Calaverit
| Calaverit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Clv<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen | |
| Chemische Formel | AuTe2<ref name="IMA-Liste" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/C.04 II/D.16-040<ref name="Lapis" /> 2.EA.10 02.12.13.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | (monoklin), Aperiodischer Kristall |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | C2/m (Nr. 12)<ref name="SchutteDeBoer" /> |
| Gitterparameter | a = 7,182 bis 7,1947 Å; b = 4,402 bis 4,4146 Å; c = 5,056 bis 5,0703 Å β = 89,99 bis 90,038°<ref name="SchutteDeBoer" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="SchutteDeBoer" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5 bis 3 (VHN100 = 197 bis 213)<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 9,10 bis 9,40; berechnet: 9,31<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | fehlt<ref name="Lapis" /> |
| Bruch; Tenazität | uneben bis schwach muschelig<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | messinggelb bis silberweiß |
| Strichfarbe | grünlich bis gelblichgrau |
| Transparenz | undurchsichtig (opak) |
| Glanz | Metallglanz |
Calaverit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung AuTe2 und ist damit chemisch gesehen ein Gold(I)-tellurid aus der mit den Sulfiden verwandten Stoffgruppe der Telluride.
Calaverit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist blättrige oder kurzprismatische, längs gestreifte und flächenreiche Kristalle, kommt aber auch in Form körniger bis massiger Aggregate vor. Das Mineral ist stets undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der messinggelben bis silberweißen Kristalle einen metallischen Glanz. Seine Strichfarbe ist dagegen grünlich bis gelblichgrau.
Mit einer Mohshärte von 2,5 bis 3 liegt Calaverit an der Grenze zu den mittelharten Mineralen. Er lässt sich mit einem Fingernagel nicht mehr ritzen, jedoch leichter als das Referenzmineral Calcit (Härte 3) mit einer Kupfermünze.
Etymologie und Geschichte
Calaverit wurde zuerst in der Stanislaus Mine bei Carson Hill im Calaveras County (Kalifornien) in den Vereinigten Staaten gefunden. Die Erstbeschreibung erfolgte 1868 durch Friedrich August Genth, der die entsprechenden Mineralproben von I. Adelberg und Louis Beckers sowie Jas. B. Hodgkin und E. Balbach, Sen. erhielt. Genth fand neben dem neuen Mineral Calaverit, dass er nach dessen Typlokalität benannte, noch vollkommen reinen Altait und hoch goldhaltigen Hessit (Petzit).<ref name="Genth-309" />
Da der Calaverit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Calaverit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Calaverit lautet „Clv“.<ref name="Warr" />
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Calaverit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Kostovit, Krennerit, Montbrayit, Nagyágit und Sylvanit in der Gruppe „Gold-Silber-Telluride“ mit der Systemnummer II/C.04 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.16-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Calaverit zusammen mit Honeait, Kostovit, Krennerit und Sylvanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.16 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Calaverit dagegen in die Abteilung „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2; mit Cu, Ag, Au“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.EA.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Calaverit die System- und Mineralnummer 02.12.13.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ in der „Krenneritgruppe“, in der auch Krennerit, Sylvanit und Kostovit eingeordnet sind.
Chemismus
Die idealisierte, theoretische Zusammensetzung von Calaverit besteht aus 43,56 Gew.-% Gold (Au) und 56,44 Gew.-% Tellur (Te). Bei natürlichen Calaveritproben finden sich allerdings oft geringe Fremdbeimengungen von Silber. Genth selbst konnte bei seinen Analysen des Typmaterials aus der Stanislaus Mine einen Silbergehalt zwischen 3,08 und 3,52 % nachweisen.<ref name="Genth-314" /> Bei Mineralproben aus Cripple Creek (Colorado) in den USA fanden sich durchschnittlich 0,77 % und aus Kalgoorlie in Australien 0,60 % Silber.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristallstruktur
Nach der klassischen Mineralogie kristallisiert Calaverit im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 7,182 bis 7,1947 Å; b = 4,402 bis 4,4146 Å; c = 5,056 bis 5,0703 Å; β = 89,99 bis 90,038° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="SchutteDeBoer" /> Allerdings wurde 1931 entdeckt, dass sich seine Kristallflächen nicht mit ganzen Zahlen nach dem Gesetz der rationalen Indizes von René-Just Haüy (siehe auch Millersche Indizes) beschreiben lassen.
