Eiskappe
Als Eiskappe oder Plateaugletscher wird eine ausgedehnte Vergletscherung bezeichnet, die den Gipfelbereich eines Bergmassivs bedeckt oder ein anderes Untergrundrelief vollständig überdeckt. Eiskappen nehmen eine Fläche von weniger als 50.000 km² ein. Bei einer größeren Fläche wird von einem Eisschild gesprochen. Eiskappen zählen wie Eisschilde oder Piedmontgletscher zu den Deckgletschern, also Gletschern, die den Untergrund so weit überdecken, dass die Fließrichtungen des Eises nicht mehr vom Relief abhängen.<ref>Eiskappe. In: Spektrum Lexikon der Geowissenschaften. Abgerufen am 30. März 2026.</ref><ref>Plateaugletscher. In: Spektrum Lexikon der Geowissenschaften. Abgerufen am 30. März 2026.</ref><ref name="hagg2020">Wilfried Hagg: Gletscherkunde und Glazialgeomorphologie. Springer, 2020, ISBN 978-3-662-61994-0, S. 73–74, 186, 196, doi:10.1007/978-3-662-61994-0.</ref>
Im deutschen Schrifttum wird manchmal zwischen Plateaugletschern und Eiskappen unterschieden nach dem Relief, das sie überdecken: Dann wird von einem Plateaugletscher gesprochen, wenn der Gletscher einen relativ flachen Untergrund bedeckt, von einer Eiskappe, wenn das überdeckte Relief deutliche Höhenstufungen aufweist. Der Jostedalsbreen wäre ein Beispiel für einen Plateaugletscher in diesem Sinn.<ref name="hagg2020"/>
Eiskappen sind nicht wie Talgletscher durch Steilhänge oder andere topografische Gegebenheiten begrenzt, sondern flächige, kalottenförmige Strukturen, zumeist mit einem zentralen Dom als höchstem Punkt, der eine Eisscheide bildet. Das Eisfließen ist von diesem Dom weg zum Rand der Eiskappe hin gerichtet. Viele Eiskappen haben den Talgletschern ähnliche Auslassgletscher.<ref name="hagg2020"/>
Von der nach der Größe differenzierten Unterscheidung zwischen Eisschilden, die kontinentales Ausmaß haben, und den größenordnungsmäßig kleineren Eiskappen abweichend werden in globalem oder planetarem Maßstab die an den Polen der Erde oder des Mars auftretenden Eisbedeckungen auch polare Eiskappen genannt.
Beispiele für Eiskappen
Eiskappen gibt es gegenwärtig nur noch in der Nähe oder jenseits der Polarkreise.<ref name="hagg2020"/>
- Stikine-Eiskappe (Alaska und Kanada) (21.876 km²)
- Agassiz-Eiskappe (Ellesmere-Insel, Kanada) (21.000 km²)
- Eiskappe der Nordinsel (Nowaja Semlja) (19.800 km²)
- Campo de Hielo Sur (Patagonien, Chile und Argentinien) (16.800 km²)
- Austfonna (Nordostland, Spitzbergen) (8.120 km²)
- Vatnajökull (Island) (8.100 km²)
- Penny Ice Cap (Baffininsel, Kanada) (6.000 km²)
- Campo de Hielo Norte (Patagonien, Chile und Argentinien) (4.200 km²)
- Hans Tausen Iskappe (Peary Land, Nordgrönland) (4.000 bis 4.200 km²)
- Langjökull (Island) (953 km²)
- Hofsjökull (Island) (925 km²)
- Mýrdalsjökull (Island) (596 km²)
- Cook-Gletscher, Kerguelen (403 km²)
- Columbia-Eisfeld (Kanada) (325 km²)
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Eiskappe der Nordinsel (Nowaja Semlja)
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Vatnajökull (Satellitenbild der NASA)
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Penny Ice Cap auf der Baffininsel
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Southern Patagonian Ice Field (ISS-Foto)
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Northern Patagonian Ice Field
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Agassiz-Eiskappe auf der Ellesmere-Insel
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Langjökull auf Island
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Hofsjökull auf Island
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Mýrdalsjökull auf Island
Die so genannte Arktische Eiskappe ist keine Eiskappe in diesem Sinne, sondern die Packeiszone des Arktischen Ozeans.
Weblinks
Einzelnachweise
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