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Rollsitz

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Datei:Riksidrottsmuseet vinnarbåten 1912b.jpg
Rollsitz und Stemmbrett im Englandachter, Olympische Sommerspiele 1912.

Der Rollsitz ist eine Komponente eines Sportruderbootes. Er dient zur Verlängerung des Ruderschlages und hat die Form einer ergonomisch an das Gesäß eines Ruderers angepassten Sitzfläche mit zwei Achsen und vier Rollen.

Funktionsweise und Aufbau

Datei:Berlin Technikmuseum Rollsitz.jpg
Hölzerner Rollsitz auf Rollschienen

Der Rollsitz wird auf zwei parallele Rollschienen im Ruderboot gelegt und von ihnen beim Rollen geführt. Der Ruderer sitzt auf dem beweglichen Rollsitz und kann durch die Nutzung seiner Beine den Ruderschlag verlängern. Die Füße sind dabei über das Stemmbrett am Boot fixiert. Durch den Einsatz der kräftigen Beinmuskulatur kann der Vortrieb erheblich vergrößert werden.<ref name="rkf" />

Die Sitzschale ist meist aus Holz, seltener aus Kunststoff<ref name="rkf" /><ref name="drv" /> oder Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen hergestellt. Auf der Sitzfläche sind häufig zwei Löcher für den Beckenknochen eingearbeitet.<ref name="drv" /> Wegen technischer Limitierungen der Länge von Rollschienen wurde das Fahrwerk lange mit einem sogenannten Schlitten ausgestattet, der den Rollweg um etwa 10 Zentimeter verlängerte. Unterdessen haben sich wartungsarme und robuste Kugellager-Konstruktionen durchgesetzt.<ref name="rkf" />

Die Rollschienen, auch Rollbahn genannt, sind zwei parallele Metallschienen, die den Rollsitz führen. Die Länge der Rollschienen liegt heute bei rund 75 bis 82 Zentimetern.<ref name="drv" /> Als Werkstoff wird häufig eine korrosionsbeständige Aluminiumlegierung genutzt. Bis in die 1960er-Jahre wurden kürzere Messing- oder Edelstahlschienen in Verbindung mit einem Schlitten-Rollsitz genutzt.

Die Spurweite der Schienen ist variabel und hängt insbesondere von der Bootsklasse ab. Nach Möglichkeit wird eine große Spurbreite genutzt, um das Anstoßen der Waden an die Schienenenden zu vermeiden. In Einern und Zweiern ist das aufgrund der schmalen Bauform nicht immer möglich.<ref name="drv" /> Die üblicherweise per Holzkeil unter den Schienen erzeugte geringe Steigung (ca. ein bis zwei Zentimeter Höhengewinn zum Bugende) unterstützt den Ruderer bei der korrekten Ausführung der Rudertechnik.<ref name="drv" />

Entwicklung

Rollsitz und Rollschienen wurden etwa ab 1857 in Amerika und England entwickelt.<ref name="rkf" /><ref>Geschichte des Bootsbaus | rudern.de. Abgerufen am 25. August 2025.</ref><ref name="rhi" /> Anfangs wurde viel mit Schmiermitteln an der Sporthose anstelle von Rollen experimentiert. Ab etwa 1883 setzte sich der Rollsitz, inzwischen technisch deutlich verfeinert, allgemein im Rudersport durch.<ref name="drv" />

Alternativen

Ein alternatives Konzept zur Verlängerung des Ruderschlages stellt der Rollausleger dar. Dabei sitzt der Ruderer auf einem fest am Ruderboot montierten Sitz, während der Ausleger rollbar gelagert ist. Vorteilhaft ist dabei, dass das Gewicht des Ruderers nicht so stark wie beim Rollsitzkonzept im Boot verlagert wird, und deshalb das Stampfen um die Querachse erheblich reduziert ist.<ref name="rkf" /><ref name="rhi" /> Bei Ruderregatten ist das Rollauslegerkonzept allerdings seit 1984 verboten, nachdem es bei den Ruder-Weltmeisterschaften in den Jahren zuvor dominiert hatte. Rollausleger spielen im Rudersport heute deshalb nur eine untergeordnete Rolle.

Literatur

  • Deutscher Ruderverband (Hrsg.): Handbuch für Ruderanlagen, Boote und Reparaturen. 3. Auflage. 2014, 1.6.2.1 Rollsitze und Rollbahn, S. 42–45.
  • Wolfgang Fritsch: Handbuch für den Rudersport. 4., überarbeitete Auflage. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2006, ISBN 3-89899-111-3, S. 47.

Weblinks

Wiktionary: Rollsitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="rkf"> Ruderklub Flensburg: Das Bootsmaterial, dessen Entwicklung und Technik: Der Rollsitz. Abgerufen am 18. April 2013. </ref> <ref name="drv"> Deutscher Ruderverband: Rollsitze und Rollbahn. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Dezember 2015; abgerufen am 27. November 2015. </ref> <ref name="rhi"> Equipment – Friends of Rowing History. Abgerufen am 25. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>