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Katar (Dolch)

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Katar (Dolch)
Datei:Dagger (Katar) and Sheath MET DP158187.jpg
Angaben
Waffenart: Dolch
Bezeichnungen: Katar, Khuttar, und weitere, siehe Benennungen.
Verwendung: Handwaffe, Jagdwaffe
Entstehungszeit: ca. 15. Jh.
Einsatzzeit: ca. 15.–19. Jh.
Ursprungsregion/
Urheber:
Indien
Verbreitung: Indien, Marathen und weitere Ethnien, Kshatriya sowie Soldaten
Klingenlänge: je nach Typ etwa 20 bis 40 cm
Griffstück: Metall
Listen zum Thema
Datei:Racinet1.jpg
Auguste Racinet: Übersicht der typischen Handwaffen von indischen Kriegern

Der Katar (Hindi: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); etliche weitere Begriffe siehe Benennungen) ist ein indischer Faustdolch. Die Grundform des Katars hat eine Klinge in Ochsenzungenform (deltaförmig). Das Wort Katar bedeutet in etwa „Stoßdolch“, was sich in Bezeichnungen wie englisch push-dagger oder punch-dagger wieder findet. Die Waffenart war in Indien und Pakistan verbreitet.

Aussehen

S. W. Fallons New Hindustan-English Dictionary<ref>S. W. Fallon: A new Hindustani-English dictionary, with illustrations from Hindustani literature and folk-lore. Printed at the Medical Hall Press. Trubner and Co., Banaras, London 1879. (Online-Version in Überarbeitung), bei der Universität Chicago. Einsehbare Fundstelle Seite 911 in der Online-Ausgabe.</ref> beschreibt den Katar wie folgt:

Urdu katar, defined as a dagger having a broad straight blade, the hilt of which comes up on either side of the wrist, while it is grasped by a crossbar in the centre.“

Urdu katar bezeichnet einen Dolch mit breiter gerader Klinge, dessen Griffstück beidseitig des Handgelenks nach oben verläuft und in der Mitte an einem Querstück gegriffen wird.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />S. W. Fallon: A New Hindustan-English Dictionary<ref name="fallon" /><ref name="hgibb" />

Der Katar-Dolch hat eine prägnante Grundform. An der Klinge befindet sich ein Griffstück, das in der Regel zwei runde Querstücke hat, die zwischen zwei Längstreben angebracht sind und mit der Klingenverbindung eine Art Griffkasten bilden. Durch das Griffstück wird die Klinge zur Verlängerung des Unterarms, den die Streben gleichzeitig schützen. Die Klinge ist keilförmig und geschwungen, in Ochsenzungenform mit beidseitigen Schneiden und gewöhnlich in der Mitte verdickt.<ref name="apte" /> Mit der Spitze konnten Ringe einer Kettenrüstung durchstoßen und gebrochen werden. Die Klingenlängen liegen meist zwischen 20 cm und 45 cm.<ref>Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783958011359 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref> Neben einfachen Ausführungen für Soldaten wurden Katare auch als Kunstgegenstände mit aufwendigen Gravuren, mit Gold- oder Silbereinlagen, mit Edelsteinbesatz sowie mit farbigen Emailarbeiten hergestellt und auf Ausstellungen präsentiert.<ref name="delex" />

Varianten

Unterarten des Katar haben teils ungewöhnliche Klingenformen und sind zum Teil als Kombinationswaffen ausgelegt. Liste von Typen des Katar Die Stichwaffe Pata (englisch gauntlet-sword) zeigt konstruktive Ähnlichkeiten zu Kapuzenkataren mit Schwertklingen.<ref name=":0" /> Der Jamadãda in Maratha hat eine dicke Klinge mit gerader Schneide und kann bis 42 cm lang sein.<ref name="apte" /><ref name="raci" />

