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Leo Wagner

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Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F039716-0006, Bonn, CDU-CSU Bundestagsfraktion.jpg
Leo Wagner (1973, von links), Richard Stücklen, Gerhard Schröder, Wilhelm Rawe

Leo Wagner (* 13. März 1919 in München; † 8. November 2006 in Günzburg) war ein deutscher Politiker (CSU). Von 1961 bis 1976 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er zählte lange Jahre zum engsten Vertrautenkreis des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß.

Leben

Leo Wagner wurde in München geboren und besuchte eine Oberrealschule. Sein Vater, zuletzt Polizeiinspektor, stammte aus Ellingen in Franken.<ref name="Munzinger">Leo Wagner im Munzinger-Archiv, abgerufen am 1. April 2021 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Nach dem Abitur 1937 studierte Leo Wagner an der Hochschule für Lehrerbildung in München und nahm dann von 1939 bis 1945 als Funker<ref>Hannes Hintermeier: „Geheimnisse des schönen Leo“: Nachts ein völlig anderer Mensch. In: FAZ.NET. Abgerufen am 1. April 2021.</ref> am Zweiten Weltkrieg teil, in dem er verwundet wurde. Er war Kriegsbeschädigter. Von 1945 bis 1961 war er Lehrer und Schulleiter der von ihm aufgebauten Volksschulen in Bubesheim und Reisensburg sowie Rektor der katholischen Volksschule in Günzburg.<ref>Wagner, Leo - Lexikon. Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juli 2007; abgerufen am 15. November 2009.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bwbs.de</ref><ref>Dr. hc. Leo Wagner. In: Geschichte der CSU. Hanns-Seidel-Stiftung, abgerufen am 1. April 2021.</ref>

Leo Wagner war in erster Ehe mit Elfriede Wagner (1922–1980) verheiratet. In der Zeit der Ehe wurden zwei Kinder, Gerd und Ruth, geboren. Er war jedoch nicht der Vater.<ref>Benedikt Schwarzer: Die Geheimnisse des schönen Leo, Dokumentarfilm der Lichtblick Film in Koproduktion mit dem WDR und dem BR, gefördert von der der Film- und Medienstiftung NRW, dem BKM und dem FilmFernsehFonds Bayern</ref><ref>Leo Wagners Witwe im Interview: „Ich habe ihn wirklich geliebt“. 13. März 2019, abgerufen am 3. Januar 2026.</ref> In zweiter Ehe war er mit Brigitte Wagner verheiratet.<ref>Till Hofmann: Der schöne schreckliche Leo Wagner und seine Intrigen kommen ins Kino. Abgerufen am 1. April 2021.</ref>

Partei und öffentliche Ämter

1946 wurde Wagner Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Günzburg, den er mit Unterstützung Fritz Schäffers 1945 mitbegründet hatte.<ref>Michael Salbaum: Die Geschichte der CSU. Hrsg.: CSU-Kreisverband Günzburg. CSU-Kreisverband Günzburg, Günzburg 1998.</ref><ref name="Munzinger" /> 1948 übernahm er das Amt des stellvertretenden Landrats. Dem Stadtrat von Günzburg gehörte er zwischen 1949 und 1964 an, dem Bezirkstag Schwaben von 1954 bis 1962, wobei er dort auch das Amt des Fraktionsvorsitzenden bekleidete. 1956 wurde er Zweiter Bürgermeister von Günzburg. Dem CSU-Bezirksverband Schwaben stand er von 1961 bis 1973 vor.

Von 1961 bis 1976 gehörte Wagner dem Deutschen Bundestag an, in dem er zwischen 1963 und 1975 parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe war. Nach der Spiegel-Affäre 1962 und dem Rücktritt von Franz Josef Strauß ebnete Wagner „in Partei, Landesgruppe und bei den Koalitionspartnern den Weg für Strauß [zurück] an den Kabinettstisch 1966“.<ref>Andreas Zellhuber (Bearbeitung), Tim B. Peters (Bearbeitung): Die CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. Sitzungsprotokolle 1949–1972. In: Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 15/I, Vierte Reihe. Droste Verlag, Düsseldorf 2011, ISBN 978-3-7700-5307-0, S. LIII.</ref><ref>Ulrich Blank: Für Strauß zur zweiten Kür bereit? In: Süddeutsche Zeitung. 13. April 1966, S. 13.</ref> Nach 14 Monaten als Abgeordneter war Wagner im Januar 1963 in derselben Landesgruppensitzung zum parlamentarischen Geschäftsführer gewählt worden, in der Strauß mit der Wahl zum Landesgruppenvorsitzenden in ein Amt zurückkehrte.<ref>Peter Schindler: 30 Jahre Deutscher Bundestag: Dokumentation, Statistik, Daten. Bonner Universitätsdruckerei, Bonn 1979, S. 116.</ref> Wagner fungierte 1968 als Herausgeber einer Sammlung von Strauß’ Bundestagsreden.<ref>Franz Josef Strauß: Bundestagsreden. Hrsg.: Leo Wagner. AZ Studio, Pfattheicher & Reichardt, Bonn 1968.</ref> Von 1971 bis 1975 war Wagner einer der fünf parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, davon ab 1972 der erste.

Nachdem Wagner 1965 die Deutsch-Koreanische Parlamentariergruppe mit ins Leben gerufen hatte, gründete er 1966 zusammen mit Max Adenauer und dem Bonner Verleger Hermann Pfatteicher die Deutsch-Koreanische Gesellschaft, deren Präsident und späterer Ehrenpräsident er wurde. Zusammen mit Gunter Sachs gründete er 1967 den Verein „Flammenpfennig“, der u. a. mit dem Verkauf von Schallplatten Geld für das Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1972 in München erlösen sollte.<ref>Pfennige auf der Platte. In: Zeit Online. 3. Januar 1969 (zeit.de [abgerufen am 2. Oktober 2018]).</ref>

Im Herbst 1973 berichtete das Wirtschaftsmagazin Capital in einer Artikelserie über „Die seltsamen Geschäfte des Abgeordneten Leo W.“, nach der Wagner für Kredite sein Mandat missbraucht haben soll. Wagners Schulden im siebenstelligen Bereich<ref>Michael H. Spreng, Richard Voelkel: Eine Million Schulden: Hoher bayerischer Politiker geisteskrank. In: Bild. Nr. 45/8, 22. Februar 1975.</ref> sollen aus hohen Ausgaben für seinen Lebenswandel und Nachtclubbesuche resultiert haben. Nachdem Anfang 1975 von ihm ausgestellte Wechsel und Schecks geplatzt waren, bat er am 29. Januar 1975 um Beurlaubung von seinen Ämtern. Am folgenden Tag erlitt er einen Nervenzusammenbruch und wurde von seinem Anwalt in ein Krankenhaus eingeliefert. Am 20. Februar 1975 erklärte er schriftlich seinen Mandatsverzicht, der jedoch wegen Unzurechnungsfähigkeit nicht anerkannt werden konnte. Am 26. Februar 1975 erstattete er Selbstanzeige wegen Betrugsverdachts<ref>Schübe in der Nacht. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1975 (online24. Februar 1975).</ref><ref>In den Wind. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1975 (online3. März 1975).</ref> und trat von seinem Posten als parlamentarischer Geschäftsführer zurück.<ref>Gerhard Mauz: Bis zu meinem Zusammenbruch … In: Der Spiegel. Nr. 43, 1980 (online20. Oktober 1980).</ref><ref>Gerhard Mauz: Er hatte einen miserablen Umgang. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1980 (online15. Dezember 1980).</ref> Wegen Kreditbetrugs wurde Wagner im Dezember 1980 zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit Bewährung verurteilt.

