Antonio Tejero
Antonio Tejero Molina (* 30. April 1932 in Alhaurín el Grande, Provinz Málaga; † 25. Februar 2026 in Valencia<ref>Colonel Tejero, author of the last coup attempt in Spain, dies. In: ilsole24ore.com. 25. Februar 2026, abgerufen am 25. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) war ein Oberstleutnant der spanischen Guardia Civil (ab 1974). Er war im Februar 1981 Anführer des fehlgeschlagenen Umsturzes, des sogenannten 23-F-Putschs.<ref>Antonio Tejero Spanischer Putschistenführer gestorben, Hans-Christian Rößler, Frankfurter Allgemeine Zeitung 26. Februar 2026 </ref><ref>Anwalt: Anführer des gescheiterten Putsches von 1981 in Spanien gestorben, Der Stern 26. Februar 2026</ref>
Leben
Militärkarriere
Antonio Tejero trat 1951 in die Guardia Civil ein, eine mit der Gendarmerie vergleichbare militärische Einheit, die sowohl Landesverteidigungs- als auch Polizeiaufgaben übernimmt. Nach der Offiziersausbildung an der Militärakademie in Saragossa wurde er 1955 zum Leutnant ernannt. Im Lauf seiner Karriere war er in verschiedenen Provinzen des spanischen Festlands und auf den Kanaren stationiert. Nach seiner Beförderung zum Oberstleutnant (teniente coronel) 1974 wurde er als Chef des Stabes in der Kommandantur der Guardia Civil in San Sebastián, ab 1975 als Leiter der Kommandantur in Vitoria (beide im Baskenland) und ab 1976 als Leiter der Kommandantur erneut in San Sebastián eingesetzt. Letztere galt als schwierigster Posten der Guardia Civil in ganz Spanien, dort war Tejero für Einsätze gegen die militante baskisch-nationalistische Untergrundorganisation ETA verantwortlich.<ref>Roberto Muñoz Bolaños: Deconstruyendo la figura del ex teniente coronel Antonio Tejero Molina. In: Aportes, Jahrgang XXXI (2016), Nr. 90, S. 137–173, hier S. 143–145.</ref>
Auch nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975 und dem Beginn der Transición zur Demokratie blieb Tejero dem Ideal eines einheitlichen, zentralistischen und kastilischsprachigen Spaniens verpflichtet und lehnte regionale Autonomien sowie jede Kritik am Franco-Regime ab.<ref>Roberto Muñoz Bolaños: Deconstruyendo la figura del ex teniente coronel Antonio Tejero Molina. In: Aportes, Jahrgang XXXI (2016), Nr. 90, S. 137–173, hier S. 145.</ref> Anfang 1977 wurde er als Leiter der Kommandantur nach Málaga versetzt. Wegen Ungehorsams bereits früher wiederholt disziplinarisch belangt (u. a. Disziplinararrest), wurde er aufgrund einer Eigenmächtigkeit auch seines Postens in Málaga enthoben. Er hatte seine Truppen im Oktober 1977 angewiesen, eine vom zuständigen Zivilgouverneur erlaubte Demonstration zu verhindern, weil kurz zuvor ein Angehöriger der Guardia Civil gestorben war und deshalb nach Tejeros Ansicht ein Trauertag war, an dem niemand demonstrieren dürfe. Dank der Protektion durch José Utrera Molina, einen ehemaligen Abgeordneten und Minister der Franco-Regierung, wurde er im Februar 1978 zum Leiter der Abteilung für Einsatzorte in der Generaldirektion der Guardia Civil in Madrid ernannt. Er hatte aber keine direkte Befehlsgewalt mehr über Truppen.<ref>Roberto Muñoz Bolaños: Deconstruyendo la figura del ex teniente coronel Antonio Tejero Molina. In: Aportes, Jahrgang XXXI (2016), Nr. 90, S. 137–173, hier S. 148–149.</ref>
Operación Galaxia
Am 11. November 1978 war Tejero an der Verschwörung Operación Galaxia beteiligt und wurde dafür am 8. Mai 1980 vor ein Militärgericht gestellt und zu sieben Monaten und einem Tag Disziplinararrest verurteilt.<ref name=":0" /> Eine Degradierung erfolgte allerdings nicht.
Der 23-F-Putsch
Am 23. Februar 1981 betrat Tejero, begleitet von Angehörigen der Guardia Civil, während der Einsetzung von Leopoldo Calvo-Sotelo zum Regierungschef das Parlament und setzte die amtierende Regierung sowie die Abgeordneten fest. Als er sah, dass sein Coup fehlschlug, ergab er sich und wurde verhaftet. Dieser Putschversuch wird in Spanien auch 23-F genannt. Tejero wurde vor Gericht gestellt, zu 30 Jahren Haft wegen Rädelsführerschaft verurteilt<ref name=":0">Matthieu Trouvé: Histoire politique de l’Espagne après Franco (de 1975 à nos jours) (= Collection Parcours Universitaires – Histoire). Presses Universitaires de Bordeaux, Pessac (Bordeaux) 2024, ISBN 979-1-03001113-5, S. 106, 108.</ref> und musste die Guardia Civil verlassen.
Solidaridad Española
Er nahm 1982 – eineinhalb Jahre nach seinem gescheiterten Putschversuch – erfolglos für eine unter seiner Führung gegründete Rechtspartei namens Solidaridad Española an der Parlamentswahl teil, um als Abgeordneter Immunität zu erlangen. Dieser Plan scheiterte jedoch: Die Partei erhielt nur 0,14 Prozent der Stimmen<ref>Solidaridad Española (SE), 28.451 gültige Stimmen (0,14 %). In: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Elecciones Congreso de los Diputados Octubre 1982 ( vom 9. Februar 2009 im Internet Archive) (spanisch).</ref> und löste sich 1984 auf.
Späteres Leben
Ab September 1993 kam er in den offenen Haftvollzug; im Dezember 1996 wurde seine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt und Tejero als letzter Putschteilnehmer am 2. Dezember 1996 aus der Haft entlassen. Er lebte danach mit seinem Sohn in der Nähe von Málaga.<ref>Malaga101: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />¿Qué fue del golpista Tejero? ( vom 26. Februar 2011 im Internet Archive) (spanisch).</ref>
Anfang 2006 machte er durch einen Leserbrief an den Herausgeber der Zeitung Melilla Hoy, in dem er das katalanische Autonomiestatut kritisierte, auf sich aufmerksam.<ref>Melilla Hoy: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />¿Hasta cuándo… Zapatero? ( vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref>
Am 24. Oktober 2019 nahm er, mittlerweile 87 Jahre alt, an einer Protestkundgebung gegen die Umbettung der sterblichen Überreste des Diktators Francisco Franco in Madrid teil.<ref>Thomas Urban: Des Diktators allerletzte Ruhe. In: sz.de, 24. Oktober 2019.</ref>
Sonstiges
Auf den Putschversuch spielt auch eine Szene in dem 2014 erschienenen spanischen Animationsfilm Clever & Smart in geheimer Mission (Original: Mortadelo y Filemón contra Jimmy el Cachondo) an. Darin befiehlt Fred Clever, als Offizier der Guardia Civil verkleidet und deutlich als Antonio Tejero erkennbar, den Kandidaten einer Reality-TV-Show, sich auf den Boden zu legen, und schießt mit einer Pistole zweimal in die Decke des Fernsehstudios.
Siehe auch
Literatur
- Javier Cercas: Anatomie eines Augenblicks. Die Nacht, in der Spaniens Demokratie gerettet wurde. S. Fischer, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-10-011369-6.
Weblinks
- José Luis Barbería, Joaquín Prieto: Tres tramas en la sombra. In: El País. 21. Februar 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Sonderartikel zum 30. Jahrestag des 23-F).
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tejero, Antonio |
| ALTERNATIVNAMEN | Tejero Molina, Antonio |
| KURZBESCHREIBUNG | spanischer Polizist, Oberstleutnant der Guardia Civil |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1932 |
| GEBURTSORT | Alhaurín el Grande, Provinz Málaga |
| STERBEDATUM | 25. Februar 2026 |
| STERBEORT | Valencia |