Zum Inhalt springen

Welsartige

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 5. April 2026 um 16:19 Uhr durch imported>Haplochromis (Maxwell J. Bernt, Tobit L.D. Liyandja, Melanie L.J. Stiassny: Phylogenomics of the airbreathing catfishes (Siluriformes: Clariidae). Molecular Phylogenetics and Evolution, April 2026, doi: 10.1016/j.ympev.2026.108612).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Welsartige
Datei:Pylodictis olivaris.jpg

Flachkopfwels (Pylodictis olivaris)

Systematik
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überkohorte: Clupeocephala
Kohorte: Otomorpha
Unterkohorte: Ostariophysi
Otophysa
Ordnung: Welsartige
Wissenschaftlicher Name
Siluriformes
Rafinesque, 1820

Die Welsartigen (Siluriformes) sind eine Ordnung der Knochenfische, die mit etwa 4020 Arten in ca. 500 Gattungen<ref name="Schedel" /> und ca. 40 Familien weltweit hauptsächlich in Süßgewässern verbreitet ist. Einige wenige Arten aus den Familien der Kreuzwelse (Ariidae) und der Korallenwelse (Plotosidae) leben auch küstennah in den tropischen Meeren. Die einzige in Mitteleuropa heimische Art ist der zu den Echten Welsen gehörende Flusswels (Silurus glanis), auch Waller genannt, der bis zu drei Meter lang werden kann. Ähnlich groß wird der Mekong-Riesenwels (Pangasianodon gigas). Unter den Welsartigen gibt es Raubfische, Aufwuchsfresser, wie viele Harnischwelse (Loricariidae), Detrivoren, die sich von zersetzenden organischen Stoffen ernähren, und parasitisch lebende Arten wie der Candiru (Vandellia cirrhosa).

Ständig werden neue Arten entdeckt. Allein in den ersten sechs Jahren des 21. Jahrhunderts wurden 332 Arten, neun Gattungen und eine Familie neu beschrieben. Die Anzahl der bisher unbeschriebenen Arten wird auf bis zu 1750 geschätzt.<ref name="Sullivan" />

Es gibt gepanzerte und schuppenlose Arten. Auffälligstes Merkmal der Welsartigen sind die mehr oder weniger langen Barteln, die in unterschiedlicher Anzahl auftreten können.

Welse haben eine große Bedeutung für den Menschen. Größere Arten werden als Speisefische gefangen oder gezüchtet, viele kleinere Arten sind beliebte Aquarienfische.

Verbreitung

Datei:Plotosus lineatus 1.jpg
Der Gestreifte Korallenwels ist ein Bewohner der indopazifischen Korallenriffe

Die rezenten Welsartigen leben in Süß- und Küstengewässern aller Kontinente, mit Ausnahme der Antarktis.<ref name="Nelson" /> Im tropischen Südamerika, in Afrika und in Asien ist ihre Diversität am höchsten.<ref name="Tol">J. G. Lundberg, J. P. Friel: Siluriformes. Catfishes. The Tree of Life Web Project.</ref> Mehr als die Hälfte der Arten kommt aus Amerika. Die Welsartigen sind die einzigen Ostariophysi, die Süßwasserlebensräume in Madagaskar, Australien und Neuguinea besiedelt haben.<ref name="Bruton">Michael N. Bruton: Alternative life-history strategies of catfishes. In: Aquat. Living Resour. Band 9, 1996, S. 35–41, doi:10.1051/alr:1996040.</ref> Sie bewohnen Süßgewässer aller Art, hauptsächlich aber flache Fließgewässer.<ref name="Bruton" /> Unter den Fischen gehören die Welse zu den erfolgreichsten Höhlenkolonisatoren. Repräsentanten aus mindestens acht Familien sind Höhlenbewohner.<ref>Thomas G. Langecker, Glenn Longley: Morphological Adaptations of the Texas Blind Catfishes Trogloglanis pattersoni and Satan eurystomus (Siluriformes: Ictaluridae) to Their Underground Environment. In: Copeia. Band 1993, 1993, S. 976–986, doi:10.2307/1447075.</ref><ref>Dean A. Hendrickson, Jean K. Krejca, Juan Manuel Rodríguez Martinez: Mexican blindcats genus Prietella (Siluriformes: Ictaluridae): an overview of recent explorations. In: Environmental Biology of Fishes. Band 62, 2001, S. 315–337, doi:10.1023/A:1011808805094.</ref> Einige Arten der Bratpfannen- und Banjowelse (Aspredinidae) und der Stachelwelse (Bagridae) leben auch im Brackwasser, zahlreiche Arten der Kreuzwelse (Ariidae) und der Korallenwelse (Plotosidae) sogar vorwiegend im küstennahen Meer.<ref>N. Monks (Hrsg.): Brackish Water Fishes. TFH, 2006, ISBN 0-7938-0564-3.</ref><ref>F. Schäfer: Brackish Water Fishes. Aqualog, 2005, ISBN 3-936027-82-X.</ref>