Benennung

Tamilische Worte wie kaṭṭāri (கட்டாரி) oder kuttuvāḷ (குத்துவாள்) bedeuten in etwa „Stoßklinge“ und werden als Ursprung der Bezeichnung „Katar“ angenommen. Neben dem Urdu-Wort katar (auch als Qattāra, Coutar, Katyãra, Kaṭṭāri, Katah, Koutah, Kutah, Khuttar, Kutar geschrieben) haben sich andere Bezeichnungen als Sammelbegriff eingebürgert: Bundi Dolch, Jamadhar, Jemdhar, Yakopu oder Zungendolch. Die Benennungen gehen teilweise auf sanskritbasierte Namen zurück, die bei der Erfassung von Museumsbeständen in jeweilige Landessprachen übersetzt wurden. Im englischsprachigen Raum sind beschreibende Benennungen üblich. Wootz-katar bezeichnet keinen Typen, sondern das Material der Klinge (Wootz-Stahl).

Geschichte

Ob es sich bei dem im Rigveda erwähnten Yamadamṣṭra um einen Katar handelt, scheint unklar. Das Wort wird als „Todeszahn“ übersetzt, allerdings wird diese Übersetzung von Printz bezweifelt.<ref>Wilhelm Printz: Bhāṣā-Wörter in Nīlakaṇṭha's Bhāratabhāvadīpa und in anderen Sanskrit-Kommentaren. In: Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der Indogermanischen Sprachen. Band 44/1-2, 1911, S. 76 (JSTOR).</ref> Apte und Racinet führen die Katyãra-Waffen unter den typischen Handwaffen der Marathen auf.

Die früheste bekannte Erwähnung als „qattāra“ stammt aus dem Reisebericht (1325–1354) von Ibn Battūta. Er beschreibt, wie der Äthiopier Badr, Sklave von Qatam, dem Sultan von Janbĩl und Statthalter von 'Alãbũr, bei einem Überfall von einem Dorfbewohner mit einem Katar getötet wird.<ref name="hgibb" /> Diese Waffe sei ein Eisenstück, das einer Pflugschar ähnele, in die ein Mann seine Hand einführe, womit sein Unterarm bedeckt sei, mit einer zwei cubits langen Spitze (ca. 1 m). Ein Schlag mit dieser Waffe sei tödlich.<ref>C. Defremery, B. R. Sanguinetti: The Travels of Ibn Battuta, AD 1325-1354. Translated with revisions and notes from the Arabic text. Englische Übersetzung von H. A. R. Gibb, C. F. Beckingham. Hakluyt Society, London 1994, S. 786. Archive.org, almasalik.com</ref> Diese Beschreibung passt jedoch besser auf eine Pata, soweit der dreifachen Übersetzung überhaupt zu trauen ist.

Verwendung

Datei:Srirangam1362010 053.jpg
Nutzung eines Katar bei der Tigerjagd. Relief im Sri-Ranganathaswamy-Tempel

Die Verwendung des Katar im Nahkampf wird gelegentlich in Skulpturen indischer Tempelanlagen gezeigt. Vor dem Beginn der britischen Vorherrschaft in Indien nach dem Dritten Marathenkrieg wurde der Katar in Maratha gewöhnlich im Nahkampf eingesetzt.<ref name="apte" /> In der Mogul-Armee führten einige Adeligen einen Katar, ein Dolch (jamdhar oder khanj) war aber weitaus geläufiger.<ref>S. P. Verma: Material Culture as discerned from Mughal Paintings. In: Proceedings of the Indian History Congress. Band 37, 1976, S. 566.</ref> Später wurden teils prunkvoll geschmückte Exemplare als Statussymbol oder im Nahkampf genutzt. Übungen mit dem Katar blieben ein Bestandteil im Waffentraining der indischen Kampfkunst Kalarippayat. Eine besondere Rolle spielt der Katar bei Hochzeitszeremonien der Devadasi. Dabei wird von älteren Frauen ein Katar („kaṭṭāri“) aus einem Tempel geholt, zum Haus der Braut gebracht und dort gesegnet. Anschließend erhält die Braut den Katar, worauf die Hochzeitszeremonie folgt.<ref name="sasker" />

Der Kaṭār wird in Devgarh als Bestandteil von Jagdausrüstungen des frühen 19. Jahrhunderts genannt, zusammen mit Schwert, Säbel (tulwar) und Messer (chura); die Scheide enthielt ein Fach für Opium.<ref>Milo Cleveland Beach, Rawat Nahar Singh II.: Rajasthani Painters; Bagta and Chokha: Master Artists at Devgarh. In: Artibus Asiae. Supplementum Band 46, 2005 (Rajasthani Painters), ISBN 3-907077-17-2, S. 125.</ref> Ein Gemälde von ca. 1760 aus Rajasthan zeigt Maharadscha Kumar Isri Singh, der ein Krokodil mit einem Katar tötet.<ref>metmuseum.org</ref> In einer Illustration des Mahabharata aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird ein Tiger mit beidhändig geführten Kataren erlegt.<ref>Auf einer Miniatur aus Paithan bei Aurangabad in Maharashtra. https://www.metmuseum.org/art/collection/search/37934?exhibitionId=%7B880A3C1A-7292-4BA0-B8B8-189CC938CDF5%7D&oid=37934&pkgids=300&pg=2&rpp=20&pos=33&ft=*</ref> Auf Schnitzereien in dem Tempel Devi-Kothi<ref>Eberhard Fischer, Vishwa Chander Ohri, Vijay Sharma: The Temple of Devi-Kothi: Wall Paintings and wooden Reliefs in a Himalayan Shrine of the Great Goddess in the Churah Region of the Chamba District, Himachal Pradesh, India. In: Artibus Asiae. Supplementum 43, 2003, S. 55.</ref> wird ein Katar bei der Löwenjagd eingesetzt.

Auch Dämonen sind manchmal mit Kataren bewaffnet, können damit aber gegen göttliche Wesen nichts ausrichten.<ref>Eberhard Fischer, Vishwa Chander Ohri, Vijay Sharma: The Temple of Devi-Kothi: Wall Paintings and wooden Reliefs in a Himalayan Shrine of the Great Goddess in the Churah Region of the Chamba District, Himachal Pradesh, India. In: Artibus Asiae. Supplementum 43, 2003, S. 100.</ref>

Scheiden

Aus dem 17. Jahrhundert sind metallverzierte hölzerne Scheiden bekannt, entsprechende Exemplare im Mogul- oder Dekkan-Stil befinden sich etwa in der Al-Sabah Sammlung im Kuwaitischen Nationalmuseum.<ref>jstor.org</ref> Ein Moguldolch des 17. Jahrhunderts im Metropolitan Museum of Art hat eine Scheide aus vergoldetem Leder.<ref>Inventarnummer 36.25.973a, b. https://www.metmuseum.org/art/collection/search/24306</ref> Hölzerne Scheiden waren unter anderem im 18. Jahrhundert in Gebrauch, wie ein samtüberzogenes Exemplar aus dem British Museum belegt.<ref>britishmuseum.org</ref>

Museen und Sammlungen

Als Kunst- und Sammlungsgegenstände wurden Katare in den Industrienationen geschätzt, was Ende des 19. Jahrhunderts internationale Ausstellungen in Kalkutta und Delhi zeigten.<ref name="delex" /> Die Weltausstellung Calcutta International Exhibition (1883) und die Indian art at Delhi (1903) präsentierten Katare als Kunstobjekte und zum Verkauf.<ref name="delex" /> Das Nationalmuseum Neu-Delhi zeigte vom 19. Oktober 2017 bis zum 5. November die Ausstellung „Decorated Arms & Armours“, in der auch Katare ausgestellt wurden.<ref name="nanede" /> Diese waren auch in der Ausstellung „The Royal Hunt: Courtly Pursuits in Indian Art“ des Metropolitan Museum of Art vom 20. Juni–8. Dezember 2015 vertreten.<ref>Rachel Parikh: Decorous and Deadly: Weapons of the Royal Hunt in India , 10. September 2015 bei metmuseum.org</ref> Das Metropolitan Museum of Art in New York, das Nationalmuseum Neu-Delhi, die Royal Armouries und das Kuwaitische Nationalmuseum besitzen umfangreiche Bestände von Kataren.

Rezeption

Katare in Grund- und Schmuckformen sind in der Literatur und anderen Medien relativ bekannt. Darüber hinaus werden Katare unterschiedlicher Formen in etlichen Filmen, Videospielen, Mangas und Massively Multiplayer Online Role-Playing Games dargestellt.

Literatur

  • Abū al-Faz̤l ibn Mubārak: „The Ā-īn-i Akbarī“. Erstausgabe 1927, Reprint 1989, 1994, 1997 Auflage. D.K. Fine Art Press Ltd., Delhi 1997, ISBN 81-86142-24-X (The Ā-īn-i Akbarī – Internet Archive).
  • B.-U. Abels: Ein Beitrag zur Entwicklung des indischen Stoßdolches, genannt Katar oder Jamdhar. In: Zeitschrift für Waffen- und Kleidungsgeschichte. Heft 2 Auflage. 2012, S. 145–158.
  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3826202120 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783958011359 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/0486422291 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Swarajya Prakash Gupta: Masterpieces from the National Museum Collection. Hrsg.: National Museum. New Delhi 1985.
  • E. Jaiwant Paul: Arms and Armour. Traditional weapons of India, India crest. Lustre Press, Roli Books, New Delhi 2005, ISBN 81-7436-340-8.
  • Gayatri Nath Pant: Studies in Indian Weapons and Warfare. Hrsg.: Army Educational Stores. 1970 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/0486407268 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Anthony C. Tirri: Islamic weapons. Maghrib to Moghul. Indigo, London 2004, ISBN 0-9747192-7-7.

Weblinks

Commons: Katar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name=":0"> E. Jaiwant Paul: Arms and Armour: Traditional Weapons of India. Roli Books, 2005, ISBN 81-7436-340-8, S. 65–66. </ref> <ref name="nanede"> Ausstellung im Nationalmuseum Neu-Delhi, Indien: Exhibition “Decorated Arms & Armours” from National Museum Reserve Collection Begins. delhiNCRnews, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 31. März 2021. </ref> <ref name="apte"> </ref> <ref name="fallon"> S. W. Fallon: A New Hindustan-English Dictionary with illustrations from Hindustani literature and folklore. Banaras, London, Printed at the Medical Hall Press, Trubner and Co. 1879, S. 645 (Die Seitenangabe bezieht sich auf die in 2 Bänden gedruckte Ausgabe von 1879). </ref> <ref name="hgibb"> H. A. R. Gibb: The Travels Of Ibn Battuta 1325– 1354. Band IV. University Press, Cambridge 1958, S. 787 (Online – Internet Archive). </ref> <ref name="raci"> Auguste Racinet: Le costume historique. 6 Bände. Firmin-Didot, Paris 1888 (Digitalisate: Bd. 1http://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3Dlecostumehistori01raci~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DBd.%201~PUR%3D, Bd. 2http://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3Dlecostumehistori02raci~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DBd.%202~PUR%3D, Bd. 3http://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3Dlecostumehistori03raci~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DBd.%203~PUR%3D, Bd. 4http://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3Dlecostumehistori04raci~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DBd.%204~PUR%3D, Bd. 5http://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3Dlecostumehistori05raci~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DBd.%205~PUR%3D, Bd. 6http://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3Dlecostumehistori06raci~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DBd.%206~PUR%3D). </ref> <ref name="delex"> George Watt (1851–1930): Indian art at Delhi, 1903. being the official catalogue of the Delhi exhibition, 1902-1903. Government Printing, Delhi 1903, S. 482–483 (Online – Internet Archive). </ref> <ref name="sasker"> Saskia C. Kersenboom-Story: Nityasumaṅgal-i. Devadasi tradition in south India. Motilal Banarsidas, Delhi 1987, ISBN 81-208-0330-2, S. 181 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> </references>