Calaverit gehört damit zu den Aperiodischen Kristallen.<ref name="MA-AperiodischeKristalle" />
Eigenschaften
Vor dem Lötrohr färbt Calaverit die Flamme blaugrün und es entwickelt sich weißer Rauch. Auf Kohle entsteht ein Goldkorn und im Glasrohr Sublimate aus schwarzem Tellur und gelblichweißer Telluriger Säure.<ref name="Klockmann" />
Bildung und Fundorte
Calaverit bildet sich hydrothermal in goldhaltigen Gängen. Als Begleitminerale können Altait, Coloradoit, Krennerit, Rickardit und weitere Telluride sowie Arsenopyrit, Pyrit, Sphalerit, Stibnit, Tennantit, Tetraedrit und andere Sulfide auftreten.
Als eher selten vorkommende Mineralbildung kann Calaverit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten weltweit bisher rund 400 Fundorte.<ref name="MindatAnzahl" /> Außer an seiner Typlokalität, der Stanislaus Mine bei Carson Hill, trat das Mineral in Kalifornien noch in den nahe gelegenen Gruben Melones und Morgan-Melones sowie in der French and Wood Mine bei Altaville im Calaveras County; in der Darling Mine bei Spanish Flat im El Dorado County und in der Golden Rule Mine bei Jamestown im Tuolumne County auf.
Bekannt aufgrund bedeutender Vorkommen von Calaverit zusammen mit Hessit ist zudem Cripple Creek. In der ebenfalls im Teller County von Colorado gelegenen Cresson Mine fanden sich zudem Calaveritkristalle von bis zu einem Zentimeter Durchmesser entdeckt.<ref name="Dörfler" />
Weitere bekannte Fundorte in den USA sind Juneau in Alaska, Bisbee in Arizona, sowie einige Fundpunkte in Georgia, Montana, Nevada, New Mexico, North Carolina, South Dakota, Utah, Washington und Wisconsin.
In Deutschland ist bisher kein Fundort für Calaverit dokumentiert.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Annastollen, eine ehemals reichhaltige Goldlagerstätte mit Uran-Anreicherungen in den Bergehalden, etwa 2,5 km nordöstlich vom Mitterberg in der Gemeinde Mühlbach am Hochkönig im Salzburger Land.<ref name="MA-Annastollen" />
Auch in der Schweiz kennt man Calaverit bisher nur aus einem Fundort und zwar von der Alpe Formazzolo (Formazzöö) mit goldhaltigen Quarzgängen nahe Cevio im Tessiner Valle Maggia.<ref name="MA-Formazzolo" />
Weitere Fundorte mit größeren Vorkommen liegen unter anderem in Australien, Chile, China, Finnland, Kanada und Russland.<ref name="Fundorte" />
Verwendung
Calaverit ist ein unbedeutendes Erz zur Gewinnung von Gold.
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Calaverit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Calaverite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Calaverite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Calaverite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Dörfler"> Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 42. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Calaverit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. Oktober 2024. </ref> <ref name="Genth-309"> </ref> <ref name="Genth-314"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2024. (PDF; 3,8 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2024, abgerufen am 26. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – C. (PDF 312 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 21. Oktober 2024 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="MA-AperiodischeKristalle"> aperiodische Kristalle. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 21. Oktober 2024. </ref> <ref name="MA-Annastollen"> Annastollen, Mitterberg, Mühlbach am Hochkönig, St. Johann im Pongau, Salzburg, Österreich. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 21. Oktober 2024. </ref> <ref name="MA-Formazzolo"> Alpe Formazzolo (Formazzöö), Cevio, Rovana, Vallemaggia, Tessin, Schweiz. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 21. Oktober 2024. </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Calaverite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="SchutteDeBoer"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Calaverite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 21. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>