Merkmale

Die Haut ist schuppenlos und bei manchen Arten gepanzert. Das Maul ist von Barteln umgeben, die als Geschmacks- und Tastorgane dienen. Es ist in der Regel unterständig, das heißt die Mundöffnung ist nach unten gerichtet; diese Form des Maules eignet sich ideal zur Nahrungsaufnahme vom Boden. Viele Welse besitzen Dornen, die sich unmittelbar vor den Brustflossen und der Rückenflosse befinden. Bei diesen Dornen handelt es sich um versteifte Flossenstrahlen. Sie dienen dazu, das Verschlucken des Fisches durch ein Raubtier zu erschweren, indem sie ausgefahren werden, um den Fisch so sperriger zu machen. Welse sind eng mit den Neuwelt-Messerfischen (Gymnotiformes) verwandt.

Die meisten Welse sind an eine benthische Lebensweise angepasst. Normalerweise sind sie wegen der reduzierten Schwimmblase und des großen Kopfes schwerer als Wasser. Welse haben eine Vielzahl an Körperformen, meistens einen zylindrischen Körper mit einem flachen Kopf, um das Fressen vom Bodengrund zu ermöglichen. Das Maul ist meist sehr groß. Beute wird eher im ganzen verschluckt als zerbissen. Einige Familien, vor allem die Harnischwelse (Loricariidae) und die Astroblepidae, haben jedoch ein Saugmaul, das es ihnen sowohl ermöglicht, Aufwuchsnahrung abzuraspeln, als auch, sich in schnell fließendem Wasser an Steinen oder Holz festzuhalten. Das Maul der Welse ist nicht, wie das vieler Karpfenfische, vorstreckbar. Bei vielen Arten betreiben die Männchen Brutpflege.<ref name="Bruton" />

Äußere Systematik

Die Welse sind eine monophyletische Gruppe. Dies wird durch molekulare Daten gestützt.<ref name="Sullivan" /> Sie gehören zusammen mit Karpfenartigen (Cypriniformes), Salmlern (Characiformes) und Neuwelt-Messerfischen (Gymnotiformes) zu einer Ostariophysi genannten Unterkohorte, deren wichtigstes Merkmal der Besitz eines Weberschen Apparates ist. Schwestergruppe der Welsartigen sind die Neuwelt-Messerfische.

Folgendes Kladogramm zeigt die systematische Stellung der Welsartigen:

 Otomorpha 
 Clupei 

Heringsartige (Clupeiformes)


   
 Alepocephali 

Alepocephaliformes


 Ostariophysi 
 Anotophysa 

Sandfischartige (Gonorynchiformes)


 Otophysa 
 Cypriniphysae 

Karpfenartige (Cypriniformes)


   
 Characiphysae 

Salmlerartige (Characiformes)


 Siluriphysae 

Neuwelt-Messerfische (Gymnotiformes)


   

Welsartige (Siluriformes)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

Innere Systematik

Zu den Welsartigen gehören etwa 40 Familien, ca. 500 Gattungen und etwa 4020 Arten.<ref name="Schedel" /> Welse stellen damit über zehn Prozent aller Fischarten. Im Folgenden wird ein Kladogramm sowie eine weitgehend nach diesem Kladogramm erstellte aktuelle Systematik vorgestellt:

Kladogramm nach Schedel et al., 2022<ref name="Schedel" /> Systematik nach Nelson, Grande & Wilson (2016)<ref name="Nelson" />
 Welsartige 
 Loricarioidei 