Misstrauensvotum 1972 und Stasi-Verbindung

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom November 2000 soll Wagner neben dem CDU-Abgeordneten Julius Steiner der zweite Unions-Abgeordnete gewesen sein, der sich 1972 beim Konstruktiven Misstrauensvotum gegen Willy Brandt der Stimme enthielt. Er habe – wie Steiner – von der Stasi für seine Stimmenthaltung 50.000 DM erhalten. Er sei ferner unter dem Decknamen „Löwe“ Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi gewesen.<ref>CSU-Spion enttarnt. In: Der Spiegel. Nr. 48, 2000 (online27. November 2000).</ref> Wagner stritt dies jedoch ab. Die bereits 1975 vom Nachrichtenmagazin Stern erhobenen Vorwürfe<ref>Gerüchte aus Bonn: Wer war der 2. Mann? In: Stern. Nr. 13, 24. März 1975, S. 179.</ref> wurden 2005 und 2006 erneut von der Presse aufgegriffen.<ref>Liebesgrüße aus Ostberlin. In: Cicero. Abgerufen am 2. Oktober 2018.</ref><ref>Misstrauensvotum gegen Brandt: Stasi-Karten lüften das letzte Geheimnis. In: Spiegel Online. 22. Dezember 2005, abgerufen am 2. Oktober 2018.</ref> Unter anderem der Stasi-Forscher und ehemalige Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Hubertus Knabe versuchte, über die ab 2003 wissenschaftlich zugänglich gemachten Rosenholz-Dateien Rückschlüsse auf eine Bestechung Wagners beim Misstrauensvotum 1972 herzuleiten.<ref>Rolf Kleine, Einar Koch, Julia Topar: Geheime „Rosenholz“-Datei veröffentlicht: Stasi denunzierte Strauß als Massen-Mörder. In: Bild. 2. August 2006, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 15. November 2009.@1@2Vorlage:Toter Link/www.bild.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref><ref>Georg Herbstritt: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage: eine analytische Studie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-35021-8, S. 144.</ref> Die historische Forschung bestätigt, dass Wagner anlässlich des Misstrauensvotums 1972 von der Stasi mit 50.000 DM bestochen worden sei.<ref>Andreas Grau: Auf der Suche nach den fehlenden Stimmen 1972. Zu den Nachwirkungen des gescheiterten Misstrauensvotums. (PDF) 7. Mai 2010, abgerufen am 12. Juni 2017.</ref><ref name=":0">BStU: Der Deutsche Bundestag 1949 bis 1989 in den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Gutachten an den Deutschen Bundestag gemäß § 37 (3) des Stasi-Unterlagen-Gesetzes, Berlin 2013, S. 265ff. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF (Memento vom 8. November 2013 im Internet Archive)).</ref> Sicher sei das Abschöpfen Wagners durch die Stasi im Zeitraum 1976 bis 1983, wobei sich nicht abschließend feststellen lässt, ob dies seitens Wagners wissentlich oder unwissentlich geschehen sei.<ref name=":0" />

Der ehemalige MfS-Offizier Horst Kopp legte in seinen 2016 erschienenen Memoiren dar, dass er den Auftrag ausgeführt habe, Wagner zu bestechen<ref>Horst Kopp: Der Desinformant. Erinnerungen eines DDR-Geheimdienstlers. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2016.</ref>; die Hauptverwaltung A (HVA) sei über dessen permanente Geldnot unterrichtet gewesen. Den Kontakt habe der Journalist Georg Fleissman bereits 1969 hergestellt. Fleissman arbeitete als IM „Dürer“ seit 1966 für die HVA.<ref>Daniela Münkel, Kundschafter als Stimmenkäufer. Horst Kopp und das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt im April 1972. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Mai 2017, S. 8.</ref> Wagner war auch Mitglied des Bundestagskontaktausschusses zu den Bahr-Kohl-Gesprächen von 1970 bis 1973 in Vorbereitung des Grundlagenvertrages.

Auszeichnungen

Film

In dem Dokumentarfilm Die Geheimnisse des schönen Leo zeichnete der Enkel Leo Wagners und Absolvent der HFF München Benedikt Schwarzer<ref>Till Hofmann: Regisseur Benedikt Schwarzer: Der Enkel des „schönen Leo“. In: Augsburger Allgemeine. 16. Januar 2019, abgerufen am 17. Januar 2019.</ref> 2018 die Lebensgeschichte Leo Wagners nach; der Film wurde beim DOK.fest München uraufgeführt.<ref>Die Geheimnisse des schönen Leo auf dem DOK.fest München</ref>

Literatur

  • Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949–2002. Bd. 2: N–Z. Anhang. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 914.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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