternehmens Asia Pulp & Paper engagiert.<ref name="APP">George Monbiot: Why is a former Greenpeace activist siding with Indonesia’s logging industry? The Guardian, 2. Dezember 2010 (Blog, englisch)</ref> Außerdem ist er Direktor von NextEnergy Solutions, einem Unternehmen, das Anlagen zur Nutzung der Geothermie verkauft.
Moore hat neben den Greenspirit-Publikationen für mehrere Medien Artikel verfasst und Interviews gegeben. Er spricht sich für ein Ausweiten der Forstwirtschaft und das vermehrte Einsetzen von Holz als Baumaterial aus.<ref name="nyt" /> Außerdem empfiehlt er den vermehrten Einsatz von Geothermie. Moore empfahl Deutschland, die Kernkraftwerke länger laufen zu lassen und weitere zu bauen. Nur so könne das CO2-Ziel erreicht werden.<ref>Henning Krumrey: „Nicht alles mit Atom ist des Teufels“, Focus, 24. November 2008.</ref>
Gentechnik und Chemieprodukte
In der Ablehnung der Gentechnik sieht er keinen Vorteil für Mensch und Umwelt und empfiehlt den Einsatz von Golden Rice, um den Tod von Kindern durch Vitamin-A-Mangel zu verhindern.<ref name="focus-1127630">PATRICK MOORE: FORSCHUNG UND TECHNIK, MEDIZIN: Der Reis, der Leben rettet. In: Focus Online. 14. Oktober 2013, abgerufen am 14. Oktober 2018.</ref> Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der WHO über die wahrscheinliche Krebsgefahr durch Glyphosat<ref>Höhere Krebsgefahr durch weltweit verwendetes Pestizid, SZ, 24. März 2015.</ref> in Monsantos Produkt Roundup trat Moore an die Medien mit der Aussage, dass Glyphosat völlig unbedenklich sei und man es gefahrlos trinken könnte. Als der Interviewer ihm ein Glas mit Glyphosat anbot, erwiderte Moore, er sei doch kein Idiot, und brach das Interview ab.<ref>Lobbyist claims Monsanto weed killer is safe to drink, then bolts when TV host offers him a glass, Rawstory, 26. März 2015 (englisch)</ref><ref>Watch a GMO Advocate Claim a Weed Killer Is Safe to Drink but Then Refuse to Drink It, Time, 27. März 2015 (englisch)</ref>
Klimawandel
Moore ist Klimawandelleugner. Im Mai 2019 wurde er Vorsitzender der unter anderem von der Mercer Family Foundation finanzierten Klimaleugnerorganisation CO2 Coalition.<ref name="Götze Joeres">Susanne Götze, Annika Joeres: Die Klimaschmutzlobby. Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen. München 2020, S. 157f.</ref> Überdies ist er im Beratergremium des Heartland Institutes, einer Lobbyorganisation, die u. a. von der fossilen Energiewirtschaft und der Tabakindustrie finanziert wird.<ref>Trump quotes climate change denier and Green New Deal critic Patrick Moore. In: Electrek, 12. März 2019. Abgerufen am 31. Dezember 2020.</ref>
Moore behauptet, dass der Klimawandel nicht vom Menschen verursacht werde, und bestreitet, dass Kohlenstoffdioxid für den Großteil der bisher beobachteten Erderwärmung verantwortlich sei.<ref>Greenpeace co-founder Patrick Moore tells US Senate there is „no proof“ humans cause climate change. In: The Independent, 28. Februar 2014. Abgerufen am 31. Dezember 2020.</ref> Er bestreitet zudem, dass der Klimawandel eine Bedrohung darstellt, und behauptet, dass er vorteilhaft sein könnte, weil Kohlendioxid ein Baustein des Lebens sei.<ref>Greenpeace hits back at Trump tweet on climate change denial. In: BBC, 12. März 2020. Abgerufen am 31. Dezember 2020.</ref>
Moore erklärte, der Green New Deal werde zum „Ende der Zivilisation“ führen, und griff verschiedene demokratische Präsidentschaftskandidaten an, die sich für Klimaschutz einsetzten. Zudem griff er die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez an, die diesen Deal unterstützt, und nannte sie einen „wichtigtuerischen kleinen Trottel“.<ref>Who Is Patrick Moore, Fox News' New Anti-Climate Change Hero?. In: Esquire, 12. März 2020. Abgerufen am 31. Dezember 2020.</ref>
Ebenso griff Moore wiederholt die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg an, wobei er vielfach ihren Autismus betonte und sie u. a. als „bösartig“ (evil) bezeichnete. Auch nannte er Thunberg eine „Marionette“, die ihre Reden nicht selber schreibe und in Interviews keine Fragen beantworten könne, weil ihre Aussagen nicht von ihr selbst stammten. Diejenigen, die sie angeblich steuerten, verglich er mit Adolf Hitler. Darüber hinaus sprach er Thunberg das Recht auf politische Partizipation ab. Sie sei minderjährig und es gebe einen Grund, warum Sechzehnjährige nicht wählen oder Auto fahren dürften. Daher habe sie als Minderjährige „kein Recht, andere Menschen im politischen Prozess zu beeinflussen“.<ref>Climate Deniers Launch Personal Attacks on Teen Activist. In: Scientific American, 9. August 2019. Abgerufen am 31. Dezember 2020.</ref>
Nach eigenen Angaben war Moore seit 1991 etwa 50 Mal in Deutschland, um Vorträge zu halten. Unter anderem wurde er 2018 von ehemaligen FDP-Abgeordneten zu einer Vortragsreise eingeladen, wobei sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze sowie die beiden CDU-Kreisverbände Cottbus und Spree-Neiße anschlossen. Gemeinsam organisierten sie eine Veranstaltung in der Braunkohle-Region Lausitz.<ref name="Götze Joeres" /> Bei seiner Rede warf er Politik und Aktivisten Umweltpropaganda vor und behauptete im Widerspruch zum wissenschaftlichen Forschungsstand, dass die Erderwärmung natürlichen Ursprungs sei, von der Sonne verursacht werde und der Kohlenstoffdioxidanstieg in der Erdatmosphäre nicht eine Ursache, sondern vielmehr Folge des Temperaturanstiegs sei. Zudem sprach er sich für die Nutzung von fossilen Energien und Kernenergie aus, denn er wisse, dass deren Einsatz absolut sinnhaft sei. Erneuerbare Energien brächten hingegen nichts, verursachten dafür aber eine Strompreiserhöhung.<ref>Nora Marie Zaremba: Letzte Hoffnung Klimawandelskeptiker. In: Tagesspiegel, 22. Mai 2018. Abgerufen am 18. Februar 2021.</ref>
COVID-19
Im April 2020 erklärte Moore, „dass die Computermodelle für die Coronavirus-Pandemie ungefähr so genau sind wie die Computermodelle, die bei der globalen Erwärmung so kläglich versagt haben“. Dies beweise, „dass man eine chaotische, multifaktorielle, nicht-lineare Zukunft nicht vorhersagen kann.“<ref>Climate Science Deniers Turn to Attacking Coronavirus Models. In: Scientific American, 15. April 2020. Abgerufen am 31. Dezember 2020.</ref>
Bücher (Auswahl)
- Confessions of a Greenpeace Dropout. Beatty Street Publishing, Vancouver 2010, ISBN 0-9864808-2-7 (Auszug).
Weblinks
- Biografie auf eigener Website
- Patrick Moore, die Genlobby, das „Forum GRÜNE Vernunft“, der Golden Rice, die wirtschaftlichen Interessen der Genkonzerne & Wikipediamanipulation, auf der Website des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND), 23. Januar 2014
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Moore, Patrick |
| KURZBESCHREIBUNG | kanadischer Umweltaktivist |
| GEBURTSDATUM | 1947 |
| GEBURTSORT | Port Alice, British Columbia, Kanada |