Schmerlenwelse (Trichomycteridae)


   

Nematogenyidae


   

Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae)


   

Stachlige Zwergwelse (Scoloplacidae)


   

Kletterwelse (Astroblepidae)


   

Harnischwelse (Loricariidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   
 Diplomystoidei 

Primitivwelse (Diplomystidae)


 Siluroidei 



Walwelse (Cetopsidae)


   

Ritidae


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Großmaulwelse (Chacidae)


   

Aal- und Korallenwelse (Plotosidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   



Bratpfannen- und Banjowelse (Aspredinidae)


   

Dornwelse (Doradidae)


   

Falsche Dornwelse (Auchenipteridae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Kiemensackwelse (Clariidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   
 Big Asia 



Horabagridae


   

Asiatische Glaswelse (Ailiidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Stachelwelse (Bagridae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Gebirgswelse (Sisoridae)


   

Schlankwelse (Amblycipitidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   



Großmaul-Antennenwelse (Pseudopimelodidae)


   

Antennenwelse (Pimelodidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Echte Welse (Siluridae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   


Kreuzwelse (Ariidae)


   


Austroglanididae


   

Haiwelse (Pangasiidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Panzerkopfwelse (Cranoglanididae)


   

Katzenwelse (Ictaluridae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

 Big Africa 

Quappenwelse (Amphiliidae)


   



Elektrische Welse (Malapteruridae)


   

Afrikanische Glaswelse (Schilbeidae)


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Auchenoglanididae


   

Claroteidae


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

   

Mochokidae


<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

<templatestyles src="Turnierplan/styles.css" />

In diesem Kladogramm fehlen sechs Familien und die Gattung Conorhynchos, die bisher keiner Familie zugeordnet wurde. Conorhynchos gehört zusammen mit den Heptapteridae und den Phreatobiidae in die Verwandtschaft der Antennenwelse (Überfamilie Pimelodoidea). Die Familie Anchariidae ist nah mit den Kreuzwelsen verwandt, die Flusswelse (Akysidae) und die Erethistidae sind Verwandte der Gebirgswelse (Überfamilie Sisoroidea) und die Lacantuniidae gehören zur Big Africa-Klade, obwohl Lacantunia enigmatica, die einzige Art der Familie, in Mittelamerika vorkommt.

Datei:Corydoras sterbai 02.jpg
Sterbas Panzerwels (Corydoras sterbai)

Aquarienhaltung

Kleine, tropische Welsarten sind wegen ihres interessanten Aussehens beliebte Zierfische in Süßwasseraquarien. Besonders bedeutsam in der Aquaristik sind die südamerikanischen Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae), die Harnischwelse (Loricariidae), die Fiederbartwelse (Mochokidae) sowie einzelne Arten aus der Familie der Kreuzwelse (Ariidae), der Antennenwelse (Pimelodidae) und der Bratpfannenwelse (Aspredinidae).

Literatur

  • Günther Sterba: Süsswasserfische der Welt. 2. Auflage. Urania, Leipzig / Jena / Berlin 1990, ISBN 3-332-00109-4.
  • Hans-Georg Evers, Ingo Seidel: Wels Atlas 1. Mergus-Verlag, Melle 2005, ISBN 3-88244-063-5.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Nelson">Joseph S. Nelson, Terry C. Grande, Mark V. H. Wilson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2016, ISBN 978-1-118-34233-6.</ref> <ref name="Schedel">Frederic D.B. Schedel, Albert Chakona, Brian L. Sidlauskas, Michael O. Popoola, Nadine Usimesa Wingi, Dirk Neumann, Emmanuel J.W.M.N. Vreven, Ulrich K. Schliewen: New phylogenetic insights into the African catfish families Mochokidae and Austroglanididae. Journal of Fish Biology, Februar 2022. doi: 10.1111/jfb.15014</ref>

<ref name="Sullivan">J. P. Sullivan, J. G. Lundberg, M. Hardman: A phylogenetic analysis of the major groups of catfishes (Teleostei: Siluriformes) using rag1 and rag2 nuclear gene sequences. In: Mol Phylogenet Evol. Band 41, Nr. 3, 2006, S. 636–662, doi:10.1016/j.ympev.2006.05.044.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Welsartige – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien